Heft 
(1.1.2019) 11
Einzelbild herunterladen

Nr. 11/92 Seite 8

ANGEMERKT

Die Tempeltänze des Fidus

Dr. Salzwedel(Mitte) eröffnete die Ausstellung

Mit einer kurzen persönlichen Einschätzung zur Situation der Kultur- und Kunstlandschaft in Brandenburg eröffnete am 1. Juni der Kultursoziologe Dr. Hartmut Salzwedel(FB Sozialwissenschaf­ten) die AusstellungDie Tempel­tänze des Fidus im Turmzimmer des Alten Rathauses.

Der 1868 in Lübeck geborene Hugo Höppener bekam vom Maler und Lebensreformer Karl Wilhelm Diefenbach den Namen Fidus der Getreue verliehen. Als typi­scher Vertreter des Jugendstils

Foto: Eckardt

wurde er bekannt und umstritten zugleich. Sowohl Pathos, Roman­tik, symbolische Gedankenkunst und Harmoniebedürfnis als auch Nationalismus ist seinen künstle­rischen Arbeiten zu entnehmen. Ihn beherrschte derTraum von einer zukünftigen Menschenschön­heit und edlen Menschlichkeit. (Rentsch) Der Maler, Buchillustra­tor und Gebrauchsgrafiker starb 1948 in Woltersdorf.

Die Ausstellung ist noch bis zum 5. Juli täglich von 10.00 bis 18.00 Uhr zu sehen.

Gar nicht so sonderbar

In der Reihe Forschungskolloquia der Wirtschafts- und Sozialwis­senschaftlichen Fakultät/FB So­zialwissenschaften stellte am 27. Mai der Charlottenburger Ex-Bür­germeister Dr. Romam Legien seinen in Buchform erschienenen EssaySonderbare Sachen vor. In eigenwilliger Form wirddas Leben und Streben des Modefür­sten und Sachbuchautors Otto Poremsky* geschildert. In einer Lesung machte der Autor zunächst (in geraffter Form) mit seiner Geschichte vertraut.

Die Diskussion kam dann sehr schnell auf den Punkt: würde der Mensch sich nicht selbst in unzu­lässiger Weise zum Schöpfer auf­werfen? Legien sah das nicht so.

Die Natur habe ja schon seit eh und je im Zuge der Evolution Neues aus sich heraus entwickelt. Auch wir Menschen seien nur Teil der Natur. Der Unterschied sei der, daß sich die Natur dann in und mit uns be w u ß t weiterentwickeln würde. Aber Legien hatte dies schon während seiner Lesung abgefedert. In einer Rede läßt er seinen witzigen, klugen, gelasse­nen Otto Poremsky sagen:

Es ist gut, wenn bei unserem ge­genwärtigen Wissensstand nicht zu verantwortende Experimente durch die geltenden Gesetze ver­hindert werden. Aber eines Tages werden diese Gesetze zu überden­ken sein. Zukunft, Leute, das ist mehr als morgen! B.E.

Reagiert...

hat der Student Jens Oldenburg auf die ArtikelIn eigener Sache

|| oder was hab' ich eigentlich von der PUZ? sowieStudenten von

heute fressen Probleme in sich hinein in der PUZ 9/92. Im folgenden veröffentlichen wir seinen an die Redaktion gerichteten

| Brief.

| 1ch verfolge das Geschehen um ||Ihre Zeitung schon seit einiger

Zeit und muß feststellen, daß Ihre letzte Ausgabe 9/92 eine wesent­liche Neuerung enthielt, die zwei Studentenseiten, wie paßt das mit Ihrem bisherigen Erscheinen zu­sammen? Einerseits wollen Sie die Arbeit und Interessen der Mit­arbeiter darstellen, was Ihnen schon sehr gut gelingt, denn die Artikel und Berichte über Ereig­nisse im offiziellen Teil der Hochschularbeit informieren im ausreichenden Maße, die Kultur und der Sport dürfen natürlich nicht fehlen; andererseits der Studententeil kommt sehr kurz weg in der PUZ(die Nummer 9/92 ist eine Ausnahme), liegt das nur an der Aufmachung der PUZ oder sind die Studenten der Universität Potsdam einfach zu desinteressiert an ihrer Studium­sumgebung? Sie haben freund­licherweise mit einem Artikel der Berliner Morgenpost vom 27. 4. 92 auf die politische Ver­drossenheit der jungen Menschen und meiner Mitkommilitonen hingewiesen, das sollte uns zu denken geben. Nun die Frage, wo finden sie denn Akzeptanz, in Ihrer Zeitung, in den etablier­ten Parteien und anderen politi­schen Bewegungen, bei den Bürgern...? Ich glaube, es inter­essiert überhaupt keinen in unse­rer Gesellschaft, ob Jugendliche und somit auch Studenten eine Meinung haben, es ist nicht im Interesse der Gesellschaft, Hauptsache sie stören nicht den sozialen Frieden(Au-to, Grund­stück, Fernseher, Urlaub...).

Fraglich erscheint mir auch die Ruhe in Sachen Hochschul­innenpolitik, oder wird die Hoch­schulpolitik nicht von Parteipo­litik überschattet? Alles was nur den Anschein von der politischen Farbe Rot hatte und hat wurde doch auf sehr elegante Art und

Weise personalentsorgt, die Professuren wurden zu einem großen Teil an Damen und Her­ren aus den Ländern der Alt­Bundesrepublik Deutschland vergeben und denkenswert ist es, daß die Wissenschaftler aus der ehemaligen Deutschen Demo­kratischen Republik nur im Sand­kasten gebuddelt haben. Alors, in Ihrer PUZ findet man zwar all­gemeines Bedauern(oder hab ich mich da in der falschen Zeitung verlesen?), doch sind Sie alle damit einverstanden? Tja, das Fazit bleibt nicht aus, diese Zei­tung wird ebenfalls von den ver­heerenden Folgen der Kritiklo­sigkeit innerhalb der Universität nicht verschont. Die PUZ ver­sinkt in Belanglosigkeit.

Bleiben wir auf dem Teppich, Sie versuchen eine Sisyphusar­beit zu leisten, die letztendlich nichts bringen wird, höchstens graue Haare. Sie können einer­seits nicht probieren, eine kon­ventionelle Zeitung für die An­gestellten der Universität Pots­dam zu schaffen, und anderer­seits eine sogenannte Kreative Zeitung für die Studenten. Eine Möglichkeit der breiteren Mitar­beit an den PUZ für interessierte Studenten könnte ein Anfang sein und würde die Akzeptanz in der Studentenschaft wesentlich er­höhen. Ich denke nicht, daß eine neue Studenten- oder Universi­tätszeitung her muß, die Mensen werden schließlich von genügend Papier verschmutzt, oder? Mehr studentische Mitarbeit und Los­lösung von internen Beschrän­kungen und Beeinflussungen innerhalb der Universität könn­ten die PUZ zu einem wahren Sprachrohr der Potsdamer Uni­versität werden lassen.