WISSENSCHAFT
Nr. 10/92— Seite 7
Ohne Utopien und ohne Kreativität sind Wissenschaft und Kultur schlichtweg undenkbar; und so war es nur folgerichtig, daß die Zeitschrift„UTOPIE kreativ“ für den 25. und 26. April zu einer Frühjahrsakademie in dem Spannungsdreieck Wissenschaft-Kultur-Politik einlud.
Dem Ruf nach Gosen unter dem Thema„Die Zukunft von Wissenschaft und Kultur in der Region Berlin-Brandenburg— Wieviel Kultur und Wissenschaft braucht die Region?— Chancen und Risiken einer möglichen Vereinigung‘ folgten nahezu 70 Wissenschaftler, Wissenschaftstheoretiker und Wissenschaftsorganisationen Sowie Wissenschaftspolitiker, letztere vor allem aus der GEW, der SPD und der PDS.
Mehrere Vorträge verwiesen einleitend auf die historische Dimension der gegenwärtigen Prozesse. Insbesondere machte Prof. Hubert Laitko in einer originellen Betrachtung der historischen Wissenschaftsentwicklung in Brandenburg auf die leider oft unterschätzte Bedeutung von Kontinuität und Langfristigkeit wissenschaftspolitischer Entwicklungen aufmerksam. Wissenschaftspolitik kann seiner Auffassung nach keine Fra
Kreative Utopie in Gosen
ge zufälliger politischer Koalitionen oder Konstellationen sein, da diese kaum für die Zeiträume gelten, in denen gewöhnlich wissenschaftspolitische Prozesse erst zu reifen beginnen, nämlich für 15 bis 20 Jahre. Hier muß dringend nach neuen Politikformen gesucht werden.
Gewöhnlich mißt man die Bedeutung eines wissenschaftlichen Beitrages an der Häufigkeit seiner Zitierung. Aus diesem Blickwinkel gehörte die Ehre des Höhepunktes zweifellos dem Präsidenten der OstWestWirtschaftsAkademie, Herrn Prof. Klaus-Heinrich Standke, der in besonderer Weise für die internationalen Perspektiven für die Forschungs- und Technologielandschaft der Region im neuen Gesamteuropa warb. Überraschend war sicher für viele das Maß an Übereinstimmung der Ansichten dieses Vertreters der Wirtschaft mit denen der eher dem linken Spektrum angehörenden sonstigen Teilnehmer. Den Prof. Standke vorgeschlagenen Kriterien für eine Wissenschaftslandschaft folgend, nämlich Vernetzung, Europäisierung und Internationalisierung, mußte allerdings gemeinsam konstatiert werden, daß eine Wissenschaftslandschaft in der
Region noch gar nicht existiert. Insbesondere fehlt die Vernetzung mit der Industrieforschung, die nicht annähernd den Raum einnimmt, den sie gewöhnlich in modernen Industrienationen einnimmt. Folglich bildeten Fragen der Rettung der letzten Reste der ostdeutschen Industrieforschung einen Schwerpunkt der weiteren Diskussion. Wiederum übereinstimmend wurden Schutzzonen und Schutzzeiten für die Industrieforschung gefordert. Notwendig sind ferner Mobilitätsprogramme für Wissenschaftler, Kurse im Wissenschaftsmanagement(vielleicht ein eigener Lehrstuhl an der Europa-Universität), Ausbau der Informationsmöglichkeiten. Das an Schlössern reiche Brandenburg sollte jungen Wissenschaftlern Möglichkeiten für Sommerschulen bieten. Von Dr. Klaus-Dietrich Krüger, wissenschaftspolitischer Sprecher der SPD-Fraktion im Landtag Brandenburg, konnten einige interessante Vorhaben der Brandenburger Regierung zu dieser Problematik vorgestellt werden.
Die konkreteste Utopie an diesem Wochenende stammte von einem Naturwissenschaftler aus Frankfurt/Oder, der eine Stiftung zur in
terdisziplinären Erforschung der Ursachen und Beherrschbarkeit ökonomischer, sozialer und ökologischer Probleme moderner Industriegesellschaften zu gründen vorschlug. Eine solche Stiftung könnte möglicherweise an die Frankfurter Europa-Universität Viadrina angebunden werden. Vielleicht aber stellte die sachbezogene Diskussion, weitgehend frei von parteiabhängigen Standpunkten und Profilierungen, selbst eine Utopie dar, die geeignet erscheint, über die allgegenwärtige Parteiverdrossenheit hinauszuweisen. Und kreativ waren die Diskussionen dieses Wochenendes allemal. Man kann also recht gespannt auf die Veröffentlichung der Tagungsmaterialien sein. Für die nächste Frühjahrsakademie bleibt zu hoffen, daß es mehr Politikern gelingen möge, über ihren Schatten zu springen bzw. über die Grenzen ihrer eigenen Partei hinauszublicken. Sowohl die Politik als auch die Veranstaltung könnten dabei gewinnen. Berührungsängste gegenüber der PDS sind seltsam, gegenüber Utopien und Kreativität gar sind sie gefährlich. Harald Petzold, MdL Dr. Andreas Trunschke
Barockspezialist zu Gast
Am8., April 1992 war Prof. Anthony J. Harper von der Universität Strathelyde, Glasgow, Gast des Fachbereiches Germanistik an unserer Universität. Er weilte zu einem mehrwöchigen Studienaufenthalt in Deutschland. Prof. Harpers Forschungsgebiet ist Deutsche und Nordeuropäische Literatur der Renaissance und des Barock. Zu seinen Publikationen gehören u. a. „Das Liederbuch des Gottfried Finckelthaus‘“(1988), und geplant ist die Herausgabe von Christian Brehmes„Lustigen Gedichten‘“ (1637) als kritische Ausgabe. In diesem Jahr erscheinen zudem seine„Studien zum deutschen weltlichen Lied des 17. und 18. Jahrhunderts‘. Ein weiteres Forschungsfeld Prof. Harpers ist die
Emblematik. Neue Forschungsergebnisse stellte er Studenten und Mitarbeitern in einer Vorlesung über„Heidelberg, sein Hof und Zincgrefs Emblembuch“ vor. In der Forschungsgruppe Literaturgeschichte des Fachbereichs hielt Prof. Harper einen Vortrag„Zum literarischen Leben Leipzigs im 17. Jh.“. Inder. anschließenden Diskussion wurde über Probleme der Literaturgeschichtsschreibung der Frühen Neuzeit debattiert. Weiterhin sind Möglichkeiten der Zusammenarbeit in der Forschung und eines wünschenswerten Studentenaustausches besprochen worden.
Dr. M. Schweppe FB Germanistik
Pariser Wissenschaftler referiert
Prof. Dr. G. A. Maugin von der Universität Paris IV besucht Ende Juni die Max-Planck-Arbeitsgruppe Nichtlineare Dynamik an der Universität Potsdam. Am 25. Juni (Am:: Neuen... Palais,. H 161, 15.00 Uhr c. t.) hält er einen Vortrag zum Thema„Surface Elastic Solitons“‘.
Prof. Maugin gehört zu den international führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der Solitonenforschung, einem Teilgebiet der Theoretischen Physik.
Dr. Kurths
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