Heft 
(1.1.2019) 10
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WISSENSCHAFT

Nr. 10/92 Seite 7

Ohne Utopien und ohne Kreativi­tät sind Wissenschaft und Kultur schlichtweg undenkbar; und so war es nur folgerichtig, daß die Zeit­schriftUTOPIE kreativ für den 25. und 26. April zu einer Früh­jahrsakademie in dem Spannungs­dreieck Wissenschaft-Kultur-Poli­tik einlud.

Dem Ruf nach Gosen unter dem ThemaDie Zukunft von Wissen­schaft und Kultur in der Region Berlin-Brandenburg Wieviel Kultur und Wissenschaft braucht die Region? Chancen und Risi­ken einer möglichen Vereinigung folgten nahezu 70 Wissenschaft­ler, Wissenschaftstheoretiker und Wissenschaftsorganisationen So­wie Wissenschaftspolitiker, letz­tere vor allem aus der GEW, der SPD und der PDS.

Mehrere Vorträge verwiesen ein­leitend auf die historische Dimen­sion der gegenwärtigen Prozesse. Insbesondere machte Prof. Hubert Laitko in einer originellen Betrach­tung der historischen Wissen­schaftsentwicklung in Branden­burg auf die leider oft unterschätz­te Bedeutung von Kontinuität und Langfristigkeit wissenschaftspoli­tischer Entwicklungen aufmerk­sam. Wissenschaftspolitik kann seiner Auffassung nach keine Fra­

Kreative Utopie in Gosen

ge zufälliger politischer Koalitio­nen oder Konstellationen sein, da diese kaum für die Zeiträume gel­ten, in denen gewöhnlich wissen­schaftspolitische Prozesse erst zu reifen beginnen, nämlich für 15 bis 20 Jahre. Hier muß dringend nach neuen Politikformen gesucht wer­den.

Gewöhnlich mißt man die Bedeu­tung eines wissenschaftlichen Beitrages an der Häufigkeit seiner Zitierung. Aus diesem Blickwin­kel gehörte die Ehre des Höhe­punktes zweifellos dem Präsiden­ten der OstWestWirtschaftsAka­demie, Herrn Prof. Klaus-Hein­rich Standke, der in besonderer Weise für die internationalen Per­spektiven für die Forschungs- und Technologielandschaft der Region im neuen Gesamteuropa warb. Überraschend war sicher für viele das Maß an Übereinstimmung der Ansichten dieses Vertreters der Wirtschaft mit denen der eher dem linken Spektrum angehörenden sonstigen Teilnehmer. Den Prof. Standke vorgeschlagenen Kriterien für eine Wissenschaftslandschaft folgend, nämlich Vernetzung, Europäisierung und Internationa­lisierung, mußte allerdings gemein­sam konstatiert werden, daß eine Wissenschaftslandschaft in der

Region noch gar nicht existiert. Insbesondere fehlt die Vernetzung mit der Industrieforschung, die nicht annähernd den Raum ein­nimmt, den sie gewöhnlich in modernen Industrienationen ein­nimmt. Folglich bildeten Fragen der Rettung der letzten Reste der ostdeutschen Industrieforschung einen Schwerpunkt der weiteren Diskussion. Wiederum überein­stimmend wurden Schutzzonen und Schutzzeiten für die Industrie­forschung gefordert. Notwendig sind ferner Mobilitätsprogramme für Wissenschaftler, Kurse im Wis­senschaftsmanagement(vielleicht ein eigener Lehrstuhl an der Euro­pa-Universität), Ausbau der Infor­mationsmöglichkeiten. Das an Schlössern reiche Brandenburg sollte jungen Wissenschaftlern Möglichkeiten für Sommerschu­len bieten. Von Dr. Klaus-Dietrich Krüger, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag Brandenburg, konnten einige interessante Vorhaben der Brandenburger Regierung zu die­ser Problematik vorgestellt wer­den.

Die konkreteste Utopie an diesem Wochenende stammte von einem Naturwissenschaftler aus Frank­furt/Oder, der eine Stiftung zur in­

terdisziplinären Erforschung der Ursachen und Beherrschbarkeit ökonomischer, sozialer und öko­logischer Probleme moderner In­dustriegesellschaften zu gründen vorschlug. Eine solche Stiftung könnte möglicherweise an die Frankfurter Europa-Universität Viadrina angebunden werden. Vielleicht aber stellte die sachbe­zogene Diskussion, weitgehend frei von parteiabhängigen Stand­punkten und Profilierungen, selbst eine Utopie dar, die geeignet er­scheint, über die allgegenwärtige Parteiverdrossenheit hinauszuwei­sen. Und kreativ waren die Dis­kussionen dieses Wochenendes allemal. Man kann also recht ge­spannt auf die Veröffentlichung der Tagungsmaterialien sein. Für die nächste Frühjahrsakade­mie bleibt zu hoffen, daß es mehr Politikern gelingen möge, über ihren Schatten zu springen bzw. über die Grenzen ihrer eigenen Partei hinauszublicken. Sowohl die Politik als auch die Veranstaltung könnten dabei gewinnen. Berüh­rungsängste gegenüber der PDS sind seltsam, gegenüber Utopien und Kreativität gar sind sie gefähr­lich. Harald Petzold, MdL Dr. Andreas Trunschke

Barockspezialist zu Gast

Am8., April 1992 war Prof. Antho­ny J. Harper von der Universität Strathelyde, Glasgow, Gast des Fachbereiches Germanistik an unserer Universität. Er weilte zu einem mehrwöchigen Studienauf­enthalt in Deutschland. Prof. Har­pers Forschungsgebiet ist Deutsche und Nordeuropäische Literatur der Renaissance und des Barock. Zu seinen Publikationen gehören u. a. Das Liederbuch des Gottfried Finckelthaus(1988), und geplant ist die Herausgabe von Christian BrehmesLustigen Gedichten (1637) als kritische Ausgabe. In diesem Jahr erscheinen zudem seineStudien zum deutschen weltlichen Lied des 17. und 18. Jahrhunderts. Ein weiteres For­schungsfeld Prof. Harpers ist die

Emblematik. Neue Forschungser­gebnisse stellte er Studenten und Mitarbeitern in einer Vorlesung überHeidelberg, sein Hof und Zincgrefs Emblembuch vor. In der Forschungsgruppe Literatur­geschichte des Fachbereichs hielt Prof. Harper einen VortragZum literarischen Leben Leipzigs im 17. Jh.. Inder. anschließenden Diskussion wurde über Probleme der Literaturgeschichtsschreibung der Frühen Neuzeit debattiert. Weiterhin sind Möglichkeiten der Zusammenarbeit in der Forschung und eines wünschenswerten Stu­dentenaustausches besprochen worden.

Dr. M. Schweppe FB Germanistik

Pariser Wissenschaftler referiert

Prof. Dr. G. A. Maugin von der Universität Paris IV besucht Ende Juni die Max-Planck-Arbeitsgrup­pe Nichtlineare Dynamik an der Universität Potsdam. Am 25. Juni (Am:: Neuen... Palais,. H 161, 15.00 Uhr c. t.) hält er einen Vor­trag zum ThemaSurface Elastic Solitons.

Prof. Maugin gehört zu den inter­national führenden Wissenschaft­lern auf dem Gebiet der Solitonen­forschung, einem Teilgebiet der Theoretischen Physik.

Dr. Kurths

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