STUDENTEN
„Wir haben es satt, daß andere hungern“
Diesem Grundgedanken folgend, fanden sich vor einiger Zeit Enthusiasten zusammen, um den Aktionsladen„Eine Welt“ zu gründen. Ihr Anliegen ist es, alternativen Handel von Waren aus der„Dritten Welt“ mit Öffentlichkeitsarbeit zu verbinden.
Ich machte mich auf den Weg zu ihnen, um mehr zu erfahren über Idee, Probleme, Vorstellungen und Wünsche der Initiatoren dieses nicht alltäglichen Ladens. Sich über das vorhandene Interesse freuend, gab Uwe Prüfer, Inhaber einer ABMStelle, die u. a. die Betreuung dieses Projekts beinhaltet, bereitwillig Auskunft. UZ:„Eine Welt“ gibt es noch nicht lange. Wann und wie entstand die Idee für dieses Vorhaben?
U. Prüfer: Im Herbst 1989 hatte die Pastorin der französisch-reformierten Gemeinde, Frau Hildegard Rugenstein, gemeinsam mit jungen Leuten einen Verkaufsbasar organisiert, dessen Erlös einem mocambiquanischen Flüchtlingslager zugute kam. Allen Beteiligten machte diese Arbeit viel Spaß. Aus dem Erfolg des Basars gewannen wir Kraft, um auf dieser Strecke weiterzumachen. Schritt für Schritt entstand unser Aktionsladen, übrigens in den Räumen der französischreformierten Kirche.
UZ: Wer ist„wir“?
U. Prüfer: Wir das sind ungefähr 12-15 vornehmlich Jugendliche, die aus den unterschiedlichsten Bereichen kommen. Es sind Schüler, Studenten, junge Arbeiter dabei.
UZ: Von wo kam Unterstützung für die Verwirklichung Eures Projekts?
U. Prüfer: Viel Hilfe gab es nicht. Unterstützung kam vor allem von der Gemeinde. Sie stellte uns, wie bereits erwähnt, die Räume kostenlos zur Verfügung. UZ: Was ist das„Spezifische“ Eures Ladens? Worin unterscheidet ihr Euch von einer üblichen Verkaufseinrichtung? U. Prüfer: Nun zunächst einmal in der Verkaufspalette. Wir bieten Produkte(das Angebot reicht von Kaffee, Tee, Honig,
Gewürzen bis zu Kunsthandwerk und Spielzeug) aus der dritten Welt, die wir über alternative Handelsorganisationen direkt vom Produzenten beziehen.
Die andere Seite unserer Tätigkeit ist die Öffentlichkeitsarbeit. Wir wollen auf die Probleme in der dritten Welt hinweisen, indem wir über die zu verkaufenden Waren mit dem Käufer zu weiterführenden Gesprächen kommen.
Das Spezifische unserer Arbeit ist auch, daß sie ehrenamtlich ist. So ist es nicht immer leicht, alles unter einen Hut zu bringen. Über neue Leute, die uns unterstützen möchten und mitmachen wollen, würden wir uns sehr freuen. Engagierte, flexible Studenten sind uns sehr willkom
Einige unserer ausländischen Studenten, die durch das Akademische Auslandsamt betreut werden, während eines Ausfluges.
UZ: Welche Bedeutung hat für Dich Dein Engagement hier?
U. Prüfer: Natürlich, die Arbeit ist für mich zunächst einmal Lebensunterhalt. Aber sie gibt mir viel mehr. Wir alle hier haben während unserer Tätigkeit gemerkt, wie wichtig unser aktives Engagement auch für uns selbst ist. Unser Zusammenfinden Gleichgesinnter hat uns über die Beschäftigung mit Problemen der dritten Welt zu einem Freundeskreis werden lassen. Gemeinsam unternehmen wir Ausflüge, organisieren untereinander Hilfe, besuchen Veranstaltungen usw. Dies ist
mir genauso wichtig wie die eigentliche Arbeit.
UZ: Gibt es außer Eurer„Ladentätigkeit‘“ noch Aktivitäten, die wir erwähnen sollten?
U. Prüfer: Gemeinsam mit Frau Rugenstein sind wir Organisatoren des„Offenen Tisches Entwicklungspolitik/Ausländerfragen Potsdam“‘. Das ist ein Arbeitsgremium der Gruppen und Initiativen, die auf diesem Gebiet wirken; hier treffen sich weiterhin Ausländerbeauftragte, Parteienvertreter und andere Interessierte. Wir beraten uns monatlich, das nächste Mal am 14. November, ab 19.30 Uhr in unseren Räumen. Natürlich sind die Veranstaltungen für jeden Interessierten offen. UZ: Wie wird zum einen Euer Verkaufsangebot zum anderen Euer Diskussionsangebot von der Öffentlichkeit angenommen?
U. Prüfer: Mit den Erlösen des Ladens können wir zufrieden sein. Es gibt einen festen Kundenkreis, der bewußt die etwas höheren Preise in Kauf nimmt und somit eine Art Solidarbeitrag leistet. Dieser kommt den Produzenten zugute. Wir konnten bereits mehrere 1000,— DM für Entwicklungsprojekte oder andere Hilfsaktionen zur Verfügung stellen.
Nicht zufrieden sind wir über die Räsonanz auf die von uns immer wieder aufgeworfenen Fragen zur Nord-Süd-Problematik. Hier werden wir nicht locker lassen. Wir werden uns weiterhin bemühen, in unserer Bevölkerung Aufmerksamkeit für dieses so wichtige Problem zu erwekken.
UZ: Wo können unsere Leser Euren Aktionsladen finden, und wann habt Ihr geöffnet?
U. Prüfer: Zu finden sind wir in der Gutenbergstr. 77/am Bassinplatz. Geöffnet ist Mittwoch und Freitag 15.00-18.00 Uhr, Donnerstag von 15.00-19.00 Uhr.
Jeder Besucher ist gern gesehen.
Vielen Dank für die Beantwortung der Fragen. Das Gespräch führte P. Görlich.
Informationsveranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung an der Uni
Im Rahmen einer Informationsveranstaltung der 1925 gegründeten SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung(Bonn) für Studentinnen und Studenten der Universität Potsdam referierte am 22. Oktober 1991 der frühere Vizepräsident der FU Berlin und Direktor des Zentralinstitutes für Unterrichtswissenschaften und Curriculumentwicklung, Prof. Dr. Peter Hübner, über das Thema„Hochschule, Staat und Gesellschaft— Das Problem der Autono
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mie der Hochschule“.
Anschließend informierte Herr Rainer Gries (stellv. Leiter der Abteilung Förderprogramme) über die Studienförderprogramme der Stiftung. Sie fördert u. a. wissenschaftlich hervorragend begabte und nach ihrer Persönlichkeit besonders geeignete Studierende sowie Nachwuchswissenschaftler aus dem In- und Ausland durch Stipendien. Insbesondere wies Gries auf die für Studierende aus den neuen Län
dern zusätzlich geschaffene Möglichkeit eines Zusatz- oder Erweiterungsstudiums hin, das die Chancen der ostdeutschen Hochschulabsolventen auf dem Arbeitsmarkt verbessert. Gegenwärtig werden von der Stiftung etwa 2200 Stipendiaten gefördert, darunter 1800 Deutsche. Die Brandenburgische Zweigstelle der Stiftung befindet sich in der Potsdamer Mangerstraße 34/36(B.-Kellermann-Haus, Tek: 22555). Dr. Rammelt
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