Heft 
(1.1.2019) 06
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DAS KÖNNEN WIR AUCH

Lesedienst für blinde Studierende

Was sich in Amerika bewährt hat, sollte auch bei uns möglich sein, dachte Prof, Dr. Jetlev W. Belling von der Juristischen Fakul­tät der Uni. Bei seinem Aufenthalt an der Jniversität Illinois konnte er hautnah erle­jen, welche Hilfen man dort sehbehinder­an Studierenden angedeihen läßt. Ein ei­jens für sie eingerichteter Lesedienst trägt lazu bei, ihre Studienbedingungen zu ver­jessern. Das war für Belling Anlaß zur Tat, nen Lesedienst auch in seinem Bereich in )otsdam zu organisieren.Später verteilten vır es auf mehrere Schultern.

layk Hauke, seit 1996 Jura-Student an der ni, profitiert von der Initiative der Lehren­len. Von Beginn seines Studiums an läßt er ich, zunächst zwei, jetzt sechs Stunden ro Woche, Texte aus Lehr- und Fachbü­hern, Zeitschriften, Gesetzen und ande­an Publikationen vorlesen. Studentische ilfskräfte, die die Professoren zur Verfü­jung stellen, erfüllen diese Aufgabe. Denn Cht alles ist schon auf Kassetten verfüg­ar.

jellings Beispiel machte Schule. Inzwi­chen stehen auch studentische Hilfskräf­a der Professoren Uwe Hellmann, Werner Aerle, Wolfgang Mitsch, Michael Nier­aus und Dieter C. Umbach für Rayk lauke und seinen Kommilitonen Marco ende zur Verfügung. Daß die Vorlesenden jereits in höheren Semestern studieren, ist ür beide ein zusätzlicher Gewinn.Sie Önnen uns aus eigener Erfahrung auf Wichtiges oder eher Zweitrangiges hinwei­en, Hauke und Jende tauschen unterein­nder dann die Kassetten aus, auf denen je beim Vorlesen auch Mitschnitte anfer­igen. Später nutzen sie das Aufgezeichne­2 für Hausarbeiten oder Klausuren.

iayk Hauke weiß sehr gut, daß das Enga­jement der Professoren und der an der Hochschule für die Beratung Studierender nit Behinderung Zuständigen, Dr. Irma Bürger, bei weitem nicht an allen Unis selbstverständlich ist.Es ist nicht alltäg­lich, sagt der angehende Jurist.

Um Chancengleichheit im Studium herzu­stellen, muß für Behinderte ein Nachteils­ausgleich geschaffen werden. Darin sind sich wohl alle einig. Technische Hilfen sind dabei unabdingbar. Ebenso eindeutig ist, daß sie den persönlichen Kontakt nicht er­setzen können. Deshalb hebt Prof. Belling die sehr wichtige menschliche Erfahrung hervor. B.E.

JETZT FÜHLE ICH MICH HIER SEHR WOHL DAAD-Stipendiatentreffen mit großer Resonanz

Am 12. Juni 1998 eröffnete der branden­burgische Ministerpräsident, Dr. Manfred Stolpe, ein zweitägiges Stipendiatentref­fen des Deutschen Akademischen Aus­tauschdienstes(DAAD) an der Universi­tät Potsdam. 420 Teilnehmer aus 90 Län­dern beteiligten sich daran. Robert Mail­beck führte für die PUTZ im Anschluß an das Treffen mit Dr. Regina Neum, Leiterin des Uni-Auslandsamtes, und Olga Mo­krowa, Austauschstudentin aus Kasach­stan, das folgende Gespräch.

PUTZ: Weshalb fand diese Tagung gerade in Potsdam statt?

Neum: Der DAAD richtet jährlich vier Zu­sammenkünfte an jeweils verschiedenen Universitäten aus. Damit wird versucht den internationalen Studierenden, die viel­fältige Universitätslandschaft in Deutsch­land näherzubringen. Potsdam war das zweite Mal Ausrichter des Stipendiaten­treffens. 1991 trafen sich hier alle Stipen­diaten aus dem Gebiet der ehemaligen DDR. Ich meine, daß die Entscheidung für die Reputation der Universität und das Flair der Stadt spricht. Zusammen mit ih­ren Angehörigen und Betreuern kamen diesmal fast 700 Teilnehmer. Das ist die vermutlich bisher größte internationale Zusammenkunft an der Universität Pots­dam gewesen. PUTZ: Worin bestand das Ziel dieses Treffens? Neum: Das Anliegen, das der DAAD mit den Tagungen verfolgt, ist das bessere Ken­nenlernen der Organisation durch die Sti­pendiaten. Dies soll durch das persönliche Zusammentreffen mit den zuständigen

DAAD-Mitarbeitern, durch das Knüpfen von Kontakten untereinander und durch den

Austausch von Erfahrungen geschehen. PUTZ: Worin bestand die Spezifik dieses Stipendiatentreffens gegenüber früheren? Mokrowa: In Potsdam stellten diesmal Teil­nehmer zum ersten Mal konkrete Projekte über ihre Studieninhalte vor. So wurde mit Musik, Videos, Postern und Vorträgen ge­arbeitet. Beispielsweise hat eine polnische Studentin das Modell eines rollstuhlfahrer­gerechten Wohnheimes entworfen und in Potsdam damit bekanntgemacht. Zu den 25 vorgestellten Projekten gehörte auch die Arbeit in der Germanistik von der Potsda­mer Stipendiatin Swetlana Anfimowa. Die­se Form der Darstellung nahmen die Besu­cher sehr positiv auf.

PUTZ: Welche Eindrücke hatten Sie als Sti­pendiatin?

Mokrowa: Ich war überrascht, daß ich so viele Stipendiaten aus Kasachstan traf. We­gen des organisatorischen Aufbaus der DAAD-Referate waren die Gesprächsgrup­pen leider nach Ländern zusammenge­setzt. Trotzdem habe ich auch neue Kontak­e geschlossen. Gut fand ich, daß ich Ver­antwortliche aus der Entscheidungsebene des DAAD jetzt näher kennenlernen konn­te. Früher hatte ich nur briefliche Kontakte mit ihnen. PUTZ: Wie sind Sie mit Ihren Studien­bedingungen in Potsdam zufrieden? Mokrowa: Mit Potsdam bin ich voll einver­standen. Am Anfang war ich ziemlich allein, aber jetzt fühle ich mich hier sehr wohl. Vor allem bin ich sehr zufrieden mit der Betreu­ung durch das Akademische Auslandsamt der Uni. Die Mitarbeiter unterstützen mich bei allen Fragen wunderbar. Ich habe erfah­ren, daß das an anderen Universitäten nicht immer so gut klappt.

PUTZ: Vielen Dank für dieses Gespräch.

RR

Sie studieren derzeit mit Stipendien des DAAD an Hochschulen in Brandenburg, Berlin, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Schleswig-Holstein: Gäste des

Stipendiatentreffens an der Uni Potsdam.

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Foto: Fritze

PUTZ 6/98

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