TECHNIK
Eine Lobby für die technische Allgemeinbildung
Wenige Wochen nach der Eröffnung des neuen Schuljahres und der Einführung vorläufiger Rahmenpläne trafen sich die Vertreter der 16 Bundesländer der Hauptgruppe Technik und Bildung des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) erstmalig in einem neuen Bundesland an der Universität Potsdam.
Ziel der zweitägigen Beratung war es, die Situation in bezug auf die Möglichkeiten zur Vorbereitung aller Schülerinnen und Schüler zur Bewältigung von technisch geprägten Lebenssituationen durch allgemeinbildenden Unterricht nach der Einführung neuer Rahmenpläne zu analysieren.
Mehr als bedauerlich ist die Tatsache, daß kein Vertreter des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport die Einladung zum Kolloqium nutzte, um Grundpositionen zu Fragen einer technischen Bildung mit fachkompetenten Mitgliedern des Vereins zu diskutieren. Bezogen auf die Situation im Land Brandenburg nach der Einführung der Fächer Sachkunde(Klassen 1—4), Technik(Klasse 5) und Arbeitslehre(Klassen 7-10) wurde in der Beratung deutlich, daß der konzeptionelle Ansatz der Arbeitslehre legitim erscheint. Die Grundintentionen des Faches sind gerade in einer Zeitder Zerschlagung und Überwindung eines Systems der zentralen Planwirtschaft und des Übergangs zu einer sozialen Marktwirtschaft notwendig. Der Ansatz hat allerdings den Makel, daß im Unterricht nur das auf Arbeiteingeengte Spektrum der technischen, ökonomischen und gesellschaftlichen Wirklichkeit reflektiert wird. In der schulpraktischen Umsetzung der sehr offen gestalteten Rahmenrichtlinien gilt es nach Auffassung der Ausschußmitglieder zu verhindern, daß der allgemeinen technischen Bildung nur ein randständiger Platz in der Schulwirklichkeit zugeordnet wird. Begrüßt wurde das Angebot der Arbeitslehre im Pflichtbereich aller Schulformen und Klassenstufen der Sekundarstufe I. Zugleich wur
de die Forderung erhoben, daß auch zukünftig
die Chance bestehen müsse, allgemeine tech
nische Bildung in einem eigenständigen Fach zumindest im Wahlpflichtbereich zu konstitujeren, um die Schülerinnen und Schüler
- zum operationalen und rationalen Erschließen von Technik zu befähigen,
- beim Verstehen von Technik als das Wesen menschlicher Produktivkräfte und ihre Stellung in der Konsumtion zu unterstützen,
- zu befähigen, durch Technik geprägte Beziehungen zwischen Natur, Individuum und Gesellschaft zu erkennen und zu bewerten sowie
- zum Berücksichtigen von Normen und Werten beim Umgang mit Technik anzuregen.
Mit Blick auf die anstehenden Arbeiten zur Profilierung der Sekundarstufe II wurde auf ein eigenständiges Fach Technik orientiert. In der heutigen Zeit gehört Technikunterricht auch in die Stundentafel des Gymnasiums. Der Ausgangspunkt für technische Bildung muß der allgemeinen Einsicht dienen, daß humane menschliche Existenz auch bedeutet, über die eigenen Lebensverhältnisse zu verfügen, zu verstehen, was um uns herum vorgeht, um gesellschaftliche Veränderungen mitzuverantworten und mitzugestalten.
Bei den Arbeiten an den Rahmenrichtlinien
sollten besonders die Potenzen der Technik
zur Entwicklung der Studierfähigkeit der
Schülerinnen und Schüler erschlossen wer
den.
In der Bundesrepublik Deutschland als hoch
entwickeltes, aber relativ rohstoffarmes Indu
strieland gilt es, hochwertige Technik zu entwickeln und anzuwenden. In den allgemeinbildenden Schulen brauchen wir heute und zukünftig eine technische Grundbildung für alle, um junge Menschen auf eine sachkundige Auseinandersetzung mit dem technischen Fortschritt vorzubereiten. Es geht dabei auch im Gymnasium nicht um
technische Spezialausbildung, sondern vor allem um einen wirksamen Beitrag zu einer umfassenden und modernen Allgemein- und Persönlichkeitsbildung. Hierbei wird die Vermittlung wissenschaftlich-technischer Denkund Arbeitsweisen zu einer unabdingbaren Notwendigkeit. Allgemeine technische Bildung darf nicht— wie vielfach im ehemaligen Polytechnischen Unterricht angelegt— auf Funktions-Konstruktions-Beziehungen verengt werden. Es gilt, die Lernenden zu befähigen, die konkrete Technik in ihren Wechselwirkungen zu den verschiedenen Bereichen der Gesellschaft verstehen, erklären und bewerten zu können. Bezogen auf den Sachkundeunterricht im Land Brandenburg waren die Meinungen der Landesvertreter vielfältig. Besonders die Vertreter der neuen Länder brachten ihr Unverständnis zum Ausdruck, daß der Werkunterricht mit der offensichtlich größten Akzeptanz im Rahmen der früheren Polytechnischen Bildung aus der Stundentafel liquidiert wurde. In den anderen neuen Bundesländern blieb der Werkunterricht erhalten. Der Ansatz zu einem Fach Technik in der Klasse 5 ist zu begrüßen. Aus sachlogischer und pädagogischer Sicht muß jedoch eine Fortsetzung des Faches in Klasse 6 erfolgen. Das Kolloquium verdeutlichte nachhaltig, was Kulturföderalismus bedeutet. Bereits nach einem Jahr deutscher Einheit ist eine Vergleichbarkeit der Bildungsangebote kaum möglich. Der VDI wird sich auch zukünftig den Fragen einer allgemeinen technischen Bildung stellen.
Dr. habil. Bernd Meier
FB Technische Bildung
Am 8. November, 15.00 Uhr erfolgte in der ehemaligen Professorenmensa die Eröffnung einer von der Universitätsbibliothek präsentierten Buchausstellung. Interessierte hatten in der Woche vom 11. bis 15. 11. die Möglichkeit, sich einen breiten Überblick über das Buchangebot des Verbandes der Verlage und Buchhandlungen in Nordrhein-Westfalen zur Thematik„Bücher für Europa— das europäische Haus“ zu ver
schaffen. Nach Beendigung der Ausstellung wur
den die Bücher als Geschenk an die Uni überge
ben.
Foto: Rüffert
Nr. 17/91