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STUDENTEN
Studententheater begeisterte
| Am 23. und 25. Januar konnten in der Oberen Mensa Literatur- und Theaterbegeisterte | die Aufführung des Camus— Stücks„Caligula‘‘ miterleben. Die Gruppe Degater 87, — bestehend aus Schauspiel-Laien der Uni, hat sich damit einer Tragödie angenommen, die
tark durch die zentralen Themen des französischen Existentialismus geprägt ist.
Die PUZ befragte Thomas Pösl, Regisseur des Theaterereignisses, nach Konzeption und
Details seiner Inszenierung.
| PUZ: Der Zuschauer hätte die Aufführung | einer Tragödie erwarten können. Sie haben | versucht, diese zur Komödie umzuwandeln. | Mit welcher Intention?
| Th. Pösl: Wir denken, das Stück kann heute | nicht mehr so gespielt werden. Vielmehr ist das | von uns Gezeigte als Tragi-Komödie zu verste| hen. Camus formulierte:„Die Welt ist ohne Be| deutung‘‘— dahinter stehen wir. Auf keinen | Fall sollte vordergründig ein aktueller Bezug
| hergestellt werden. Dieser ergibt sich sowieso | immer von selbst. Für uns enthält das Stück . Elemente des Absurden Theaters, ohne den Be| griff jedoch zu formulieren.
| PUZ: Nicht immer ist Ihnen das strikte | Durchhalten der Absicht, das Tragische im | Lächerlichen aufzulösen, gelungen. Passa_ genweise gab es Brüche. Sehen Sie das auch iso?
Th. Pösl: Ich sehe das keinesfalls so. Das 1 Umschlagen vom einen zum anderen war beab‚sichtigt, aber es ist uns nicht an allen Stellen geglückt. Hier liegt die Divergenz zwischen eigener Absicht und Reaktion des Publikums. Vielleicht ist dies eine mögliche Schwäche der Inszenierung.
| PUZ: Waren Sie nicht der Versuchung un
terlegen, die über dem ganzen Stück schwe
bende Grundfrage,„die Schuld des Menschen an sich‘‘, zu sehr auf die Figur des Ca_ ligula zu reduzieren?
| Th. Pösl: Ja, dem ist so. Möglicherweise ist das | Ganze aus einer zu extremen Sicht des Caligula | dargestellt. Im Gegensatz zur Rezension von | Gerold Paul(MAZ, 4. 1. 92) bietet für uns der | Text einzig die Möglichkeit, die PatrizierGestalten in dieser Form zu karikieren. Pauls
Irrtum besteht darin, bei diesen Figuren ein Wi
_ derstandspotential entdecken zu wollen, wel_ ches im konkreten Text nicht nachzuweisen ist. Gerade weil die Schuldfrage ein Grundproblem 1 des Existentialismus ist, versuchen wir, sie zu Ironisieren.
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In das Spiel wird die Frage nach ihr immer wieder hineintransportiert, letztendlich harrt sie bis heute einer Antwort.
PUZ: Dasstarke Schlußbild, etwas abweichend vom Camus-Text, scheint vom Zuschauer nicht unbedingt verstanden worden zu sein. Hätte man sich besser an die Textvorgabe halten sollen?
Th. Pösl: Die Verunsicherung beim Publikum war gewollt. Ein anderes Ende wäre nicht unbedingt günstiger gewesen.
In unserem Verständnis ist Caligula durchaus kein Irrer. Er unterliegt vielmehr seiner eigenen rationalen Logik. Das von uns bevorzugte freie Ende ist auf eine gebündelte Irritation des Zuschauers ausgerichtet.
Die in die gesamte Inszenierung eingepaßte Irritationslinie findet hier ihren Abschluß.
PUZ: Mit Dirk Evers haben Sie einen brillanten Caligula-Darsteller. Wird er der Truppe weiterhin erhalten bleiben?
Th. Pösl: Wir hoffen sehr, aber die Realität gibt wenig Anlaß zu Optimismus. Ab September wird die Gruppe, so wie sie Jetzt besteht, wohl auseinandergesprengt werden. Jeder geht seine eigenen Wege. Wahrscheinlich wird somit die Weiterführung des gesamten Projekts sehr schwierig. Wenn überhaupt, findet sich ein stark verkleinertes Ensemble zusammen.
PUZ: Sind weitere Aufführungen des Stücks vorgesehen?
Th. Pösl: Der Wille ist da. Wir bemühen uns um Absprachen. Konkrete Termine gibt es jedoch noch nicht. Lediglich die Teilnahme am Theaterfestival„Arena‘‘(Juli'92) in Erlangen ist fest eingeplant. Vielleicht ergeben sich da neue Kontakte...
PUZ: Hatten Sie bei der Erarbeitung des Bühnenbilds, der Herstellung der Kostüme oder der Lichteffekte von irgendeiner Seite Unterstützung?
Th. Pösl: Eigentlich nicht. Das Bühnenbild entstand in Eigenregie. Die Kostüme wurden uns allerdings vom HO-Theater zur Verfügung gestellt. Bei der Beleuchtung half ein guter Freund.
Vielen Dank für das Interview. Das Gespräch führte Petra Görlich.
Als Stipendiat studiert es sich viel leichter
Gerademal ein Prozent aller Studenten finanzieren ihr Studium laut offizieller Statistiken über Stipendien. Diese Zahl beschränkt sich allerdings hauptsächlich auf die Hochbegabtenförderung der „Studienstiftung des deutschen Volkes‘‘, der parteinahen Stiftungen, Gewerkschaften und Kirchen.
Daneben existieren eine Reihe von Privat- und Industrie-Stiftungen, und auch bei Städten und Gemeinden gibt es Stiftungen, die in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind und in keiner Statistik auftauchen. Wie„Finanztest‘‘ berichtet, kommen allein beim Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, der solche Stiftungen betreut, jährlich etwa 15 neue finanzkräftige Geldgeber hinzu.
„Der Öffentlichkeit verborgen bleiben auch viele Stiftungen, die treuhänderisch an Universitäten vergeben werden‘‘, schreiben die Finanztester und raten Interessenten, sich direkt an die Sekretariate der Hochschulen zu wenden. Hinzu kommen Kommunen und Kirchen, die immer wieder Empfänger von entsprechenden Testamenten sind. Häufig genügt schon der Nachweis der Bedürftigkeit, um in den Genuß dieser Mittel zu kommen. „Jedoch nicht alle Spender verteilen ihre Gelder uneigennützig‘‘, warnt„Finanztest‘‘. Viele Studierende werden durch Stipendien von Unternehmen und Konzernen verpflichtet, nach Studienabschluß bei ihnen zu arbeiten oder die kassierten Stipendien zurückzuzahlen.
Allerdings verlangen die meisten Firmen für ihre Finanzspritzen keine Zinsen. Keine späteren Verpflichtungen gegenüber spendierfreudigen Unternehmen haben hingegen Stipendiaten von Industrie-Stiftungen.
„Finanztest‘‘ hat ein Verzeichnis mit allen Anlaufstellen für Stipendienanträge herausgebracht. Es kann gegen Einsendung eines mit 1,40 Mark frankierten Din-A4-Rückumschlags angefordert werden bei:„Finanztest‘‘-Redaktion, Stiftung Warentest, Lützowplatz 11-13, W-1000 Berlin 30.
(aus: Potsdamer Morgenpost vom 284.1:92)