Heft 
(1.1.2019) 17
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TECHNIK

Eine Lobby für die technische Allgemeinbildung

Wenige Wochen nach der Eröffnung des neuen Schuljahres und der Einführung vorläufiger Rahmenpläne trafen sich die Vertreter der 16 Bundesländer der Hauptgruppe Technik und Bildung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) erstmalig in einem neuen Bundesland an der Universität Potsdam.

Ziel der zweitägigen Beratung war es, die Situation in bezug auf die Möglichkeiten zur Vorbereitung aller Schülerinnen und Schüler zur Bewältigung von technisch geprägten Lebenssituationen durch allgemeinbildenden Unterricht nach der Einführung neuer Rah­menpläne zu analysieren.

Mehr als bedauerlich ist die Tatsache, daß kein Vertreter des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport die Einladung zum Kol­loqium nutzte, um Grundpositionen zu Fragen einer technischen Bildung mit fachkompeten­ten Mitgliedern des Vereins zu diskutieren. Bezogen auf die Situation im Land Branden­burg nach der Einführung der Fächer Sach­kunde(Klassen 14), Technik(Klasse 5) und Arbeitslehre(Klassen 7-10) wurde in der Beratung deutlich, daß der konzeptionelle Ansatz der Arbeitslehre legitim erscheint. Die Grund­intentionen des Faches sind gerade in einer Zeitder Zerschlagung und Überwindung eines Systems der zentralen Planwirtschaft und des Übergangs zu einer sozialen Marktwirtschaft notwendig. Der Ansatz hat allerdings den Makel, daß im Unterricht nur das auf Arbeiteingeeng­te Spektrum der technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit reflek­tiert wird. In der schulpraktischen Umsetzung der sehr offen gestalteten Rahmenrichtlinien gilt es nach Auffassung der Ausschußmitglie­der zu verhindern, daß der allgemeinen tech­nischen Bildung nur ein randständiger Platz in der Schulwirklichkeit zugeordnet wird. Be­grüßt wurde das Angebot der Arbeitslehre im Pflichtbereich aller Schulformen und Klas­senstufen der Sekundarstufe I. Zugleich wur­

de die Forderung erhoben, daß auch zukünftig

die Chance bestehen müsse, allgemeine tech­

nische Bildung in einem eigenständigen Fach zumindest im Wahlpflichtbereich zu konstitu­jeren, um die Schülerinnen und Schüler

- zum operationalen und rationalen Erschlie­ßen von Technik zu befähigen,

- beim Verstehen von Technik als das Wesen menschlicher Produktivkräfte und ihre Stel­lung in der Konsumtion zu unterstützen,

- zu befähigen, durch Technik geprägte Be­ziehungen zwischen Natur, Individuum und Gesellschaft zu erkennen und zu bewerten sowie

- zum Berücksichtigen von Normen und Werten beim Umgang mit Technik anzuregen.

Mit Blick auf die anstehenden Arbeiten zur Profilierung der Sekundarstufe II wurde auf ein eigenständiges Fach Technik orientiert. In der heutigen Zeit gehört Technikunterricht auch in die Stundentafel des Gymnasiums. Der Ausgangspunkt für technische Bildung muß der allgemeinen Einsicht dienen, daß humane menschliche Existenz auch bedeutet, über die eigenen Lebensverhältnisse zu verfü­gen, zu verstehen, was um uns herum vorgeht, um gesellschaftliche Veränderungen mitzu­verantworten und mitzugestalten.

Bei den Arbeiten an den Rahmenrichtlinien

sollten besonders die Potenzen der Technik

zur Entwicklung der Studierfähigkeit der

Schülerinnen und Schüler erschlossen wer­

den.

In der Bundesrepublik Deutschland als hoch­

entwickeltes, aber relativ rohstoffarmes Indu­

strieland gilt es, hochwertige Technik zu ent­wickeln und anzuwenden. In den allgemein­bildenden Schulen brauchen wir heute und zukünftig eine technische Grundbildung für alle, um junge Menschen auf eine sachkundi­ge Auseinandersetzung mit dem technischen Fortschritt vorzubereiten. Es geht dabei auch im Gymnasium nicht um

technische Spezialausbildung, sondern vor allem um einen wirksamen Beitrag zu einer umfassenden und modernen Allgemein- und Persönlichkeitsbildung. Hierbei wird die Ver­mittlung wissenschaftlich-technischer Denk­und Arbeitsweisen zu einer unabdingbaren Notwendigkeit. Allgemeine technische Bildung darf nicht wie vielfach im ehemaligen Polytechnischen Unterricht angelegt auf Funktions-Konstruk­tions-Beziehungen verengt werden. Es gilt, die Lernenden zu befähigen, die konkrete Technik in ihren Wechselwirkungen zu den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft verstehen, erklären und bewerten zu können. Bezogen auf den Sachkundeunterricht im Land Brandenburg waren die Meinungen der Lan­desvertreter vielfältig. Besonders die Vertre­ter der neuen Länder brachten ihr Unverständ­nis zum Ausdruck, daß der Werkunterricht mit der offensichtlich größten Akzeptanz im Rahmen der früheren Polytechnischen Bil­dung aus der Stundentafel liquidiert wurde. In den anderen neuen Bundesländern blieb der Werkunterricht erhalten. Der Ansatz zu ei­nem Fach Technik in der Klasse 5 ist zu begrü­ßen. Aus sachlogischer und pädagogischer Sicht muß jedoch eine Fortsetzung des Faches in Klasse 6 erfolgen. Das Kolloquium verdeutlichte nachhaltig, was Kulturföderalismus bedeutet. Bereits nach einem Jahr deutscher Einheit ist eine Ver­gleichbarkeit der Bildungsangebote kaum möglich. Der VDI wird sich auch zukünftig den Fragen einer allgemeinen technischen Bildung stellen.

Dr. habil. Bernd Meier

FB Technische Bildung

Am 8. November, 15.00 Uhr erfolgte in der ehe­maligen Professorenmensa die Eröffnung einer von der Universitätsbibliothek präsentierten Buchausstellung. Interessierte hatten in der Wo­che vom 11. bis 15. 11. die Möglichkeit, sich einen breiten Überblick über das Buchangebot des Verbandes der Verlage und Buchhandlun­gen in Nordrhein-Westfalen zur ThematikBücher für Europa das europäische Haus zu ver­

schaffen. Nach Beendigung der Ausstellung wur­

den die Bücher als Geschenk an die Uni überge­

ben.

Foto: Rüffert

Nr. 17/91