VORGESTELLT
Nr. 10/92— Seite 5
Geb. 1942 in Djursholm(Schweden) als Kind jüdischer Emigranten, mit sechs Jahren Rückkehr nach Deutschland; Abitur 1963; Studium der Geschichte, Politik- und Kommunikationswissenschaft sowie der
Prof. Dr. Julius H. Schoeps
Theaterwissenschaften in Erlangen und Berlin(Freie Universität); Arbeit als Journalist, Lektor und wissenschaftlicher Mitarbeiter; 1969 Promotion zum Thema„Von Olmütz nach Dresden 1850/51. Ver
a fassungsreformen am Deutschen
Bund‘“‘; 1973 Habilitation, 1974-1992 Professor für Politische Wissenschaft an der Universität/Gh Duisburg; seit 1986 Leiter des im gleichen Jahr gegründeten Salomon Ludwig Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte.
Wichtige Veröffentlichungen: Zionismus(1973); Theodor Herz(1975); Moses Mendelssohn(1979), Theodor Herzl. Briefe und Tagebücher, 5
Bde(1983 ff. Mithrsg.); Im Kampf
um Kafka und das Judentum(1984);
Über Juden und Deutsche. Historisch-politische Betrachtungen (1986); Leiden an Deutschland (1990); Bürgerliche Aufklärung und liberales Freiheitsdenken. A. Bernstein(1992), Neues Lexikon des Judentums(1992).
Prof. Schoeps gehört dem Gründungssenat der Universität Potsdam an und ist verantwortlich für die Neugründung des Fachbereiches Geschichtswissenschaften, dessen geschäftsführender Direktor er seit Oktober vorigen Jahres ist. Er leitet ferner das„Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien“, das am 22. Januar 1992 als An-Institut der Universität Potsdam gegründet wurde. Prof. Schoeps wurde am 1. April auf eine C 4
Professur für Neuere Geschichte berufen.
Den neuen Bundesländern ist Prof. Schoeps auf mehrfache Weise verbunden: seine Vorfahren sind in der Mark Brandenburg tief verwurzelt: mütterlicherseits führt eine Linie zu Moses Mendelssohn und David Friedländer, die Vorfahren des Vaters lebten in Westpreußen und in Orten zwischen Potsdam und Brandenburg. Er empfindet die Arbeit an einer Universität in den neuen Bundesländern als wichtige Aufgabe und zugleich als Chance, vor allem den jungen Menschen Kenntnisse über die deutsch-jüdische Beziehungsgeschichte zu vermitteln.„In dieser Hinsicht gibt es hier unendlich viel zu tun.“
Die Poetik B. Pasternaks- ein Gast aus Warschau bei den Slawisten
Am 27. April war am Fachbereich Slawistik einer der bedeutendsten Slawisten unserer Zeit, Prof. Jerzy Faryno aus Warschau, zu Gast. Prof. Faryno ist Autor einer Reihe von Monographien u. a. über Pasternak, Zwetajewa und Achmatowa. Er hat bereits Gastvorlesungen und Konferenzbeiträge an westdeutschen (Bochum, Marburg, Oldenburg, Hamburg) und weiteren europäischen Universitäten(Paris, Wien, Budapest, Zagreb, Stockholm u. a.) gehalten; in einem der neuen Bundesländer war er zum erstenmal.
In einem Gespräch mit der Leitung des Fachbereichs äußerte Prof. Faryno seine Gedanken zu den Per
spektiven der Entwicklung der Russistik und Slawistik in Polen und den anderen osteuropäischen Ländern. Er stellte fest, daß nach einer zeitweiligen Verringerung der Zahl von Russistik-Studenten in Polen derzeit wieder ein steigendes Interesse sowohl für ostslawische als auch für westeuropäische Philologien zu beobachten ist. Besonders problematisch, so Faryno, ist aufgrund der komplizierten politischen und ökonomischen Situation in den ehemaligen sozialistischen Ländern zur Zeit die strategische Planung von Zielen und Inhalten der Lehre.
Anschließend hielt Prof. Faryno im Pasternak-Seminar von Dr. Belent
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schikow einen Gastvortrag zum Thema„Die Poetik Pasternaks‘“. Das methodische Prinzip, das Prof. Faryno bei seiner Interpretation des Pasternakschen Schaffens verfolgt, geht auf die Poetik der russsischen formalen Schule der zwanziger Jahre sowie der heutigen Tartuer Schule (J. Lotman) zurück und ist auf die Semiotik des Textes ausgerichtet.
Am Beispiel des Gedichtbandes „Thema mit Variationen“, der 1923 in Berlin veröffentlicht worden war, analysierte Faryno an lexikalischem Material einige Motive, die für Pasternak und die europäische Avantgarde insgesamt charakteristisch sind. So gewannen die Zuhörer eine
®) Ganz einfach gut
umfassendere Vorstellung nicht nur von Pasternak als Phänomen der Kultur und Literatur des 20. Jh., sondern auch von einer neuen Methode der Deutung seines Schaffens. Prof. Faryno übergab der Bibliothek des Fachbereiches Slawistik ein Exemplar seiner Arbeit„Einführung in die Literaturwigsenschaft‘“(„Vvedenie v literaturovedenie‘‘, Warszawa 1991). Er äußerte den Wunsch, auch weiterhin Arbeitskontakte zu unserem Fachbereich Slawistik zu pflegen.
Dr. phil. habil. V. Belentschikow FB Slawistik
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