THEORIE UND PRAXIS VERKNÜPFT
Interdisziplinäres Blockseminar über liberalisierte Märkte mit Netzstrukturen
Volks- und betriebswirtschaftliche Aspekte der Liberalisierung der Elektrizitätsversorgung, der Telekommunikation und des Schienenverkehrs standen im Mittelpunkt des kürzlichen interdisziplinären Deregulierungs-Seminars, das Prof. Dr. Norbert Eickhof und Prof. Dr. Dieter Wagner aus der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät gemeinsam veranstalteten. Referate der Studierenden trugen ebenso wie Vorträge von Praktikern dazu bei, die völlig veränderten Rahmenbedingungen dieser Branchen zu erfassen und Handlungserfordernisse abzuleiten. Eine Exkursion ermöglichte den Seminarteilnehmemn, sich mit der Sichtweise betroffener Unternehmen auseinanderzusetzen.
Bahn, Post und Energieversorger wurden demnach jahrzehntelang weitgehend vor Wettbewerb geschützt. Folge der monopoistischen Marktstrukturen waren überhöhte Preise, wenig innovative Produkte und Dienstleistungen sowie speziell bei der Deutschen Bahn Milliardendefizite, die den Staatshaushalt immer stärker belasteten. Der weltweite Deregulierungstrend machte jedoch vor der Europäischen Union nicht Halt und führte zu weitreichenden Liberaisierungsvorgaben an die Gesetzgeber in den EU-Mitgliedstaaten. Hierdurch kam es zu einer Fülle neuer Gesetze in relativ kurzer Zeit, die eine erhebliche Unsicherheit über mögliche Konsequenzen und geeignete Strategien selbst bei Brachenkennern hervorrufen. Beispiele sind die Bahnreform von 1994, das Telekommunikationsgesetz von 1996 und das neue Energiewirtschaftsrecht vom 24. April 1998. Wird mit diesen rechtlichen Änderungen ein geeigneter Ordnungsrahmen für die genannten Märkte geschaffen? Ermöglichen die Reformen wirksame Wettbewerbsprozesse in den ehemals geschlossenen Märkten? In Referaten und Diskussionen wurde aus volkswirtschaftlicher Sicht ein eventuell vorhandener Handlungsbedarf erÖrtert. So liegt nach Ansicht der Teilnehmer
in manchen Bereichen, wie im Telekommunikationsfernnetz, auch weiterhin eine zu hohe Regulierungsintensität vor. Im Schienenverkehr könnte hingegen eine möglichst umfangreiche materielle Privatisierung der Deutschen Bahn AG zu mehr Wettbewerb auf dem Schienennetz führen. Die im Seminar dazu gewonnenen Erkenntnisse bestätigte auch Dieter Wolf, Präsident des Bundeskartellamtes. Er betonte zugleich die Vorteilhaftigkeit allgemeiner, sektorübergreifender Regelungen für den Netzzugang, die eine Zersplitterung des Kartellrechts verhinderten. Die Gründung sektorbezogener Regulierungsbehörden beurteilte Wolf dagegen in diesem Zusammenhang als unzweckmäßig.
Welche strategischen Optionen bestehen für die vorhandenen und die neuen Unternehmen in den untersuchten Branchen mit ihren teilweise unterschiedlichen Rahmenbedingungen? Wie haben die Unternehmen ihre Organisationsstrukturen auf den vorhandenen und noch zu erwartenden Wettbewerb ausgerichtet bzw. inwieweit wurden den (Gebiets-)Monopolisten Gestaltungsoptionen gesetzlich vorgegeben, beispielsweise bei der Bahnreform? Diesen und weiteren betriebswirtschaftlichen Fragen widmeten sich die Studenten, nicht ohne auch die dar
Das kürzlich in der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät veranstaltete DeregulierungsSeminar fand zahlreiche Teilnehmer. Die Studenten unter ihnen begrüßten insbesondere die Ver
knüpfung von Theorie und Praxis.
Foto: Fritze
aus resultierenden Erfordernisse des Wan dels der Unternehmen, insbesondere der bisherigen Monopolunternehmen zu be rücksichtigen. Als Schwerpunkte kristalli sierten sich dabei prozeßbezogene Organi sation, Konzentration auf Kernkompetenzer Eingehen von strategischen Allianzen sowie die Etablierung entsprechender Manage mentstrukturen und die hierfür notwendige aber besonders schwierige Änderung de Denk- und Verhaltensweisen innerhalb de Unternehmen heraus. Die Realitäten in de Praxis beschrieb Dr. Schulte, Bereichsleiter Controlling der Mannesmann Arcor AG€ Co. Den Abschluß des Seminars bildeten Exkursionen zur Berliner Kraft- und Licht (Bewag)-AG und zur Deutschen Bahn AC bei denen neben einer Kraftwerksbesich tigung Vorträge und Gespräche mit den en sprechenden Unternehmensvertretern aı der Tagesordnung standen.
Eckhard Domnik/Dieter Kreikenbaur:
UNI BEIM CITY-FEST
Wieder einmal war die Uni Potsdam zum City
Fest der Stadt am 6. und 7. Juni dieses Jahres mt einem Informationsstand in der Brandenburge” Straße vertreten, um sich zu präsentieren und weitere Kontakte zu knüpfen. Von Potsdamer:
hörte man gelegentlich:„Unsere Uni ist auch wieder hier!“ Gäste und Freunde stellten dage
gen mitunter erstaunt fest, daß es in Potsdam eine Uni gibt und versorgten sich am Uni-Stand gleich mit Informationsmaterial. Interesse zeigten die Besucher vorrangig an den Studien
angeboten aller fünf Fakultäten, aber auch an vorhandenen Möglichkeiten, die Gasthörern an der Hochschule offenstehen. Hierzu, zu anderen Fragen und Wünschen gaben Mitarbeiter der Zentralen Studienberatung und des Referates für Presse-, Öffentlichkeits- und Kulturarbeit Auskünfte. Trotz großer Hitze war der Stand gut frequentiert. Das Kulturangebot auf der Festbühne bereicherten Studierende der HochSchulsportgemeinschaft durch eine Karateschau. U.W./Foto: Tribukeit
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PUTZ 6/98