Heft 
(1.1.2019) 15
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Psychologen tagten

Nom 25. bis zum 27. 9. 91 fand an der Kölner Universität die 3. Tagung der Fachgruppe Pädagogische Psychologie statt. Dazu wurden Mitarbeiter der Pots­damer Universität, des Fachbereiches Psychologie, eingeladen.

Die Eröffnung der Tagung erfolgte durch Herrn Prof: Dr. W.-D. Bald, Dekan der Philosophischen Fakultät. Zentraler Ge­danke seines Referates war,... der Psychologie eine Vermittlerrolle zuzuer­kennen.Dabei soll sie vor allem zwi­schen Menschen vermitteln, betonte er. Außerdem verwies Herr Prof. Bald auf Vorteile eines jeglichen wissenschaftli­Chen Erfahrungsaustausches, bei dem wis­senschaftliche Ergebnisse des Inlandes sowie des Auslandes verglichen werden können.

Der eigentliche Tagungsablauf war zeit­lich straff organisiert. In Abhängigkeit des persönlichen Interesses der Tagungs­teilnehmer konnten verschiedene Arbeits­gruppen besucht werden. Für uns Potsda­mer waren die ThemenEmotion und Motivation,Soziale Interaktion in der Sozialisation,Pädagogisches Handeln und geistige Entwicklung im Vorschulal­ter favorisiert.

Außerhalb des offiziellen Programms waren ein Gesellschaftsabend im Museum Ludwig, eine Stadtrundfahrt mit Dom­besichtigung sowie ein Besuch im Stadt­museum angenehme und interessante Abwechslungen. Fazit: Dem eigentlichen Anliegen, wissenschaftliche Untersu­chungsergebnisse vorzustellen und zu diskutieren, wurde diese Tagung gänzlich gerecht. Für uns Potsdamer zeichnet sich ab, daß die psychologische Forschung in denalten Bundesländern(auch im Ausland) vor allem dadurch charakteri­siert ist, sie methodisch zu betreiben. Wir setzen vor allem Akzente bei der Gegen­standsbestimmung psychologischer Un­tersuchungen. Somit sind unsere Ansätze vermehrt theoretisiert, während man in München; Bielefeld, Heidelbergiz: B. empirieorientiert psychologische For­schung betreibt. Mit Sicherheit ist eine Fusion dieser unterschiedlichen Ansätze für die psychologische Forschung das Beste. Wir wissen deshalb, daß eben mit solchen Veranstaltungen ein Weg zur Optimie­rung wissenschaftlichen Arbeitens gefun­den ist.

Dr. J. Herboth

BILDUNG

12 oder 13 Jahre bis zum Abitur?

Über diese Frage wird seit der deutschen Vereinigung heftig gestritten. Die Kul­tusminister der alten Bundesländer haben jedenfalls bislang kein Interesse bekun­det, die in diesen Ländern übliche 13jäh­rige Schulzeit bis zum Abitur generell um ein Jahr zu verkürzen.

In der DDR wurde wie allgemein be­kannt das Abitur bereits nach 12 Jahren abgelegt. Eine Regelung, die von allen neuen Bundesländern, mit Ausnahme Bran­denburgs, in ihren Schulgesetzen über­nommen und festgeschrieben wurde. Wie wir meinen, aus gutem Grund, denn im europäischen Vergleich gibt es mehr Staa­ten, die das Abitur mit 12 Jahren als mit 13: anbieten. Dieser.; Blick«zu unseren Nachbarn kommt nicht von ungefähr, denn der Europäische Binnenmarkt rückt nä­her. Wie sind dann die Chancen deutscher Jungakademiker? Feststellbar ist, daß das

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Durchschnittsalter der deutschen Studien­anfänger mit 21,7 Jahren deutlich über dem in unseren Nachbarländern liegt. Das ist auf eine Summe von Gründen, aber auch auf die Tatsache zurückzuführen, daß deutsche Abiturienten in der Regel 13 Jahre lang zur Schule gehen. Eine Ver­kürzung der gymnasialen Schulzeit wäre ein erster Schritt zur Senkung des Berufs­eintrittsalters der Absolventen deutscher Hochschulen. Damit wird unseres Erach­tens keinesfalls der im EG-Vergleich außerordentlich hohe Standard der bun­desdeutschen gymnasialen Schulbildung aufgegeben. Eine Schulzeitverkürzung

müßte alle Schularten einbeziehen und bereits in der Unter- und Mittelstufe an­setzen. Sie darf nicht durch Streichung von Inhalten und Anforderungen, son­dern sollte durch eine Verdichtung des Lehrstoffes und verminderter Wiederho­lungszeiten erfolgen. Als Lehrerin über­sehe ich nicht die damit verbundenen Fragen, z. B. die Auswirkungen auf den Fremdsprachenunterricht. Zwei Fremd­sprachen, vornehmlich aus dem EG-Be­reich, sollten die Gymnasiasten demnächst beherrschen. Werden sie aber auch die EG-Norm erfüllen, wenn sie sich z. B. für Latein, aber für keine andere dritte Fremdsprache entscheiden?

Die Gymnasien bauen auf dem auf, was die Grundschulen leisten. Wir Liberale halten es im Hinblick auf die europäische Einigung von Bedeutung, daß unsere Kinder frühestmöglich den Umgang mit einer

fremden Sprache lernen. Daher wollen wir das Angebot eines Sprachunterrichts ab Klasse 3 sichern. Der Wunsch dazu ist bei vielen Eltern vorhanden. Bei einem 12-Jahres-Modell könnte die zweite Fremd­sprache bereits in der 6. Klasse und eine dritte Fremdsprache in der 8. Klasse ge­lehrt werden. Allerdings sind die Auffas­sungen zur Dauer der Abiturerlangung auch unter den Freien Demokraten recht unterschiedlich. Im Landesfachausschuß für Bildung der Brandenburger F.D.P. gibt es zu diesem 12-Jahres-Modell je­doch Konsens.

Renate Schneider, MdL

Nr. 15/91