Heft 
(1.1.2019) 16
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Eine neue Partnerschaft in Sicht?

Begonnen hat es im April, als von der Kg­benhavns Dagog Aftenseminarium(Päda­gogische Hochschule) ein Schreiben mit der Bitte kam, Gastgeber für eine Gruppe von 26 Hochschullehrern aus Dänemark zu sein. Das Ziel sollte darin bestehen, er­ste Kontakte zu einzelnen Fachbereichen unserer Universität zu knüpfen. Die Reise von Frau Samuelsen, einer Vertreterin der Deutschabteilung, nach Potsdam im Mai wurde zu einem ersten Gespräch zwi­schen ihr, Frau Bürger und mir genutzt. Im Verlaufe dieses Gespräches erfolgte die Einladung an uns, die Kopenhagener Hochschule zu besuchen und im Rahmen einer Vorbereitungsveranstaltung der dänischen Delegation unsere Universität vorzustellen und Probleme der Lehrerbil­dung vor und nach der Wende zu erläu­tern. Damit würde die Grundlage dafür geschaffen sein, ohne eine weitere Ein­führung die Fachgespräche sofort zu be­ginnen.

Also traten wir am 26. September unsere Reise an. In Kopenhagen erfuhren wir eine herzliche Aufnahme durch Frau Samuelsen und Frau Riis, 2 Kolleginnen der Deutschlandabteilung, aber auch durch jene dänischen Kollegen, die sich vorge­nommen hatten, unsere Universität zu

besuchen. In unseren Vorträgen machten wir anhand der Russischlehrerausbildung und der Entwicklung internationaler Be­ziehungen vor und nach November 1989 deutlich, mit welchen Problemen nicht nur unsere Universität, sondern auch alle

Am 11. Oktober besuchten 26 Hoch­schullehrer aus Dänemark unsere Uni­versität. Foto: Rüffert

anderen Hochschuleinrichtungen der ehe­maligen DDR konfrontiert wurden und werden.

Viele persönliche Gespräche gab es, die vor allem Fragen der Reiseeinschränkun­gen und der damit notwendigerweise verbundenenBegrenzung des Horizonts (was vor allem die Aufgeschlossenheit gegenüber westeuropäischen Kultur- und Lebensauffassung betrifft) zum Gegen­stand hatten.

Ein Ergebnis dieser Reise dürfte bereits auf der Hand liegen: auch in Dänemark wird an Pädagogischen Hochschulen kei­ne Forschung betrieben, so daß es auf diesem Gebiet mit Sicherheit keine Be­rührungspunkte geben wird.

Gute, aber noch sorgfältig zu prüfende Möglichkeiten für die Zusammenarbeit könnten sich im Austausch von Studenten und einzelnen Lehrkräften zu Gastvorle­sungen eröffnen. Am 11. Oktober, als sich Vertreter der Fachbereiche Germanistik, Anglistik, Geschichte, Pädagogik und Psychologie mit ihren dänischen Kolle­gen über spezifische Fragen des Fachstu­diums bzw. der Lehrerausbildung aus­tauschten, wurden möglicherweise die Wei­chen für die Anbahnung erfolgverspre­chender Kontakte gestellt. E. Bindig

Vorträge zur Außenpolitik an der Universität

Im Frühjahr 1991 war der Fachbereich Sozial­wissenschaften(gemeinsam mit einer Gruppe von Studenten der Geschichtswissenschaft der BLH) Adressat und Gastgeber des US-ameri­kanischen Vertreters bei der NATO in Brüs­sel, des künftigen US-Botschafters in Polen, von Botschafter Kornblum, der in Schloß Lindstedt eine Diskussionsrunde der BLH Potsdam leitete und dort allen Anwesenden, auch Vertretern der Presse und des Rund­funks, Rede und Antwort stand. Er verwies dabei auf die Zuständigkeit der NATO auch für das Gebiet der ehemaligen DDR. Auch unterstrich er die Wichtigkeit guter deutsch­polnischer Beziehungen und deren Förderung durch das Land Brandenburg, ein Anliegen, das eine von mir fachlich betreute fünfköpfige Expertengruppe(ABM) an der BLH/Univer­sität Potsdam ebenso unterstützt.

Im S. S. 1991 bot der Potsdamer FB Sozial­wissenschaften zusätzliche Gastvorträge von international anerkannten Fachkollegen und Experten der Außenpolitik an; exemplarisch seien hier zwei genannt: Prof. Bechthold aus Washington, D. C. ein bekannter Experte der amerikanischen Diplomatie war kurz zuvor aus dem Golf-Konfliktgebiet angereist und

Nr. 16/91

sprach vor etwa zwei Dutzend teils jungen, teils postgradualen Zuhörern am 26. April 1991 über seine Kenntisse und Erfahrungen als Berater von General Schwartzkopf, dem Befehlshaber der UN-Einsatztruppe am Golf. Sein ThemaDie Golfkrise und ihre geopoli­tischen Auswirkungen auf den Nahost-Kon­flikt wurde in einer anregenden Diskussion vom Deutschamerikaner Bechthold mannig­fach variiert und mit der kaum bekannten Nachricht angereichert, General Schwartzkopf habe sich zunächst gegen einen Militäreinsatz am Golf ausgesprochen, habe sich dann aber der Politik Präsident Bushs und der des UNO­Sicherheitsrats beugen müssen. Einen ähnlich interessanten wie auch aktuellen Vortrag bot der weltweit bekannte und aus dem Baltikum stammende Osteuropa-Experte Prof. Dr. Bo­ris Meissner aus Köln einem unterschiedlich informierten, jedoch stark interessierten Pu­blikum. Sein ThemaNationalitätenkonflikt, Föderalismus und sowjetische Reformpolitik unter Gorbatschow breitete er am 13. Mai 1991 vor etwa 30 bis 40 Zuhörern faktenreich aus. Einige Vertreter der regionalen Presse waren bei diesen Vorträgen und Diskussionen anwesend. Obgleich für den politikwissen­

schaftlichen Themenbereich eine akademi­sche Öffentlichkeit noch nicht hergestellt werden konnte(ein ähnlich interessanter Vortrag in Babelsberg mit dem amerikanischen Außen­politik-Theoretiker Prof. Rosecrance fand auch nur ein begrenztes Publikum und war im Pots­damer Uni-Bereich den wenigsten bekannt), wird die Reihe von Gastvorträgen in Potsdam und Babelsberg auch im W. S. 1991/92 mit bekannten Wissenschaftlern und Publizisten im Fach Politikwissenschaft fortgesetzt, wozu schon jetzt herzlich eingeladen wird.

Dr. Eduard Gloeckner

(Institut für Politische Soziologie und Zeit­geschichte Mittel- und Osteuropas, bislang FB Sozialwissenschaften, Universität Pots­dam)

Anmerkung

Am 19. November 1991 wird der Kölner Experte für die sowjetische Sicherheits- und Außen­politik, Dr. Gerhard Wettig vom Bundesinsti­tut für ostwissenschaftliche und internationa­le Studien, zum ThemaEine neue Friedens­ordnung in Europa? sprechen.

(Ort: Babelsberg, Zeit: 13.00 Uhr)