Nr. 10/92— Seite 8
EINDRÜCKE
Auf den Spuren eines verbotenen Dichters
„Wer den Dichter will verstehen, muss in Dichters Lande gehen.“ Das will natürlich jeder Promovend, aber meistens fehlt ihm das Geld dazu. Oder er ist durch Lehrverpflichtungen gefesselt und kann nur in den wenigen Ferienwochen des August fahren. So hätte ich auch bis Juli meine Seminare Textgrammatik geben müssen, wäre da nicht das Brandenburger Stipendium gekommen und wären„meine“ Studenten nicht so verrückt gewesen, dreimal in der Woche mein Seminar zu besuchen. Am 7. April konnte ich fahren, von Nijmegen(NL) nach Potsdam.
Wenn man jetzt in die neuen Bundesländer fährt— die man bei uns bequemlichkeitshalber noch oft die DDR nennt—, weiß man, daß man in das Chaos des Umbruchs fährt. Das wußte ich auch. Doch ich war 1987 schon längere Zeit in Weimar gewesen und danach regelmäßig zurückgekehrt: Dresden, Jena, Berlin. Ich wußte, daß die Straßen schlecht(und für einen Radfahrer fast tödlich) und die Kommunikationsmittel- mittelalterlich waren(„meine“ Sekretärin bekreuzigt sich jedesmal, wenn ich um ein Telefongespräch nach der DDR bitte); daß die Luft vergiftet war und daß es in ganz Deutschland keine Literpackungen Yoghurt gab. Doch wußte ich auch, daß zwei Jahre vergangen waren, daß die S-Bahn nach Potsdam fuhr und daß alles nicht mehr so schlimm sein konnte als früher. Und hatte ich damals nicht durchgehalten? Na also...
Das Wohnheim am T2 sah gut aus, das Zimmer war groß(zweimal so groß als das, welches ich in Münster/ Westph. hatte), die Dusche o. k. Also packte ich aus und legte mich beruhigt schlafen.
Da wußte ich nochnicht, daß hier die Studenten um 6.00 Uhr aufstehen, mit ihren knatternden Trabis vier Meter vor meinem Fenster vorbeibrausen und trotzdem regelmäßig bis nach Mitternacht in der Bar sitzen. Die niederländischen Studenten würden streiken, wenn ein Seminar vor 9.00 Uhr anfangen würde. Doch zum Glück sind viele UniDozenten der Meinung, daß geistige Arbeit erst nach 10.00 Uhr möglich ist. Ich fürchte also, nach vier Monaten chronischen Schlafmangels als Zombie in die Niederlande zurückzukehren. Da werden die zwei Wochen Ferien wohl kaum reichen, mich auferstehen zu lassen.
Aber ich will mich nicht beklagen. Der Streik hat aufgehört, und ich kann endlich meine Briefe an Archive, Augenzeugen und Bekannte abschicken, um Termine abzumachen. Denn ich bin hierhergekom
men, um nach Spuren des im Westen berühmten, doch hier aus der Öffentlichkeit verdrängten Dichters Peter Huchel(1903-1981) zu suchen. Wann zog er nun von Berlin nach Potsdam und später Michendorf, Wilhelmshorst? Gibt es noch Akten und Briefe aus der Nazizeit, wo er zur„Inneren Emigration“ gehörte? Was läßt sich noch finden beim Berliner Rundfunk, als er 1945—1949 u. a. Direktor war? Was aus seiner Isolationszeit 1962-1971? Wer hat ihn noch gekannt, ging mit ihm zur Schule oder hat mit ihm gearbeitet?
Einiges wird wohl niemals zu klären sein, da viele Archive ausgebrannt sind oder später bewußt zerstört
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wurden. Doch aus allen Ecken hole ich meine Daten, und langsam geht es voran.
Manchmal wirkt so eine Recherche vor Ort auch enttäuschend. Es fällt schwer, sich bei dem Langerwischer Mittelgraben den berühmten„Knabenteich‘“ des Gedichtes aus 1932 vorzustellen. Wenn er darin getaucht ist, war es wohl eher ein Schlammbad. Aber das Dorf mit dem Hof seines Großvaters ist schön, die Landschaft herrlich.
„Schön ist die Heimat,
Wenn über der grünen Messingscheibe
Des Teichs der Kranich schreit Und das Gold sich häuft
Im blauen Oktobergewölbe“...
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Hier wollte er leben und schreiben, durfte er doch nicht sterben. 1971 mußte er das Land verlassen.
Hier liegt einer,
Der wollte noch singen
Mit einer Distel im Mund.“
Schön ist auch der berühmte Park am T2, wo ich die alltäglichen Sorgen vergessen kann. Da erholt man sich vom Streß. Und dafür steht man sich fast gerne vor einer Telefonzelle die Füße platt, atmet man als Radfahrer die Abgase ein und steht man sogar um 6.00 Uhr auf.... Drs Hub Nijssen(NL) z. Z. Am Neuen Palais 10 Wohnheim T2, Zi. 133 0-1571 Potsdam
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