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Es ist heute kaum noch nachvollziehbar, welche Schwierigkeiten und Hindernisse Müller-Stoll damals überwinden und gegen welche Dogmen er ankämpfen mußte. Dazu gehörte auch sein Engagement bei den grundsätzlichen Auseinandersetzungen um den Charakter der Brandenburgischen Landeshochschule, die 1951 administrativ in eine Pädagogische Hochschule umgewandelt und auf die Lehrerausbildung eingeschränkt wurde. Mit dieser politischen Entscheidung erhoffte sich das SED-Regime bessere Möglichkeiten für die Ausbildung ‚,sozialistischer Lehrer“. Müller-Stoll sah die damit verbundenen Gefahren für eine universitäre Ausbildung und stellte sich mit aller Kraft entgegen. Ihm und einigen seiner engagierten Fachkollegen ist es zu danken, daß wenigstens die Einheit von Forschung und Lehre erhalten blieb und somit die Entwicklung zu einer verschulten, rein pädagogischen Einrichtung ohne Fachforschung- wie es beabsichtigt war— verhindert wurde.
Der für uns Deutsche schicksalhafte 13. August 1961 führte zum Ende seines Wirkens an der ehemaligen Pädagogischen Hochschule. Müller-Stoll gehörte zu den wenigen Mutigen, die offen aussprachen, was Viele dachten. ‚,Die Mauer zementiert die Spaltung Deutschlands. Sie wird zur politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Isolation eines Teils des deutschen Volkes führen.‘ Durch diese Haltung bestärkte er die kritisch eingestellten Angehörigen des Lehrkörpers und der Studenten, die die Maßnahmen der Ulbricht-Regierung nicht verstehen konnten. Partei- und staatliche Leitung der Hochschule wurden erschreckt und reagierten diktatorisch: Studenten erhielten Disziplinarverfahren und wurden ‚,in die Produktion“ geschickt, Mitarbeiter wurden gemaßregelt und finanziell bestraft. Das Protokoll der Senatssitzung, in der die damalige Situation an der Hochschule analysiert wurde, ist erhalten geblieben. Mit tiefer Beschämung lesen wir, wie die Haltung Müller-Stolls eines um die Hochschule verdienten, national und international bekannten Wissenschaftlers, dem die damalige Hochschulleitung nicht das Wasser reichen konnte, von ihr be- und verurteilt wurde. Seine klarsichtige und unbeugsame politische Haltung war willkommener Anlaß, sich seiner zu entledigen. Er wurde am 12. Oktober 1961, mitten im schöpferischen Zenit seines Lebens,
Nr. 14/91
WISSENSCHAFT
durch einstimmigen Senatsbeschluß von seiner Lehrtätigkeit und allen Funktionen „beurlaubt“ und schließlich an ein Forschungsinstitut„‚abgeschoben‘“. Die Beurlaubung Müller-Stolls von seinen Ämtern als Prorektor, Fachrichtungsleiter und Institutsdirektor haben über Potsdam hinaus Empörung hervorgerufen. International bekannte Persönlichkeiten wie u. a. Prof. Dr. Reinhold Tüxen und Prof. Dr. Hugo Oswald, der Mitglied des Schwedischen Reichstages war, schrieben an Walter Ulbricht und protestierten gegen die Behandlung von Müller-Stoll.
In den Folgejahren, nach seiner Kritik am Mauerbau und der SED-Politik sei für ihn ‚‚am bittersten gewesen, wie sich seine Voraussagen bewahrheitet haben.‘ Als
Emeritus blieb er mit der Entwicklung seiner geliebten Botanik verbunden, nahm weiterhin an Symposien und Exkursionen teil, hielt wissenschaftliche Vorträge und publizierte. Mit seinen Arbeiten und seinen Schülern, von denen heute im Osten und Westen Deutschlands über zehn als Professoren tätig sind oder andere Leitungsfunktionen ausüben, hat sich der hervorragende Wissenschaftler und Mensch selbst das schönste Denkmal gesetzt. Der Gründungsrektor der Potsdamer Universität, Prof. Dr. Mitzner, versicherte in seiner Laudatio, daß er und sein Rektorat, Herrn Prof. Müller-Stoll stets als einen wahren Mitbegründer der Universität Potsdam ansehen und ehren werden.
Dr. Rammelt
Sind die Werk- und Polytechniklehrer die Verlierer der Schulreform?
Auf ihrer 3. Tagung des Landesverbandes Polytechnik/Arbeitslehre-Brandenburg e. V. zogen Vorstand und Mitglieder Bilanz über die geleistete Arbeit und steckten die nächsten Aktivitäten ab. Der Vorsitzende des Verbandes, Dr. sc. Dieter Mette, unterstützte die sich für das Land abzeichnende Position, das Lernfeld Arbeitslehre/Polytechnik integrativ anzulegen. Somit können die Schülerinnen und Schüler optimal auf die Bewältigung typischer, durch Technik, Wirtschaft, Haushalt und Beruf geprägter Lebenssituationen vorbereitet werden. Mit Empörung wurde auf die Festlegung reagiert, daß kein Vertreter des Landesverbandes durch die Regierung in die Arbeiten zu den Rahmenrichtlinien des Fachbereiches Arbeitslehre/Polytechnik für das neue Schuljahr einbezogen wurde, obwohl wiederholt entsprechende Angebote unterbreitet wurden.
Beruht Demokratie nicht auf Sachkompetenz, und verlangt sie nicht die Anhörung und Berücksichtigung unterschiedlicher Interessenlagen?
Klare Forderungen wurden durch die einzelnen Arbeitsgruppen des Landesverbandes zur Gestaltung des Wahlpflichtbereiches in den einzelnen Schultypen und insbesondere zur gymnasialen Oberstufe gestellt. Besondere Berücksichtigung muß hier auch die Entwicklung technischer Interessen erfahren.
Nachhaltig forderten die Mitglieder des Landesverbandes die Regierung auf, klare Standpunkte zur Anerkennung ihrer
Abschlüsse zu beziehen. Es wäre eine eindeutige Mißachtung der Qualifikation dieses Lehrerkreises, wenn durch die Umgestaltung des Fächerkanons der Schule ihre Lehrbefähigungen für Technik, Werken und Technisches Zeichnen einer Ein-Fach-Ausbildung gleichgesetzt würden. Die Studiendauer eines Diplomlehrers für Polytechnik entsprach in der
Vergangenheit voll der der anderen Diplomlehrerstudiengänge. Das stark ingenieurwissenschaftlich orientierte Studium sah jedoch nicht den Abschluß eines weiteren inaffinen Faches, wie beispielsweise Physik oder Mathematik vor. Dabei sperrt sich kein Lehrer vor weiteren Fortbildungen und Zusatzstudien. Die Vorschläge des Fachbereiches Technische Bildung der Brandenburgischen Landeshochschule zur Fort- und Weiterbildung wurden von den Lehrern unterstützt. Bezüglich der Anerkennung der Abschlüsse wurde darauf verwiesen, daß in Mekklenburg- Vorpommern diese Frage durch die Konsolidierung der Unterrichtsfächer Werken und Technik nicht zur Diskussion steht.
Die Ergebnisse der Verbandstagung wurden zusammengefaßt und dem Minister für Bildung, Jugend und Sport übergeben.
Dr. Bernd Meier
FB Technische Bildung (Mai 1991)