Fortsetzung von 5. 6
Fächern über juristische, pädagogische und philosophische Studienrichtungen hin zu technischen und kulturwissenschaftlichen Studiengängen. Dies hat Brandenburg bereits Kritik vor allem von Vertretern der Berliner Wissenschaftslandschaft eingebracht, da die Berliner Universitäten und Hochschulen bereits zahlreiche Studiengänge im Angebot haben. Wir sind aber der Auffassung: Mit überlaufenen Universitäten, die ihrem Lehr- und Forschungsauftrag kaum mehr nachkommen können, ist im Europäischen Binnenmarkt in Zukunft kein Staat zu machen. Die Regionalisierung des Hochschulangebotes ist Element der Chancengleichheit beim
Zugang zum Studium. Im Jahr 1992 kommt es aus der Sicht der F.D.P.-Fraktion darauf an, den reibungslosen Studienbetrieb an den Universitäten und Hochschulen zu sichern, das Fächerspektrum weiter auszubauen, gute Professoren für unser Land zu gewinnen und die Lebensverhältnisse der Studenten zu verbessern. So stellen wir uns vor, daß z. B. ein Fach Religionswissenschaft Eingang in die Lehre der Universität Potsdam finden könnte und daß ein eigenes Institut für Kindheitsund Familienforschung sowie ein Institut für Begabtenforschung gegründet werden. Renate Schneider Fraktion F.D.P.
Für eine selbstbestimmte Erneuerung
Die Entwicklung der Wissenschaften in
Brandenburg unterscheidet sich in einigen Punkten in angenehmer Weise von der in anderen neuen Ländern. In Brandenburg wird nicht nur ab-, sondern auch aufgebaut, worauf sicher die Koalitionsfraktionen ausführlich hinweisen werden. Zu einem realistischen Bild gehören aber neben diesen Aufbauleistungen auch die zahlreichen Schattenseiten. So erleben wir
_ gerade in den Instituten der Akademie der
Wissenschaften einen dramatischen Personalabbau. Es ist nicht einmal gelungen, die Empfehlungen des Wissenschaftsrates umzusetzen. Geradezu katastrophal ist die Situation der Industrieforschung, die fast vollständig zusammengebrochen ist. Die Aufzählung von gravierenden Pro
blemen könnte noch lange fortgesetzt _ werden. Dabei ist uns bewußt, daß viele Probleme zuerst auf Bundesebene gelöst werden müssen. So die deutlich unter
schiedliche Pro-Kopf-Finanzierung der Forschung aus BMFT-Mitteln in den alten und in den neuen Bundesländern. Unbedingt muß der BMFT-Haushalt, wie andere Bundeshaushalte auch, entsprechend der Bevölkerungszunahme im Rahmen der deutschen Einheit angehoben werden.
Für die Zukunft scheinen uns vier Anliegen drängend:
1. Das wichtigste Problem ist für uns zu erreichen, daß BrandenburgerInnen gleichberechtigt bei der Neustrukturierung der hiesigen Wissenschaftslandschaft mitwirken können. Ein entsprechender Antrag
an den Landtag, nach dem die Entschei
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dungsgremien mehrheitlich mit Branden
Nr: 1/92
burgerInnen besetzt werden sollten, wurde zwar mehrheitlich durch die Fraktion abgelehnt, doch wir werden weiter auf diese Frage hinweisen. Beispielsweise muß es möglich sein, sehr bald demokratisch legitimierte Vertretungsorgane in die Struktur- und Personalentscheidungen an der Potsdamer Universität einzubeziehen. Ob das gelingt, hängt natürlich auch davon ab, wie weit sich die Hochschulangehörigen andere Verfahrensweisen gefallen lassen. Auf Parlamentsebene werden wir weiterhin die Öffentlichkeit der Sitzungen des zuständigen Landtagsausschusses fordern. Darüber hinaus versuchen wir, politische Entscheidungen transparent zu machen; beispielsweise, indem wir Landtagsreden, Abstimmungsverhalten, Anfragen ect. auch Außenstehenden zugänglich machen und Probleme, Anliegen und Fragen Betroffener direkt ins Parlament einbringen.
2. Weiterhin erscheint es uns notwendig, auf eine Lösung des Problems der unterschiedlichen Tarife in unserem Land hinzuwirken. Es ist für uns ein Skandal, wenn aus Landesmitteln ganz selbstverständlich Westtarife und Sonderleistungen gezahlt werden- mit der Begründung, auf die jeweiligen WissenschaftlerInnen nicht verzichten zu können. In diesem Zusammenhang ist insbesondere den sozialen Problemen der WissenschaftlerInnen, StudentInnen und sonstigen Hochschulangehörigen wesentlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken.
3. Schwierig wird für unser Land die Finanzierung der vielfältigen Ausbauvorhaben. So notwendig diese sind, so be
steht doch die Gefahr, daß sich das Land übernimmt und überall etwas, aber nirgends etwas mit ganzer Kraft macht. Wir sind bereit, Minister Enderlein bei entsprechender Planung und bei seinen Forderungen an den Bund zu unterstützen. 4. Wir sind schließlich der Auffassung, daß die gegeriwärtigen Probleme nur gelöst werden können, wenn sich in einer Art konzentrierten Aktion, die inzwischen von einer breiten Basis gefordert wird, alle Akteure, WissenschaftlerInnen, Industrielle, GewerkschafterInnen, Kommunal- und LandespolitikerInnen zur gemeinsamen Entscheidungsfindung auf den unterschiedlichsten Ebenen zusammensetzen, sich auf Sachfragen statt auf Parteiengeplänkel konzentrieren. Harald Petzold Fraktion PDS-Linke Liste
Erst kleinste Hürde genommen
Das Land Brandenburg war das einzige neue Bundesland, welches zu Beginn des Jahres 1991 über keine Universität verfügte. Die wenigen Fachschulen entsprachen kaum den Anforderungen an ein Bundesland. Heute dagegen können wir auf die Neugründung von drei Universitäten, die Universität Potsdam, die Technische Universität Cottbus und die EuropaUniversität Frankfurt/Oder verweisen. Ebenso wurden fünf Fachhochschulen gegründet und die Hochschule für Film und Fernsehen übernommen. Jedoch mit den Gründungsakten ist der Aufbau einer Hochschullandschaft keineswegs abgeschlossen. Im Gegenteil! Die kleinste Hürde ist erst genommen, und wir haben noch viel Arbeit zu leisten bis die Brandenburger Universitäten und Fachhochschulen in allen anderen Bundesländern einen guten Klang haben. Grundlage für diese Neugründungen bildtete das im Frühjahr 1991 verabschiedete „Brandenburgische Hochschulgesetz‘“. Es war das erste vollständige Hochschulgesetz in den neuen Bundesländern. Uns ging es dabei vor allem darum, allen Betroffenen, Lehrkörper wie Studenten, rechtliche Sicherheiten zu bieten. Rechtliche Sicherheit ist auch absolut notwendig, wenn eine intakte Hochschullandschaft entstehen soll. Ein wichtiger Punkt, vielleicht der wesentlichste Aspekt des Fortsetzung S. 8
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