Heft 
(1.1.2019) 02
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Copyright by Joe Hopeman and Darmstädter Comicfabrik

In unserer medialisierten Welt nimmt die Bilderflut ständig zu. Kein Wunder, daß der Comic zu einem immer beliebteren Genre wird, um Geschichten anschaulich zu erzählen.

In den vergangenen Jahren begann sich in der BRD eine eigenständige Comic-Sze­ne zu etablieren, die avantgardistisch und humorvoll ist.

Den ComicAufruhr im Getränkekombi­nat von Joe Hopeman würde ich hierzu rechnen, bringt er doch etwas relativ Neues ein: ein Thema aus unserer jüngsten deutsch-deutschen Vergangenheit: MAD (im Comic MÜD genannt) contra Staats­sicherheitsdienst. Natürlich wird das Ganze mit ironischem Humor dargestellt, das zeichnet diesen Comic aus.

Die Story ist einfach und in sich komisch­stimmig:

Ein bayrischerBrauereiwissenschaftler wurde vom Stasi in die DDR entführt und soll durch eine Spezialaktion zurückge­holt werden.(Zwar war das bayrische Hefebier hierzulande kaum bekannt und demzufolge wenig beliebt und wenn der Professor eine neueBrauformel für das beste Bier der Welt erfunden haben soll, so steckt schon Jux in dieser Konstel­lation!) Um sein Ziel zu erreichen, wird vom MÜD ein harmloser Bürger, ein Comiczeichner mit dem bezeichnenden Namen Plumskloh, erpreßt und zur Mitar­beit gezwungen. Merke: Nicht nur der Stasi arbeitet mit fiesen Methoden. Das Abenteuer beginnt es geht nach drüben in den Osten, dort endet nach viel Hin und Her das Ganze mit der Verhaftung und Verurteilung von Plumpskloh und seinem MÜD-Helfer Burgschreck. Der ewig be­trunkene Professor, den beidebefreit hatten, wird laufengelassen, weil über ihn nichts im Bericht der Stasi stand. Er. kann zurück in den Westen, während die beiden anderen erst durch Agentenaus­tausch frei kommen.

Wenn wie im vorliegenden Comic nach beiden politischen Seitenausge­teilt wird und der Stasi letztendlich in

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STUDENTEN/REZENSION

Stück von Frank MecGuinness aufgeführt

Bereits seit 1985 existiert die English Drama Group des Fachbereiches Anglistik/Amerika­nistik. Unter dem Regisseur Maurice Levitas, englischer Gastlektor, wurden in den ersten Jahren vor allem klassische Dramatiker wie Shakespeare und Shaw gespielt. Nun wendet man sich vorwiegend zeitgenössischen Auto­ren zu.

MitMary and Lizzie von Frank McGuin­ness führte die Truppe am 22. Januar ein irisches Stück auf. Die künstlerische Leitung hatte wiederum ein Muttersprachler, Dr. Martin Conboy. Es ist die fast zweistündige Geschich­te einer phantastischen Reise zweier junger irischer Frauen durch das Irland und England des 19. Jahrhunderts. Sie begegnen nicht nur der MutterIrland* und der jungen Königin Victoria, sondern auch K. Marx und F. Engels. Von letzterem ist historisch überliefert, daß er in Manchester viele Jahre mit zwei irischen Frauen zusammengelebt hat. McGuinness beleuchtet in seinem Stück die Verhältnisse in dieser Zeit und die ihr immanenten Wider­sprüche. Der Zuschauer erfährt u.a. etwas über das damalige religiöse Irland, das von Eng­land ausgebeutet wurde, die schwierige Stel­lung der Frau und die Realität des industriel­len England.

Seit Anfang Oktober hatten die Darsteller 1 mal in der Woche 2-3 Stunden, im letzten Monat sogar häufiger geprobt. Während die­ser Vorbereitungen war von allen Beteiligten

viel zu bewältigen. Offensichtlich mit unter­schiedlicher Intensität setzten sich die Stu­denten z. B. mit irischer Lyrik, der Poesie keltischer Mythologie sowie Elementen des klassischen griechischen Dramas auseinan­der. Dies sollte sich in der schauspielerischen Umsetzung des Stücks bemerkbar machen. Hochachtung vor den Mühen und dem Enga­gement der jungen Leute. Dem Zuschauer offenbarte sich jedoch teilweise eine ungenü­gende dramaturgische Auslotung der Figuren. Noch zu sehr haftete man am Text, kam nicht zum eigentlichen Spiel. Hier noch Reserven für die Zukunft aufzuspüren, ist sicher loh­nend für das gesamte Ensemble.

Zugegeben, die Anforderungen für Schauspieler und Publikum bezüglich der Sprachbeherr­schung waren hoch. Nicht nur Literaturspra­che war da zu hören; gerade nicht immer geläufige Slang-Ausdrücke machten das Spiel in entsprechenden Passagen farbiger.

Die Anstrengungen vergangener Probenarbeit insbesondere hinsichtlich einer wirkungsvol­len Intonation noch gut in Erinnerung habend (an dieser Stelle ein Dankeschön an Frau Dr. Wedde, eine der beiden Lehrkräfte in der Drama Group), will der Stamm der Gruppe weitermachen. Einige werden jedoch aufhö­ren, u.a. um in Großbritannien ihr Wissen zu vervollständigen. Neue Leute sind also gern gesehen es müssen nicht unbedingt Angli­stik-Studenten sein!! P. Görlich

LH

der Story siegt, so ist das aus heutiger Sicht schon komisch, wo man weiß, wer der tatsächlicheSieger der Geschichte ASt u

Sicher: Dem gesellschaftlichen Problem Staatssicherheitsdienst bzw. Bundesnach­richtendienst oder MAD in seiner Kom­plexität wird diese Story nicht gerecht das kann auch nicht die Aufgabe eines Comic sein. Sich diesem Thema jedoch unkonventionell mit einem Augenzwin­kern zu nähern, kann dazu beitragen, Aufarbeitung und Bewältigung der Pro­blematik voranzubringen, die Sicht jun­ger Leute einzubeziehen, die manches lockerer angehen.

Hopeman, Jahrgang 1970, bringt diese Sichtrüber. Er beherrscht auch das technische Handwerk das Repertoire der verbalen und visuellenComic-Spra­che. Gekonnt und dynamisch mit deutli­chem Bezug zur Darstellungsweise der funnies hat er seine Geschichte gezeich­net und getextet. Mir gefallen die Unver­wechselbarkeit der einzelnen Typen in Aussehen und Sprache(bis hinein in den

Dialekt), die Liebe zum Detail(z. B. die Berliner Innenstadt), das Spiel mit Kli­schees(z. B. Manta-Fahrer, Trabi als DDR­Symbol) und viele kleine Gags in Wort und Bild. Die wilden Verfolgungsjagden, Mißgeschicke und Verwicklungen in ih­rer Häufung und Übersteigerung in der Manier von Action-Serien bedienen die Erwartungen an Comics, wo es spannend und unterhaltend zugehen muß. Vom Leser wird jedoch verlangt, sich genau mit Bildern und Text zu beschäfti­gen, um mit dem temporeichen Hand­lungsverlauf Schritt zu halten; Mitdenken ist gefragt, wenn man seinen Spaß haben will. Die fehlende Farbigkeit die Zeich­nungen sind in Schwarz-Weiß vorliegend _ machen es dem Leser nicht leichter dabei. Insgesamt: ein Comic, der hoffen Jäßt, daß seine Macher(Joe Hopemann als Zeichner/Texter, Jörg Schlockermann als Lektor, Chris Scheuermann als Her­ausgeber) noch mehr Probleme unseres Lebensauf die Schippe nehmen wer­den,

Dr. Edith Gaida

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