STIFTUNG WARENTEST: STUDIENFÜHRER CHEMIE UND WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN
Uni Potsdam bei Biochemiestudenten auf Platz vier
Als„Spiegel“,„Focus“ und„Stern“ in den letzten Jahren erstmals sogenannte UniRankings als Titelthema brachten, wurde auch einer breiten Öffentlichkeit klar, daß es enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Hochschulen gibt. Obwohl solche„Hitlisten“ zuweilen mit oberflächlichen Methoden erstellt werden, ist doch das Ziel gerechtfertigt: Schülern, Eltern, Studierenden und Arbeitgebern einen Überblick über die Studienqualität an den etwa 8.000 Hochschulen und Fachhochschulen in Deutschland zu verschaffen. Für die Fachrichtungen Chemie und Wirtschaftswissenschaften hat nun die Stiftung Warentest einen ausführlichen Studienführer herausgebracht, der sich durch eine differenzierte, transparente Darstellung von allzu simplen Hitlisten unterscheidet.
Der Fragebogen, der an 44.000 Studenten und 4.000 Professoren ging, wurde unter Beteiligung des Centrums für Hochschulentwicklung(CHE), Gütersloh entworfen. So wurden die Hochschullehrer gefragt, wie sie die Rahmenbedingungen für Forschung und Lehre an ihrer Hochschule einschätzen und wohin sie ihre eigenen Kinder zum Studieren schicken würden(die eigene Hochschule war dabei ausgeschlossen). Die Studierenden konnten das Studienangebot und die Ausstattung ihrer Hochschule bewerten und ihre allgemeine Zufriedenheit mit ihrer Studiensituation angeben. Darüber hinaus stützt sich der Vergleich auf Fakten und statistische Werte wie die durchschnittliche Studiendauer, die Abschlußnoten, die PC-Ausstattung und die Öffnungszeiten der Bibliotheken. Die Forschungsaktivitäten wurden anhand der Publikationen, des Zitationsindexes und der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft(DFG) bewilligten Drittmittel bewertet.
Die Universität Potsdam erhält vor allem von ihren Biochemiestudenten gute Noten. Bei der Frage nach der Zufriedenheit liegt sie bundesweit auf Platz vier, und das Studienangebot wird nach den Universitäten in Witten/Herdecke, Jena, Frankfurt a.M. und der FU Berlin mit einem beachtlichen fünften Platz bewertet. Leider fehlen hier Angaben über die durchschnittliche Studiendauer, die Zahl der Promotionen und andere statistische Eckwerte. Dies liegt daran, daß die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät erst 1991 gegründet wurde und daher noch keine verläßlichen Durchschnittswerte vorliegen.
Ergiebiger sind die Daten im Studiengang Wirtschaftswissenschaften. In Betriebswirtschaftslehre(BWL) und Volkswirtschafts
lehre(VWL) kommen Potsdamer Studenten im Schnitt nach elf Semestern zum Abschluß und liegen damit im Mittelfeld. Die Studenten schätzen die Atmosphäre, die Fachbetreuung und den Kontakt zu den Lehrenden als überdurchschnittlich gut ein und verweisen die Uni Potsdam damit auf einen elften Platz. Immerhin kommt im Fach BWL ein Professor auf nur 33 Studenten, was im Vergleich zu den durchschnittlichen 148 Studenten pro Hochschullehrer geradezu ideal erscheint. Auch in VWL ist das Betreuungsverhältnis mit 1:32 günstiger als im Durchschnitt(1:45).
Der Studienführer der Stiftung Warentest vermeidet ein Gesamturteil über die einzel
nen Hochschulen. Es bleibt den Lesern überlassen, ihre Hochschule entweder nach kurzen Studienzeiten, nach hoher Aufenthaltsqualität, billlgem Wohnraum oder renommierter Forschungsaktivität auszusuchen. Auffällig ist, daß sich die Studenten an kleinen, jungen Hochschulen wie beispielsweise Potsdam sehr wohl fühlen und beispielsweise die persönliche Betre\ung zu schätzen wissen, sich deren Quaiität aber noch nicht herumgesprochen hat Ihre eigenen Kinder würden die Professoren eher an die großen Traditionsuniversitäten schicken, als an kleine Unis. Der Studienführer ist in der Pressestelle der Uni Potsdam einzusehen. ar
KOOPERATION IN DER INFORMATIK-AUSBILDUNG ZWISCHEN FU UND UNI POTSDAM INTENSIVIERT
Seit 1988 existiert ein Gesprächskreis der Berliner Informatikinstitute, zu dem seit 1993 auch die Brandenburger Einrichtungen gehören. Die semesterweisen Zusammenkünfte betreffen unter anderem die Abstimmung von Forschungsprofilen, Studienordnungen, Tagungen, Kolloquien. In diesem Zusammenhang haben die Freie Universität Berlin und die Universität Potsdam ihre Lehrangebote auf Gemeinsamkeiten untersucht.
Die Möglichkeiten der gemeinsamen Lehre wurden in mehreren Fallstudien(„reisender Professor“,„reisender Student“) eingehend analysiert. Die Ergebnisse der seit dem Sommersemester 1996 stattfindenden Gespräche bildeten den Ausgangspunkt für den im Sommersemester 1998 erstmalig durchgeführten Lehraustausch.
Diese Kooperation wurde durch die Empfehlungen des Wissenschaftsrates, der die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam im Wintersemester 1996/97 begutachtet hatte, und durch Anregungen des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur weiter gestärkt.
Der Lehraustausch zielt auf Spezial- und Vertiefungsveranstaltungen, insbesondere auf wahlobligatorische bzw. wahlfreie Vorlesungen und Seminare in Gebieten, die an den beiden Einrichtungen komplementär vertreten sind. Dazu wurde die bestehende Kooperation im vergangenen Sommer weiter konkretisiert und ein Drei-Stufen-Modell vereinbart, das den Studierenden eine maximal mögliche Transparenz aller angebotenen Veranstaltungen bietet und ihnen beide Standorte bezüglich der Spezial- und Vertiefungsveranstaltungen als ein virtuel
les Informatikinstitut erscheinen läßt. In der ersten Stufe werden die Seminare der beiden Institute für Studenten beider Seiten angekündigt und offengehalten. Dies bietet sich insbesondere durch Blockseminare an. Die erworbenen Leistungsscheine finden wechselseitig Anerkennung. In der zweiten Stufe gibt es Veranstaltungen, die an beiden Orten angeboten, aber nur an einem Ort g°halten werden. Der Besuch dieser Veransteltungen wird jedoch wegen der langen Re:isezeiten zwischen den beiden Standorten nach Möglichkeit durch stundenplantechnische Maßnahmen vereinfacht. Dıe dritte Komponente bilden Veranstaltungen, die am Partnerinstitut oder sogar an beiden Orten angeboten und gehalten werden. Im Sommersemester 1998 wurden neben der ersten Stufe von Seiten der beiden Institute in Stufe zwei sechs Veranstaltungen angeboten, darunter eine von der Univers!tät Potsdam und fünf von der FU Berlin. Darüber hinaus bietet die Universität Potsdam durch Prof. Dr. Torsten Schaub und Prof. Dr. Michael Gössel zwei Veranstaltungen zu Inferenzmethoden bzw. Angewandter Automatentheorie in Stufe drei an. Der Lehraustausch trägt zur Abrundung des Lehrangebots beider Einrichtungen bei. Die wechselseitige Beteiligung der Studenten des Partnerinstituts an allen Veranstaltungen ist folglich relativ gering. Auch können durch dieses Modell die bestehenden Hindernisse für Lehrende und Lernende, wie Reiseze!ten, Doppelbelastung in der Lehre ohne faktische Anrechnungsmöglichkeiten, Betreuungsprobleme usw., nicht beseitigt werden. Dennoch ist für das kommende WS 1998/99 wieder ein Lehraustausch vorgesehen. Andreas Schwill
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PUTZ 5/98