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FORSCHUNG
Coln— Institut für Computerintegriertes Engineering an der Universität Potsdam
Ihr Wille zum Erfolg ist überaus stark ausgeprägt, und dafür gehen sie bis an die Grenze ihres Leistungsvermögens. Die Rede ist vom Geschäftsführer, Dr. rer. nat. Winfried Jentsch, oben genannten Institutes und seinen 16 wissenschaftlichen Mitarbeitern. Zum Team gehören ebenso eine Sekretärin und ein Systemer sowie Diplomanden und Doktoranden. Sie wollen zeigen, daß sie auf ihrem Wissenschaftsgebiet niveaubestimmend sein können. Und sie möchten Minister Enderlein beim Wort nehmen, der mit der Universität Potsdam beabsichtigt, ein neues Modell der Verbindung von Lehre und Forschung zu schaffen. Dafür nutzen sie die„‚grüne Wiese Land Brandenburg“, wo die Forschung nicht überproportional entwickelt ist.
Alle Institutsmitarbeiter sind Physiker, Mathematiker oder Informatiker aus den ehemaligen Einrichtungen: Zentralinstitut für
Kybernetk und Informationsverarbeitung(ZKT), Institut für Automatisierung(IfA), Zentralinstitut für Molekularbiologie(ZIM) und Zentralinstitut für Physikalische Chemie(ZIPC). Sie alle arbeiteten bisher auf den Gebieten Forschung und Entwicklung. ‚,Damit haben wir einen Teil Illusionen und Voraberfahrung mitgebracht“‘, so Dr. Jentsch. ‚,Das ist ein Guthaben für die Chance, in einer realistischen Zeit von zwei bis drei Jahren finanziell auf die Beine zu kommen, um dann ohne das WIP wachsen zu können.‘‘ Damit ist gesagt, daß die Universität lediglich Räume und die Infrastruktur zur Verfügung stellt.
Im Juli 1991 wurde das Institut für Computerintegriertes Engineering als GmbH, also als kommerzielles Gebilde, gegründet. ,, Wir wollten das Zerschlagen des ZKI mit dem Aufbau von etwas Neuem verbinden“‘, erläutert der Geschäftsführer. Der 1. Anlauf sei geschafft.
Für die Deutsche Agentur für Raumfahrtangelegenheiten(DARA) bearbeiten die Wissenschaftler Forschungsaufträge. Aus BMFT und BMWi erhalten sie zusätzliche Zuwendungen für projektorientierte freie Forschung und Entwicklung aus dem Programm ‚,Aufschwung Ost“.
Forschungsaufgaben ergeben sich u. a. aus der Tatsache, daß bemannte Raumfahrt untragbar teuer geworden ist. Daraus resultiert eine zunehmende Automatisierung und Roboterisierung, die Entwicklung von Robotertechnik mit Eigenschaften der künstlichen Intelligenz. Es geht um die Entwicklung von Computerprogrammen, die sich intelligent verhalten. Computerintegriertes Engineering heißt auch rechnergestütztes SoftwareEngineering, also die Entwicklung von Programmen, die wieder Programme hervorbringen. Flexible Automatisierung intellektueller Tätigkeiten in drei High-Tech
Bereichen ist Forschungsschwer
punkt der Gruppe:
— Computer Aided Software Engineering(CASA)
— intelligente Roboter und Fertigungssysteme(CIM)
— Computer Aided Molecular Modelling(CAMD) im Drug Design(CADD).
Analogien dieser Bereiche eröff
nen den Forschern die Möglich
keit des Vermarktens einerseit und des Selbstanwendens andererseits.
‚Das sind jeweils Programme für
ein Wissenschaftlerleben im Team;
ein nach oben offenes Profil“.
Dr. Jentsch sieht natürlich die
sozialen Auswirkungen, die sich
durch flexible Automatisierung ergeben. ‚,Wir dürfen aber nicht den
Kopf in den Sand stecken. Wenn
wir aufhören zu automatisieren,
dann hört die Produktion auf“.
Der Student der Zukunft sei jener,
der nicht nur sein Fachgebiet,
sondern ebenso Grenzgebiete beherrsche wie Betriebswirtschaft,
Marketing und Akquisition, vor
allem auch mit den Möglichkeiten
der angewandten Informatik vertrautist. Dr.Barbara Eckardt
Gemeinsame elterliche Verantwortung— auch nach der Trennung
IFK eröffnet Fortbildungsprogramm durch Auftaktsymposium
Als Auftakt für ein familienpsychologisches und-juristisches Fortbildungsprogramm eröffnete Herr Prof. Mitzner am 3. 4. 92 das Symposium ‚,Hilfe für Kinder und Eltern im Spannungsfeld der Trennungsituation‘“. Eingeladen hatte das Institut für Familien- und Kindheitforschung, und gekommen waren 70 Mitarbeiter der Jugendämter aus allen neuen Ländern.
Um diese Mitarbeiter, die künftig Familienberatung und Familiengerichtshilfe leisten sollen, auf ihre Aufgaben vorzubereiten, finanziert das Bundesministerium für Frauen und Jugend Fortbildungskurse in den neuen Ländern, die vom IFK konzipiert und angeboten werden. Grüße der Bundesministerin für Frauen und Jugend, Frau Dr. Angela Merkel, überbrachte Herr Ministerialrat Dr. Wiesner, der großen Anteil an der Erarbeitung des neuen Kinder- und Jugendhilfegesetzes(KJHG) hat.
Nach den Grußworten stellte der Direktor des IFK, Dr. Dietmar Sturzbecher, ausgewählte Ergeb
nisse einer Studie des Institutes vor. Im Rahmen dieser Studie wurden 1990 in 29 Berliner Familien Eltern und Kinder nach ihren Trennungserfahrungen befragt. Heute dienen die Ergebnisse dieser Studie dazu, die Situation von Familien bei Elterntrennung in der DDR zu illustrieren.
Es folgten zwei Positionsreferate aus familienpsychologischer bzw. familienjuristischer Sicht. Zunächst referierte Herr Dipl.-Phsychologe R. Kunze vom Staatsinstitut für Frühpädagogik und Familienforschung München über das Reorganisationsmodell familialer Beziehungen bei Elterntrennung. Er machte deutlich, daß eine Scheidung nicht das Ende familiärer Beziehungen des Kindes bedeutet und daß nach der Trennung auch die Partnerbeziehungen reorganisiert werden müssen, um Entwicklungsrisiken für die Kinder zu verringern. Das bedeutet, daß an die Stelle von Liebe und Zuneigung als Grundlage für die Partnerbeziehungen Kooperativität zur
Wahrnehmung gemeinsamer elterlicher Verantwortung treten muß.
Nach diesem Beitrag stellte Herr Prof. Hinze vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Universität Berlin dar, welche Chancen das KJHG zur Realisierung gemeinsamer elterlicher Verantwortung nach der Trennung bietet. In einem engagierten Vortrag, der ihn als konsequenten Anwalt getroffener Kinder auswies, erläuterte Prof. Hinz die Anforderungen, die die Ausgestaltung des KJHG an die Jugendämter stellt. Der Nachmittag war ausgefüllt mit
drei Arbeitskreisen. Herr Prof. Kühn leitete den Arbeitskreis ‚‚Verarbeitung des Trennungsgeschehens durch Eltern und Kinder‘, während Frau Rechtsanwältin Lindemann-Hinz in ihrem Arbeitskreis versuchte; gemeinsam mit den Teilnehmern die anscheinend widersprüchlichen Aufgaben„‚Familiengerichtshilfe‘“ und ‚,Familienberatung‘“ zu präzisieren und zu verbinden. Herr Dipl.-Päd. Dietrich diskutierte mit den Teilnehmern des dritten Arbeitskreises Beratungsangebote vor, während und nach der Scheidung.
P. Dietrich
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