Heft 
(1.1.2019) 16
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STANDPUNKTE/ INFO

So geht es nicht!

Frau Dr. Regine Hildebrandt zur Lage der Frauen im Land Brandenburg

Der Medienstar, so wurde Frau Hilde­brandt angekündigt, begnügte sich kei­neswegs mit oben genannter Feststellung. Sie führte vielmehr in der 1. Sonntags­Frauen- Vorlesung unserer Universität am 13. Oktober vielfältige Beispiele dafür an, daß sie willens ist, Kritikwürdiges zu verändern.

Als Ausgangspunkt ihrer Betrachtungen wählte sie Untersuchungsergebnisse des Institutes für Frauenpolitik Berlin. Dort wurde festgestellt, daß die Zahl jener Frauen, die sich aktiv an der Mitgestal­tung der Gesellschaft beteiligen, inner­

ihr Anteil an den Vermittelten nur 40,8% (Zahlen von Ende September aus MAZ vom 17. 10. 91). Dringt man tiefer in die Statistik ein, stellt man fest, daß die lang­fristigen Ausbildungsmaßnahmen mit guten Chancen späterer Vermittlung auf dem Arbeitsmarkt vorwiegend von Männern wahrgenommen werden.

Frau Hildebrandt schilderte die Bemü­hungen ihres Ministeriums, mit Hilfe ei­nes Arbeitsmarktpolitischen Förderpro­gramm die Lage der Frauen zu verbes­sern. Trotz finanzieller Vergünstigungen der Betriebe bei der Einstellung von Frau­

En

Die Gleichstellungsbeauftragte der Universität, Frau Dr. Zapf(I.), Frau Dr. Hilde­

brandt und der Kanzler, Herr Prüß

halb eines Jahres um 16% gesunken ist (1990 20%, 1991 4%). Diejenigen, die aktiv sein würden, verringerte sich gar um 43%(1990 50%, 1991-7%). Diese Zahlen nahm Frau Hildebrandt immer wieder zum Anlaß, um die Frauen zu ermutigen, sich zu beteiligen und sich einzumischen.

Nur 2% der Frauen sehen es als ihren Traumberuf an, nur Hausfrau zu sein. Daraus ergebe sich die Aufgabe, die Be­rufstätigkeit als Teil des Lebens zu er­möglichen. Angesichts der Arbeitslosen­zahlen im Land Brandenburg 21 817 Frauen, 14 637 Männer ist dies ein schwieriges Unterfangen. Während 59,8% der Arbeitslosen Frauen sind, beträgt

Nr. 16/91

Foto: Rüffert

en, bei der Schaffung von Ausbildungs­plätzen für sie, greifen die Regelungen nicht in gewünschtem Maße. Die Umset­zung vieler Vorhaben(z. B, ABM-Mo­dellprojekte, Beschäftigungsgesellschaf­ten, Zentren für Existenzgründungen) schei­tere daran, daß sie von den Verantwortli­chen nicht realisiert würden, sagte die Ministerin.

Schon beim Fällen von Entscheidungen in allen Bereichen sind Frauen einzu­beziehen, auch wenn es sich nicht um frauenspezifische Probleme handelt. Dies gilt natürlich auch für unsere Uni­versität.

Dr. Barbara Eckardt

Erstmals Diplomstudiengang für Wirtschafts­wissenschaften

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Wegen des hohen Bedarfs haben einige Ministerien des Landes Brandenburg drin­gend empfohlen, an der Universität Pots­dam Wirtschaftswissenschaftler auszubil­den. Im Gründungssenat ist Prof. Dr. Molsberger, Professor für Volkswirtschafts­lehre und Wirtschaftspolitik an der Uni­versität Tübingen, für den Aufbau dieses Fachbereiches verantwortlich. In Potsdam sollten nicht alle Zweige der Wirtschafts­wissenschften etabliert werden. Ein Schwerpunkt wird die Betriebswirtschafts­lehre sein. Auch Arbeits- und Betriebs­psychologie wird im Ausbildungsange­bot eine Rolle spielen. Nach einer Emp­fehlung des Wissenschaftsrates sollen in Potsdam auch Wirtschaftspädagogen(Di­plomhandelslehrer) ausgebildet werden. Im Wintersemester 1991/92 haben sich erstmals 85 Studenten für den neuen Stu­diengang eingeschrieben. Derzeitig wer­den die Lehrveranstaltungen, die im Uni­versitätskomplex II in Babelsberg statt­finden, durch Lehrbeauftragte von der Technischen Universität und der Hum­boldt-Universität Berlin, der Ruhr-Uni­versität Bochum und von der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam durch­geführt. Für das kommende Sommersemester ist die Ausschreibung von Professorenstel­len vorgesehen. Auf dem Lehrprogramm stehen derzeitig Mathematik und Stati­stik, Einführungsvorlesungen in die Volks­wirtschaftslehre, Betriebswirtschaftsleh­re, Betriebliches Rechnen, Grundlagen des Marketing-Managements, Öffentliches Recht und Zivilrecht. Die Studienanfän­ger werden durch alle im Diplomstudien­gang tätigen Lehrkräfte bei der indivi­duellen Gestaltung ihres Studiums, über rationelle Studienmethoden und bei der effektiven Planung des Studienablaufes beraten, insbesondere zum Sektor Betriebs­wirtschafslehre durch Prof. Klaus Chmie­lewicz(Bochum) und zum Sektor Volks­wirtschaftslehre durch Prof. Dr. Wolf­gang Cezanne(TU Berlin).

Dr. Rammelt

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