SONNTAGS- FRAUEN- VORLESUNG
ZZ] OT ME N N N URN A A8
auch im Dezember
Die nächste Sonntags-Frauen- Vorlesung zum Thema:„Ansprüche von Frauen an Politik“‘ findet am 8. Dezember, um 10.00 Uhr im Gebäude der Primarstufe(kleiner Hörsaal) statt. Es liest Frau Dr. Eva Maleck-Levi von der Humboldt-Uni Berlin.
Nach Abwicklung und Arbeitslosigkeit hat sie gegenwärtig am dortigen Institut für Politikwissenschaft eine ABM-Stelle inne und arbeitet am Projekt„Institutionalisierung von Frauenpolitik in den neuen Bundesländern‘‘.
Die studierte Philosophin hat sich vor allem seit der ersten Hälfte der 80er Jahre immer wieder mit„neuen sozialen Bewegungen‘‘ beschäftigt. Daraus kristallisierte sich dann später die„Frauenbewegung‘‘ als Forschungsschwerpunkt heraus. Anstöße für die Konzentration gerade auf dieses Thema bekam sie aus eigenen, ganz persönlichen Erfahrungen und nicht zuletzt aus der Lektüre von Frauenliteratur der damaligen DDR.
Frau Dr. Maleck-Levi publizierte„Die Frau ist frei geboren‘‘(1989) sowie andere Texte zur Frauenbewegung. Sie ist Mitbegründerin des Unabhängigen Frauenverbandes und engagiert tätig im Zentralinstitut für„Interdisziplinäre Frauenforschung‘‘, das sich aus MitarbeiterInnen von der FU und der Humboldt-Uni zusammensetzt. P.G.
Buch-Tip
Sigrid Metz-Göckel, Sigrid Frohnert, Gabriele Hahn-Mausbach und Jaqueline Kauermann- Walter
Mädchen, Jungen und Computer Geschlechtsspezifisches Sozial- und Lernverhalten beim Umgang mit Computern Westdeutscher Verlag 1991, DM 38,— JSBN 3531/42299: 1
Nr. 17/91
SONNTAGS-VORLESUNG
Frauenrecht in Ost und West
Sabine Berghahn hielt 2. Sonntagsvorlesung
Die Referentin der 2. Sonntags-FrauenVorlesung war die 38jährige Juristin Sabine Berghahn. Sie absolvierte zwei Staatsexamen in München, kam vor 10 Jahren nach Berlin, arbeitete an verschiedenen Forschungsprojekten mit. Sie war Lehrbeauftragte an einigen Fachhochschulen Berlins. Seit 1986 ist sie im Fachbereich „Politische Wissenschaft‘‘ tätig. Ihre Forschungsarbeit leistet sie auf dem Gebiet Politik und Recht. Persönlich setzt sie die Akzente auf Frauenrecht. 1991 promovierte sie zum Dr. jur. Frau Berghahn ist Mitglied des„Deutschen J uristinnenbundes‘:
In ihrem Vortrag„Kahlschlag oder Reformanstoß?— Rechtspolitische Folgen der deutschen Vereinigung für Frauen“ ging sie von der These aus, daß Frauen bisher in Umbrüchen und Revolutionen wenig gewonnen, meist etwas verloren hätten. Es ist eine Tatsache, daß Frauen im Vergleich zu Männern(jetzt in ganz Deutschland) häufiger und schneller arbeitslos werden und geringere Chancen bei der Vermittlung haben. Die Referentin betonte, daß die z. T. größeren Rechte der Frauen in der ehemaligen DDR von ihnen nicht erkämpft worden seien. Das Recht und die Rechtspolitik seien nicht Gegenstand von widersprüchlichen Interessen gewesen. Die Gleichberechtigung
erfolgte vor allem durch die Erwerbstätigkeit. Jetzt seien in ganz Deutschland vor allem die Frauen als. Mütter benachteiligt. Die im Osten bereits existierenden frauenfreundlicheren Festlegungen(Schwangerschafts- und Mutterschutzregelungen, längerer Kündigungsschutz für Mütter, Freistellung von Frauen ohne Krippenplatz, Haushaltstag, Schwangerschaftsabbruch) sind Ansatzpunkte für Reformanstöße, die aufgegriffen werden, so die Juristin. Der Ausgangspunkt dieser Prozesse sei allerdings offen. Reformbedarf sieht sie vor allem bei den Freiheits- und Gleichheitsrechten. „Frauen ordnen ihre Interessen unter oder werden erst gar nicht gefragt‘‘, um dies zu verhindern bzw. zu verändern, müssen Frauen aktiv werden. Möglichkeiten dazu sieht Frau Berghahn in Frauenverbänden, in der Gewerkschaft, im Deutschen Juristinnenbund und in anderen Berufsverbänden. Auch in der sich an das Referat anschließenden Diskussion wurde deutlich, daß die Veränderung der Gesellschaft, weg von patriarchalischen Strukturen, ein zäher, mühsamer und kompromißreicher Kampf ist.
Text und Foto:
Dr. Barbara Eckardt
Sabine Berghahn
5