Neue Generation von Grundschullehrern wird ausgebildet
Im Wintersemester 1991/92 beginnt an der Universität Potsdam mit der Ausbildung für das Lehramt ‚„,Primarstufe‘“ ein neues Kapitel der Grundschullehrerausbildung in der Region Brandenburg. Die Bedeutung der Grundschule im Leben der Kinder findet durch die jüngsten schulpolitischen Entscheidungen der Landesregierung Brandenburg zur Einordnung der Grundschule ihren klaren Ausdruck. Folgerichtig bestimmen die nunmehr vor
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liegende Prüfungsordnung sowie die Studienordnung für zukünftige Primarstufenlehrer das Konzept für den Bildungsgehalt, die Fachauswahl, den Umfang und die Dauer des Studiums der künftigen Lehrer für die Grundschule(Primarstufe) bis zur 1. Staatsprüfung.
Der zukünftige Lehrer der Primarstufe erwirbt eine Lehrbefähigung für die Klassen 1 bis 6 in drei Fächern. Zu wichtigen Konzentrationspunkten der erziehungswissenschaftlichen. und der fachdidaktischen Ausbildung gehören dabei die konsequente Beachtung der„goldenen Regeln“ einer guten Grundschulpädagogik und die Erschließung neuer Wege zur Ausprägung von Individualität und sozialem Umgang. Ebenso wichtig wird die Verbindung von integrierendem sowie gefächerten Unterricht mit übergreifenden Projekten, in dem vor allem Zusammenhänge im Erfahrungs- und Lebensraum der Kinder beachtet werden.
Zum Studium des Lehramtes ‚,Primarstufe“ werden folgende Fächer angeboten, die zu beliebigen Kombinationen von drei Fächern zusammengestellt werden können:
— Deutsch/Sprache
— Mathematik
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— Kunsterziehung
— Musik
— Sport
— Russisch
— Englisch
— Sachkunde— Gesellschaftslehre(Geschichte, Politische Bildung, Erdkunde)
— Sachkunde— Naturwissenschaft/Schulgarten(Physik, Biologie, Technik). Ein solches Angebot macht die Ausbildung des Lehrers für die Stufe mit ‚,Eigenwert“ zu ihrer zentrierenden Mitte und räumt den Absolventen unter diesem Gesichtspunkt gute Einsatzchancen ein. Aus dieser Sicht ergibt sich— die Studienordnung weist das gesondert aus—, daß die Fächer Deutsch/Sprache oder Mathe
matik in jeder Drei-Fachkombination als Pflichtfach zu studieren sind. Das Studium umfaßt insgesamt 8 Semester sowie 12 Monate Prüfungen und schließt mit der 1. Staatsprüfung ab. Als Zulassungsvoraussetzung gilt eine Hochschulzugangsberechtigung(in der Regel das Vollabitur). Für die Fächer Musik, Kunsterziehung und Sport sind Eignungsnachweise erforderlich. Auf der Grundlage der gekennzeichneten Studienordnung werden gegenwärtig auch Studiengänge zur Erweiterung der Qualifikation für in der Schulpraxis tätige Unterstufenlehrer erarbeitet und künftig angeboten. Dr. Priesemuth FB Primarstufe
Brandenburger Grundschulmodell ist Herausforderung
Zugegebenermaßen ist das Brandenburger Grundschulmodell ein in der BRD nicht sehr übliches. Es entspricht dem Berliner Modell. Die dort gemachten Erfahrungen sollten ausgetauscht, ausgewertet und in die eine oder andere Richtung umgesetzt werden. Der Ansatzpunkt aller Überlegungen ist sicherlich im Überdenken des Ausbildungsprofils von Grundschullehrern zu suchen. Natürlich ist davon auszugehen, daß die Situation in den Schulen Potsdams nicht in jedem Falle identisch ist. Parallelen sind jedoch unübersehbar. So hatten die Schulleitungen häufig die Schwierigkeit, alle Lehrer entsprechend der 80%- Vorgabe des Birthler-Ministeriums auszulasten. Dabei kam es in der jetzigen Phase des Übergangs zu z. T. eigenartigen Lösungen. Verständnis dafür ist sicherlich bei dem größten Teil der Eltern vorhanden. Fest steht jedoch, daß in der Zukunft andere Wege gegangen werden müssen. Nun ist der Vorschlag der beliebigen Kombination dreier Fächer für mich zunächst einmal nicht schlecht zu lesen. Bei genauerem Hinsehen kommen für mich jedoch die Zweifel. Das angestrebte Klassenlehrer-Prinzip, das später zum Fachlehrer-Prinzip übergeht, zwingt zum Abdecken eines möglichst hohen Stundenumfangs und damit breiten Fächerkanons. In etwa soll der Klassenlehrer in Klasse 1/2 mindestens dreiviertel, in Klasse 3/4 die Hälfte sowie in Klasse 5/6 ein Drittel des Gesamtunterrichts durchführen. Um diese ,,Maßgabe“ zu erfüllen, ist eine„,günstige‘ Fächer
kombination vonnöten. Das heißt, ein Lehrer für die Fächer Deutsch/Sprache, Russisch und Englisch bekommt als Klassenlehrer einer 1. Klasse Probleme hinsichtlich der Auslastung seines Stundenvolumens. Ideal wäre somit die freie Entscheidung des Studenten in bezug auf die Anzahl der zu kombinierenden Fächer sowie eine an der Praxis orientierte eingehende Beratung des zukünftigen Lehrers vor Studienbeginn.
Nichts gesagt ist in dem vorgehenden Beitrag zur Methodik, geschuldet der Tatsache einer noch unklaren Entwicklung hinsichtlich dieses Ausbildungsbereiches. Ob nun direkt der Uni oder auch einer anderen ‚Institution‘ zugeordnet, die Methodik-Ausbildung wird sich den Entwicklungen in den Grundschulen stellen müssen.
Abschließend scheint mir notwendig, auf die Dringlichkeit einer zu beschleunigenden Erarbeitung von Qualifikationslehrgängen für bisherige Unter- und Mittelstufenlehrer hinzuweisen. Noch mangelt es an Umfang und Konkretheit von Weiterbildungsangeboten.
Nicht zuletzt die Eltern würden sich über eine möglichst schnelle Erweiterung der Lehrbefähigung der sich objektiv in einer schwierigen Situation befindenden Lehrer freuen. Hierbei"sollten die’ Lehrer zunächst ihre Qualifikation in den von ihnen bereits unterrichteten Fächern erhalten, später dann die Möglichkeit der Hinzunahme eines Fachs/mehrerer Fächer nutzen können. P. Görlich
Nr. 14/91