Heft 
(1.1.2019) 01
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Fortsetzung von 5. 6

Fächern über juristische, pädagogische und philosophische Studienrichtungen hin zu technischen und kulturwissenschaftli­chen Studiengängen. Dies hat Branden­burg bereits Kritik vor allem von Vertre­tern der Berliner Wissenschaftslandschaft eingebracht, da die Berliner Universitä­ten und Hochschulen bereits zahlreiche Studiengänge im Angebot haben. Wir sind aber der Auffassung: Mit überlaufenen Universitäten, die ihrem Lehr- und For­schungsauftrag kaum mehr nachkommen können, ist im Europäischen Binnenmarkt in Zukunft kein Staat zu machen. Die Re­gionalisierung des Hochschulangebotes ist Element der Chancengleichheit beim

Zugang zum Studium. Im Jahr 1992 kommt es aus der Sicht der F.D.P.-Fraktion dar­auf an, den reibungslosen Studienbetrieb an den Universitäten und Hochschulen zu sichern, das Fächerspektrum weiter aus­zubauen, gute Professoren für unser Land zu gewinnen und die Lebensverhältnisse der Studenten zu verbessern. So stellen wir uns vor, daß z. B. ein Fach Religions­wissenschaft Eingang in die Lehre der Universität Potsdam finden könnte und daß ein eigenes Institut für Kindheits­und Familienforschung sowie ein Institut für Begabtenforschung gegründet wer­den. Renate Schneider Fraktion F.D.P.

Für eine selbstbestimmte Erneuerung

Die Entwicklung der Wissenschaften in

Brandenburg unterscheidet sich in eini­gen Punkten in angenehmer Weise von der in anderen neuen Ländern. In Bran­denburg wird nicht nur ab-, sondern auch aufgebaut, worauf sicher die Koalitions­fraktionen ausführlich hinweisen werden. Zu einem realistischen Bild gehören aber neben diesen Aufbauleistungen auch die zahlreichen Schattenseiten. So erleben wir

_ gerade in den Instituten der Akademie der

Wissenschaften einen dramatischen Per­sonalabbau. Es ist nicht einmal gelungen, die Empfehlungen des Wissenschaftsra­tes umzusetzen. Geradezu katastrophal ist die Situation der Industrieforschung, die fast vollständig zusammengebrochen ist. Die Aufzählung von gravierenden Pro­

blemen könnte noch lange fortgesetzt _ werden. Dabei ist uns bewußt, daß viele Probleme zuerst auf Bundesebene gelöst werden müssen. So die deutlich unter­

schiedliche Pro-Kopf-Finanzierung der Forschung aus BMFT-Mitteln in den al­ten und in den neuen Bundesländern. Unbedingt muß der BMFT-Haushalt, wie andere Bundeshaushalte auch, entspre­chend der Bevölkerungszunahme im Rahmen der deutschen Einheit angeho­ben werden.

Für die Zukunft scheinen uns vier Anlie­gen drängend:

1. Das wichtigste Problem ist für uns zu erreichen, daß BrandenburgerInnen gleich­berechtigt bei der Neustrukturierung der hiesigen Wissenschaftslandschaft mitwir­ken können. Ein entsprechender Antrag

an den Landtag, nach dem die Entschei­

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dungsgremien mehrheitlich mit Branden­

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burgerInnen besetzt werden sollten, wur­de zwar mehrheitlich durch die Fraktion abgelehnt, doch wir werden weiter auf diese Frage hinweisen. Beispielsweise muß es möglich sein, sehr bald demokratisch legitimierte Vertretungsorgane in die Struktur- und Personalentscheidungen an der Potsdamer Universität einzubeziehen. Ob das gelingt, hängt natürlich auch davon ab, wie weit sich die Hochschulangehöri­gen andere Verfahrensweisen gefallen lassen. Auf Parlamentsebene werden wir weiterhin die Öffentlichkeit der Sitzun­gen des zuständigen Landtagsausschus­ses fordern. Darüber hinaus versuchen wir, politische Entscheidungen transpa­rent zu machen; beispielsweise, indem wir Landtagsreden, Abstimmungsverhal­ten, Anfragen ect. auch Außenstehenden zugänglich machen und Probleme, An­liegen und Fragen Betroffener direkt ins Parlament einbringen.

2. Weiterhin erscheint es uns notwendig, auf eine Lösung des Problems der unter­schiedlichen Tarife in unserem Land hinzuwirken. Es ist für uns ein Skandal, wenn aus Landesmitteln ganz selbstver­ständlich Westtarife und Sonderleistun­gen gezahlt werden- mit der Begrün­dung, auf die jeweiligen Wissenschaft­lerInnen nicht verzichten zu können. In diesem Zusammenhang ist insbesondere den sozialen Problemen der Wissenschaft­lerInnen, StudentInnen und sonstigen Hochschulangehörigen wesentlich mehr Aufmerksamkeit zu schenken.

3. Schwierig wird für unser Land die Finanzierung der vielfältigen Ausbauvor­haben. So notwendig diese sind, so be­

steht doch die Gefahr, daß sich das Land übernimmt und überall etwas, aber nir­gends etwas mit ganzer Kraft macht. Wir sind bereit, Minister Enderlein bei ent­sprechender Planung und bei seinen For­derungen an den Bund zu unterstützen. 4. Wir sind schließlich der Auffassung, daß die gegeriwärtigen Probleme nur ge­löst werden können, wenn sich in einer Art konzentrierten Aktion, die inzwischen von einer breiten Basis gefordert wird, alle Akteure, WissenschaftlerInnen, In­dustrielle, GewerkschafterInnen, Kommu­nal- und LandespolitikerInnen zur gemein­samen Entscheidungsfindung auf den un­terschiedlichsten Ebenen zusammenset­zen, sich auf Sachfragen statt auf Partei­engeplänkel konzentrieren. Harald Petzold Fraktion PDS-Linke Liste

Erst kleinste Hürde genommen

Das Land Brandenburg war das einzige neue Bundesland, welches zu Beginn des Jahres 1991 über keine Universität ver­fügte. Die wenigen Fachschulen entspra­chen kaum den Anforderungen an ein Bundesland. Heute dagegen können wir auf die Neugründung von drei Universitä­ten, die Universität Potsdam, die Techni­sche Universität Cottbus und die Europa­Universität Frankfurt/Oder verweisen. Ebenso wurden fünf Fachhochschulen ge­gründet und die Hochschule für Film und Fernsehen übernommen. Jedoch mit den Gründungsakten ist der Aufbau einer Hochschullandschaft kei­neswegs abgeschlossen. Im Gegenteil! Die kleinste Hürde ist erst genommen, und wir haben noch viel Arbeit zu leisten bis die Brandenburger Universitäten und Fach­hochschulen in allen anderen Bundeslän­dern einen guten Klang haben. Grundlage für diese Neugründungen bild­tete das im Frühjahr 1991 verabschiedete Brandenburgische Hochschulgesetz. Es war das erste vollständige Hochschulge­setz in den neuen Bundesländern. Uns ging es dabei vor allem darum, allen Betroffenen, Lehrkörper wie Studenten, rechtliche Sicherheiten zu bieten. Recht­liche Sicherheit ist auch absolut notwen­dig, wenn eine intakte Hochschulland­schaft entstehen soll. Ein wichtiger Punkt, vielleicht der wesentlichste Aspekt des Fortsetzung S. 8

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