INTERVIEW
Nr. 11/92— Seite 5
Eindrücke vom„Gelobten Land“
Interview mit Prof. Mitzner zu seiner Israel-Reise
PUZ: Herr Prof. Mitzner, Sie weilten Anfang Mai in Israel. Wie kam es zu dieser Reise?
Prof. M.: Die Bar-Ilan-Universität in Tel Aviv hat in Berlin eine Außenstelle und will in den neuen Ländern Kontakte knüpfen. Über dieses Berliner Büro der„Freunde.der Bar-IlanUniversität‘ habe ich eine Einladung bekommen. Sie wollten ursprünglich in Tel Aviv einen Workshop veranstalten und haben dazu alle Rektoren aus Hochschulen der neuen Länder eingeladen. Letzten Endes war ich allein da, weil die anderen Rektoren alle zu diesem Zeitpunkt nicht weg wollten oder konnten, und zwar aus Gründen, die mit Israel gar nichts zu tun hatten, sondern die in Übergangsschwierigkeiten der Universitäten lagen.
PUZ: Welche Städte und welche kulturell oder wissenschaftlich bedeutsamen Einrichtungen haben Sie kennengelernt?
Prof. M.: Ich war eine Woche in Israel. Da in dieser Woche zwei Feiertage lagen und die dortigen Hochschullehrer wegen Etatschwierigkeiten auch
noch zwei Tage gestreikt haben, bin ich ziemlich viel im Lande herumgekommen. So habe ich Tel Aviv besichtigt und im Mittelmeer gebadet, natürlich Jerusalem, das Tote Meer und Nazareth. Das einzige, was ich nicht gesehen habe, ist die Negev-Wüste und Elath, sie lagen zu weit weg. Die drei Tage, die ich umhergereist bin, reichen natürlich nicht aus, um alle kulturellen Mahnmale und Denkmale von drei Kulturen anzuschauen, die dort aufeinander getroffen sind. Mein wissenschaftliches Interesse galt im wesentlichen der Bar-Ilan-Universität, ich habe das Chaim Weizmann-Institut besichtigt, aber auch der anderen großen Universität der Stadt einen Besuch abgestattet. Da wir aber zu vertraglichen Verbindungen mit der Bar-Ilan-Universität kommen wollten, habe ich mir dort die Bereiche Naturwissenschaften und Judaistik ziemlich intensiv angeschaut und eine ganze Reihe von Anknüpfungsmöglichkeiten gefunden. Ich muß dazu sagen: Bar-Ilan ist eine relativ orthodoxe Universität, an der es eine Art Studium Generale gibt mit 25 Prozent der Stu
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dienzeit für allgemeine jüdische Studien. Das geht von Geschichte über Sprachen, Kultur bis hin zur Religion, wobei man natürlich sehen muß, daß der Zusammenhang der Identität mit der Kultur ganz anders ist als hier. Kommt man jedoch in den naturwissenschaftlichen Bereich, dann ist es das Gleiche wie hier; man sieht Leute vor Spektroskopie-Geräten sitzen, nur mit dem Unterschied, daß sie ein kleines orthodoxes Käppchen tragen. PUZ: Welches waren Ihre nachhaltigsten Eindrücke?
Prof. M.: Der nachhaltigste Eindruck war schon Jerusalem, das ist gar keine Frage. Die Stadt ist ja Heiligtum für Christen, Juden und Mohammedaner. Jerusalem ist sehr stark aufgebaut, und die jüdischen, arabischen und christlichen Mahnmale sind hochbesucht. Man merkt deutlich, daß die Geschichte dort früher angefangen hat als bei uns. Imponierend ist ferner, daß in gewisser Weise große Bereiche des Landes landwirtschaftlich kultiviert sind, daß es aber daneben die Bergwüste gibt, daß es sehr heiß dort ist und daß die heutige Kulturlandschaft früher genau so ausgesehen hat. Man merkt im Lande natürlich den Gegensatz zwischen der jüdischen und Teilen der arabischen Bevölkerung. Wir sind häufig Umwege gefahren, um nicht durch arabische Dörfer zu kommen. Es entsteht zwar der Eindruck, daß es relativ sicher ist, nur wenn man stundenlang mit gut deutsch sprechenden Taxifahrern unterwegs ist, dann merkt man schon, daß die augenblickliche Politik der Regierung in Israel auch nicht überall auf die uneingeschränkte Zustimmung in der Bevölkerung stößt.
PUZ: Magnifizenz, welche Ergebnisse bringen Sie für die Universität Potsdam mit?
Prof. M.: Wir haben einen Vertrag mit der Bar-Ilan-Universität, der alle Möglichkeiten offen läßt. Vorige Woche fand in Dresden ein Workshop statt, an dem ich leider nicht teilnehmen konnte. Da sind Prof. Kaiser (Mathematik) und Prof. Hänsel(Physik) hingefahren und haben unsere Interessen wahrgenommen. Das Ziel ist, zu einem Austausch zu kommen, wobei ich den Austausch in der ersten Phase an den konkreten Objekten Judaistik und in den Naturwissenschaften sehe, wahrscheinlich im PostdocBereich, denn bei den Studenten bedarf es noch gewisser Vorbereitungen. PUZ: Prof. Mitzner, herzlichen Dank.
Die Fragen stellte Dr. Rolf Rammelt.
Förderkreis bittet um Hilfe
Mit der Bitte um Unterstützung wandte sich der Förderkreis der Ben-GurionUniversität des Negev in Israel an Prof. Mitzner. Nachfolgend möchten wir die Universitätsangehörigen mit dessen Anliegen vertraut machen.
Der auch in der Bundesrepublik bestehende Förderkreis der Ben-Gurion-Universität des Negev in Israel sucht Personen und Institutionen, die an einer Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern dieser Universität sowie an einer Unterstützung ihrer Arbeit ınteressiert sind. Die im Jahre 1969 gegründete dritte Universität Israels stellt u. a. einen bedeutenden Entwicklungsfaktor für den Negev dar(die 60% Israels ausmachende Wüstenregion). Von hier wurden internationale wissenschaftliche Projekte initiiert, die für die gesamte Region des Nahen Ostens von Bedeutung sind und zur Verständigung zahlreicher Länder mit Israel beitragen.
Der Förderkreis der Ben-Gurion-Universität hat sich zur Aufgabe gestellt, einige dieser Projekte sowie den Aufbau eines universitären„Zentrums für jüdisch-arabische Verständigung“ finanziell zu unterstützen. Insbesondere leistet er einen Beitrag zur Unterstützung bedürftiger arabischer, beduinischer und jüdischer Studenten durch Stipendien.
Der Förderkreis bittet mögliche Interessenten, sich mit seinem Vorsitzenden, Dr. Dr. h.c. Heinz-Horst Deichmann, oder seinem Stellvertreter, Dr. Wilhelm Godde, Boehnertweg 9, W-4300 Essen 11, Tel.: 02 01-86 76 00, Fax: 02 01-8 67 61 20 in Verbindung zu setzen.