Heft 
(1.1.2019) 08
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Nr. 8/92 Seite 6

FORSCHUNG

Coln Institut für Computerintegriertes Engineering an der Universität Potsdam

Ihr Wille zum Erfolg ist überaus stark ausgeprägt, und dafür ge­hen sie bis an die Grenze ihres Leistungsvermögens. Die Rede ist vom Geschäftsführer, Dr. rer. nat. Winfried Jentsch, oben genannten Institutes und seinen 16 wissen­schaftlichen Mitarbeitern. Zum Team gehören ebenso eine Sekre­tärin und ein Systemer sowie Di­plomanden und Doktoranden. Sie wollen zeigen, daß sie auf ihrem Wissenschaftsgebiet niveaubestim­mend sein können. Und sie möch­ten Minister Enderlein beim Wort nehmen, der mit der Universität Potsdam beabsichtigt, ein neues Modell der Verbindung von Lehre und Forschung zu schaffen. Dafür nutzen sie die‚grüne Wiese Land Brandenburg, wo die Forschung nicht überproportional entwickelt ist.

Alle Institutsmitarbeiter sind Phy­siker, Mathematiker oder Infor­matiker aus den ehemaligen Ein­richtungen: Zentralinstitut für

Kybernetk und Informationsver­arbeitung(ZKT), Institut für Auto­matisierung(IfA), Zentralinstitut für Molekularbiologie(ZIM) und Zentralinstitut für Physikalische Chemie(ZIPC). Sie alle arbeite­ten bisher auf den Gebieten For­schung und Entwicklung. ‚,Damit haben wir einen Teil Illusionen und Voraberfahrung mitgebracht, so Dr. Jentsch. ‚,Das ist ein Gutha­ben für die Chance, in einer reali­stischen Zeit von zwei bis drei Jahren finanziell auf die Beine zu kommen, um dann ohne das WIP wachsen zu können. Damit ist gesagt, daß die Universität ledig­lich Räume und die Infrastruktur zur Verfügung stellt.

Im Juli 1991 wurde das Institut für Computerintegriertes Engineering als GmbH, also als kommerzielles Gebilde, gegründet. ,, Wir wollten das Zerschlagen des ZKI mit dem Aufbau von etwas Neuem verbin­den, erläutert der Geschäftsfüh­rer. Der 1. Anlauf sei geschafft.

Für die Deutsche Agentur für Raumfahrtangelegenheiten(DARA) bearbeiten die Wissenschaftler For­schungsaufträge. Aus BMFT und BMWi erhalten sie zusätzliche Zuwendungen für projektorientier­te freie Forschung und Entwick­lung aus dem Programm ‚,Auf­schwung Ost.

Forschungsaufgaben ergeben sich u. a. aus der Tatsache, daß be­mannte Raumfahrt untragbar teu­er geworden ist. Daraus resultiert eine zunehmende Automatisierung und Roboterisierung, die Entwick­lung von Robotertechnik mit Ei­genschaften der künstlichen Intel­ligenz. Es geht um die Entwick­lung von Computerprogrammen, die sich intelligent verhalten. Com­puterintegriertes Engineering heißt auch rechnergestütztes Software­Engineering, also die Entwicklung von Programmen, die wieder Pro­gramme hervorbringen. Flexible Automatisierung intellektueller Tätigkeiten in drei High-Tech

Bereichen ist Forschungsschwer­

punkt der Gruppe:

Computer Aided Software En­gineering(CASA)

intelligente Roboter und Ferti­gungssysteme(CIM)

Computer Aided Molecular Mo­delling(CAMD) im Drug De­sign(CADD).

Analogien dieser Bereiche eröff­

nen den Forschern die Möglich­

keit des Vermarktens einerseit und des Selbstanwendens andererseits.

‚Das sind jeweils Programme für

ein Wissenschaftlerleben im Team;

ein nach oben offenes Profil.

Dr. Jentsch sieht natürlich die

sozialen Auswirkungen, die sich

durch flexible Automatisierung er­geben. ‚,Wir dürfen aber nicht den

Kopf in den Sand stecken. Wenn

wir aufhören zu automatisieren,

dann hört die Produktion auf.

Der Student der Zukunft sei jener,

der nicht nur sein Fachgebiet,

sondern ebenso Grenzgebiete be­herrsche wie Betriebswirtschaft,

Marketing und Akquisition, vor

allem auch mit den Möglichkeiten

der angewandten Informatik ver­trautist. Dr.Barbara Eckardt

Gemeinsame elterliche Verantwortung auch nach der Trennung

IFK eröffnet Fortbildungsprogramm durch Auftaktsymposium

Als Auftakt für ein familienpsy­chologisches und-juristisches Fortbildungsprogramm eröffnete Herr Prof. Mitzner am 3. 4. 92 das Symposium ‚,Hilfe für Kinder und Eltern im Spannungsfeld der Tren­nungsituation. Eingeladen hatte das Institut für Familien- und Kind­heitforschung, und gekommen waren 70 Mitarbeiter der Jugend­ämter aus allen neuen Ländern.

Um diese Mitarbeiter, die künftig Familienberatung und Familien­gerichtshilfe leisten sollen, auf ihre Aufgaben vorzubereiten, finanziert das Bundesministerium für Frau­en und Jugend Fortbildungskurse in den neuen Ländern, die vom IFK konzipiert und angeboten werden. Grüße der Bundesmini­sterin für Frauen und Jugend, Frau Dr. Angela Merkel, überbrachte Herr Ministerialrat Dr. Wiesner, der großen Anteil an der Erarbei­tung des neuen Kinder- und Ju­gendhilfegesetzes(KJHG) hat.

Nach den Grußworten stellte der Direktor des IFK, Dr. Dietmar Sturzbecher, ausgewählte Ergeb­

nisse einer Studie des Institutes vor. Im Rahmen dieser Studie wurden 1990 in 29 Berliner Fami­lien Eltern und Kinder nach ihren Trennungserfahrungen befragt. Heute dienen die Ergebnisse die­ser Studie dazu, die Situation von Familien bei Elterntrennung in der DDR zu illustrieren.

Es folgten zwei Positionsreferate aus familienpsychologischer bzw. familienjuristischer Sicht. Zunächst referierte Herr Dipl.-Phsychologe R. Kunze vom Staatsinstitut für Frühpädagogik und Familienfor­schung München über das Reor­ganisationsmodell familialer Be­ziehungen bei Elterntrennung. Er machte deutlich, daß eine Schei­dung nicht das Ende familiärer Beziehungen des Kindes bedeutet und daß nach der Trennung auch die Partnerbeziehungen reorgani­siert werden müssen, um Entwick­lungsrisiken für die Kinder zu verringern. Das bedeutet, daß an die Stelle von Liebe und Zunei­gung als Grundlage für die Part­nerbeziehungen Kooperativität zur

Wahrnehmung gemeinsamer el­terlicher Verantwortung treten muß.

Nach diesem Beitrag stellte Herr Prof. Hinze vom Fachbereich Rechtswissenschaft der Freien Uni­versität Berlin dar, welche Chan­cen das KJHG zur Realisierung gemeinsamer elterlicher Verant­wortung nach der Trennung bie­tet. In einem engagierten Vortrag, der ihn als konsequenten Anwalt getroffener Kinder auswies, erläu­terte Prof. Hinz die Anforderun­gen, die die Ausgestaltung des KJHG an die Jugendämter stellt. Der Nachmittag war ausgefüllt mit

drei Arbeitskreisen. Herr Prof. Kühn leitete den Arbeitskreis ‚‚Verar­beitung des Trennungsgeschehens durch Eltern und Kinder, wäh­rend Frau Rechtsanwältin Linde­mann-Hinz in ihrem Arbeitskreis versuchte; gemeinsam mit den Teilnehmern die anscheinend widersprüchlichen Aufgaben‚Fa­miliengerichtshilfe und ‚,Fami­lienberatung zu präzisieren und zu verbinden. Herr Dipl.-Päd. Diet­rich diskutierte mit den Teilneh­mern des dritten Arbeitskreises Be­ratungsangebote vor, während und nach der Scheidung.

P. Dietrich

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