VERANSTALTUNGEN
Nr. 7/92— Seite 3
Fortsetzung von$. 2
richtet werden, um ältere, von Entlassung bedrohte wissenschaftliche Mitarbeiter oder auch Professoren an den Universitäten zu halten, insbesondere mit einem Aufgabenbereich in der Weiterbildung. Dafür sollen Lehrauftragsmittel in der Größenordnung von 100 Mill. DM bereitgestellt werden.
Parallel dazu ist vorgesehen, für über 50jährige Wissenschaftler einen Pool von kw-Stellen(künf
tig wegfallend) zu errichten, den man jährlich um 10 Prozent verringern will, so daß er sichnach 10 Jahren erschöpft hat. Auf diese Weise sollen etwa 6000 dieser Mitarbeiter bis zur Erreichung der Altersgrenze an der Hochschule verbleiben; bei ihrem Ausscheiden werden die kw-Stellen nicht wieder neu besetzt. Diese sozial gedachte Maßnahme hat jedoch ihren Preis: 800 Mill. DM sind für drei Jahre kalkuliert.
Dr. Rolf Rammelt
Christa Wolf nächster Gast
Am 26. April wird die renommierte Autorin Christa Wolf in der Frauen-Sonntags- Vorlesung einen Vortrag zum Thema„Krebs und Gesellschaft“ halten. Trotz der fast sicheren Annahme, daß die überwiegende Mehrzahl aller Universitätsangehörigen sofort den Namen der Dichterin einzuordnen weiß, einige Bemerkungen zu ihrer Person.
Die am 18. 3. 1929 geborene Christa Wolf gehörte zu den herausragenden Repräsentanten der DDR-Literatur. Sie weitgehend mit ihrem Staat DDR — bis hin zum Aufruf„Für unser Land‘ 1989—, stand dem dort real praktizierten Sozialismus jedoch stets kritisch gegenüber. Auf dem für die Kultur so verheerenden 11. Plenum des ZK der SED zeigte sie Mut und widersprach. Mit ihrem sehr sensiblen Text„Nachdenken über Christa T.‘“ brach Ch. W. tiefsitzende Tabus und veränderte weitgehend die literarische Landschaft. In den 70er Jahren beförderte ihr Roman„Kindheitsmuster‘ einen differenzierten Umgang
identifizierte sich|
mit den Begriffen„Heimat“ und „Vergangenheit“.
Texte der Schriftstellerin als „Frauenliteratur‘“ im herkömmlichen, klischeehaften Sinne zu klassifizieren, wäre sehr oberflächlich. Vielmehr verweisen ihre Bücher auf globale Probleme der Menschheit unter Berücksichtigung der Spezifik weiblichen Sehens, Denkens und Fühlens. Figuren wie Caroline von Günderode oder der Kassandra-Mythos unterstreichen diese Feststellung ebenso wie die Verbindung von privatem Schicksal und möglicher Katastrophe im „Störfall“.
Die Veranstaltung mit der streitbaren Autorin verspricht Nachdenklichkeit und zugleich Anregung.
Petra Görlich
Für Literatur-Interessierte
Am Sonnabend, dem 25. Mai 1992, 15.00 Uhr findet im Galerie-Cafe 0815 in der FriedrichEbert-Straße 188 die zweite Veranstaltung der Reihe„Manuskripte und Gespräche‘‘ statt. Zu Gast sind diesmal die Lyriker Gerd Adloff und Peter Hofmann.
Zweite Veranstaltungsreihe des Potsdamer Forum eröffnet
Der zweite Zyklus des Potsdamer Forum wurde am 5. April im Schloßtheater des Neuen Palais eröffnet. Diese Veranstaltungsreihe steht unter dem Thema: Von Preußen nach Brandenburg. Geschichte und Perspektiven eines Kulturraumes. Zu Lesung und Gespräch fand sich diesmal der Schriftsteller Günter de Bruyn ein. Vier gekürzte Kapitel seines neuesten Buches„Zwischenbilanz“ stellte er dem zahlreich erschienenen Publikum vor. Es beschreibt aus seiner Sicht die Zeit von 1926, seinem Geburtsjahr, bis 1949. Die brillante Sprache des Autors solcher Bücher wie „Märkische Forschungen“,„Bu
ridans Esel‘,„Neue Herrlichkeit‘,|
„Das Leben des Jean Paul Friedrich Richter“ und Herausgebers von„Märkischer Dichtergarten‘‘ verdeutlichte sich besonders auch durch seinen eigenen Vortrag. Da das Anliegen der Veranstaltungsreihe darin besteht, Ziele, Probleme und Kontroversen des deutsch-deutschen Zusammenwachsens zu behandeln, kamen kaum literarische Aspekte zur Diskussion, bedauerlich für so manchen Zuhörer.
Günter de Bruyn betonte, daß das Schreiben einer Autobiografie für einen Schriftsteller ein schmerzvoller Prozeß sei. Er betrachte sich auch als Chronist, habe bei der Arbeit an„Zwischenbilanz“ Zeitdokumente herangezogen. Da er beim Schreiben Überraschungen
erlebe, könne er für den sich an dieses Werk anschließenden Band nur sagen, daß er weniger privat, mehr politischer Natur sein werde, da es um die Jahre nach 1950 ginge.
Der Schriftsteller dürfe seine Rolle in der Gesellschaft nicht überschätzen, so de Bruyn, aber er könne die Menschen wachmachen,
Foto: Eckardt
sie bestätigen. Vom ersten bis zum kürzlich veröffentlichten Buch sei seiner Meinung nach das kritische Element stärker zu Tage getreten und sein wachsendes Selbstbewußtsein zu spüren. Diese Einschätzungen überließe er aber lieber den Literaturwissenschaftlern.
B. E.
ACHTUNG!
Am 5. Mai, 13.00 Uhr findet die nächste Zusammenkunft der Vorruheständler unserer Universität im Raucherraum der Kaf
feestube statt.
POTSDAMER RE AM OBELISK
Kartenvorverkauf * im Foyer des Kabaretts Di. bis Sa. von 17.00- 19.30
in der Potsdam-Information Friedrich-Ebert-Straße:
täglich von 9.00- 18.00 Uhr Tel.: 2 11 00
im Hof des
Kabaretts(Büro)
Mo. bis Fr. 8.00- 16.00 Uhr Tel.:(0:37 33) 2:10.69
oder 2 17 38
Tel.: Geschäftsführung 2 17 38