Psychologen tagten
Nom 25. bis zum 27. 9. 91 fand an der Kölner Universität die 3. Tagung der Fachgruppe Pädagogische Psychologie statt. Dazu wurden Mitarbeiter der Potsdamer Universität, des Fachbereiches Psychologie, eingeladen.
Die Eröffnung der Tagung erfolgte durch Herrn Prof: Dr. W.-D. Bald, Dekan der Philosophischen Fakultät. Zentraler Gedanke seines Referates war,„„... der Psychologie eine Vermittlerrolle zuzuerkennen‘‘.„Dabei soll sie vor allem zwischen Menschen vermitteln‘‘, betonte er. Außerdem verwies Herr Prof. Bald auf Vorteile eines jeglichen wissenschaftliChen Erfahrungsaustausches, bei dem wissenschaftliche Ergebnisse des Inlandes sowie des Auslandes verglichen werden können.
Der eigentliche Tagungsablauf war zeitlich straff organisiert. In Abhängigkeit des persönlichen Interesses der Tagungsteilnehmer konnten verschiedene Arbeitsgruppen besucht werden. Für uns Potsdamer waren die Themen„Emotion und Motivation“,„Soziale Interaktion in der Sozialisation“,„Pädagogisches Handeln und geistige Entwicklung im Vorschulalter‘ favorisiert.
Außerhalb des offiziellen Programms waren ein Gesellschaftsabend im Museum „Ludwig“, eine Stadtrundfahrt mit Dombesichtigung sowie ein Besuch im Stadtmuseum angenehme und interessante Abwechslungen. Fazit: Dem eigentlichen Anliegen, wissenschaftliche Untersuchungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren, wurde diese Tagung gänzlich gerecht. Für uns Potsdamer zeichnet sich ab, daß die psychologische Forschung in den„alten Bundesländern“(auch im Ausland) vor allem dadurch charakterisiert ist, sie methodisch zu betreiben. Wir setzen vor allem Akzente bei der Gegenstandsbestimmung psychologischer Untersuchungen. Somit sind unsere Ansätze vermehrt theoretisiert, während man in München; Bielefeld, Heidelbergiz: B. empirieorientiert psychologische Forschung betreibt. Mit Sicherheit ist eine Fusion dieser unterschiedlichen Ansätze für die psychologische Forschung das Beste. Wir wissen deshalb, daß eben mit solchen Veranstaltungen ein Weg zur Optimierung wissenschaftlichen Arbeitens gefunden ist.
Dr. J. Herboth
BILDUNG
12 oder 13 Jahre bis zum Abitur?
Über diese Frage wird seit der deutschen Vereinigung heftig gestritten. Die Kultusminister der alten Bundesländer haben jedenfalls bislang kein Interesse bekundet, die in diesen Ländern übliche 13jährige Schulzeit bis zum Abitur generell um ein Jahr zu verkürzen.
In der DDR wurde— wie allgemein bekannt— das Abitur bereits nach 12 Jahren abgelegt. Eine Regelung, die von allen neuen Bundesländern, mit Ausnahme Brandenburgs, in ihren Schulgesetzen übernommen und festgeschrieben wurde. Wie wir meinen, aus gutem Grund, denn im europäischen Vergleich gibt es mehr Staaten, die das Abitur mit 12 Jahren als mit 13: anbieten. Dieser.; Blick«zu unseren Nachbarn kommt nicht von ungefähr, denn der Europäische Binnenmarkt rückt näher. Wie sind dann die Chancen deutscher Jungakademiker? Feststellbar ist, daß das
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Durchschnittsalter der deutschen Studienanfänger mit 21,7 Jahren deutlich über dem in unseren Nachbarländern liegt. Das ist auf eine Summe von Gründen, aber auch auf die Tatsache zurückzuführen, daß deutsche Abiturienten in der Regel 13 Jahre lang zur Schule gehen. Eine Verkürzung der gymnasialen Schulzeit wäre ein erster Schritt zur Senkung des Berufseintrittsalters der Absolventen deutscher Hochschulen. Damit wird unseres Erachtens keinesfalls der im EG-Vergleich außerordentlich hohe Standard der bundesdeutschen gymnasialen Schulbildung aufgegeben. Eine Schulzeitverkürzung
müßte alle Schularten einbeziehen und bereits in der Unter- und Mittelstufe ansetzen. Sie darf nicht durch Streichung von Inhalten und Anforderungen, sondern sollte durch eine Verdichtung des Lehrstoffes und verminderter Wiederholungszeiten erfolgen. Als Lehrerin übersehe ich nicht die damit verbundenen Fragen, z. B. die Auswirkungen auf den Fremdsprachenunterricht. Zwei Fremdsprachen, vornehmlich aus dem EG-Bereich, sollten die Gymnasiasten demnächst beherrschen. Werden sie aber auch die „EG-Norm“ erfüllen, wenn sie sich z. B. für Latein, aber für keine andere dritte Fremdsprache entscheiden?
Die Gymnasien bauen auf dem auf, was die Grundschulen leisten. Wir Liberale halten es im Hinblick auf die europäische Einigung von Bedeutung, daß unsere Kinder frühestmöglich den Umgang mit einer
fremden Sprache lernen. Daher wollen wir das Angebot eines Sprachunterrichts ab Klasse 3 sichern. Der Wunsch dazu ist bei vielen Eltern vorhanden. Bei einem 12-Jahres-Modell könnte die zweite Fremdsprache bereits in der 6. Klasse und eine dritte Fremdsprache in der 8. Klasse gelehrt werden. Allerdings sind die Auffassungen zur Dauer der Abiturerlangung auch unter den Freien Demokraten recht unterschiedlich. Im Landesfachausschuß für Bildung der Brandenburger F.D.P. gibt es zu diesem 12-Jahres-Modell jedoch Konsens.
Renate Schneider, MdL
Nr. 15/91