p- Wichtigkeit dieses Studienganges hervor. Als Vertreter des MBJS verdeutlichte Karl Vogel, daß die Sprache das Wichtigste bei der Erhaltung von ethnischen Minderheiten sei. Er selbst habe als Nachfahre der Romani und Sorben diese Erfahrung gemacht. Madlena Norberg betonte in ihrer sorbischen Begrüßungsansprache, daß Nationalitätenpolitik mit dem Schulwesen beginne und mit dieser Lehrerwei_ terbildung das erste Mal in der Geschiche die Ausbildung sorbischer Lehrer in eiam regulären Studium in Brandenburg institutionalisiert wird. Madlena Norberg verwies darauf, daß während der Weiter„ildung die niedersorbische Sprache im Mittelpunkt stehe, da die Lehrer später an ren Schulen diese unterrichten werden. An der Eröffnung beteiligten sich des wei‚ren Vertreter der Stiftung für das sorbische Volk und Repräsentanten niedersorischer Institutionen. M.N.
Initiatoren des Erweiterungsstudiums Sorbisch/Wendisch: Karl Vogel, MBJS, Uni-Rektor Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, Karl Fischer, MBJS, und Prof. Dr. Peter Kosta, Institut für Slavistik. Foto: Norberg
JAPANISCHE STUNDEN FÜR POTSDAMER SCHÜLER
„Durch den internationalen Leistungsvercleich TIMSS(Third International Mathematics and Science Study) sind die Lehrer hellhörig geworden, so daß jetzt ein guter Zeitpunkt ist, neue Ideen in den Unterricht zu bringen“, meint Prof. Dr. Thomas Jahnke vom Institut für Mathematik der Universität Potsdam. Das schlechte internationale Abschneiden der deutschen Schüler in Mathematik und Physik rüttelte das Land der Dichter und Denker aus der angenehmen Vorstellung auf, daß sein Bildungssystem vorbildlich sei.
Genau wie ihre amerikanischen Altersgeossen sind die meisten deutschen Schüleinnen und Schüler weit entfernt davon, nathematische Konzepte zu verstehen, gechweige denn selbst zu entwickeln. Mit
einem Punktwert von 450 Punkten liegen sie
sogar noch unter dem internationalen
Durchschnitt. Das sogenannte Mathemati
sche Denken beginnt jedoch erst ab einem
Schwierigkeitsgrad von 650 Punkten, einer Leistung, die zum Beispiel die meisten ja
panischen Schüler schaffen.
Die Videostudie des amerikanischen Wis
senschaftlers Prof. James Stigler, der 100 Unterrichtsstunden von achten Klassen in
Deutschland, 64 in den USA und 50 in Japan
aufzeichnete, zeigt jedoch auch deutliche Unterschiede in Aufbau und Art des Unterrichts. Während dieser Studie zufolge in Deutschland und in den USA mehr als 90 Prozent der Unterrichtszeit auf das Üben von Routineaufgaben verwandt wird, bringen die japanischen Schüler nur
und die zum Nachdenken anregen.„Der Lehrer sorgt nur dafür, daß die Schüler das Problem auch richtig verstanden haben und hält sich dann eher zurück“, betont Jahnke. Nach einer Schülerarbeitsphase von 20 bis 30 Minuten werden die ver
gut 40 Prozent ihrer Stunden damit zu. Genauso
Abbildung 11: Aufgabenstellungen in Schülerarbeitsphasen nach Aufgabentyp (in Prozent der Schülerarbeitszeit)
lange widmen sie sich al- 190
ein oder in kleinen Gruppen echten Problemen und Denkaufgaben. Dazu regt sie der Lehrer an, indem er am Anfang der Stunde ein interessantes Problem stellt, ohne einen Lösungsweg vorzugeben. 0
80{
60
40
20
Schülerarbeitszeit in Prozent
Deutschland
Übung von Routineprozeduren
[]) Anwendung von mathematischen| Konzepten und Sachverhalten
DO) Problemiöse- und Denkaufgaben
Japan USA
Die Schüler kommen So auf ganz unterschiedliche Lösungen, die sie am Ende der Stunde diskutieren. In Deutschland dagegen führe ein Lehrer meistens die Schüler in kleinen Schritten hin zu einer einzigen Lösung, erklärt Jahnke.
Um auch hierzulande einmal„Japanische Stunden“ anzuregen, hat Jahnke zusammen mit seinen Mitarbeitern ein Problembuch zur Prozentrechnung für die siebte Klasse des Potsdamer Hermann-vonHelmholtz-Gymnasiums ge
‚9. Kann das sein?
zent) zu.“
EN__Hotispiege! SA
Aus dem DAK-Magazin:„Rund 44 Prozent klagen über Schlafstörungen. Überdurchschnittlich häufig trifft das auf Frauen und Menschen ab Fünfzig(jeweils rund 51 Pro
Um dem Problem der Prozentrechnung auf die Spur zu kommen, verwendet Thomas Jahnke oft Zeitungsausschnitte. Abb.:zg.
schrieben.„Prozentrechnung ist ein Routinestoff. Ich wollte zeigen, daß auch dieses Gebiet, das viele für nicht sehr aufregend halten, spannend bearbeitet werden kann.“ Tatsächlich enthält das Problembuch Fragen aus dem Alltag, die mancher Erwachsene falsch beantworten würde
Aufgabenstellungen in Schülerarbeitsphasen nach Aufgabentyp
Graphik: zg.
schiedenen Lösungen zusammengetragen und besprochen. Dafür müsse der Lehrer die Landschaft um das Problem, also alle möglichen Lösungswege, gut kennen. Die Schüler sollen ihre Lösungen so aufschreiben, daß sie auch jemand verstehen kann, der sich nicht damit beschäftigt hat, lautet die Vorgabe. Nachdem das Problemlösebuch zur Prozentrechnung auf große Begeisterung bei Lehrern und Schülern gestoßen ist, haben Jahnke und seine Mitarbeiter nun auch ein Problemheft zur Geometrie geschrieben. Das nächste Projekt ist eine neue Videoaufzeichnung von „Japanischen Stunden“ in einer Klasse 11. Damit möchte Jahnke in der Lehrerfortbildung zeigen, daß es auch in Deutschland möglich ist, durch anspruchsvolle Problemstellungen einen schüleraktiven Unterricht zu gestalten. ar
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