AUSZUG aus dem Protokoll der Sitzung des Gründungssenates
Der Gründungssenat der Universität Potsdam hat in seiner Sitzung vom 1./2. November 1991 beschlossen, den Fachbereich Sozialwissenschaften neu zu gliedern. Dem Fachbereich Sozialwissenschaften gehören künftig Soziologie, Sozialforschung, Sozialkunde, Politikwissenschaften und Politische Bildung an. Zum Gründungsbeauftragten mit der Funktion des Geschäftsführenden Direktors wird Herr Prof. Dr. Karl Rohe bestellt. Damit erlischt die Funktion des bisherigen Geschäftsführenden Direktors des Fachbereiches Sozialwissenschaften, Herrn Dr. Hartmut Salzwedel, dem an dieser Stelle für seine bisherige Arbeit gedankt wird. Prof. Dr. Rolf Mitzner Gründungsrektor der Universität Potsdam
Veränderungen
Politikwissenschaftliche Forschungskolloquia(siehe Nr. 16/91)
Am 4. 12. liest statt Dr. Müller von der Hessischen Stiftung für Friedens- und Konfliktforschung Dr. habil. Henke(Universität Potsdam)„Zur Perzeption von
Staatsmacht und Demokratie im sowjetischen Transformationsprozeß‘‘. Am 15. Januar hat sich das Thema geändert: „Berufsbeamtentum im modernen Leistungsstaat: eine überholte Tradition?‘‘
Buch-Tip
Gisela Maag
Gesellschaftliche Werte
Strukturen, Stabilität und Funktion Opladen. Westdeutscher Verlag 1991. 287 S., 15,5x22,6 cm.(Beiträge zur sozialwissenschaftlichen Forschung,
Bd. 120.) Kart. DM 46,—
ISBN 3.531 122304
Nr. 17/91
MELDUNGEN/ STANDPUNKTE
Peter Weiss-Ehrung in Potsdam
Am 8. November 1991 wäre Peter Weiss 75 Jahre alt geworden. Dies nahm die Peter-Weiss-Gesellschaft zum Anlaß, um in der Woche vom 4.-10. 11. 91 auf besondere Weise des großen Autors, Malers und Filmemachers zu gedenken. So fand das Filmfestival„Avantgarde im Film und Peter Weiss‘‘ im Filmmuseum seinen Zuspruch. Verehrer des Künstlers konnten Lesungen im Schloßtheater verfolgen und die Einweihung einer Gedenktafel in der R.-Breitscheid-Str. 232 miterleben.
Die Peter-Weiss-Gesellschaft, deren Sitz sich in Berlin-Charlottenburg befindet, existiert seit 2 Jahren. Bislang zählt sie über 300 Mitglieder— für eine literarische Gesellschaft relativ viel, wobei die Goethe- bzw. Shakespeare-Gesellschaften hier nicht Maßstab sein können. Nicht als geschlossene, sondern als sich öffnende Vereinigung will man sich verstanden wissen. Die sich hier zusammenfindenden Freunde von Peter Weiss legen besonderen Wert auf den internationalen und interkulturellen Charakter ihres Engagements. Die schon bestehende Publikationstätigkeit wollen sie erweitern und so die Auseinandersetzung mit der Biographie und den Texten des Dramatikers und Prosaautors noch transparenter ma
chen. Sehr interessant sind die Vorstellungen A. Söllners, Mitglied des Vorstandes, hinsichtlich einer Öffnung in Richtung Wissenschaft und Forschung. Er denkt hierbei an die evtl. Gründung eines Forschungszentrums oder-institutes, das sich z. B. mit Themen wie Asylpolitik, Ursachen des Weltflüchtlingsproblems und der Fremdenfeindlichkeit befassen könnte. Diese Verbindung wäre in sich nicht unlogisch, da Weiss wie kaum ein anderer in der deutschen Gegenwartsliteratur von diesen Problematiken persönlich stark betroffen war. In Vorbereitung ist die Gründung einer Peter-Weiss-Stiftung für Kunst und Politik. Dabei hoffen sowohl der Vorstand als auch die Mitglieder auf die Unterstützung durch Ministerpräsident Stolpe und den Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur, Enderlein. Der Sitz der Stiftung könnte im Haus der Künstlerbegegnungsstätte Wiepersdorf sein. Gespräche, Seminare, Sommerakademien würden dazu genutzt werden können, das Spannungsfeld zwischen Politik und Kunst einer genaueren Betrachtung zu unterziehen. P. Görlich
Antwort auf einige Fragen der Herren Beetz, Finker, Neuhaus und Rönz
Ende Oktober 1991 veröffentlichten die Herren Beetz, Finker, Neuhaus und Rönz vom FB Geschichte ein Schriftstück, das an Lehrkräfte und Studenten verteilt wurde und in dem sie auf der ersten Seite 10 Fragen formulieren, in denen offensichtlich Mißstände im Fachbereich zur Sprache gebracht werden sollen. 6 der 10 Fragen richten sich— ohne Namensnennung, aber für„Insider‘‘ klar erkennbar— ausschließlich oder vornehmlich gegen mich und suggerieren dem Leser, daß ich, der ich den Fachbereich für ein Jahr leitete, meine Amtsfunktion mißbrauchte.
Ich darf hier erklären, daß die gegen mich gerichteten Angriffe in jedem Fall verleumderischen Charakter tragen. Weder habe ich ungesetzlich den Fachbereichsrat ausgeschaltet noch eigenmächtig die Zusammensetzung der für den Fachbereich Geschichte zuständigen Strukturkommission geändert, für meine Assistenten Empfehlungshinweise gegeben, die Weiterbeschäftigung vom Wohlver
halten mir gegenüber abhängig gemacht oder positiv evaluierte Kollegen in den Vorruhestand gedrängt. Auch habe ich dem Beschluß, daß sich einer der Kollegen nicht für eine Dozentenstelle bewerben sollte, nur deshalb zugestimmt, weil die wissenschaftlichen Leistungen dieses Kollegen denkbar schlecht sind. Und schließlich: Wenn es in der nächsten Zeit Evaluierungen für den sogenannten „Mittelbau‘‘ geben sollte, so sehe ich darin ein geeignetes Schutzmittel gegen ungerechtfertigte Willkürhandlungen. Die Kritik an derartigen Evaluierungen ist mir unverständlich. Die Herren Beetz, Finker, Neuhaus und Rönz haben ihr Schriftstück aufgesetzt, ohne auch nur einmal das Gespräch mit mir über die aufgeworfenen Fragen zu führen. Sie verletzen damit ein Grundprinzip menschlichen Miteinanders. Prof. Dr. H. Assing P. S. Eine ausführlichere Antwort liegt im Fachbereich Geschichte aus.