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(1.1.2019) 05
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p- Wichtigkeit dieses Studienganges her­vor. Als Vertreter des MBJS verdeutlichte Karl Vogel, daß die Sprache das Wichtig­ste bei der Erhaltung von ethnischen Min­derheiten sei. Er selbst habe als Nachfah­re der Romani und Sorben diese Erfah­rung gemacht. Madlena Norberg betonte in ihrer sorbischen Begrüßungsansprache, daß Nationalitätenpolitik mit dem Schulwe­sen beginne und mit dieser Lehrerwei­_ terbildung das erste Mal in der Geschich­e die Ausbildung sorbischer Lehrer in ei­am regulären Studium in Brandenburg in­stitutionalisiert wird. Madlena Norberg verwies darauf, daß während der Weiter­ildung die niedersorbische Sprache im Mittelpunkt stehe, da die Lehrer später an ren Schulen diese unterrichten werden. An der Eröffnung beteiligten sich des wei­‚ren Vertreter der Stiftung für das sorbi­sche Volk und Repräsentanten niedersor­ischer Institutionen. M.N.

Initiatoren des Erweiterungsstudiums Sorbisch/Wendisch: Karl Vogel, MBJS, Uni-Rektor Prof. Dr. Wolf­gang Loschelder, Karl Fischer, MBJS, und Prof. Dr. Peter Kosta, Institut für Slavistik. Foto: Norberg

JAPANISCHE STUNDEN FÜR POTSDAMER SCHÜLER

Durch den internationalen Leistungsver­cleich TIMSS(Third International Mathe­matics and Science Study) sind die Leh­rer hellhörig geworden, so daß jetzt ein guter Zeitpunkt ist, neue Ideen in den Un­terricht zu bringen, meint Prof. Dr. Tho­mas Jahnke vom Institut für Mathematik der Universität Potsdam. Das schlechte internationale Abschneiden der deut­schen Schüler in Mathematik und Physik rüttelte das Land der Dichter und Denker aus der angenehmen Vorstellung auf, daß sein Bildungssystem vorbildlich sei.

Genau wie ihre amerikanischen Altersge­ossen sind die meisten deutschen Schüle­innen und Schüler weit entfernt davon, nathematische Konzepte zu verstehen, ge­chweige denn selbst zu entwickeln. Mit

einem Punktwert von 450 Punkten liegen sie

sogar noch unter dem internationalen

Durchschnitt. Das sogenannte Mathemati­

sche Denken beginnt jedoch erst ab einem

Schwierigkeitsgrad von 650 Punkten, einer Leistung, die zum Beispiel die meisten ja­

panischen Schüler schaffen.

Die Videostudie des amerikanischen Wis­

senschaftlers Prof. James Stigler, der 100 Unterrichtsstunden von achten Klassen in

Deutschland, 64 in den USA und 50 in Japan

aufzeichnete, zeigt jedoch auch deutliche Unterschiede in Aufbau und Art des Unter­richts. Während dieser Studie zufolge in Deutschland und in den USA mehr als 90 Prozent der Unterrichtszeit auf das Üben von Routineaufgaben verwandt wird, bringen die japanischen Schüler nur

und die zum Nachdenken anregen.Der Lehrer sorgt nur dafür, daß die Schüler das Problem auch richtig verstanden haben und hält sich dann eher zurück, betont Jahnke. Nach einer Schülerarbeitsphase von 20 bis 30 Minuten werden die ver­

gut 40 Prozent ihrer Stun­den damit zu. Genauso

Abbildung 11: Aufgabenstellungen in Schülerarbeitsphasen nach Aufgabentyp (in Prozent der Schülerarbeitszeit)

lange widmen sie sich al- 190

ein oder in kleinen Grup­pen echten Problemen und Denkaufgaben. Dazu regt sie der Lehrer an, in­dem er am Anfang der Stunde ein interessantes Problem stellt, ohne einen Lösungsweg vorzugeben. 0

80{­

60

40

20

Schülerarbeitszeit in Prozent

Deutschland

Übung von Routineprozeduren

[]) Anwendung von mathematischen| Konzepten und Sachverhalten

DO) Problemiöse- und Denkaufgaben

Japan USA

Die Schüler kommen So auf ganz unterschiedliche Lösungen, die sie am Ende der Stunde diskutieren. In Deutsch­land dagegen führe ein Lehrer meistens die Schüler in kleinen Schritten hin zu einer ein­zigen Lösung, erklärt Jahnke.

Um auch hierzulande einmalJapanische Stunden anzuregen, hat Jahnke zusam­men mit seinen Mitarbeitern ein Problem­buch zur Prozentrechnung für die siebte Klasse des Potsdamer Hermann-von­Helmholtz-Gymnasiums ge­

‚9. Kann das sein?

zent) zu.

EN__Hotispiege! SA

Aus dem DAK-Magazin:Rund 44 Prozent klagen über Schlafstörungen. Überdurch­schnittlich häufig trifft das auf Frauen und Menschen ab Fünfzig(jeweils rund 51 Pro­

Um dem Problem der Prozentrechnung auf die Spur zu kommen, verwendet Thomas Jahnke oft Zeitungsausschnitte. Abb.:zg.

schrieben.Prozentrechnung ist ein Routinestoff. Ich wollte zeigen, daß auch dieses Ge­biet, das viele für nicht sehr aufregend halten, spannend bearbeitet werden kann. Tat­sächlich enthält das Problem­buch Fragen aus dem Alltag, die mancher Erwachsene falsch beantworten würde

Aufgabenstellungen in Schülerarbeitsphasen nach Aufgabentyp

Graphik: zg.

schiedenen Lösungen zusammengetra­gen und besprochen. Dafür müsse der Lehrer die Landschaft um das Problem, also alle möglichen Lösungswege, gut kennen. Die Schüler sollen ihre Lösungen so aufschreiben, daß sie auch jemand ver­stehen kann, der sich nicht damit beschäf­tigt hat, lautet die Vorgabe. Nachdem das Problemlösebuch zur Prozentrechnung auf große Begeisterung bei Lehrern und Schü­lern gestoßen ist, haben Jahnke und seine Mitarbeiter nun auch ein Problemheft zur Geometrie geschrieben. Das nächste Pro­jekt ist eine neue Videoaufzeichnung von Japanischen Stunden in einer Klasse 11. Damit möchte Jahnke in der Lehrerfort­bildung zeigen, daß es auch in Deutsch­land möglich ist, durch anspruchsvolle Problemstellungen einen schüleraktiven Unterricht zu gestalten. ar

PUTZ 5/98

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