Nr. 9/92— Seite 4
WISSENSCHAFT
Fachbereich
Psychologie
Krisen als Chance der Entwicklung
Zu diesem Thema fand vom 21. bis 24. April 1992 eine internationale Tagung in Freiburg(im Breisgau) statt.
Veranstalter war die AIEJI (Assoziation Internationale des Educateurs des Jeunes Inadaptes) — Deutscher Zweig—, die auch Potsdamer Psychologen einlud. Mit Referaten traten Frau Dipl.Psychologin R. Blum-Maurice als Vorsitzende(Köln), Frau Prof. B. Kirsch(Potsdam) und Herr Prof. G. Liebetrau(Reichshof-Deutlingen) auf. Als zentraler Inhalt dieser Hauptreferate kristallisierte sich heraus, daß Krisen aktuell größte personale und gesellschaftliche Relevanz besitzen, da sie in Über
gangssituationen, in denen Altvertrautes aufgegeben werden muß und Neues zu kreieren ist, entstehen. Für die Person ist dieser Prozeß mit Belastungen verbunden, die als Entwicklungsreize verstanden werden können. Gelungene Lösungen stärken das Vertrauen in die eigene Person, in zukünftigen Krisensituationen effektiver zu sein. Allerdings, und das wurde generell durch die Referenten unterstrichen, ist erfolgreiche Bewältigung von Krisen auf privater, interpersoneller, gruppaler und institutioneller Ebene nur mit sozialen Stützsystemen möglich. Besonders wurde das für den Bereich der Kinder- und Jugendarbeit deutlich gemacht. Erzieher sind alltäglich damit konfrontiert. Sind sie auch darauf genügend vorbereitet? Diese Frage leitet sich aus dem Tagungsthema ab, womit Aussichten auf die folgende internationale Tagung erkennbar wurden. 1993, im September, ist Potsdam— die Potsdamer Universität— Tagungsort. Damit sind wir in die Pflicht genommen, uns um die Organisation sowie um die inhaltliche Gestaltung der Potsdamer Tagung der AIEJI zum Thema:„Der Weg ist das Ziel- die Entwicklung zum kompetenten Erzieher“ zu bemühen.
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Mittwoch, 3. Juni 1992+ 8.00—16.00 Uhr
Jugendsekten in Potsdam
Die einen sind dafür, die anderen sind dagegen, und natürlich haben alle recht: die Befürworter der Jugendsekten führen ins Feld, daß verlorene Bindungen und Ziele ersetzt werden müssen; die Sektengegner warnen vor Abhängigkeiten und psychischer Unterwerfung.
Fest steht, daß es sie in Potsdam gibt— die Sekten. Was davon zu halten ist? Wie sie sich darstel
len? Welche Ziele sie verfol-.
gen? Was den Heranwachsenden zu raten wäre?— das waren einige Fragen, die angerissen werden konnten, als das Institut für Medienpädagogik der Universität Potsdam und das Jugendamt der Stadt zu einer gemeinsamen Veranstaltung eingeladen hatten.
Gekommen waren viele. Neben dem Kreisjugendpfarrer Herrn Waldmann und Herrn Becker vom Jugendamt hatte das Thema offensichtlich den Nerv der Studentenschaft getroffen. Bildung und Erziehung vollziehen sich heute weitgehend unabhängig von dem, was wir traditionell Schule nennen. Medien, Vereine, Freizeitindustrien, Subkulturen, Ersatzreligionen und Sekten üben einen zunehmenden Einfluß aus.
In der Begegnung mit ihnen kommen die Jugendlichen auf vielfältige Weise mit Verhaltensmodellen, Lebensentwürfen und Lebensformen in Berührung. Die entstehenden Erfahrungswelten haben häufig einen größeren Raum als Schule, Eltern und Kirche:
Die Schule sei eben nur ein Teil der Lebenswirklichkeit, die spürbar im Spannungsfeld mit anderen Erziehungsmächten stehe, so wurde festgestellt. Folgt man aktuellen Umfrageergebnissen, so glauben 40% der Bundesbürger an das„Böse“, etwa 700 000 Schüler haben Erfahrungen mit Teufelssekten, und besonders Mädchen hätten einen„Hang zum Jenseits‘. Noch nie seien Angst und Gewalt in Deutschland so groß gewesen wie gegenwärtig. Ventile gäbe es wenige— die Sekten haben Konjunktur. Überrascht waren die Zuhörer über die Vielfalt der Sekten, die sich von Scientologie, Hare Krishna, die Vereinigungskirche bis hin zu den Satanssekten spannt. Sie gleichsam mit einem Atemzug zu behandeln, würde der Sache in keiner Weise gerecht. Hierliegen Alltägliches und Absurdes eng beieinander. Geht es beim Gläserrücken, worin jeder 4. Schüler bereits Erfahrungen habe, um ein vergleichsweise harmloses Verhalten, so sind Teufelsanbetungen, grausame Tieropfer und Vergewaltigungen außerhalb jeglicher Toleranzbereiche. Wie groß die Dunkelziffer bei Sektenmitgliedern in Potsdam ist, vermochte keiner zu sagen. Einig waren sich Veranstalter und Gäste darin, daß dieses Thema weiter verfolgt werden muß und wird. Dr. H.-J. Pöttrich Institut für Medienpädagogik