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(1.1.2019) 06
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DEM SPORT DER JUDEN ENG VERBUNDEN Paul Yogi Mayer Ehrendoktor der Uni Potsdam

Die Universität Potsdam hat einen neuen Ehrendoktor. Diese Auszeichnung erhielt kürzlich der heute in London lebende Ken­ner des jüdischen Sports Paul Yogi Mayer. Dem 85jährigen erwies die Hochschule damit ihre Anerkennung für sein engagier­tes Schaffen auf wissenschaftlichem, jour­nalistischem und pädagogischem Gebiet.

Das Lebenswerk des ge­bürtigen Deutschen könne nicht mit herkömmlichen Maßstäben gemessen wer­den, hieß es in der entspre­chenden Begründung für die Verleihung des Titels. Mayer habe Nationalsozia­lismus sowie Exil durchlebt und Jahrzehnte hindurch Hervorragendes geleistet. Sein 1932 begonnenes Volkswirtschaftsstudium mußte der aus Bad Kreuz­nach stammende Sport­enthusiast, selbst als Mehr­

Paul Yogi Mayer Foto: Tribukeit

kämpfer aktiv, aufgrund nationalsozialisti­scher Repressionen nach zwei Jahren abbre­chen. Von 1935 bis 1939 folgte die Tätigkeit als Sportlehrer an jüdischen Schulen in Ber­lin, deren vollständige Auflösung 1942 pas­sierte.Zuvor aber, so Mayer über die Situa­tion bis 1936,existierten mit Unterschieden von Stadt zu Stadt Freiräume für Jüdische Sportler. Erst nach Olym­pila seien die Verhältnisse schnell schwieriger yewor­den, Auswanderungen nah­men zu, die Mannschaften damit ab.Der Pogrom war das Ende, konstatierte er. Der jüdische Sport hatte in Deutschland aufgehört zu bestehen.

Paul Yogi Mayer wanderte mit seiner Familie nach England aus, leistete unter anderem Militärdienst in ei­ner Spezial-Fallschirmjä­ger-Einheit der Briten. Ver­bunden blieb er auch nach

dem Krieg der sportlichen und sozialpäd. agogischen Jugendarbeit.In den befreiten Konzentrationslagern fand man insgesamt 732 lebende Jugendliche, die teilweise in London ankamen, erzählte der Geehr'e, Ihnen habe er sich in einem eigens für sie eingerichteten Jugendklub gewidmet. Seine Deutschland-Besuche gehen seit len­gem mit Auftritten in Schulen einher.Ic komme nur in das Land, wenn ich vor Schi lern sprechen kann, beschrieb der 194 auf der Insel eingebürgerte Rheinland- Pfäl­zer die Intention jener Visiten. Er vertret immerhin die Generation ihrer Großväte die ihnen nie etwas erzählen wollten. Dabei bestreite er durchaus schwierige Stunden ­in Hauptschulen, ebenso aber dort wie&derswo interessante Gespräche mit Jung»n und Mädchen, die viele Fragen stellten. Der 1997 von Königin Elisabeth II mit de VerdienstkreuzMember of the British E pire bedachte Zeitzeuge nationalsozialict­scher Vergangenheit hat insgesamt 21 Puhli­kationen zum jüdischen Sport vorgelegt. Sait 1995 existiert ein enger wissenschaftlich er Kontakt zur Universität Potsdam, unter anc rem durch Vorträge im Institut für Sportw senschaft und im Magisterstudiengang dische Studien. P

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WIE KOMMT DIE TRAM IN DASANTIKE JUDENTUM?

Zur Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Elisabeth Flitner

Das Werk des großen Soziologen Max Weber(1864-1920) ist zum integralen Bestand­teil des soziologischen Diskurses geworden. In den Prozeß der erziehungswissen­

schaftlichen Theoriebildung sind die Weberschen Schriften dagegen nicht systematisch aufgenommen worden. Noch nicht, so möchte man nach der Antritts­vorlesung von Prof. Dr. Elisabeth Flitner aus dem Insti­tut für Pädagogik hinzufügen. Das ist wohl vor allem dem Umstand zu verdanken, daß bei Weber keine ex­plizit entfaltete Schul-, Bildungs- oder Erziehungs­theorie vorzufinden ist. Wer sich hier gleichwohl dem großen Theoretiker der modernen Gesellschaft nicht verschließen und entziehen will, muß also das mühsa­me Geschäft betreiben, eine implizite Theorie zu ent­schlüsseln. Daß diese Anstrengung lohnt und spannen­de Einsichten gewährt, hat Elisabeth Flitner in ihrer An­trittsvorlesung überMax Webers Schulweg- Kind­heit, Magie und Wissenschaft demonstriert.

An den Ausgangspunkt ihrer Überlegungen stellt die Referentin einen verblüffenden Textfund: Im dritten Band seiner Religions­SoziologieDas Antike Judentum spricht Weber plötzlich und scheinbar unmotiviert von einemKind, welches täglich auf der elektrischen Bahn zu fahren gewohnt ist. Hier beginnt die detektivische Erkundung und Rekonstruktion. War nicht Webers Va­ter Baustadtrat in Berlin und als solcher gleichsam Verkehrsexperte? Ist der junge Max Weber vielleicht mit der Trambahn zur Schule gefahren? Wann fuhr die erste Tram­bahn überhaupt? Haben die Webers nicht

Prof. Dr. Elisabeth Flitner Foto: privat

in Erfurt in Bahnhofsnähe gewohnt? Und gibt es da nicht den Brief Webers, in dem er von einer erschütternden Kindheitserin­nerung an eine Zugentgleisung berichtet? Allmählich entsteht aus den Befunden der akribischen Recherche ein Bild, folgen die Details einer begrifflichen Ordnung: Magi­sches Denken, Bedrohung, kreative Bewäl­tigung. Diese triadische Grundfigur ist es, die die Trambahn in die israelische Wüste versetzt. Aber hält dieser induktive Schluß einer Überprüfung stand? Elisabeth Flitner zeigt nun an prominenten Textstellen im Werk Webers die durchgängige Bedeut­

samkeit der begrifflichen Konstellation. Das Beziehungsgefüge der drei Konzeptionen ­des magisch-metaphysischen und relig sen Denkens, der Bedrohung, des Umst zes und des Todes und schließlich der kr tiven Problemlösung, denkend wie her delnd- findet sich in allen Textpassagen, i denen von Eisen- oder Straßenbahnen ci Rede ist. Mehr noch: Die Bedeutung die: Passagen erschließt sich nun erst dem I ser. Damit eröffnet sich auch ein neues ziehungswissenschaftliches Potential c Weberschen Theorie.

Das entfaltete triadische Spannungskonzep verweist interessanterweise nicht auf den Weberschen Erziehungsbegriff, sondern au sein Konzept der Bewährung. Erziehen heiß bei Weberdisziplinieren,prägen,eb­richten, also Zwang. Hier an Weber anzu­knüpfen, erscheint nicht sonderlich aus­sichtsreich. Ein Bildungs- und Vermittlungs­begnff ist dagegen im Bewährungskonzept enthalten. Der Bewährungsbegriff zielt auf das autonome Subjekt des bürgerlichen In­dividualismus. Bewährung ist eine risikorei­che Autonomie, die die Möglichkeit des Scheiterns einschließt. Anerziehen abe! kann man sie nicht. Erziehung kann nur die Gelegenheit bieten, sich zu bewähren. Und so führt Webers Weg mit der Trambahn zur Schule: Bewährung als idealtypisches Mo­dell der modernen Schule. Andreas Wernet

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