UNTERNEHMERISCHER AUFTRAG UND
GESELLSCHAFTSPOLITISCHE POSITIONIERUNG Wolfgang Rupf über neuen Banktypus in Deutschland
Zum Gastvortrag über das Thema„Unternehmerischer Auftrag und gesellschaftspolitische Positionierung der Bankgesellschaft Berlin AG“ hatte Prof. Dr. Detlev Hummel aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Potsdam den Vorstandssprecher der Institution Dr. Wolfgang Rupf eingeladen. Zahlreiche Gäste kamen, unter ihnen Studierende, Wissenschaftler und Führungskräfte aus der Bankwirtschaft der Region Brandenburg und Berlin.
upf eröffnete seinen Vortrag mit der Frage ach der Identität der Bankgesellschaft. ;ntstanden sei sie als eine Finanzholding, lie öffentlich-rechtliche Kreditinstitute(Landesbank Berlin und Berliner Sparkassen) owie private Banken(Berliner Bank AG nd Berlin Hyp) in einer Aktiengesellschaft usammenführte. Seither vereinige die Holling mehrere etablierte Banken, deren ;pezialkompetenzen sich ergänzten. Der jast nannte diese Konstruktion„eine juristische Strukturierung außerhalb jeglicher Lehrbücher“. Die traditionelle strikte Trenıung der Bankengruppen sei damit im leutschen Kreditwesen überwunden und las„Berliner Modell“ zukunftsweisend.
Die Holding Bankgesellschaft Berlin AG koordiniere demnach die am Markt eigenständig operierenden Banken. Zugleich stelle sie eine eigenständige Bank dar, die hauptsächlich in den Geschäftsfeldern Investment Banking, Projektfinanzierungen und Infrastrukturentwicklung wirke und sich im nationalen und internationalen Markt zunehmend positioniere. Zum Konzern gehörten außerdem fast 200 nationale und internationale Tochterunternehmen. Der„unternehmerische Auftrag“ leite sich, so der Bank-Experte, stets von drei Faktoren ab. Dies seien die Interessenlage der Eigentümer, die geschäftspolitischen Vorstellungen von Vor
Ein Mann vom Fach: Dr. Rupf gab an der Uni Potsdam KEinblick in den unternehmerischen Auftrag und die gesellschaftspolitische Positionierung der Bankgesellschaft Berlin AG. Foto: Tribukeit
stand und Aufsichtsrat sowie die aktuelle und angestrebte Positionierung im Markt. Als Eigentümer der Bankgesellschaft fungierten das Land Berlin(56,8 Prozent), die Gothaer Beteiligungsgesellschaft(10 Prozent), die Nord/LB(15 bis 18 Prozent) und freie Aktionäre. Somit stünden die Interessen des Landes an zentraler Stelle. Der daraus resultierende„Öffentliche Auftrag“ besitze zumindest gleichberechtigte Bedeutung neben dem Bekenntnis zum„Shareholder Value“(Maximierung des Unternehmenswertes für die Aktionäre). Auf nationaler Ebene strebe man eine weitere Stärkung der Position am Heimatmarkt in der Region, aber auch darüber hinaus an. Im internationalen Geschäft sehe die Bankgesellschaft besonders in den wachstumsstarken Märkten Osteuropas gute Zukunftschancen. Den Standort Berlin betrachtet Rupf keineswegs als Nachteil, obwohl es noch gewisse Knowhow-Defizite, u.a. im Personalbereich, gäbe. Für die gesellschaftspolitische Positionierung und Verantwortung einer Bank spielten aut Rupf deren Größe und Marktanteil eine große Rolle. Neben der Kundenstruktur nannte er als weitere Einflußfaktoren die Mitarbeiter- und Aktionärsstruktur. Insgesamt handele es sich bei der Bildung der Bankgesellschaft Berlin AG um eine wichtige politische Entscheidung zwecks Mobilisierung der nötigen Finanzkraft für die Entwicklung der deutschen Hauptstadt und der Region Brandenburg. Dirk Einicke
PATIENTEN, WISSENSCHAFTLER UND STUDIERENDE IN EINEM HAUS
Zentrum für angewandte Patholinguistik hilft bei Sprachstörungen
(deen, Durchhaltevermögen und Verbündete brauchte Prof. Dr. Ria De Bleser, um ain in Deutschland in dieser Form einmaliges Projekt zu verwirklichen. Jetzt ist ‚ihr“ Zentrum für angewandte Patholinguistik Potsdam(ZaPP) arbeitsfähig. Wissenschaftler, Studierende und Praktiker sind auf diese Weise unter einem Dach vereint. Vorteile bringt das für alle Beteiligten, nicht zuletzt für die dort zu betreuenden Patienten.
Seit 1994 ist De Bleser an der Uni Potsdam als Professorin für Patholinguistik mit dem Schwerpunkt kognitive Neurolinguistik tätig. Sie baute nicht nur den Studiengang Patholinguistik an der Hochschule auf, sondern arbeitete von Anfang an daran, ein Therapie- und Beratungszentrum zu Ausbildungs- und Forschungszwecken einzurichten. In der Potsdamer Cutenbergstraße 67 erhalten nun Erwachsene wie Kinder, die unter Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen leiden durch Fachkräfte Hilfe. ZaPP ist ein eingetragener Verein und bietet den Patienten individuelle und störungsspezifische Diagnostik. Die Behandlungen kön
nen über die Krankenkasse abgerechnet werden. Von Aphasien, über Lese-, Rechtschreib-, Sprachentwicklungs- sowie Atemund Stimmstörungen bis zu Redeflußstörungen wie Stottern reicht die Palette der Diagnostik- und Therapieofferten. Dafür steht eine moderne Ausstattung an Übungs- und Hilfsmaterialien für alle Altersgruppen zur Verfügung. Ein Team von Logopäden, Neurolinguisten, Psycholinguisten und Psychologen mit langjährigen Berufserfahrungen hat Ria De Bleser um sich geschart. „Durch unsere Tätigkeit sowohl an der Universität als auch im Therapiezentrum ist ein regelmäßiger Austausch neuester Fortsetzung Seite 10
Die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Ria De Bleser(links) und die Logopädin Astrid Fröhling(rechts) diagnostizieren und therapieren im Zentrum für angewandte Patholinguistik Potsdam Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen. Foto: Fritze
PUTZ 5/98
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