Eine neue Partnerschaft in Sicht?
Begonnen hat es im April, als von der Kgbenhavns Dagog Aftenseminarium(Pädagogische Hochschule) ein Schreiben mit der Bitte kam, Gastgeber für eine Gruppe von 26 Hochschullehrern aus Dänemark zu sein. Das Ziel sollte darin bestehen, erste Kontakte zu einzelnen Fachbereichen unserer Universität zu knüpfen. Die Reise von Frau Samuelsen, einer Vertreterin der Deutschabteilung, nach Potsdam im Mai wurde zu einem ersten Gespräch zwischen ihr, Frau Bürger und mir genutzt. Im Verlaufe dieses Gespräches erfolgte die Einladung an uns, die Kopenhagener Hochschule zu besuchen und im Rahmen einer Vorbereitungsveranstaltung der dänischen Delegation unsere Universität vorzustellen und Probleme der Lehrerbildung vor und nach der Wende zu erläutern. Damit würde die Grundlage dafür geschaffen sein, ohne eine weitere Einführung die Fachgespräche sofort zu beginnen.
Also traten wir am 26. September unsere Reise an. In Kopenhagen erfuhren wir eine herzliche Aufnahme durch Frau Samuelsen und Frau Riis, 2 Kolleginnen der Deutschlandabteilung, aber auch durch jene dänischen Kollegen, die sich vorgenommen hatten, unsere Universität zu
besuchen. In unseren Vorträgen machten wir anhand der Russischlehrerausbildung und der Entwicklung internationaler Beziehungen vor und nach November 1989 deutlich, mit welchen Problemen nicht nur unsere Universität, sondern auch alle
Am 11. Oktober besuchten 26 Hochschullehrer aus Dänemark unsere Universität. Foto: Rüffert
anderen Hochschuleinrichtungen der ehemaligen DDR konfrontiert wurden und werden.
Viele persönliche Gespräche gab es, die vor allem Fragen der Reiseeinschränkungen und der damit notwendigerweise verbundenen„Begrenzung des Horizonts““ (was vor allem die Aufgeschlossenheit gegenüber westeuropäischen Kultur- und Lebensauffassung betrifft) zum Gegenstand hatten.
Ein Ergebnis dieser Reise dürfte bereits auf der Hand liegen: auch in Dänemark wird an Pädagogischen Hochschulen keine Forschung betrieben, so daß es auf diesem Gebiet mit Sicherheit keine Berührungspunkte geben wird.
Gute, aber noch sorgfältig zu prüfende Möglichkeiten für die Zusammenarbeit könnten sich im Austausch von Studenten und einzelnen Lehrkräften zu Gastvorlesungen eröffnen. Am 11. Oktober, als sich Vertreter der Fachbereiche Germanistik, Anglistik, Geschichte, Pädagogik und Psychologie mit ihren dänischen Kollegen über spezifische Fragen des Fachstudiums bzw. der Lehrerausbildung austauschten, wurden möglicherweise die Weichen für die Anbahnung erfolgversprechender Kontakte gestellt. E. Bindig
Vorträge zur Außenpolitik an der Universität
Im Frühjahr 1991 war der Fachbereich Sozialwissenschaften(gemeinsam mit einer Gruppe von Studenten der Geschichtswissenschaft der BLH) Adressat und Gastgeber des US-amerikanischen Vertreters bei der NATO in Brüssel, des künftigen US-Botschafters in Polen, von Botschafter Kornblum, der in Schloß Lindstedt eine Diskussionsrunde der BLH Potsdam leitete und dort allen Anwesenden, auch Vertretern der Presse und des Rundfunks, Rede und Antwort stand. Er verwies dabei auf die Zuständigkeit der NATO auch für das Gebiet der ehemaligen DDR. Auch unterstrich er die Wichtigkeit guter deutschpolnischer Beziehungen und deren Förderung durch das Land Brandenburg, ein Anliegen, das eine von mir fachlich betreute fünfköpfige Expertengruppe(ABM) an der BLH/Universität Potsdam ebenso unterstützt.
Im S. S. 1991 bot der Potsdamer FB Sozialwissenschaften zusätzliche Gastvorträge von international anerkannten Fachkollegen und Experten der Außenpolitik an; exemplarisch seien hier zwei genannt: Prof. Bechthold aus Washington, D. C.— ein bekannter Experte der amerikanischen Diplomatie— war kurz zuvor aus dem Golf-Konfliktgebiet angereist und
Nr. 16/91
sprach vor etwa zwei Dutzend teils jungen, teils postgradualen Zuhörern am 26. April 1991 über seine Kenntisse und Erfahrungen als Berater von General Schwartzkopf, dem Befehlshaber der UN-Einsatztruppe am Golf. Sein Thema„Die Golfkrise und ihre geopolitischen Auswirkungen auf den Nahost-Konflikt“ wurde in einer anregenden Diskussion vom Deutschamerikaner Bechthold mannigfach variiert und mit der kaum bekannten Nachricht angereichert, General Schwartzkopf habe sich zunächst gegen einen Militäreinsatz am Golf ausgesprochen, habe sich dann aber der Politik Präsident Bushs und der des UNOSicherheitsrats beugen müssen. Einen ähnlich interessanten wie auch aktuellen Vortrag bot der weltweit bekannte und aus dem Baltikum stammende Osteuropa-Experte Prof. Dr. Boris Meissner aus Köln einem unterschiedlich informierten, jedoch stark interessierten Publikum. Sein Thema„Nationalitätenkonflikt, Föderalismus und sowjetische Reformpolitik unter Gorbatschow“ breitete er am 13. Mai 1991 vor etwa 30 bis 40 Zuhörern faktenreich aus. Einige Vertreter der regionalen Presse waren bei diesen Vorträgen und Diskussionen anwesend. Obgleich für den politikwissen
schaftlichen Themenbereich eine akademische Öffentlichkeit noch nicht hergestellt werden konnte(ein ähnlich interessanter Vortrag in Babelsberg mit dem amerikanischen Außenpolitik-Theoretiker Prof. Rosecrance fand auch nur ein begrenztes Publikum und war im Potsdamer Uni-Bereich den wenigsten bekannt), wird die Reihe von Gastvorträgen in Potsdam und Babelsberg auch im W. S. 1991/92 mit bekannten Wissenschaftlern und Publizisten im Fach Politikwissenschaft fortgesetzt, wozu schon jetzt herzlich eingeladen wird.
Dr. Eduard Gloeckner
(Institut für Politische Soziologie und Zeitgeschichte Mittel- und Osteuropas, bislang FB Sozialwissenschaften, Universität Potsdam)
Anmerkung
Am 19. November 1991 wird der Kölner Experte für die sowjetische Sicherheits- und Außenpolitik, Dr. Gerhard Wettig vom Bundesinstitut für ostwissenschaftliche und internationale Studien, zum Thema„Eine neue Friedensordnung in Europa?“ sprechen.
(Ort: Babelsberg, Zeit: 13.00 Uhr)