Heft 
(1.1.2019) 07
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Nr. 7/92 Seite 6

FORSCHUNG

Arbeitsgruppe der Max-Planck-Gesellschaft bei der Universität PotsdamFehlertolerantes Rechnen

Diese sich konstituierende Grup­pe der Max-Planck-Gesellschaft bei der Universität Potsdam ist derzeit noch in der Berliner Kur­straße untergebracht. Ihr Leiter, Prof. Dr. Michael Gössel, ist auf der Suche nach geeigneten Räum­lichkeiten in Potsdam.

Der national und international anerkannte Informatiker studierte in Jena und zwei Jahre in Lenin­grad Physik, kam 1971 nach Ber­lin an das Institut für Kybernetik und Informationsprozesse und arbeitete dort an den unterschied­lichsten Projekten(Modellierung biologischer Systeme, Bildverar­beitung, Rechenarchitektur und Fehlererkennung).

Der Autor von sieben, auch im Ausland verlegten Büchern und ca. 100 Publikationen ist darüber hinaus Inhaber von 25 Patenten. Die Struktur des Bereiches um­faßt:

vier wissenschaftliche Mitarbei­

ter, eine Verwaltungsstelle, drei Doktoranden(Zwei davon sind russische Kollegen, die im Sep­tember ihre Arbeit aufnehmen.) und eine Gaststelle. Zwei Dokto­randen fördert die Siemens AG München bzw. die Graphikon Berlin.

Prof. Gössel ist der Auffassung, daß in den nächsten Jahren erheb­liche Anstrengungen auf dem Gebiet der Mikroelektronik von Deutschland zu unternehmen sind, um dem Konkurrenzdruck stand­zuhalten. Der Maßstab sei Ameri­ka.Das ist eine unumstößliche Tatsache, an die wir uns zu halten haben.

Neben der wissenschaftlichen Arbeit sei der Kontakt zur Indu­strie lebensnotwendig, damit eine Abkopplung von Wissenschaft und Praxis vermieden wird.

In der DDR hatten wir viele In­dustriekontakte, die wieder auf­gebaut werden müssen, so der

Informatiker. Er verwendet gegen­wärtig einen Teil seiner Zeit dar­auf, Drittmittel aus der Industrie eine äußerst schwierige Aufgabe einzuwerben.

Über sein Aufgabengebiet äußert der Wissenschaftler: Fehlertolerantes Rechnen beinhal­tet, wie man Fehler in Hard- und Software automatisch erkennt und bei vorhandenen Fehlern eines bestimmten Fehlermodells trotz der vorliegenden Fehler korrekte Resultate erzielt. Typisch ist, daß zusätzlicher Aufwand, Redundanz, erforderlich ist, um die Fehlerer­kennung und die fehlerfreie Funk­tionsweise bei vorhandenen Feh­lern zu gewährleisten. Üblich ist dabei, das Konzept von Verdopp­lung und Vergleich anzuwenden. Ein System wird zweimal reali­siert, die Ergebnisse auf Gleich­heit überprüft. Schwerpunktaufgaben der Arbeits­gruppenmitglieder sind:

systematischer Entwurf sich selbstprüfender und sich selbstte­stender Schaltungen, Zusammenhang zwischen on­line Fehlererkennung und Testung, systematische Softwarediversi­tät zur Erkennung von Hardware­fehlern, Verwendung vonVorwissen zur Fehlererkennung und beim Ent­wurf fehlertoleranter Algorithmen. Dank umfangreicher Erfahrungen und Kontakte besteht eine frucht­bare wissenschaftliche Zusammen­arbeit insbesondere mit dem Max­Planck-Institut für Informatik in Saarbrücken, mit den Universitä­ten in Dortmund(gemeinsames DFG-Projekt) Saarbrücken, Karls­ruhe, London(Western Ontario, Canada), Amherst(Massachusetts), mit IMAG(Grenoble) und dem Institut für Steuerung(Moskau), mit dem Rechenzentrum der AdW (Moskau).

> Dr. Barbara Eckardt

Institut für Agroindustrielle Forschung e. V. an der Universität Potsdam

Hochachtung verdienen die dem Institut angehörenden Mitarbeiter allemal. In der der offiziellen Gründung am 4. 3. 92 vorausge­henden zweimonatigen Aufbau­phase und auch zu Beginn der Institutsarbeit war die Verwirkli­chung der Ideen und Wünsche nur durch eigenes Engagement über das normale Maß hinaus und durch die finanzielle Beteiligung bei Sachmitteln möglich. Gehaltszah­lungen gab es nicht. Daß trotz al­ler Widrigkeiten der Start in die Marktwirtschaft gelang, führen die insgesamt 16 Mitarbeiter auf den hier vorherrschenden, in sich stim­migen Teamgeist zurück. Zwei der Mitstreiter kommen aus den alten Bundesländern. Der größte Teil jedoch gehörte dem ehemaligen Institut für Gemüsebau in Groß­beeren an, dessen Räume nun genutzt werden.

Noch nicht alle Anfangsschwie­rigkeiten sind überwunden. Dazu zählen auch die nicht enden wol­lendenFinanzierungskämpfe mit

dem Brandenburger Landwirt­schaftsministerium. Doch man ist

zuversichtlich hinsichtlich der

Lösung aller Probleme.

Bereits 1991 hatte das Institut für Gemüsebau nach Absprache mit dem zuständigen Ministerium die Chance erhalten, auf ca. 100 ha Land Miscanthus sinensis gigan­teus(bis zu 4 m hoch wachsendes C,-China-Schilf) zu Versuchs­zwecken anzubauen. In diesem Zu­sammenhang wurde die perspek­tivische Notwendigkeit eines In­stituts für Agroindustrielle For­schung schon deutlich; dessen end­gültige Etablierung vor ca. 1 Monat erwies sich als logische Schluß­folgerung. Zu den Gründungsmit­gliedern des eingetragenen Ver­eins gehören u. a. Prof. Mitzner und Prof. Klopfer. Auch im Kura­torium ist unsere Universität durch die Person des Rektors vertreten. Ausschließlich durch Drittmittel, Förderanträge usw. erfolgt die Finanzierung der projektbezoge­nen Arbeitsaufgaben. Beantragte

bzw. angearbeitete Förderprojek­

te sind beispielsweise:

Untersuchungen zum Anbau

(einschließlich Gewinnung und

Vermehrung) von C,-Pflanzen

Machbarkeitsstudien für Heiz­kraftwerke in Friedland, Lud­wigsfelde(in Zusammenarbeit mit ENRO Ludwigsfelde und ENRO Essen) und Werder

Beteiligung an einem Projekt­antrag zum Einsatz von wurzel­stimulierenden Mikroben beim Anbau perennierender C,-Pflan­zen

Mitwirkung am ProjektMög­lichkeiten und Auswirkungen hoher Gaben von Seesedimen­ten auf den Anbau von ausdau­ernden C,-Pflanzen auf sandi­gen Böden im Umfeld des Rangsdorfer Sees

Beteiligung an Vorexperimen­ten der Bauwissenschaftlichen Beschäftigungs- und Qualifizie­rungsgesellschaft der ehemali­gen Bauakademie Berlin ge­meinsam mit dem Plattenwerk

Sperenberg zur stofflichen

Nutzung von C,-Pflanzen. Absprachen hinsichtlich weiterer Projektvorbereitungen bzw.-be­teiligungen gibt es bereits. Das setzt voraus, daß die Kontakte zu interessierten Einrichtungen in Brandenburg und über die Lan­desgrenzen hinaus hergestellt sind. Erwähnt seien hier die LAUBAG, die Humboldt-Uni oder die Buck­Werke Pinnow. Die Forschungstätigkeit, noch bezieht sie sich vor allem auf das genannte C,-China-Schilf, wird von drei Säulen getragen. Die erste umfaßt alle Fragen, die mit den Problemen des Anbaus zusammen­hängen. Dazu gehören Beurteilun­gen über Standorte, deren Eignung unter Berücksichtigung aller zu beachtenden Details und die dar­aus abzuleitenden vermutlichen Ertragswerte. Im Endergebnis stehen Anbauempfehlungen, un­ter ökologischen und ökonomi­schen Gesichtspunkten, für den Bauern. Den zweiten Schwerpunkt