Copyright by Joe Hopeman and Darmstädter Comicfabrik
In unserer medialisierten Welt nimmt die Bilderflut ständig zu. Kein Wunder, daß der Comic zu einem immer beliebteren Genre wird, um Geschichten anschaulich zu erzählen.
In den vergangenen Jahren begann sich in der BRD eine eigenständige Comic-Szene zu etablieren, die avantgardistisch und humorvoll ist.
Den Comic„Aufruhr im Getränkekombinat“ von Joe Hopeman würde ich hierzu rechnen, bringt er doch etwas relativ Neues ein: ein Thema aus unserer jüngsten deutsch-deutschen Vergangenheit: MAD (im Comic MÜD genannt) contra Staatssicherheitsdienst. Natürlich wird das Ganze mit ironischem Humor dargestellt, das zeichnet diesen Comic aus.
Die Story ist einfach und in sich komischstimmig:
Ein bayrischer„Brauereiwissenschaftler“ wurde vom Stasi in die DDR entführt und soll durch eine Spezialaktion zurückgeholt werden.(Zwar war das bayrische Hefebier hierzulande kaum bekannt und demzufolge wenig beliebt und wenn der Professor eine neue„Brauformel“ für das „beste Bier der Welt“ erfunden haben soll, so steckt schon Jux in dieser Konstellation!) Um sein Ziel zu erreichen, wird vom MÜD ein harmloser Bürger, ein Comiczeichner mit dem bezeichnenden Namen Plumskloh, erpreßt und zur Mitarbeit gezwungen. Merke: Nicht nur der Stasi arbeitet mit fiesen Methoden. Das Abenteuer beginnt— es geht nach drüben in den Osten, dort endet nach viel Hin und Her das Ganze mit der Verhaftung und Verurteilung von Plumpskloh und seinem MÜD-Helfer Burgschreck. Der ewig betrunkene Professor, den beide„befreit“ hatten, wird laufengelassen, weil über ihn „nichts im Bericht“ der Stasi stand. Er. kann zurück in den Westen, während die beiden anderen erst durch Agentenaustausch frei kommen.
Wenn— wie im vorliegenden Comic— nach beiden politischen Seiten„ausgeteilt“ wird und der Stasi letztendlich in
8
STUDENTEN/REZENSION
Stück von Frank MecGuinness aufgeführt
Bereits seit 1985 existiert die English Drama Group des Fachbereiches Anglistik/Amerikanistik. Unter dem Regisseur Maurice Levitas, englischer Gastlektor, wurden in den ersten Jahren vor allem klassische Dramatiker wie Shakespeare und Shaw gespielt. Nun wendet man sich vorwiegend zeitgenössischen Autoren zu.
Mit„Mary and Lizzie‘‘ von Frank McGuinness führte die Truppe am 22. Januar ein irisches Stück auf. Die künstlerische Leitung hatte wiederum ein Muttersprachler, Dr. Martin Conboy. Es ist die fast zweistündige Geschichte einer phantastischen Reise zweier junger irischer Frauen durch das Irland und England des 19. Jahrhunderts. Sie begegnen nicht nur der Mutter„Irland‘* und der jungen Königin Victoria, sondern auch K. Marx und F. Engels. Von letzterem ist historisch überliefert, daß er in Manchester viele Jahre mit zwei irischen Frauen zusammengelebt hat. McGuinness beleuchtet in seinem Stück die Verhältnisse in dieser Zeit und die ihr immanenten Widersprüche. Der Zuschauer erfährt u.a. etwas über das damalige religiöse Irland, das von England ausgebeutet wurde, die schwierige Stellung der Frau und die Realität des industriellen England.
Seit Anfang Oktober hatten die Darsteller 1 mal in der Woche 2-3 Stunden, im letzten Monat sogar häufiger geprobt. Während dieser Vorbereitungen war von allen Beteiligten
viel zu bewältigen. Offensichtlich mit unterschiedlicher Intensität setzten sich die Studenten z. B. mit irischer Lyrik, der Poesie keltischer Mythologie sowie Elementen des klassischen griechischen Dramas auseinander. Dies sollte sich in der schauspielerischen Umsetzung des Stücks bemerkbar machen. Hochachtung vor den Mühen und dem Engagement der jungen Leute. Dem Zuschauer offenbarte sich jedoch teilweise eine ungenügende dramaturgische Auslotung der Figuren. Noch zu sehr haftete man am Text, kam nicht zum eigentlichen Spiel. Hier noch Reserven für die Zukunft aufzuspüren, ist sicher lohnend für das gesamte Ensemble.
Zugegeben, die Anforderungen für Schauspieler und Publikum bezüglich der Sprachbeherrschung waren hoch. Nicht nur Literatursprache war da zu hören; gerade nicht immer geläufige Slang-Ausdrücke machten das Spiel in entsprechenden Passagen farbiger.
Die Anstrengungen vergangener Probenarbeit insbesondere hinsichtlich einer wirkungsvollen Intonation noch gut in Erinnerung habend (an dieser Stelle ein Dankeschön an Frau Dr. Wedde, eine der beiden Lehrkräfte in der Drama Group), will der Stamm der Gruppe weitermachen. Einige werden jedoch aufhören, u.a. um in Großbritannien ihr Wissen zu vervollständigen. Neue Leute sind also gern gesehen— es müssen nicht unbedingt Anglistik-Studenten sein!! P. Görlich
LH
der Story siegt, so ist das aus heutiger Sicht schon komisch, wo man weiß, wer der tatsächliche„Sieger der Geschichte“ ASt u
Sicher: Dem gesellschaftlichen Problem Staatssicherheitsdienst bzw. Bundesnachrichtendienst oder MAD in seiner Komplexität wird diese Story nicht gerecht— das kann auch nicht die Aufgabe eines Comic sein. Sich diesem Thema jedoch unkonventionell mit einem Augenzwinkern zu nähern, kann dazu beitragen, Aufarbeitung und Bewältigung der Problematik voranzubringen, die Sicht junger Leute einzubeziehen, die manches „lockerer‘“ angehen.
Hopeman, Jahrgang 1970, bringt diese Sicht„rüber“. Er beherrscht auch das technische Handwerk— das Repertoire der verbalen und visuellen„Comic-Sprache“. Gekonnt und dynamisch mit deutlichem Bezug zur Darstellungsweise der funnies hat er seine Geschichte gezeichnet und getextet. Mir gefallen die Unverwechselbarkeit der einzelnen Typen in Aussehen und Sprache(bis hinein in den
Dialekt), die Liebe zum Detail(z. B. die Berliner Innenstadt), das Spiel mit Klischees(z. B. Manta-Fahrer, Trabi als DDRSymbol) und viele kleine Gags in Wort und Bild. Die wilden Verfolgungsjagden, Mißgeschicke und Verwicklungen in ihrer Häufung und Übersteigerung— in der Manier von Action-Serien— bedienen die Erwartungen an Comics, wo es spannend und unterhaltend zugehen muß. Vom Leser wird jedoch verlangt, sich genau mit Bildern und Text zu beschäftigen, um mit dem temporeichen Handlungsverlauf Schritt zu halten; Mitdenken ist gefragt, wenn man seinen Spaß haben will. Die fehlende Farbigkeit— die Zeichnungen sind in Schwarz-Weiß vorliegend _ machen es dem Leser nicht leichter dabei. Insgesamt: ein Comic, der hoffen Jäßt, daß seine Macher(Joe Hopemann als Zeichner/Texter, Jörg Schlockermann als Lektor, Chris Scheuermann als Herausgeber) noch mehr Probleme unseres Lebens„auf die Schippe nehmen werden“,
Dr. Edith Gaida
Nı: 2/92