Heft 
(1.1.2019) 09
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WISSENSCHAFT

Nr. 9/92 Seite 5

Vorlesungsreihe mit anschließender Diskussion Thema: Literatur und Ethnologie in Frankreich in

der 1. Hälfte des 20. Jahrhunderts im Zeichen einer UMGEKEHRTEN IMMIGRATION

Die Vorlesungsreihe von Marie­Simon Rollin, Literaturwissen­schaftlerin von der Universite Paris VIII und z. Zt. als Gastdo­zentin im Bereich Romanistik der Universität tätig, wird am Mittwoch, dem 20. 5. 92, 17.00 Uhr in Golm, Haus 5/23 begin­nen.

1. Auf dem Hintergrund der all­gemeinen französischen Deutsch­feindlichkeit nach dem 1870er Krieg, nach der Dreyfus-Affaire, die sich als der Katalysator der rassistischen Vorurteile in den französischen Mentalitäten erweist, und ausgehend von dem französi­schen und dem deutschen Kolo­nialismus der Jahrhundertwende, entwickelt sich in Frankreich eine gegen diese Tendenzen gerichtete Form des Denkens und der künst­lerischen Produktion.

Aus Protest gegen die traditionel­len politischen und kulturellen Werte schöpfen die neue Literatur und die Kunst ihre Inspiration aus der deutschen Philosophie(u. a. Hegel, Marx) einerseits und aus der Betrachtung der durch die Ko­lonialherrschaften unterdrückten Kulturen, vornehmlich in Schwarz­afrika andererseits.

Durch die Rehabilitierung des ANDEREN entsteht eine Verän­

derung des Schreibens und der Ästhetik im allgemeinen. Bei die­ser Arbeit soll auf die Spezifizität der UMGEKEHRTEN IMMI­GRATION innerhalb der künstle­rischen literarischen Strömungen in Frankreich eingegangen wer­den; sie wäre ohne die Mitwir­kung deutscher Intellektueller nicht möglich gewesen, und sie findet ihren Höhepunkt in der Beschäfti­gung mit den europäischen eben­bürtigen afrikanischen Kulturen. In dieser Beziehung war die Ar­beit von Carl Einstein bahnbre­chend.

2. Expressionismus in Deutsch­land, Modernität in Frankreich Das gebrochene Denken Schluß mit den alten Formen, Gattungen, Werten.

Geistige und politische Situation bis zum 1. Weltkrieg Totale Verweigerung Gründung der DADA Bewegung als erstes Zeichen einerUMGEKEHRTEN IMMIGRATION in Zürich mit Tzara.

Die russische Revolution und die Hoffnungen.

3. Begegnung mit Andre Breton Jaque Vache Die Konzeption desDichters wird als hinfällig deklariert. Gründung des Surrea­lismus- Revolution des Denkens

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und Schreibens Neue Techniken Nicht die literarische Produk­tion ist vorrangig, sondern das LEBEN ist die Produktion selber. Nieder mit allen Zensuren: SADEs Werke werden in ihre Rechte wieder eingesetzt.

Begeisterung für die russische Re­volution. Reibungen mit der KPF. Auseinandersetzungen und Aus­schlüsse innerhalb der Gruppe. 4. Gründung von Zeitschriften, deren wichtigste, LA REVO­LUTION SURREALISTE (1924-1929) als Motto trägt: WIR MÜSSEN EINE NEUE DEKLA­RATION DER MENSCHEN­RECHTE ABFASSEN.

5. DOCUMENTS- Doctrines Arch6ologie Beaux-arts Eth­nologie(1929-1930) bildet die Fortsetzung und das Gegenstück zur REVOLUTION SURREALI­STE. Sie wurde von Carl Einstein und Georges Bataille gegründet. Eine eingehende Beschäftigung mit ihr zeigt, daß sie als eine Produk­tion von Ecrivains-Ethnologues (Schriftsteller, die gleichzeitig Ethnologen sind oder es werden) zu betrachten ist, die parallel zu

250, DM 39,90 DM 44,90 DM 100, DM

den Forschungen der Ethnologen der Freudschen Schule(Otto Rank, Theodor Reik, Geza Roheim) die Universalität des Unbewußten durch die Befassung mit den afri­kanischen Gesellschaften ergrün­den und sich selbst als betrachten­de Subjekte in die Analyse einbe­ziehen. Marcel Griaule, Michel Leiris, Alfred Metraux sind Schüler von Emil Durckheim und Levy-Brühl und Mitarbeiter der Ecole du Muse de L'homme Trocadero unter der Leitung von Paul Rivet. Auf ihre Werke wird in der Vorlesung eingegangen. 6. Möglicher Ausblick auf den Strukturalismus von Levy-Strauss, die Linguistik und die Semiologie von Benveniste und Barthes, auf die Psychoanalyse von Jaques Lacan. Dank der geleisteten Ar­beit dieser Theoretiker und Künst­ler der UMGEKEHRTEN IMMI­GRATION hat sich ein erweiter­ter Begriff des Menschen durch­gesetzt, dessen totaler Dimension jene Wissenschaften Rechnung tragen mußten.

Fachbereich Romanistik

Frau Prof. Dr. Nancy M. Doher­ty und Prof. Dr. sc. H. Barthel Foto: Tribukeit

Im Rahmen eines Europaaufent­haltes war zum Chemischen Kolloquium am 15. 4. 92 Frau Prof. Dr. Nancy M. Doherty, University of California at Irvi­ne Gast unserer Universität. Neben der fachlichen Diskus­sion nutzte sie intensiv die Gele­genheit, das wissenschaftliche Leben an einer Universität der neuen Bundesländer kennenzu­lernen.

Prof. Dr. E. Uhlemann

Ringvorlesung des Fachbereiches Geschichtswissenschaften

Zeit: 16.45 18.15 Uhr, Ort: K 113

26. Mai: Dr. D. Klose: Ge­schichtsdidaktik zwischen wis­

senschaftlichem Anspruch und Schulpolitik

2. Juni: Prof. Dr. P. Gust (Budapest): Europa Ostelbien Ungarn. Perspektiven der Gutsherrschaftsgeschichte

9. Juni: Prof. Dr. Peters: Mo­derne Sozialgeschichte immer noch strittig?

16. Juni: Prof. Dr. J.-H. Schoeps: Gab es eine deutsch­jüdische Symbiose? Zur Debatte um eine Kontroverse