Heft 
(1.1.2019) 16
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STUDENTEN

Wir haben es satt, daß andere hungern

Diesem Grundgedanken folgend, fanden sich vor einiger Zeit Enthusiasten zusam­men, um den AktionsladenEine Welt zu gründen. Ihr Anliegen ist es, alternati­ven Handel von Waren aus derDritten Welt mit Öffentlichkeitsarbeit zu ver­binden.

Ich machte mich auf den Weg zu ihnen, um mehr zu erfahren über Idee, Proble­me, Vorstellungen und Wünsche der Ini­tiatoren dieses nicht alltäglichen Ladens. Sich über das vorhandene Interesse freu­end, gab Uwe Prüfer, Inhaber einer ABM­Stelle, die u. a. die Betreuung dieses Pro­jekts beinhaltet, bereitwillig Auskunft. UZ:Eine Welt gibt es noch nicht lange. Wann und wie entstand die Idee für dieses Vorhaben?

U. Prüfer: Im Herbst 1989 hatte die Pa­storin der französisch-reformierten Ge­meinde, Frau Hildegard Rugenstein, ge­meinsam mit jungen Leuten einen Ver­kaufsbasar organisiert, dessen Erlös ei­nem mocambiquanischen Flüchtlingsla­ger zugute kam. Allen Beteiligten machte diese Arbeit viel Spaß. Aus dem Erfolg des Basars gewannen wir Kraft, um auf dieser Strecke weiterzumachen. Schritt für Schritt entstand unser Aktionsladen, übrigens in den Räumen der französisch­reformierten Kirche.

UZ: Wer istwir?

U. Prüfer: Wir das sind ungefähr 12-15 vornehmlich Jugendliche, die aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen. Es sind Schüler, Studenten, junge Arbei­ter dabei.

UZ: Von wo kam Unterstützung für die Verwirklichung Eures Projekts?

U. Prüfer: Viel Hilfe gab es nicht. Unter­stützung kam vor allem von der Gemein­de. Sie stellte uns, wie bereits erwähnt, die Räume kostenlos zur Verfügung. UZ: Was ist dasSpezifische Eures Ladens? Worin unterscheidet ihr Euch von einer üblichen Verkaufseinrichtung? U. Prüfer: Nun zunächst einmal in der Verkaufspalette. Wir bieten Produkte(das Angebot reicht von Kaffee, Tee, Honig,

Gewürzen bis zu Kunsthandwerk und Spielzeug) aus der dritten Welt, die wir über alternative Handelsorganisationen direkt vom Produzenten beziehen.

Die andere Seite unserer Tätigkeit ist die Öffentlichkeitsarbeit. Wir wollen auf die Probleme in der dritten Welt hinweisen, indem wir über die zu verkaufenden Waren mit dem Käufer zu weiterführenden Ge­sprächen kommen.

Das Spezifische unserer Arbeit ist auch, daß sie ehrenamtlich ist. So ist es nicht immer leicht, alles unter einen Hut zu bringen. Über neue Leute, die uns unter­stützen möchten und mitmachen wollen, würden wir uns sehr freuen. Engagierte, flexible Studenten sind uns sehr willkom­

Einige unserer ausländischen Studen­ten, die durch das Akademische Aus­landsamt betreut werden, während eines Ausfluges.

UZ: Welche Bedeutung hat für Dich Dein Engagement hier?

U. Prüfer: Natürlich, die Arbeit ist für mich zunächst einmal Lebensunterhalt. Aber sie gibt mir viel mehr. Wir alle hier haben während unserer Tätigkeit gemerkt, wie wichtig unser aktives Engagement auch für uns selbst ist. Unser Zusammen­finden Gleichgesinnter hat uns über die Beschäftigung mit Problemen der dritten Welt zu einem Freundeskreis werden las­sen. Gemeinsam unternehmen wir Aus­flüge, organisieren untereinander Hilfe, besuchen Veranstaltungen usw. Dies ist

mir genauso wichtig wie die eigentliche Arbeit.

UZ: Gibt es außer EurerLadentätigkeit noch Aktivitäten, die wir erwähnen soll­ten?

U. Prüfer: Gemeinsam mit Frau Rugen­stein sind wir Organisatoren desOffenen Tisches Entwicklungspolitik/Ausländer­fragen Potsdam. Das ist ein Arbeitsgre­mium der Gruppen und Initiativen, die auf diesem Gebiet wirken; hier treffen sich weiterhin Ausländerbeauftragte, Par­teienvertreter und andere Interessierte. Wir beraten uns monatlich, das nächste Mal am 14. November, ab 19.30 Uhr in unse­ren Räumen. Natürlich sind die Veran­staltungen für jeden Interessierten offen. UZ: Wie wird zum einen Euer Verkaufs­angebot zum anderen Euer Diskussions­angebot von der Öffentlichkeit angenom­men?

U. Prüfer: Mit den Erlösen des Ladens können wir zufrieden sein. Es gibt einen festen Kundenkreis, der bewußt die etwas höheren Preise in Kauf nimmt und somit eine Art Solidarbeitrag leistet. Dieser kommt den Produzenten zugute. Wir konnten bereits mehrere 1000, DM für Entwicklungsprojekte oder andere Hilfs­aktionen zur Verfügung stellen.

Nicht zufrieden sind wir über die Räso­nanz auf die von uns immer wieder aufge­worfenen Fragen zur Nord-Süd-Proble­matik. Hier werden wir nicht locker las­sen. Wir werden uns weiterhin bemühen, in unserer Bevölkerung Aufmerksamkeit für dieses so wichtige Problem zu erwek­ken.

UZ: Wo können unsere Leser Euren Ak­tionsladen finden, und wann habt Ihr geöffnet?

U. Prüfer: Zu finden sind wir in der Gu­tenbergstr. 77/am Bassinplatz. Geöffnet ist Mittwoch und Freitag 15.00-18.00 Uhr, Donnerstag von 15.00-19.00 Uhr.

Jeder Besucher ist gern gesehen.

Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Das Gespräch führte P. Gör­lich.

Informationsveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung an der Uni

Im Rahmen einer Informationsveranstal­tung der 1925 gegründeten SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung(Bonn) für Stu­dentinnen und Studenten der Universität Potsdam referierte am 22. Oktober 1991 der frühere Vizepräsident der FU Berlin und Direktor des Zentralinstitutes für Unterrichtswissenschaften und Curricu­lumentwicklung, Prof. Dr. Peter Hübner, über das ThemaHochschule, Staat und Gesellschaft Das Problem der Autono­

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mie der Hochschule.

Anschließend informierte Herr Rainer Gries (stellv. Leiter der Abteilung Förderpro­gramme) über die Studienförderprogram­me der Stiftung. Sie fördert u. a. wissen­schaftlich hervorragend begabte und nach ihrer Persönlichkeit besonders geeignete Studierende sowie Nachwuchswissen­schaftler aus dem In- und Ausland durch Stipendien. Insbesondere wies Gries auf die für Studierende aus den neuen Län­

dern zusätzlich geschaffene Möglichkeit eines Zusatz- oder Erweiterungsstudiums hin, das die Chancen der ostdeutschen Hochschulabsolventen auf dem Arbeits­markt verbessert. Gegenwärtig werden von der Stiftung etwa 2200 Stipendiaten gefördert, darunter 1800 Deutsche. Die Brandenburgische Zweigstelle der Stif­tung befindet sich in der Potsdamer Mangerstraße 34/36(B.-Kellermann-Haus, Tek: 22555). Dr. Rammelt

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