Heft 
(1.1.2019) 11
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INTERVIEW

Nr. 11/92 Seite 5

Eindrücke vomGelobten Land

Interview mit Prof. Mitzner zu seiner Israel-Reise

PUZ: Herr Prof. Mitzner, Sie weil­ten Anfang Mai in Israel. Wie kam es zu dieser Reise?

Prof. M.: Die Bar-Ilan-Universität in Tel Aviv hat in Berlin eine Außenstel­le und will in den neuen Ländern Kontakte knüpfen. Über dieses Berli­ner Büro derFreunde.der Bar-Ilan­Universität habe ich eine Einladung bekommen. Sie wollten ursprünglich in Tel Aviv einen Workshop veran­stalten und haben dazu alle Rektoren aus Hochschulen der neuen Länder eingeladen. Letzten Endes war ich allein da, weil die anderen Rektoren alle zu diesem Zeitpunkt nicht weg wollten oder konnten, und zwar aus Gründen, die mit Israel gar nichts zu tun hatten, sondern die in Übergangs­schwierigkeiten der Universitäten la­gen.

PUZ: Welche Städte und welche kulturell oder wissenschaftlich be­deutsamen Einrichtungen haben Sie kennengelernt?

Prof. M.: Ich war eine Woche in Is­rael. Da in dieser Woche zwei Feierta­ge lagen und die dortigen Hochschul­lehrer wegen Etatschwierigkeiten auch

noch zwei Tage gestreikt haben, bin ich ziemlich viel im Lande herumge­kommen. So habe ich Tel Aviv besich­tigt und im Mittelmeer gebadet, natür­lich Jerusalem, das Tote Meer und Nazareth. Das einzige, was ich nicht gesehen habe, ist die Negev-Wüste und Elath, sie lagen zu weit weg. Die drei Tage, die ich umhergereist bin, reichen natürlich nicht aus, um alle kulturellen Mahnmale und Denkmale von drei Kulturen anzuschauen, die dort aufeinander getroffen sind. Mein wissenschaftliches Interesse galt im wesentlichen der Bar-Ilan-Universität, ich habe das Chaim Weizmann-Insti­tut besichtigt, aber auch der anderen großen Universität der Stadt einen Besuch abgestattet. Da wir aber zu vertraglichen Verbindungen mit der Bar-Ilan-Universität kommen wollten, habe ich mir dort die Bereiche Natur­wissenschaften und Judaistik ziemlich intensiv angeschaut und eine ganze Reihe von Anknüpfungsmöglichkei­ten gefunden. Ich muß dazu sagen: Bar-Ilan ist eine relativ orthodoxe Universität, an der es eine Art Studium Generale gibt mit 25 Prozent der Stu­

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dienzeit für allgemeine jüdische Stu­dien. Das geht von Geschichte über Sprachen, Kultur bis hin zur Religion, wobei man natürlich sehen muß, daß der Zusammenhang der Identität mit der Kultur ganz anders ist als hier. Kommt man jedoch in den naturwis­senschaftlichen Bereich, dann ist es das Gleiche wie hier; man sieht Leute vor Spektroskopie-Geräten sitzen, nur mit dem Unterschied, daß sie ein klei­nes orthodoxes Käppchen tragen. PUZ: Welches waren Ihre nachhal­tigsten Eindrücke?

Prof. M.: Der nachhaltigste Eindruck war schon Jerusalem, das ist gar keine Frage. Die Stadt ist ja Heiligtum für Christen, Juden und Mohammedaner. Jerusalem ist sehr stark aufgebaut, und die jüdischen, arabischen und christli­chen Mahnmale sind hochbesucht. Man merkt deutlich, daß die Geschichte dort früher angefangen hat als bei uns. Imponierend ist ferner, daß in gewis­ser Weise große Bereiche des Landes landwirtschaftlich kultiviert sind, daß es aber daneben die Bergwüste gibt, daß es sehr heiß dort ist und daß die heutige Kulturlandschaft früher genau so ausgesehen hat. Man merkt im Lande natürlich den Gegensatz zwischen der jüdischen und Teilen der arabischen Bevölkerung. Wir sind häufig Umwe­ge gefahren, um nicht durch arabische Dörfer zu kommen. Es entsteht zwar der Eindruck, daß es relativ sicher ist, nur wenn man stundenlang mit gut deutsch sprechenden Taxifahrern un­terwegs ist, dann merkt man schon, daß die augenblickliche Politik der Re­gierung in Israel auch nicht überall auf die uneingeschränkte Zustimmung in der Bevölkerung stößt.

PUZ: Magnifizenz, welche Ergeb­nisse bringen Sie für die Universität Potsdam mit?

Prof. M.: Wir haben einen Vertrag mit der Bar-Ilan-Universität, der alle Möglichkeiten offen läßt. Vorige Woche fand in Dresden ein Workshop statt, an dem ich leider nicht teilneh­men konnte. Da sind Prof. Kaiser (Mathematik) und Prof. Hänsel(Phy­sik) hingefahren und haben unsere Interessen wahrgenommen. Das Ziel ist, zu einem Austausch zu kommen, wobei ich den Austausch in der ersten Phase an den konkreten Objekten Ju­daistik und in den Naturwissenschaf­ten sehe, wahrscheinlich im Postdoc­Bereich, denn bei den Studenten be­darf es noch gewisser Vorbereitungen. PUZ: Prof. Mitzner, herzlichen Dank.

Die Fragen stellte Dr. Rolf Ram­melt.

Förderkreis bittet um Hilfe

Mit der Bitte um Unterstüt­zung wandte sich der För­derkreis der Ben-Gurion­Universität des Negev in Israel an Prof. Mitzner. Nachfolgend möchten wir die Universitätsangehörigen mit dessen Anliegen vertraut machen.

Der auch in der Bundesrepu­blik bestehende Förderkreis der Ben-Gurion-Universität des Negev in Israel sucht Per­sonen und Institutionen, die an einer Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern dieser Uni­versität sowie an einer Unter­stützung ihrer Arbeit ınteres­siert sind. Die im Jahre 1969 gegründete dritte Universität Israels stellt u. a. einen bedeu­tenden Entwicklungsfaktor für den Negev dar(die 60% Is­raels ausmachende Wüsten­region). Von hier wurden in­ternationale wissenschaftliche Projekte initiiert, die für die gesamte Region des Nahen Ostens von Bedeutung sind und zur Verständigung zahl­reicher Länder mit Israel bei­tragen.

Der Förderkreis der Ben-Gu­rion-Universität hat sich zur Aufgabe gestellt, einige die­ser Projekte sowie den Auf­bau eines universitärenZen­trums für jüdisch-arabische Verständigung finanziell zu unterstützen. Insbesondere leistet er einen Beitrag zur Unterstützung bedürftiger ara­bischer, beduinischer und jü­discher Studenten durch Sti­pendien.

Der Förderkreis bittet mögli­che Interessenten, sich mit sei­nem Vorsitzenden, Dr. Dr. h.c. Heinz-Horst Deichmann, oder seinem Stellvertreter, Dr. Wilhelm Godde, Boehnert­weg 9, W-4300 Essen 11, Tel.: 02 01-86 76 00, Fax: 02 01-8 67 61 20 in Verbindung zu setzen.