Heft 
(1.1.2019) 05
Einzelbild herunterladen

STIFTUNG WARENTEST: STUDIENFÜHRER CHEMIE UND WIRTSCHAFTSWISSENSCHAFTEN

Uni Potsdam bei Biochemiestudenten auf Platz vier

AlsSpiegel,Focus undStern in den letzten Jahren erstmals sogenannte Uni­Rankings als Titelthema brachten, wurde auch einer breiten Öffentlichkeit klar, daß es enorme Unterschiede zwischen den einzelnen Hochschulen gibt. Obwohl sol­cheHitlisten zuweilen mit oberflächli­chen Methoden erstellt werden, ist doch das Ziel gerechtfertigt: Schülern, Eltern, Studierenden und Arbeitgebern einen Überblick über die Studienqualität an den etwa 8.000 Hochschulen und Fachhoch­schulen in Deutschland zu verschaffen. Für die Fachrichtungen Chemie und Wirt­schaftswissenschaften hat nun die Stiftung Warentest einen ausführlichen Studienfüh­rer herausgebracht, der sich durch eine differenzierte, transparente Darstellung von allzu simplen Hitlisten unterscheidet.

Der Fragebogen, der an 44.000 Studenten und 4.000 Professoren ging, wurde unter Beteiligung des Centrums für Hochschul­entwicklung(CHE), Gütersloh entworfen. So wurden die Hochschullehrer gefragt, wie sie die Rahmenbedingungen für For­schung und Lehre an ihrer Hochschule ein­schätzen und wohin sie ihre eigenen Kinder zum Studieren schicken würden(die eige­ne Hochschule war dabei ausgeschlossen). Die Studierenden konnten das Studienan­gebot und die Ausstattung ihrer Hochschu­le bewerten und ihre allgemeine Zufrieden­heit mit ihrer Studiensituation angeben. Darüber hinaus stützt sich der Vergleich auf Fakten und statistische Werte wie die durch­schnittliche Studiendauer, die Abschluß­noten, die PC-Ausstattung und die Öffnungs­zeiten der Bibliotheken. Die Forschungs­aktivitäten wurden anhand der Publikatio­nen, des Zitationsindexes und der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft(DFG) bewilligten Drittmittel bewertet.

Die Universität Potsdam erhält vor allem von ihren Biochemiestudenten gute Noten. Bei der Frage nach der Zufriedenheit liegt sie bundesweit auf Platz vier, und das Studienangebot wird nach den Universitä­ten in Witten/Herdecke, Jena, Frankfurt a.M. und der FU Berlin mit einem beachtlichen fünften Platz bewertet. Leider fehlen hier Angaben über die durchschnittliche Studi­endauer, die Zahl der Promotionen und an­dere statistische Eckwerte. Dies liegt dar­an, daß die Mathematisch-Naturwissen­schaftliche Fakultät erst 1991 gegründet wurde und daher noch keine verläßlichen Durchschnittswerte vorliegen.

Ergiebiger sind die Daten im Studiengang Wirtschaftswissenschaften. In Betriebswirt­schaftslehre(BWL) und Volkswirtschafts­

lehre(VWL) kommen Potsdamer Studenten im Schnitt nach elf Semestern zum Ab­schluß und liegen damit im Mittelfeld. Die Studenten schätzen die Atmosphäre, die Fachbetreuung und den Kontakt zu den Lehrenden als überdurchschnittlich gut ein und verweisen die Uni Potsdam damit auf einen elften Platz. Immerhin kommt im Fach BWL ein Professor auf nur 33 Studenten, was im Vergleich zu den durchschnittlichen 148 Studenten pro Hochschullehrer gerade­zu ideal erscheint. Auch in VWL ist das Betreuungsverhältnis mit 1:32 günstiger als im Durchschnitt(1:45).

Der Studienführer der Stiftung Warentest vermeidet ein Gesamturteil über die einzel­

nen Hochschulen. Es bleibt den Lesern überlassen, ihre Hochschule entweder nach kurzen Studienzeiten, nach hoher Aufenthaltsqualität, billlgem Wohnraum oder renommierter Forschungsaktivität aus­zusuchen. Auffällig ist, daß sich die Studen­ten an kleinen, jungen Hochschulen wie beispielsweise Potsdam sehr wohl fühlen und beispielsweise die persönliche Betre\­ung zu schätzen wissen, sich deren Quaii­tät aber noch nicht herumgesprochen hat Ihre eigenen Kinder würden die Professo­ren eher an die großen Traditionsuniver­sitäten schicken, als an kleine Unis. Der Studienführer ist in der Pressestelle der Uni Potsdam einzusehen. ar

KOOPERATION IN DER INFORMATIK-AUSBILDUNG ZWISCHEN FU UND UNI POTSDAM INTENSIVIERT

Seit 1988 existiert ein Gesprächskreis der Berliner Informatikinstitute, zu dem seit 1993 auch die Brandenburger Einrichtun­gen gehören. Die semesterweisen Zu­sammenkünfte betreffen unter anderem die Abstimmung von Forschungsprofilen, Studienordnungen, Tagungen, Kolloqui­en. In diesem Zusammenhang haben die Freie Universität Berlin und die Universi­tät Potsdam ihre Lehrangebote auf Ge­meinsamkeiten untersucht.

Die Möglichkeiten der gemeinsamen Lehre wurden in mehreren Fallstudien(reisender Professor,reisender Student) eingehend analysiert. Die Ergebnisse der seit dem Sommersemester 1996 stattfindenden Ge­spräche bildeten den Ausgangspunkt für den im Sommersemester 1998 erstmalig durchgeführten Lehraustausch.

Diese Kooperation wurde durch die Empfeh­lungen des Wissenschaftsrates, der die Ma­thematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam im Wintersemester 1996/97 begutachtet hatte, und durch Anre­gungen des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur weiter gestärkt.

Der Lehraustausch zielt auf Spezial- und Vertiefungsveranstaltungen, insbesondere auf wahlobligatorische bzw. wahlfreie Vor­lesungen und Seminare in Gebieten, die an den beiden Einrichtungen komplementär vertreten sind. Dazu wurde die bestehende Kooperation im vergangenen Sommer wei­ter konkretisiert und ein Drei-Stufen-Modell vereinbart, das den Studierenden eine ma­ximal mögliche Transparenz aller angebo­tenen Veranstaltungen bietet und ihnen bei­de Standorte bezüglich der Spezial- und Vertiefungsveranstaltungen als ein virtuel­

les Informatikinstitut erscheinen läßt. In der ersten Stufe werden die Seminare der beiden Institute für Studenten beider Seiten angekündigt und offengehalten. Dies bietet sich insbesondere durch Blockseminare an. Die erworbenen Leistungsscheine finden wechselseitig Anerkennung. In der zweiten Stufe gibt es Veranstaltungen, die an beiden Orten angeboten, aber nur an einem Ort g°­halten werden. Der Besuch dieser Veranstel­tungen wird jedoch wegen der langen Re:sezeiten zwischen den beiden Standorten nach Möglichkeit durch stundenplan­technische Maßnahmen vereinfacht. Dıe dritte Komponente bilden Veranstaltungen, die am Partnerinstitut oder sogar an beiden Orten angeboten und gehalten werden. Im Sommersemester 1998 wurden neben der ersten Stufe von Seiten der beiden In­stitute in Stufe zwei sechs Veranstaltungen angeboten, darunter eine von der Univers!­tät Potsdam und fünf von der FU Berlin. Darüber hinaus bietet die Universität Pots­dam durch Prof. Dr. Torsten Schaub und Prof. Dr. Michael Gössel zwei Veranstaltun­gen zu Inferenzmethoden bzw. Angewand­ter Automatentheorie in Stufe drei an. Der Lehraustausch trägt zur Abrundung des Lehrangebots beider Einrichtungen bei. Die wechselseitige Beteiligung der Studenten des Partnerinstituts an allen Veranstaltungen ist folglich relativ gering. Auch können durch dieses Modell die bestehenden Hindernis­se für Lehrende und Lernende, wie Reiseze!­ten, Doppelbelastung in der Lehre ohne fak­tische Anrechnungsmöglichkeiten, Betreu­ungsprobleme usw., nicht beseitigt werden. Dennoch ist für das kommende WS 1998/99 wieder ein Lehraustausch vorgesehen. Andreas Schwill

Seite 8

PUTZ 5/98