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(1.1.2019) 06
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KONFLIKT ALS CHANCE

Studie zur Streitkultur bei Kindern vom Institut für angewandte Familien- Kindheits- und Jugendforschung

Schon im Kleinkindalter erfahren Kinder bei Konflikten entweder regelmäßig, daß sie dem Geschehen hilflos ausgeliefert sind oder daß sie selbst ihr Umfeld aktiv mitgestalten können. Solche Erfahrungen scheinen prägend zu sein. Die Analyse der Ursachen von Jugendgewalt zeigt, daß gewaltbereite Jugendliche wenig Mög­lichkeiten sehen, wie sie ihr Schicksal selbst bestimmen können, sondern eher fatalistischen Überzeugungen anhängen. Andere Jugendliche engagieren sich da­gegen in der gleichen Situation von Lehrstellenmangel und Arbeitslosigkeit und suchen nach konstruktiven Lösungen.

Unter der Leitung des Privatdozenten Dr. Dietmar Sturzbecher haben Dr. Heidrun Großmann, Irene Ehmke-Pfeiffer und Win­fried Langner vom Institut für angewandte Familien- Kindheits- und Jugendforschung (IFK) an der Universität Potsdam in Vehle­vanz nun ein Projekt begonnen, in dem die Streitkultur bei Kindern, ihren Eltern und Erzieherinnen vom Kindergarten bis zur Grundschule untersucht werden soll. Eigens dafür wurde am IFK ein Regelspiel entwickelt, womit die befragten Kinder spie­lerisch ausdrücken können, wie sie selber oder ihre Eltern und Erzieherinnen in einer Konfliktsituation reagieren würden. Auf bun­ten Bildern sind verschiedene Situationen zu sehen, die das Kind beschreiben soll: Zum Beispiel eine Mutter, die will, daß das Kind sein Zimmer aufräumt. Farbige Kärt­chen stehen für verschiedene Verhaltens­weisen, wie zum Beispiel: Strafandrohung, Entmutigung wieDas schaffst du sowieso nicht oder das Angebot von Hilfe, Das Kind soll diese Karten in Kästchen einsortieren, auf denen Murmeln aufgemalt sind. Je mehr Murmeln auf dem Kästchen sind, desto häufiger kommt dieses Verhalten vor. Im Herbst dieses Jahres beginnt das Projekt mit vier- bis fünfjährigen Kindern aus Kin­dertageseinrichtungen in Bremen, Bran­denburg, Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen. Pro Bundesland werden sechs Kitas mit möglichst unterschiedli­Chen pädagogischen Konzepten einbezo­gen, vom antiautoritären Kinderladen bis zur straff organisierten Großeinrichtung.

In den folgenden drei Jahren sollen die Kin­der fünfmal befragt werden, wobei auch in­teressant sein wird, was sich im sozialen Verhalten beim Übergang vom Kindergar­ten in die Grundschule verändert. Die Wis­senschaftlerinnen wollen erfahren, wie die Kinder alltägliche Konfliktsituationen unter­einander oder mit Erwachsenen meistern, ob sie Möglichkeiten der Mitbestimmung

zu Hause oder in der Kita haben und ob sie sie wahrnehmen. In Interviews mit Erziehe­Ynnen und Eltern werden auch die äußeren Bedingungen, wie die Familiensituation und der Erziehungsstil, unter die Lupe genom­men.Unser Forschungsprojekt bezieht die Ansichten und Empfindungen der Kinder

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direkt mit ein, betont Heidrun Großmann. Sie ist überzeugt, daß Kinder mehr als bis­her erfahren müssen, daß sie Konflikte nut­zen können, um etwas zu verändern. Aus den Projektergebnissen könnten konkrete Anregungen für die Kindergartenpädago­gik erarbeitet werden, um die Streitkultur zu verbessern. Jeder Konflikt sei schließlich eine Chance, Demokratie, fnedliches Mit­einander und Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung zu üben. ar

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Schon im Kindergarten werden soziale Techniken geübt, um Konflikte zu lösen. Abb.: IFK, Vehlevanz

UNIVERSITÄT POTSDAM MITGLIED DER DFG

Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte als Senatorin gewählt

Die Mitgliederversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft(DFG) hat im Rahmen ihrer Jahrestagung in Bonn die Uni­versität Potsdam als neues Mitglied aufge­nommen. Damit ist diese als 66.(10. ost­deutsche) und einzige brandenburgische Hochschule in diesem Gremium vertreten. Satzungsgemäß können Hochschulen, Aka­demien der Wissenschaften, andere For­schungseinrichtungen und wissenschaftli­Che Verbände Mitglieder werden,wenn sie Forschungseinrichtungen von allgemeiner Bedeutung sind. Ob die antragstellende Institution diese Anforderungen erfüllt, rich­tet sich danach,ob unabhängige For­schung zu den grundlegenden Aufgaben der Institution gehört und welchen Umfang die Forschung im Verhältnis zur gesamten Aktivität der Einrichtung hat sowie nach dem wissenschaftlichen Profil.

Des weiteren wählte die Versammlung Prof. Dr. Luise Schorn-Schütte für drei Jahre zur Senatorin. Die 1949 geborene Wissen­schaftlerin ist Professorin für Neuere Allge­meine Geschichte unter besonderer Be­rücksichtigung der Frühen Neuzeit am Hi­storischen Institut. Die DFG wurde 1920 unter dem Namen Notgemeinschaft der Deutschen Wissen­schaft gegründet. Seit 1951 heißt sie Deut­sche Forschungsgemeinschaft. Sie dient der Wissenschaft in allen ihren Zweigen insbesondere durch finanzielle Unterstüt­zung von Forschungsvorhaben. Diesen zen­tralen Auftrag erfüllt die DFG als Selbstver­waltungsorganisation der deutschen Wis­senschaft, die die wissenschaftlichen Mit­glieder ihrer Organe selbst wählt. Das Gre­mien trägt zur Stärkung der Zusammenar­Fortsetzung Seite 20

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