Heft 
(1.1.2019) 06
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APPELL GEGEN PARTEIPOLITISCHE ENGSTIRNIGKEIT UND VERANTWORTUNGSLOSE SPARPOLITIK

Mit großer Sorge betrachtet das Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jü­dische Studien an der Universität Pots­dam(MMZ) ein sprunghaftes Anwachsen rechtsradikaler Tendenzen in den ost­deutschen Bundesländern. Deshalb wandten sich die Mitarbeiter des Zen­trums an die Öffentlichkeit. In dem Aufruf Bildungs- und Forschungsprogramme gegen Rechtsradikalismus und Fremden­feindlichkeit sind bedroht- ein Appell gegen parteipolitische Engstirnigkeit und verantwortungslose Sparpolitik heißt es:

In den letzten zwei Jahren hat sich die Zahl fremdenfeindlicher und rechtsextrem moti­vierter Straftaten nahezu verdoppelt. Einzel­ne Regionen wurden bereits von organisier­ten Rechtsradikalen als ‚national befreit er­klärt, und tätliche Angriffe auf Ausländer sind auf der Tagesordnung. Eine dumpfe Atmosphäre von Aggressivität und Intole­ranz scheinen immer mehr das gesell­schaftliche Klima zu bestimmen. Avı Primor, der Botschafter des Staates Israel, hat an­]äßlich des Potsdamer Festaktes zum 50jäh­rigen Bestehen Israels das Aufkommen rechtsradikaler und antisemitischer Ten­denzen zu Recht als ‚Ausdruck mangeln­

den Demokratiebewußtseins bewertet. Es muß daher Befremden auslösen, daß die im brandenburgischen Landtag vertretenen Parteien sich aus wahltaktischen Gründen nicht zu einem gemeinsamen demokrati­schen Handeln gegen die Gefahr des Rechtsradikalismus entschließen können. Um den Rechtsradikalismus wirksam zu bekämpfen und den drohenden Verlust zi­vilisatorischer Werte vor allem in der Jungen Generation zu verhindern, bedarf es eines energischen Vorgehens aller verantwortli­chen staatlichen, politischen und gesell­schaftlichen Gremien. In keinem Fall darf akzeptiert werden, daß zum gegenwärtigen Zeitpunkt dringend erforderliche Mittel für Aufklärungsmaßnahmen in Ausbildung und Forschung dem Rotstift der brandenburgi­schen Landesregierung zum Opfer fallen. Bildungsinstitute, Universitäten und For­schungseinrichtungen wie das MMZ, die sich schwerpunktsmäßig mit Rechtsextre­mismusforschung und Holocaust-Studien beschäftigen, leiden immer stärker unter den Sparmaßnahmen, die nach der Rasen­mähermethode ohne Unterschied radikale Kürzungen verordnen. So sind zum Beispiel auch aktuelle Untersuchungen zu Integra­tionsproblemen von Ausländern und Projek­

INTERDISZIPLINÄRER AUSTAUSCH UND UNBÜROKRATISCHE HILFE Doktoranden-Netzwerk THESIS

Vom 2. bis 4. Oktober dieses Jahres findet an der Universität Potsdam das Jahres­treffen des Doktoranden-Netzwerks THE­SIS statt. Dem voraus geht das Treffen des internationalen Postgraduierten-Netzwerks PI-NET am 1. und 2. Oktober. Vorbereitet und koordiniert wird diese Veranstaltung vom Vorstand des Vereins sowie der Berli­ner Regionalgruppe, zu der auch Christina Erdmann vom Institut für Pädagogik der Uni und Ludger Offerhaus vom GeoFor­schungsZentrum gehören.

THESIS wurde 1991 von circa 15 Dokto­randen gegründet und versteht sich als selbstorganisierter Interessenverband von inzwischen circa 240 Promovierenden aus allen wissenschaftlichen Gebieten, von Ar­chitektur und Agrarwissenschaften bis hin zu Veterinärmedizin und Zoologie. Inter­disziplinärer Austausch und, soweit mög­lich, unbürokratische Hilfe untereinander sind die zentralen Anliegen des gemein­nützigen Vereins, der sich zum ersten Mal in Potsdam trifft, Die jährlichen Zusam­menkünfte dienen vor allem dem gegen­seitigen Kennenlernen der im gesamten Bundesgebiet ansässigen Doktoranden

sowie dem Erfahrungs- und Informations­austausch. Aber auch Fachvorträge aus verschiedenen Disziplinen sowie Work­shops, beispielsweise zu Fragen der Pro­motion von Fachhochschulabsolventen, werden stattfinden. Geplant sind außer­dem Besuche historischer Sehenswürdig­keiten.

Dem Jahrestreffen des deutschen Doktoran­den-Netzwerks geht ein Arbeitstreffen des internationalen Zusammenschlusses von Postgraduierten, des PI-NET voraus. Hier­zu werden Doktoranden aus Italien, den USA, Irland, Ungarn, Australien und ande­ren Ländern erwartet. Da diese internatio­nale Vereinigung erst im Herbst 1997 in Budapest ins Leben gerufen wurde, dient die Arbeitstagung in Potsdam vor allem der Koordination gemeinsamer Aktivitäten so­wie einem Vergleich der in den einzelnen Ländern unterschiedlichen beruflichen, ökonomischen und sozialen Lebensbedin­gungen von Doktoranden. Weitere Informa­tionen sind von Christina Erdmann, e-mail: erdmann@rz.uni- potsdam.de, und Ludger Offerhaus, e-mail: ljo@gfz-potsdam.de, zu erfahren. Ch.E.

te zur Medienaufklärung gegen Rechtsrad:­kalismus und Antisemitismus in Brander burg unmittelbar durch Mittelkürzungen bedroht. Das MMZ appelliert deshalb an die politisch Verantwortlichen, auf der Grundle­ge eines demokratischen Konsenses eindeı ­tige Prioritäten zu setzen, damit die Zukunt des Landes nicht zugunsten parteipolit scher Engstirnigkeit und kurzfristiger Spar­maßnahmen aufs Spiel gesetzt wird.

AUS DEM SENAT BERICHTET

In seiner 52. Sitzung am 11. Juni 1998 het sich der Senat der Universität Potsdar unter anderem mit folgenden Theme ı beschäftigt bzw. nachstehende Beschlü: ­se gefaßt:

Zunächst gedachten die Senatoren mit ner Gedenkminute des tags zuvor versto benen Leiters des Zentrums für Hochschu sport, Dr. Erhard Buchholz. Sie würdigte ihn als einen Kollegen mit hohen menschl chen und fachlichen Qualitäten.

Das Gremium traf einige Personalentsche'­dungen. So wählte es Prof. Dr. Dieter Wac­ner aus der Wirtschafts- und Sozialwisse: ­schaftlichen Fakultät und Prof. Dr. Mariaı:­ne Andrae aus der Juristischen Fakultät als Mitglied bzw. stellvertretendes Mitglied in den Verwaltungsrat des Studentenwerkes Potsdam. Sie amtieren in dieser Funktion vom 1. Oktober 1998 bis zum 30. Septen:­ber 2000. Des weiteren bestellte der Senat Prof. Dr. Gernot Badtke aus dem Institut fi Sportmedizin und Prävention zum Vorsi'­zenden der Verkehrskommission der Ur Er löst damit Prof. Dr. Ingo Balderjahn avs der Wirtschafts- und Sozialwissenschaft!­chen Fakultät ab. Zustimmung fand ebens?> die Neufassung der Habilitationsordnung der Juristischen Fakultät. B.I.

Wir geben Menschen eine Überlebenschance, die unverschuldet durch Kriege oder Naturkatastrophen in Not m:

BE aaa MEDECINS SANS FRONTIERES ÄRZTE OHNE GRENZEN e.V. Ärzte ohne Grenzen e.V.

Lievelingsweg 102, 53119 Bonn

Spendenkonto 97097 Sparkasse Bonn, BLZ 380 500 00

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