Heft 
(1.1.2019) 14
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Neue Generation von Grundschullehrern wird ausgebildet

Im Wintersemester 1991/92 beginnt an der Universität Potsdam mit der Ausbil­dung für das Lehramt,Primarstufe ein neues Kapitel der Grundschullehreraus­bildung in der Region Brandenburg. Die Bedeutung der Grundschule im Leben der Kinder findet durch die jüngsten schulpo­litischen Entscheidungen der Landesre­gierung Brandenburg zur Einordnung der Grundschule ihren klaren Ausdruck. Folgerichtig bestimmen die nunmehr vor­

Foto: Görlich

liegende Prüfungsordnung sowie die Stu­dienordnung für zukünftige Primarstufen­lehrer das Konzept für den Bildungsge­halt, die Fachauswahl, den Umfang und die Dauer des Studiums der künftigen Lehrer für die Grundschule(Primarstufe) bis zur 1. Staatsprüfung.

Der zukünftige Lehrer der Primarstufe erwirbt eine Lehrbefähigung für die Klas­sen 1 bis 6 in drei Fächern. Zu wichtigen Konzentrationspunkten der erziehungs­wissenschaftlichen. und der fachdidakti­schen Ausbildung gehören dabei die konsequente Beachtung dergoldenen Regeln einer guten Grundschulpädago­gik und die Erschließung neuer Wege zur Ausprägung von Individualität und sozia­lem Umgang. Ebenso wichtig wird die Verbindung von integrierendem sowie gefächerten Unterricht mit übergreifen­den Projekten, in dem vor allem Zusam­menhänge im Erfahrungs- und Lebens­raum der Kinder beachtet werden.

Zum Studium des Lehramtes ‚,Primar­stufe werden folgende Fächer angebo­ten, die zu beliebigen Kombinationen von drei Fächern zusammengestellt werden können:

Deutsch/Sprache

Mathematik

6

Kunsterziehung

Musik

Sport

Russisch

Englisch

Sachkunde Gesellschaftslehre(Ge­schichte, Politische Bildung, Erd­kunde)

Sachkunde Naturwissenschaft/Schul­garten(Physik, Biologie, Technik). Ein solches Angebot macht die Ausbil­dung des Lehrers für die Stufe mit ‚,Ei­genwert zu ihrer zentrierenden Mitte und räumt den Absolventen unter diesem Gesichtspunkt gute Einsatzchancen ein. Aus dieser Sicht ergibt sich die Studien­ordnung weist das gesondert aus, daß die Fächer Deutsch/Sprache oder Mathe­

matik in jeder Drei-Fachkombination als Pflichtfach zu studieren sind. Das Studium umfaßt insgesamt 8 Seme­ster sowie 12 Monate Prüfungen und schließt mit der 1. Staatsprüfung ab. Als Zulassungsvoraussetzung gilt eine Hochschulzugangsberechtigung(in der Regel das Vollabitur). Für die Fächer Musik, Kunsterziehung und Sport sind Eignungsnachweise erforderlich. Auf der Grundlage der gekennzeichneten Studienordnung werden gegenwärtig auch Studiengänge zur Erweiterung der Quali­fikation für in der Schulpraxis tätige Unterstufenlehrer erarbeitet und künftig angeboten. Dr. Priesemuth FB Primarstufe

Brandenburger Grundschulmodell ist Herausforderung

Zugegebenermaßen ist das Brandenbur­ger Grundschulmodell ein in der BRD nicht sehr übliches. Es entspricht dem Berliner Modell. Die dort gemachten Erfahrungen sollten ausgetauscht, ausge­wertet und in die eine oder andere Rich­tung umgesetzt werden. Der Ansatzpunkt aller Überlegungen ist sicherlich im Überdenken des Ausbildungsprofils von Grundschullehrern zu suchen. Natürlich ist davon auszugehen, daß die Situation in den Schulen Potsdams nicht in jedem Falle identisch ist. Parallelen sind jedoch unübersehbar. So hatten die Schulleitun­gen häufig die Schwierigkeit, alle Lehrer entsprechend der 80%- Vorgabe des Birth­ler-Ministeriums auszulasten. Dabei kam es in der jetzigen Phase des Übergangs zu z. T. eigenartigen Lösungen. Verständnis dafür ist sicherlich bei dem größten Teil der Eltern vorhanden. Fest steht jedoch, daß in der Zukunft andere Wege gegan­gen werden müssen. Nun ist der Vor­schlag der beliebigen Kombination dreier Fächer für mich zunächst einmal nicht schlecht zu lesen. Bei genauerem Hinse­hen kommen für mich jedoch die Zweifel. Das angestrebte Klassenlehrer-Prinzip, das später zum Fachlehrer-Prinzip übergeht, zwingt zum Abdecken eines möglichst hohen Stundenumfangs und damit breiten Fächerkanons. In etwa soll der Klassen­lehrer in Klasse 1/2 mindestens dreivier­tel, in Klasse 3/4 die Hälfte sowie in Klasse 5/6 ein Drittel des Gesamtunter­richts durchführen. Um diese ,,Maßgabe zu erfüllen, ist eine,günstige Fächer­

kombination vonnöten. Das heißt, ein Lehrer für die Fächer Deutsch/Sprache, Russisch und Englisch bekommt als Klas­senlehrer einer 1. Klasse Probleme hin­sichtlich der Auslastung seines Stunden­volumens. Ideal wäre somit die freie Entscheidung des Studenten in bezug auf die Anzahl der zu kombinierenden Fächer sowie eine an der Praxis orientierte einge­hende Beratung des zukünftigen Lehrers vor Studienbeginn.

Nichts gesagt ist in dem vorgehenden Beitrag zur Methodik, geschuldet der Tat­sache einer noch unklaren Entwicklung hinsichtlich dieses Ausbildungsbereiches. Ob nun direkt der Uni oder auch einer anderen ‚Institution zugeordnet, die Methodik-Ausbildung wird sich den Ent­wicklungen in den Grundschulen stellen müssen.

Abschließend scheint mir notwendig, auf die Dringlichkeit einer zu beschleunigen­den Erarbeitung von Qualifikationslehr­gängen für bisherige Unter- und Mittel­stufenlehrer hinzuweisen. Noch mangelt es an Umfang und Konkretheit von Wei­terbildungsangeboten.

Nicht zuletzt die Eltern würden sich über eine möglichst schnelle Erweiterung der Lehrbefähigung der sich objektiv in einer schwierigen Situation befindenden Leh­rer freuen. Hierbei"sollten die Lehrer zunächst ihre Qualifikation in den von ihnen bereits unterrichteten Fächern er­halten, später dann die Möglichkeit der Hinzunahme eines Fachs/mehrerer Fächer nutzen können. P. Görlich

Nr. 14/91