Heft 
(1.1.2019) 18
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Neue Studiengänge Sondererziehung und Rehabilitation an der Universität Potsdam

Am 23. Oktober wurden am Fachbereich Pädagogik erste Aufbaustudiengänge Sonderpädagogik in den Fachrichtungen Geistigbehindertenpädagogik und Lern­behindertenpädagogik in einem kombi­nierten Studium und in den Fachrichtun­gen Geistigbehindertenpädagogik, Ver­haltensgestörtenpädagogik und Sprach­heilpädagogik in einem Fernstudium er­öffnet. Die. Eröffnung der Studiengänge antwortet auf Forderungen des Ministe­riums für Bildung, Jugend und Sport nach einer breiteren Grundlagenbildung in der Arbeit mit behinderten Kindern und Ju­gendlichen an Förder- und Integrations­schulen. Ermöglicht wurde sie durch er­folgreiche Bemühungen des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kultur, diesen Bereich in der Aufbauphase mit Gastdozenten aus den alten Bundeslän­dern zu unterstützen.

Das Aufbaustudium Sonderpädagogik wird in folgenden zwei Formen angeboten: 1. Lehrer mit einem Lehramt in der Pri­mar- bzw. Sekundarstufe(bzw. einer ent­sprechenden Lehrbefähigung nach dem Recht der ehemaligen DDR- vergl.$ 71 des Ersten Schulreformgesetzes für das Land Brandenburg), die ohne eine son­derpädagogische Ausbildung z. T. schon mehrere Jahre an einer Förderschule tätig sind, erhalten die Möglichkeit, das Lehr­amt für Sonderpädagogik über ein Kom­biniertes Aufbaustudium(80 SWS) in zwei sonderpädagogischen Fachrichtungen nach eigener Wahl(jedoch unter Berücksichti­gung aktueller Angebote durch die Uni­versität) zu erreichen. Dabei muß ein zweisemestriges Direktstudium(40 SWS) sowie ein 4semestriges Fernstudium mit Präsenzphasen an der Universität absol­viert werden. Das Fernstudium soll in

kooperativer Zusammenarbeit der Arbeits­bereiche Sonderpädagogik der Universi­tät Potsdam und Hagen gestaltet werden, es umfaßt derzeit ein Wochenendstudium verbunden mit Literaturstudium.

2. Lehrer an Förder- und Integrations­schulen, die bereits in einer sonderpäda­gogischen Fachrichtung ausgebildet sind (und damit bereits über ein Lehramt für Sonderpädagogik verfügen), haben die Möglichkeit, ineinem 4semestrigen Fern­studium eine zweite sonderpädagogische Fachrichtung zu studieren und damit ihre Einsatzmöglichkeiten an Förder- und In­tegrationsschulen zu erweitern.

Für das Direktstudium werden die Lehrer vollständig, für das Fernstudium stunden­mäßig vom Unterricht freigestellt. Die Arbeitsplatzbindung bleibt erhalten. Über die erwähnten Gastdozenten und weitere Lehrbeauftragungen wurden namhafte Wissenschaftler aus den alten Bundesländern(z. B. Prof. Dr. Dr. Kan­ter, Köln, Prof. Dr. Speck, München, Prof. Dr. Stoellger, Berlin, Prof. Schöler, TU Berlin u. a.) verpflichtet. Über Lehr­beauftragungen sind jedoch auch bewähr­te und bekannte Wissenschaftler aus Bran­denburg und Berlin tätig(z. B. Prof. Dr. Siek, Potsdam, Prof. Dr. Suhrweier, Ber­linu. a.). Diese und andere Fachkräfte aus Berlin und Brandenburg sind bestrebt, in enger Zusammenarbeit sicherzustellen, daß die Universität in Zukunft dem großen Bedarf an Qualifizierung von Lehrerin­nen und Lehrern in Förder- und Integra­tionsschulen gerecht werden kann.

Im ersten Studiengang stehen 65 Studien­plätze für das Direktstudium und 80 Stu­dienplätze für das Fernstudium zur Verfü­gung. Damit konnten jedoch vorerst nur etwa 50% der Anträge, die für das Win­

tersemester 1991 abgegeben wurden, berücksichtigt werden. Beim weiteren Aus­bau des Studienganges wird sowohl die Erweiterung der Studienplätze angestrebt, wie auch ein grundständiges Studium in Erwägung gezogen werden müssen.

In seiner Eröffnungsrede hob Prof. Dr. Kanter(der als wissenschaftlicher Bera­ter und Leiter dieses neuen Arbeitsberei­ches durch den Gründungsrektor Prof. Dr. Mitzner berufen wurde) hervor, daß es nun darauf ankomme, das Sonderpädago­gik-Studium rasch und in guter Qualität in Gang zu bringen. Dabei soll zum einen an alte, hochgeachtete Traditionen heilpäd­agogisch-humanistischen Denkens in der Region Berlin-Brandenburg angeschlos­sen werden. Zum anderen sollen die neue­ren Erkenntnisfortschritte sonderpäda­gogischer Grundlagenforschung, Didak­tik und Methodik vermittelt werden, wie sie sowohl in West, aber auch in Ost erar­beitet wurden. Sonderpädagogen müssen in der Lage sein, Kindern und Jugendli­chen mit Behinderungen jene Hilfestel­lungen zu geben, die sie befähigen, später ein erfülltes und geachtetes Leben als Mitbürger zu führen. Räumlicher Grund­stock und Baugelände für diesen Zweck, so meinte er mit skeptischem Blick auf Golm(Heimstätte des Arbeitsbereiches), seien wohl vorhanden, nun müßten aber Inhalte, Leben und Gestalt hineingebracht werden.

Zum Schluß sei bemerkt, daß die Ausbil­dung erfolgreich eingesetzt hat, daß so­wohl der Lehrbetrieb für das Direkt- wie auch für das Fernstudium volltourig läuft.

Dr. Buss Koordinator des Studienganges

Vertrag über wissenschaftliche Zusammenarbeit in Vorbereitung

Der Fachbereich Psychologie der Potsda­mer Universität und der Lehrstuhl für Psychologie an der Pädagogischen Uni­versität in St. Petersburg werden ab 1992 das ThemaProbleme und Konflikte bei 12-18jährigen Kindern und Jugendlichen, ihre Analyse und mögliche Bewältigung

gemeinsam bearbeiten, so daß neben dif­ferenzierten Erkenntnissen zur Problema­tik in der eigenen Untersuchungspopula­tion auch Material für einen überkulturel­len Vergleich gewonnen werden kann. Dr. J. Herboth FB Psychologie

Nr. 18/91