Heft 
(1.1.2019) 06
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NEW PUBLIC MANAGEMENT UND DIE UNIVERSITÄT

Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Christoph Reichard

New Public Management ist ein Reform­konzept für den öffentlichen Sektor. Prof. Dr. Christoph Reichard erörterte am 17. Juni 1998 in seiner Antrittsvorlesung an der Universität Potsdam, wie sich dieses Konzept auf die Universität übertragen ]aßt. Reichard bekleidet die Professur für Public Management, Betriebswirtschafts­lehre der Öffentlichen Verwaltungen und Unternehmungen an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.

Vor dem Hintergrund der finanziellen Lage und der Notwendigkeit von Reformen an deutschen Hochschulen erläuterte Reichard den circa 150 Besucherinnen und Besuchern der Vorlesung, inwiefern die Universitäten aus der weltweiten Reformdebatte um den öffentlichen Sektor lernen können. Das tradi­ticnelle Universitätsmanagement zeige De­fizıte, wie zum Beispielerschreckende Detailregulierungen oder unzureichende Organisationsstrukturen, die Reichard auf das Leitbild des homogenen Hoch­schulsystems, die Außensteuerung durch

Weilte erst­mals an der Uni: Gene­ralkonsulin des Staates Israel, Miryamn Shomrat.

Foto: Fritze

Der Staat Israel feiert in diesem Jahr sei­nen 50. Geburtstag. Das war der Anlaß für den Religionswissenschaftler Prof. Dr. Karl E. Grözinger zusammen mit dem Rektor der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, die israelische Ge­Neralkonsulin zu ihrem ersten Besuch an die Potsdamer Uni einzuladen. Damit dokumentierten sie die Verbundenheit der Studierenden und Lehrenden nicht nur der Jüdischen Studien mit dem Staat Israel.

Wie die Prorektorin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Bärbel Kirsch, in ihrer Begrüßungs­ansprache hervorhob, pflegt die junge Postdamer Universität bereits einen vielsei­tigen wissenschaftlichen Austausch mit is­Taelischen Universitäten. Auch der bislang Noch individuelle Studentenaustausch mit Hilfe des Deutschen Akademischen Aus­

die Wissenschafts- und Kultusministerien sowie die akademische Selbststeuerung der Universitäten zurückführt. In seinem Vortrag zeigte er Perspektiven für ein neues Hochschulmanagement auf, welches sich in bestimmten Bereichen am Konzept des New-Public-Management orientiert. Dieses Konzept wird seit etwa 15 Jahren in verschiedenen Industriestaaten, vor allem im angelsächsischen Raum, diskutiert und angewandt. In Deutschland wird es seit etwa fünf Jahren vor allem unter dem SchlagwortNeues Steuerungsmodell in Verwaltungen diskutiert und erprobt. Wett­bewerb und Marktöffnung, die Ausrichtung an Kunden und Abnehmern sowie die Über­nahme von Managementinstrumenten sind die Grundpfeiler des Konzepts. Für die Universitäten leitete Reichard ab, das Leistungsprogramm marktgerecht zu gestal­ten, zu steuern und zu kontrollieren, bei­spielsweise in Form von Leistungs- und Servicevereinbarungen, und die traditionel­len Regelungsmechanismen durch den Staat abzubauen zugunsten klarer, ergebnis­

tauschdienstes(DAAD) trägt zur Festigung der gegenseitigen Kontakte bei. Miryam Shomrat sprach über50 Jahre Is­rael und die Diaspora. Mit einem kurzen historischen Rekurs auf das babylonische Exil, die Zerstörung des 2. Tempels durch die Römer und die Exilierung der Juden im Jahre 70 n. Chr. hob sie deren anhaltende Präsenz in Palästina über die Jahrhunderte hervor. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Pogrome in Rußland sowie die Dreyfus-Affäre in Frankreich zum Ent­stehen des politischen Zionismus unter der Ägide Theodor Herzls führten, wurde Palä­stina zur Zufluchtsstätte für viele verfolgte Juden. Hätte es den Staat Israel früher ge­geben, wären durch die Nationalsozialisten nicht sechs Millionen Juden, ein Drittel der damaligen jüdischen Weltbevölkerung, umgebracht worden.

Heute leben ca. 13 Millionen Juden auf der Welt, davon etwa 4,5 Millionen(34 Prozent) in Israel, 50 Prozent in den USA und Süd­amerika sowie 15 Prozent in Europa. Die Einwanderung aus der ehemaligen Sowjet­union und aus Ländern wie Äthiopien hat den Anteil der Juden an der israelischen Bevölkerung erheblich vergrößert. Der Staat Israel und die jüdische Diaspora exi­stieren nebeneinander, sie brauchen und befruchten sich gegenseitig. Dennoch kri­tisierte die Referentin die außerhalb Israels

orientier­ter Kon­traktbe­ziehun­gen. Wei­terhin schlug er vor, die{ Organi­satıon, das Fi­nanz- und Perso­nalma­nagement zu restrukturieren, indem klare Ver-antwor­tungsstrukturen geschaffen oder Global­budgets eingeführt werden. Das Konzept des New Public Management stelle keine ‚Wunderwaffe dar, betonte Reichard, aller­dings könne dierichtige Dosis New Public Management zur Gesundung des Hoch­schulmanagements beitragen idealer­weise flankiert durch Gewährung von Frei­räumen durch den Staat. Anja Scholz

Christoph Reichard sprach ın seiner Antrittsvorlesung über neue Konzepte für die Verwaltung von Hochschulen, Foto: Fritze

FÜNFZIG JAHRE ISRAEL UND DIE DIASPORA

Generalkonsulin Israels zu Gast an der Universität Potsdam

lebenden Juden, die einerseits für Israel spenden, andererseits aber auf die israeli­sche Politik Einfluß nehmen wollen, ohne mit den Problemen existentiell konfrontier zu sein. Miryam Shomrat beließ es nicht bei der Geschichte, sondern ging sehr ausführlich auch auf die heutige Situation in Israel ein, WO es gegenwärtig eine starke Polarisie­rung zwischen den religiös und den säku­lar orientierten Landesbewohnern gibt. Is­rael ist zwar ein jüdischer Staat, der allen Juden bei der Einwanderung die Staatsbür­gerschaft erteilt, er ist aber ein säkularer Staat. Während 85 Prozent der Bevölkerung nicht religiös sind, versuche die orthodoxe Minderheit, die beispielsweise in dem jet­zigen Parlament mit 22 Abgeordneten aus mehreren Parteien vertreten ist, ihren poli­tischen Einfluß gegen die Mehrheit durch­zusetzen und ihre bereits weitgehenden Privilegien zu erweitern. Ein innenpoliti­sches Problem stellt hierbei das Fehlen ei­ner Verfassung dar, so daß das israelische Oberste Gericht alle Hände voll zu tun hat, um diverse Streitfragen zu regeln. Den Ausführungen der Generalkonsulin folgte eine rege Diskussion. Karl E. Grözin­ger brachte in seinem Dankes- und Schluß­‚wort die Hoffnung zum Ausdruck, daß die­ser erste Besuch nicht der letzte sein wür­de, Sigrid Senkbeil

PUTZ 6/98

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