NEW PUBLIC MANAGEMENT UND DIE UNIVERSITÄT
Antrittsvorlesung von Prof. Dr. Christoph Reichard
New Public Management ist ein Reformkonzept für den öffentlichen Sektor. Prof. Dr. Christoph Reichard erörterte am 17. Juni 1998 in seiner Antrittsvorlesung an der Universität Potsdam, wie sich dieses Konzept auf die Universität übertragen ]aßt. Reichard bekleidet die Professur für Public Management, Betriebswirtschaftslehre der Öffentlichen Verwaltungen und Unternehmungen an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät.
Vor dem Hintergrund der finanziellen Lage und der Notwendigkeit von Reformen an deutschen Hochschulen erläuterte Reichard den circa 150 Besucherinnen und Besuchern der Vorlesung, inwiefern die Universitäten aus der weltweiten Reformdebatte um den öffentlichen Sektor lernen können. Das traditicnelle Universitätsmanagement zeige Defizıte, wie zum Beispiel„erschreckende Detailregulierungen“ oder unzureichende Organisationsstrukturen, die Reichard auf das Leitbild des homogenen Hochschulsystems, die Außensteuerung durch
Weilte erstmals an der Uni: Generalkonsulin des Staates Israel, Miryamn Shomrat.
Foto: Fritze
Der Staat Israel feiert in diesem Jahr seinen 50. Geburtstag. Das war der Anlaß für den Religionswissenschaftler Prof. Dr. Karl E. Grözinger zusammen mit dem Rektor der Universität Potsdam, Prof. Dr. Wolfgang Loschelder, die israelische GeNeralkonsulin zu ihrem ersten Besuch an die Potsdamer Uni einzuladen. Damit dokumentierten sie die Verbundenheit der Studierenden und Lehrenden nicht nur der Jüdischen Studien mit dem Staat Israel.
Wie die Prorektorin für Lehre und Studium, Prof. Dr. Bärbel Kirsch, in ihrer Begrüßungsansprache hervorhob, pflegt die junge Postdamer Universität bereits einen vielseitigen wissenschaftlichen Austausch mit isTaelischen Universitäten. Auch der bislang Noch individuelle Studentenaustausch mit Hilfe des Deutschen Akademischen Aus
die Wissenschafts- und Kultusministerien sowie die akademische Selbststeuerung der Universitäten zurückführt. In seinem Vortrag zeigte er Perspektiven für ein neues Hochschulmanagement auf, welches sich in bestimmten Bereichen am Konzept des New-Public-Management orientiert. Dieses Konzept wird seit etwa 15 Jahren in verschiedenen Industriestaaten, vor allem im angelsächsischen Raum, diskutiert und angewandt. In Deutschland wird es seit etwa fünf Jahren vor allem unter dem Schlagwort„Neues Steuerungsmodell“ in Verwaltungen diskutiert und erprobt. Wettbewerb und Marktöffnung, die Ausrichtung an Kunden und Abnehmern sowie die Übernahme von Managementinstrumenten sind die Grundpfeiler des Konzepts. Für die Universitäten leitete Reichard ab, das Leistungsprogramm marktgerecht zu gestalten, zu steuern und zu kontrollieren, beispielsweise in Form von Leistungs- und Servicevereinbarungen, und die traditionellen Regelungsmechanismen durch den Staat abzubauen zugunsten klarer, ergebnis
tauschdienstes(DAAD) trägt zur Festigung der gegenseitigen Kontakte bei. Miryam Shomrat sprach über„50 Jahre Israel und die Diaspora“. Mit einem kurzen historischen Rekurs auf das babylonische Exil, die Zerstörung des 2. Tempels durch die Römer und die Exilierung der Juden im Jahre 70 n. Chr. hob sie deren anhaltende Präsenz in Palästina über die Jahrhunderte hervor. Als in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Pogrome in Rußland sowie die Dreyfus-Affäre in Frankreich zum Entstehen des politischen Zionismus unter der Ägide Theodor Herzls führten, wurde Palästina zur Zufluchtsstätte für viele verfolgte Juden. Hätte es den Staat Israel früher gegeben, wären durch die Nationalsozialisten nicht sechs Millionen Juden, ein Drittel der damaligen jüdischen Weltbevölkerung, umgebracht worden.
Heute leben ca. 13 Millionen Juden auf der Welt, davon etwa 4,5 Millionen(34 Prozent) in Israel, 50 Prozent in den USA und Südamerika sowie 15 Prozent in Europa. Die Einwanderung aus der ehemaligen Sowjetunion und aus Ländern wie Äthiopien hat den Anteil der Juden an der israelischen Bevölkerung erheblich vergrößert. Der Staat Israel und die jüdische Diaspora existieren nebeneinander, sie brauchen und befruchten sich gegenseitig. Dennoch kritisierte die Referentin die außerhalb Israels
orientierter Kontraktbeziehungen. Weiterhin schlug er vor, die{ Organisatıon, das Finanz- und Personalmanagement zu restrukturieren, indem klare Ver-antwortungsstrukturen geschaffen oder Globalbudgets eingeführt werden. Das Konzept des New Public Management stelle keine „‚Wunderwaffe“ dar, betonte Reichard, allerdings könne die„richtige Dosis“ New Public Management zur Gesundung des Hochschulmanagements beitragen— idealerweise flankiert durch Gewährung von Freiräumen durch den Staat. Anja Scholz
Christoph Reichard sprach ın seiner Antrittsvorlesung über neue Konzepte für die Verwaltung von Hochschulen, Foto: Fritze
FÜNFZIG JAHRE ISRAEL UND DIE DIASPORA
Generalkonsulin Israels zu Gast an der Universität Potsdam
lebenden Juden, die einerseits für Israel spenden, andererseits aber auf die israelische Politik Einfluß nehmen wollen, ohne mit den Problemen existentiell konfrontier zu sein. Miryam Shomrat beließ es nicht bei der Geschichte, sondern ging sehr ausführlich auch auf die heutige Situation in Israel ein, WO es gegenwärtig eine starke Polarisierung zwischen den religiös und den säkular orientierten Landesbewohnern gibt. Israel ist zwar ein jüdischer Staat, der allen Juden bei der Einwanderung die Staatsbürgerschaft erteilt, er ist aber ein säkularer Staat. Während 85 Prozent der Bevölkerung nicht religiös sind, versuche die orthodoxe Minderheit, die beispielsweise in dem jetzigen Parlament mit 22 Abgeordneten aus mehreren Parteien vertreten ist, ihren politischen Einfluß gegen die Mehrheit durchzusetzen und ihre bereits weitgehenden Privilegien zu erweitern. Ein innenpolitisches Problem stellt hierbei das Fehlen einer Verfassung dar, so daß das israelische Oberste Gericht alle Hände voll zu tun hat, um diverse Streitfragen zu regeln. Den Ausführungen der Generalkonsulin folgte eine rege Diskussion. Karl E. Grözinger brachte in seinem Dankes- und Schluß‚wort die Hoffnung zum Ausdruck, daß dieser erste Besuch nicht der letzte sein würde, Sigrid Senkbeil
PUTZ 6/98
Seite 5