Neue Studiengänge Sondererziehung und Rehabilitation an der Universität Potsdam
Am 23. Oktober wurden am Fachbereich Pädagogik erste Aufbaustudiengänge Sonderpädagogik in den Fachrichtungen Geistigbehindertenpädagogik und Lernbehindertenpädagogik in einem kombinierten Studium und in den Fachrichtungen Geistigbehindertenpädagogik, Verhaltensgestörtenpädagogik und Sprachheilpädagogik in einem Fernstudium eröffnet. Die. Eröffnung der Studiengänge antwortet auf Forderungen des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport nach einer breiteren Grundlagenbildung in der Arbeit mit behinderten Kindern und Jugendlichen an Förder- und Integrationsschulen. Ermöglicht wurde sie durch erfolgreiche Bemühungen des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur, diesen Bereich in der Aufbauphase mit Gastdozenten aus den alten Bundesländern zu unterstützen.
Das Aufbaustudium Sonderpädagogik wird in folgenden zwei Formen angeboten: 1. Lehrer mit einem Lehramt in der Primar- bzw. Sekundarstufe(bzw. einer entsprechenden Lehrbefähigung nach dem Recht der ehemaligen DDR-— vergl.$ 71 des Ersten Schulreformgesetzes für das Land Brandenburg), die ohne eine sonderpädagogische Ausbildung z. T. schon mehrere Jahre an einer Förderschule tätig sind, erhalten die Möglichkeit, das Lehramt für Sonderpädagogik über ein Kombiniertes Aufbaustudium(80 SWS) in zwei sonderpädagogischen Fachrichtungen nach eigener Wahl(jedoch unter Berücksichtigung aktueller Angebote durch die Universität) zu erreichen. Dabei muß ein zweisemestriges Direktstudium(40 SWS) sowie ein 4semestriges Fernstudium mit Präsenzphasen an der Universität absolviert werden. Das Fernstudium soll in
kooperativer Zusammenarbeit der Arbeitsbereiche Sonderpädagogik der Universität Potsdam und Hagen gestaltet werden, es umfaßt derzeit ein Wochenendstudium verbunden mit Literaturstudium.
2. Lehrer an Förder- und Integrationsschulen, die bereits in einer sonderpädagogischen Fachrichtung ausgebildet sind (und damit bereits über ein Lehramt für Sonderpädagogik verfügen), haben die Möglichkeit, ineinem 4semestrigen Fernstudium eine zweite sonderpädagogische Fachrichtung zu studieren und damit ihre Einsatzmöglichkeiten an Förder- und Integrationsschulen zu erweitern.
Für das Direktstudium werden die Lehrer vollständig, für das Fernstudium stundenmäßig vom Unterricht freigestellt. Die Arbeitsplatzbindung bleibt erhalten. Über die erwähnten Gastdozenten und weitere Lehrbeauftragungen wurden namhafte Wissenschaftler aus den alten Bundesländern(z. B. Prof. Dr. Dr. Kanter, Köln, Prof. Dr. Speck, München, Prof. Dr. Stoellger, FÜ Berlin, Prof. Schöler, TU Berlin u. a.) verpflichtet. Über Lehrbeauftragungen sind jedoch auch bewährte und bekannte Wissenschaftler aus Brandenburg und Berlin tätig(z. B. Prof. Dr. Siek, Potsdam, Prof. Dr. Suhrweier, Berlinu. a.). Diese und andere Fachkräfte aus Berlin und Brandenburg sind bestrebt, in enger Zusammenarbeit sicherzustellen, daß die Universität in Zukunft dem großen Bedarf an Qualifizierung von Lehrerinnen und Lehrern in Förder- und Integrationsschulen gerecht werden kann.
Im ersten Studiengang stehen 65 Studienplätze für das Direktstudium und 80 Studienplätze für das Fernstudium zur Verfügung. Damit konnten jedoch vorerst nur etwa 50% der Anträge, die für das Win
tersemester 1991 abgegeben wurden, berücksichtigt werden. Beim weiteren Ausbau des Studienganges wird sowohl die Erweiterung der Studienplätze angestrebt, wie auch ein grundständiges Studium in Erwägung gezogen werden müssen.
In seiner Eröffnungsrede hob Prof. Dr. Kanter(der als wissenschaftlicher Berater und Leiter dieses neuen Arbeitsbereiches durch den Gründungsrektor Prof. Dr. Mitzner berufen wurde) hervor, daß es nun darauf ankomme, das Sonderpädagogik-Studium rasch und in guter Qualität in Gang zu bringen. Dabei soll zum einen an alte, hochgeachtete Traditionen heilpädagogisch-humanistischen Denkens in der Region Berlin-Brandenburg angeschlossen werden. Zum anderen sollen die neueren Erkenntnisfortschritte sonderpädagogischer Grundlagenforschung, Didaktik und Methodik vermittelt werden, wie sie sowohl in West, aber auch in Ost erarbeitet wurden. Sonderpädagogen müssen in der Lage sein, Kindern und Jugendlichen mit Behinderungen jene Hilfestellungen zu geben, die sie befähigen, später ein erfülltes und geachtetes Leben als Mitbürger zu führen. Räumlicher Grundstock und Baugelände für diesen Zweck, so meinte er mit skeptischem Blick auf Golm(Heimstätte des Arbeitsbereiches), seien wohl vorhanden, nun müßten aber Inhalte, Leben und Gestalt hineingebracht werden.
Zum Schluß sei bemerkt, daß die Ausbildung erfolgreich eingesetzt hat, daß sowohl der Lehrbetrieb für das Direkt- wie auch für das Fernstudium volltourig läuft.
Dr. Buss Koordinator des Studienganges
Vertrag über wissenschaftliche Zusammenarbeit in Vorbereitung
Der Fachbereich Psychologie der Potsdamer Universität und der Lehrstuhl für Psychologie an der Pädagogischen Universität in St. Petersburg werden ab 1992 das Thema„Probleme und Konflikte bei 12-18jährigen Kindern und Jugendlichen, ihre Analyse und mögliche Bewältigung“
gemeinsam bearbeiten, so daß neben differenzierten Erkenntnissen zur Problematik in der eigenen Untersuchungspopulation auch Material für einen überkulturellen Vergleich gewonnen werden kann. Dr. J. Herboth FB Psychologie
Nr. 18/91