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(1.1.2019) 02
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STUDENTEN

Studententheater begeisterte

| Am 23. und 25. Januar konnten in der Oberen Mensa Literatur- und Theaterbegeisterte | die Aufführung des Camus StücksCaligula miterleben. Die Gruppe Degater 87, bestehend aus Schauspiel-Laien der Uni, hat sich damit einer Tragödie angenommen, die

tark durch die zentralen Themen des französischen Existentialismus geprägt ist.

Die PUZ befragte Thomas Pösl, Regisseur des Theaterereignisses, nach Konzeption und

Details seiner Inszenierung.

| PUZ: Der Zuschauer hätte die Aufführung | einer Tragödie erwarten können. Sie haben | versucht, diese zur Komödie umzuwandeln. | Mit welcher Intention?

| Th. Pösl: Wir denken, das Stück kann heute | nicht mehr so gespielt werden. Vielmehr ist das | von uns Gezeigte als Tragi-Komödie zu verste­| hen. Camus formulierte:Die Welt ist ohne Be­| deutung dahinter stehen wir. Auf keinen | Fall sollte vordergründig ein aktueller Bezug

| hergestellt werden. Dieser ergibt sich sowieso | immer von selbst. Für uns enthält das Stück . Elemente des Absurden Theaters, ohne den Be­| griff jedoch zu formulieren.

| PUZ: Nicht immer ist Ihnen das strikte | Durchhalten der Absicht, das Tragische im | Lächerlichen aufzulösen, gelungen. Passa­_ genweise gab es Brüche. Sehen Sie das auch iso?

Th. Pösl: Ich sehe das keinesfalls so. Das 1 Umschlagen vom einen zum anderen war beab­‚sichtigt, aber es ist uns nicht an allen Stellen geglückt. Hier liegt die Divergenz zwischen eigener Absicht und Reaktion des Publikums. Vielleicht ist dies eine mögliche Schwäche der Inszenierung.

| PUZ: Waren Sie nicht der Versuchung un­

terlegen, die über dem ganzen Stück schwe­

bende Grundfrage,die Schuld des Men­schen an sich, zu sehr auf die Figur des Ca­_ ligula zu reduzieren?

| Th. Pösl: Ja, dem ist so. Möglicherweise ist das | Ganze aus einer zu extremen Sicht des Caligula | dargestellt. Im Gegensatz zur Rezension von | Gerold Paul(MAZ, 4. 1. 92) bietet für uns der | Text einzig die Möglichkeit, die Patrizier­Gestalten in dieser Form zu karikieren. Pauls

Irrtum besteht darin, bei diesen Figuren ein Wi­

_ derstandspotential entdecken zu wollen, wel­_ ches im konkreten Text nicht nachzuweisen ist. Gerade weil die Schuldfrage ein Grundproblem 1 des Existentialismus ist, versuchen wir, sie zu Ironisieren.

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In das Spiel wird die Frage nach ihr immer wieder hineintransportiert, letztendlich harrt sie bis heute einer Antwort.

PUZ: Dasstarke Schlußbild, etwas abwei­chend vom Camus-Text, scheint vom Zu­schauer nicht unbedingt verstanden wor­den zu sein. Hätte man sich besser an die Textvorgabe halten sollen?

Th. Pösl: Die Verunsicherung beim Publi­kum war gewollt. Ein anderes Ende wäre nicht unbedingt günstiger ge­wesen.

In unserem Verständnis ist Caligula durchaus kein Ir­rer. Er unterliegt vielmehr seiner eigenen rationalen Logik. Das von uns bevor­zugte freie Ende ist auf eine gebündelte Irritation des Zu­schauers ausgerichtet.

Die in die gesamte Insze­nierung eingepaßte Irrita­tionslinie findet hier ihren Abschluß.

PUZ: Mit Dirk Evers haben Sie einen brillanten Caligula-Darsteller. Wird er der Truppe weiterhin erhalten bleiben?

Th. Pösl: Wir hoffen sehr, aber die Realität gibt wenig Anlaß zu Optimismus. Ab Sep­tember wird die Gruppe, so wie sie Jetzt besteht, wohl auseinandergesprengt werden. Jeder geht seine eigenen Wege. Wahrschein­lich wird somit die Weiterführung des ge­samten Projekts sehr schwierig. Wenn über­haupt, findet sich ein stark verkleinertes Ensemble zusammen.

PUZ: Sind weitere Aufführungen des Stücks vorgesehen?

Th. Pösl: Der Wille ist da. Wir bemühen uns um Absprachen. Konkrete Termine gibt es jedoch noch nicht. Lediglich die Teilnahme am TheaterfestivalArena(Juli'92) in Erlangen ist fest eingeplant. Vielleicht erge­ben sich da neue Kontakte...

PUZ: Hatten Sie bei der Erarbeitung des Bühnenbilds, der Herstellung der Kostü­me oder der Lichteffekte von irgendeiner Seite Unterstützung?

Th. Pösl: Eigentlich nicht. Das Bühnenbild entstand in Eigenregie. Die Kostüme wurden uns allerdings vom HO-Theater zur Verfü­gung gestellt. Bei der Beleuchtung half ein guter Freund.

Vielen Dank für das Interview. Das Ge­spräch führte Petra Görlich.

Als Stipendiat studiert es sich viel leichter

Gerademal ein Prozent aller Studenten finanzieren ihr Studium laut offizieller Statistiken über Stipendien. Diese Zahl beschränkt sich allerdings hauptsäch­lich auf die Hochbegabtenförderung der Studienstiftung des deutschen Volkes, der parteinahen Stiftungen, Gewerk­schaften und Kirchen.

Daneben existieren eine Reihe von Pri­vat- und Industrie-Stiftungen, und auch bei Städten und Gemeinden gibt es Stif­tungen, die in der Öffentlichkeit kaum be­kannt sind und in keiner Statistik auftau­chen. WieFinanztest berichtet, kom­men allein beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der solche Stif­tungen betreut, jährlich etwa 15 neue fi­nanzkräftige Geldgeber hinzu.

Der Öffentlichkeit verborgen bleiben auch viele Stiftungen, die treuhänderisch an Universitäten vergeben werden, schrei­ben die Finanztester und raten Interessen­ten, sich direkt an die Sekretariate der Hochschulen zu wenden. Hinzu kommen Kommunen und Kirchen, die immer wie­der Empfänger von entsprechenden Te­stamenten sind. Häufig genügt schon der Nachweis der Bedürftigkeit, um in den Genuß dieser Mittel zu kommen. Jedoch nicht alle Spender verteilen ihre Gelder uneigennützig, warntFinanz­test. Viele Studierende werden durch Stipendien von Unternehmen und Kon­zernen verpflichtet, nach Studienabschluß bei ihnen zu arbeiten oder die kassierten Stipendien zurückzuzahlen.

Allerdings verlangen die meisten Firmen für ihre Finanzspritzen keine Zinsen. Keine späteren Verpflichtungen gegenüber spen­dierfreudigen Unternehmen haben hinge­gen Stipendiaten von Industrie-Stiftun­gen.

Finanztest hat ein Verzeichnis mit al­len Anlaufstellen für Stipendienanträge herausgebracht. Es kann gegen Einsen­dung eines mit 1,40 Mark frankierten Din-A4-Rückumschlags angefordert wer­den bei:Finanztest-Redaktion, Stif­tung Warentest, Lützowplatz 11-13, W-1000 Berlin 30.

(aus: Potsdamer Morgenpost vom 284.1:92)