Heft 
(1.1.2019) 14
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(Fortsetzung von Seite 4)

Es ist heute kaum noch nachvollziehbar, welche Schwierigkeiten und Hindernisse Müller-Stoll damals überwinden und gegen welche Dogmen er ankämpfen mußte. Dazu gehörte auch sein Engagement bei den grundsätzlichen Auseinandersetzun­gen um den Charakter der Brandenburgi­schen Landeshochschule, die 1951 admi­nistrativ in eine Pädagogische Hochschu­le umgewandelt und auf die Lehrerausbil­dung eingeschränkt wurde. Mit dieser politischen Entscheidung erhoffte sich das SED-Regime bessere Möglichkeiten für die Ausbildung ‚,sozialistischer Lehrer. Müller-Stoll sah die damit verbundenen Gefahren für eine universitäre Ausbil­dung und stellte sich mit aller Kraft entge­gen. Ihm und einigen seiner engagierten Fachkollegen ist es zu danken, daß we­nigstens die Einheit von Forschung und Lehre erhalten blieb und somit die Ent­wicklung zu einer verschulten, rein päd­agogischen Einrichtung ohne Fachfor­schung- wie es beabsichtigt war verhin­dert wurde.

Der für uns Deutsche schicksalhafte 13. August 1961 führte zum Ende seines Wirkens an der ehemaligen Pädagogi­schen Hochschule. Müller-Stoll gehörte zu den wenigen Mutigen, die offen aus­sprachen, was Viele dachten. ‚,Die Mauer zementiert die Spaltung Deutschlands. Sie wird zur politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Isolation eines Teils des deutschen Volkes führen. Durch diese Haltung bestärkte er die kritisch einge­stellten Angehörigen des Lehrkörpers und der Studenten, die die Maßnahmen der Ulbricht-Regierung nicht verstehen konn­ten. Partei- und staatliche Leitung der Hochschule wurden erschreckt und rea­gierten diktatorisch: Studenten erhielten Disziplinarverfahren und wurden ‚,in die Produktion geschickt, Mitarbeiter wur­den gemaßregelt und finanziell bestraft. Das Protokoll der Senatssitzung, in der die damalige Situation an der Hochschule analysiert wurde, ist erhalten geblieben. Mit tiefer Beschämung lesen wir, wie die Haltung Müller-Stolls eines um die Hoch­schule verdienten, national und interna­tional bekannten Wissenschaftlers, dem die damalige Hochschulleitung nicht das Wasser reichen konnte, von ihr be- und verurteilt wurde. Seine klarsichtige und unbeugsame politische Haltung war will­kommener Anlaß, sich seiner zu entledi­gen. Er wurde am 12. Oktober 1961, mit­ten im schöpferischen Zenit seines Lebens,

Nr. 14/91

WISSENSCHAFT

durch einstimmigen Senatsbeschluß von seiner Lehrtätigkeit und allen Funktionen beurlaubt und schließlich an ein For­schungsinstitut‚abgeschoben. Die Be­urlaubung Müller-Stolls von seinen Äm­tern als Prorektor, Fachrichtungsleiter und Institutsdirektor haben über Potsdam hin­aus Empörung hervorgerufen. Internatio­nal bekannte Persönlichkeiten wie u. a. Prof. Dr. Reinhold Tüxen und Prof. Dr. Hugo Oswald, der Mitglied des Schwedi­schen Reichstages war, schrieben an Walter Ulbricht und protestierten gegen die Behandlung von Müller-Stoll.

In den Folgejahren, nach seiner Kritik am Mauerbau und der SED-Politik sei für ihn ‚‚am bittersten gewesen, wie sich seine Voraussagen bewahrheitet haben. Als

Emeritus blieb er mit der Entwicklung seiner geliebten Botanik verbunden, nahm weiterhin an Symposien und Exkursionen teil, hielt wissenschaftliche Vorträge und publizierte. Mit seinen Arbeiten und sei­nen Schülern, von denen heute im Osten und Westen Deutschlands über zehn als Professoren tätig sind oder andere Lei­tungsfunktionen ausüben, hat sich der hervorragende Wissenschaftler und Mensch selbst das schönste Denkmal gesetzt. Der Gründungsrektor der Potsdamer Uni­versität, Prof. Dr. Mitzner, versicherte in seiner Laudatio, daß er und sein Rektorat, Herrn Prof. Müller-Stoll stets als einen wahren Mitbegründer der Universität Potsdam ansehen und ehren werden.

Dr. Rammelt

Sind die Werk- und Polytechniklehrer die Verlierer der Schulreform?

Auf ihrer 3. Tagung des Landesverban­des Polytechnik/Arbeitslehre-Branden­burg e. V. zogen Vorstand und Mitglieder Bilanz über die geleistete Arbeit und steckten die nächsten Aktivitäten ab. Der Vorsitzende des Verbandes, Dr. sc. Dieter Mette, unterstützte die sich für das Land abzeichnende Position, das Lern­feld Arbeitslehre/Polytechnik integrativ anzulegen. Somit können die Schülerin­nen und Schüler optimal auf die Bewälti­gung typischer, durch Technik, Wirtschaft, Haushalt und Beruf geprägter Lebenssi­tuationen vorbereitet werden. Mit Empö­rung wurde auf die Festlegung reagiert, daß kein Vertreter des Landesverbandes durch die Regierung in die Arbeiten zu den Rahmenrichtlinien des Fachbereiches Arbeitslehre/Polytechnik für das neue Schuljahr einbezogen wurde, obwohl wiederholt entsprechende Angebote un­terbreitet wurden.

Beruht Demokratie nicht auf Sachkompe­tenz, und verlangt sie nicht die Anhörung und Berücksichtigung unterschiedlicher Interessenlagen?

Klare Forderungen wurden durch die einzelnen Arbeitsgruppen des Landesver­bandes zur Gestaltung des Wahlpflicht­bereiches in den einzelnen Schultypen und insbesondere zur gymnasialen Ober­stufe gestellt. Besondere Berücksichtigung muß hier auch die Entwicklung techni­scher Interessen erfahren.

Nachhaltig forderten die Mitglieder des Landesverbandes die Regierung auf, klare Standpunkte zur Anerkennung ihrer

Abschlüsse zu beziehen. Es wäre eine eindeutige Mißachtung der Qualifikation dieses Lehrerkreises, wenn durch die Umgestaltung des Fächerkanons der Schu­le ihre Lehrbefähigungen für Technik, Werken und Technisches Zeichnen einer Ein-Fach-Ausbildung gleichgesetzt wür­den. Die Studiendauer eines Diplomleh­rers für Polytechnik entsprach in der

Vergangenheit voll der der anderen Di­plomlehrerstudiengänge. Das stark inge­nieurwissenschaftlich orientierte Studium sah jedoch nicht den Abschluß eines weiteren inaffinen Faches, wie beispiels­weise Physik oder Mathematik vor. Dabei sperrt sich kein Lehrer vor weiteren Fort­bildungen und Zusatzstudien. Die Vor­schläge des Fachbereiches Technische Bildung der Brandenburgischen Landes­hochschule zur Fort- und Weiterbildung wurden von den Lehrern unterstützt. Bezüglich der Anerkennung der Abschlüs­se wurde darauf verwiesen, daß in Mek­klenburg- Vorpommern diese Frage durch die Konsolidierung der Unterrichtsfächer Werken und Technik nicht zur Diskus­sion steht.

Die Ergebnisse der Verbandstagung wur­den zusammengefaßt und dem Minister für Bildung, Jugend und Sport übergeben.

Dr. Bernd Meier

FB Technische Bildung (Mai 1991)