Heft 
(1.1.2019) 05
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UNTERNEHMERISCHER AUFTRAG UND

GESELLSCHAFTSPOLITISCHE POSITIONIERUNG Wolfgang Rupf über neuen Banktypus in Deutschland

Zum Gastvortrag über das ThemaUnter­nehmerischer Auftrag und gesellschafts­politische Positionierung der Bankgesell­schaft Berlin AG hatte Prof. Dr. Detlev Hummel aus der Wirtschafts- und Sozial­wissenschaftlichen Fakultät der Universi­tät Potsdam den Vorstandssprecher der Institution Dr. Wolfgang Rupf eingeladen. Zahlreiche Gäste kamen, unter ihnen Stu­dierende, Wissenschaftler und Führungs­kräfte aus der Bankwirtschaft der Region Brandenburg und Berlin.

upf eröffnete seinen Vortrag mit der Frage ach der Identität der Bankgesellschaft. ;ntstanden sei sie als eine Finanzholding, lie öffentlich-rechtliche Kreditinstitute(Lan­desbank Berlin und Berliner Sparkassen) owie private Banken(Berliner Bank AG nd Berlin Hyp) in einer Aktiengesellschaft usammenführte. Seither vereinige die Hol­ling mehrere etablierte Banken, deren ;pezialkompetenzen sich ergänzten. Der jast nannte diese Konstruktioneine juristi­sche Strukturierung außerhalb jeglicher Lehrbücher. Die traditionelle strikte Tren­ıung der Bankengruppen sei damit im leutschen Kreditwesen überwunden und lasBerliner Modell zukunftsweisend.

Die Holding Bankgesellschaft Berlin AG ko­ordiniere demnach die am Markt eigenstän­dig operierenden Banken. Zugleich stelle sie eine eigenständige Bank dar, die hauptsäch­lich in den Geschäftsfeldern Investment Banking, Projektfinanzierungen und Infra­strukturentwicklung wirke und sich im natio­nalen und internationalen Markt zunehmend positioniere. Zum Konzern gehörten außer­dem fast 200 nationale und internationale Tochterunternehmen. Derunternehmeri­sche Auftrag leite sich, so der Bank-Exper­te, stets von drei Faktoren ab. Dies seien die Interessenlage der Eigentümer, die ge­schäftspolitischen Vorstellungen von Vor­

Ein Mann vom Fach: Dr. Rupf gab an der Uni Potsdam KEin­blick in den un­ternehmeri­schen Auftrag und die gesell­schaftspoliti­sche Positionie­rung der Bank­gesellschaft Berlin AG. Foto: Tribukeit

stand und Aufsichtsrat sowie die aktuelle und angestrebte Positionierung im Markt. Als Eigentümer der Bankgesellschaft fun­gierten das Land Berlin(56,8 Prozent), die Gothaer Beteiligungsgesellschaft(10 Pro­zent), die Nord/LB(15 bis 18 Prozent) und freie Aktionäre. Somit stünden die Interessen des Landes an zentraler Stelle. Der daraus resultierendeÖffentliche Auftrag besitze zumindest gleichberechtigte Bedeutung ne­ben dem Bekenntnis zumShareholder Value(Maximierung des Unternehmens­wertes für die Aktionäre). Auf nationaler Ebe­ne strebe man eine weitere Stärkung der Position am Heimatmarkt in der Region, aber auch darüber hinaus an. Im internationalen Geschäft sehe die Bankgesellschaft beson­ders in den wachstumsstarken Märkten Ost­europas gute Zukunftschancen. Den Stand­ort Berlin betrachtet Rupf keineswegs als Nachteil, obwohl es noch gewisse Know­how-Defizite, u.a. im Personalbereich, gäbe. Für die gesellschaftspolitische Positionie­rung und Verantwortung einer Bank spielten aut Rupf deren Größe und Marktanteil eine große Rolle. Neben der Kundenstruktur nannte er als weitere Einflußfaktoren die Mitarbeiter- und Aktionärsstruktur. Insge­samt handele es sich bei der Bildung der Bankgesellschaft Berlin AG um eine wichti­ge politische Entscheidung zwecks Mobili­sierung der nötigen Finanzkraft für die Ent­wicklung der deutschen Hauptstadt und der Region Brandenburg. Dirk Einicke

PATIENTEN, WISSENSCHAFTLER UND STUDIERENDE IN EINEM HAUS

Zentrum für angewandte Patholinguistik hilft bei Sprachstörungen

(deen, Durchhaltevermögen und Verbün­dete brauchte Prof. Dr. Ria De Bleser, um ain in Deutschland in dieser Form einma­liges Projekt zu verwirklichen. Jetzt ist ‚ihr Zentrum für angewandte Patholin­guistik Potsdam(ZaPP) arbeitsfähig. Wis­senschaftler, Studierende und Praktiker sind auf diese Weise unter einem Dach vereint. Vorteile bringt das für alle Betei­ligten, nicht zuletzt für die dort zu betreu­enden Patienten.

Seit 1994 ist De Bleser an der Uni Potsdam als Professorin für Patholinguistik mit dem Schwerpunkt kognitive Neurolinguistik tä­tig. Sie baute nicht nur den Studiengang Patholinguistik an der Hochschule auf, son­dern arbeitete von Anfang an daran, ein Therapie- und Beratungszentrum zu Ausbil­dungs- und Forschungszwecken einzurich­ten. In der Potsdamer Cutenbergstraße 67 erhalten nun Erwachsene wie Kinder, die unter Sprach-, Sprech- und Stimmstörun­gen leiden durch Fachkräfte Hilfe. ZaPP ist ein eingetragener Verein und bietet den Patienten individuelle und störungsspezi­fische Diagnostik. Die Behandlungen kön­

nen über die Krankenkasse abgerechnet werden. Von Aphasien, über Lese-, Recht­schreib-, Sprachentwicklungs- sowie Atem­und Stimmstörungen bis zu Redeflußstö­rungen wie Stottern reicht die Palette der Diagnostik- und Therapieofferten. Dafür steht eine moder­ne Ausstattung an Übungs- und Hilfs­materialien für alle Altersgruppen zur Verfügung. Ein Team von Logo­päden, Neurolingui­sten, Psycholingui­sten und Psycholo­gen mit langjährigen Berufserfahrungen hat Ria De Bleser um sich geschart. Durch unsere Tä­tigkeit sowohl an der Universität als auch im Therapiezentrum ist ein regelmäßiger Austausch neuester Fortsetzung Seite 10

Die Wissenschaftlerin Prof. Dr. Ria De Bleser(links) und die Logopädin Astrid Fröhling(rechts) diagnostizieren und therapieren im Zentrum für angewand­te Patholinguistik Potsdam Sprach-, Sprech- und Stimmstörungen. Foto: Fritze

PUTZ 5/98

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