KONFERENZ
Nr. 12/92— Seite 5
Die ein Jahr vor der zweiten Weltkonferenz für Menschenrechte in Potsdam durchgeführte Konferenz vereinte verschiedene, in den einzelnen Teilnehmerstaaten und in europäischen Gremien für die Menschenrechtsverwirklichung verantwortliche Persönlichkeiten sowie Sachkundige aus der Wissenschaft. Sie waren sich einig in der Bewertung des vom Europarat unmittelbar nach dem zweiten Weltkrieg mit der Europäischen Menschenrechtskonvention aufgestellten Menschenrechtskatalogs und seines Kontrollsystems als bewährtem und bewahrenswertem Mechanismus. Davon zeugt insbesondere die Bereitschaft der neuen Mitglieder der Organisation(Finnland, Ungarn, Polen und CSFR), sich diesem System zu unterwerfen bzw. dieses noch tun zu wollen. Auch die Aufnahme weiterer Mitglieder wird ohne eindeutiges Bekenntnis zu ihm nicht vonstatten gehen.
Die Referate und Beiträge ließen zugleich Hauptprobleme des regionalen europäischen und einzelstaatlichen Menschenrechtsschutzes erkennen: Wird der Katalog auch im Jahre 2000 eine ausreichende Grundlage für die schon heute vor Europa stehenden Probleme liefern? In welche Richtung
sollte seine Entwicklung erfolgen? Eine alleinige Konzentration auf die Funktion der Abwehr von Eingriffen des Staates wird dem angesichts der Fülle sozialer Probleme in den neuen Bundesländern und in ganz Osteuropa sowie des Wunsches vieler Ausländer nach aktiver Teilnahme am Öffentlichen Leben in ihren Aufenthaltsstaaten nicht genügen können. Die Staaten der EG-en versuchen diesem Drängen durch die Einführung eines Rechts auf Teilnahme der EG-Bürger an Kommunal- und Europaparlamentswahlen mit Inkraft
treten des Vertrages über die Poli- f tische Union zu entsprechen(und|
schließen davon aber andere Europäer und Ausländer aus).
Hauptverantwortung bei den Staaten liegen, im Innern den Anforderungen entsprechende rechtsstaatliche Verhältnisse zu schaffen und beizubehalten.
Und schließlich drängen die aufbrechenden Nationalitätenkonflik
Zum zweiten stellt sich die Frage,| 4
wie die prozessualen Schutzmög-| lichkeiten effektiviert und künfti-|| gen Entwicklungen angepaßt wer
den können. Ohne Zweifel wird jedes Feilen an den europäischen Instanzen durch Schaffung einer zweiten Instanz oder durch Installierung des Europäischen Menschenrechtsgerichtshofes als ständig tagendes Gericht— den Menschen nur subsidiär helfen können und möglicherweise sogar die Zeit noch verlängern, bis sie„ihr Recht“ endgültig bekommen haben. Von daher wird auch in Zukunft die
Über„Menschenrechte im Umbruch“ sprach der Präsident des Bundesverfassungsgerichts, Prof. Dr. Roman Herzog. Die Studenten ermutigte er, sich trotz aller Stoffülle den Kopf freizuhalten für die Weiterentwicklung des Rechts. „Nur so kann man mehr sein, als ein juristischer Flickschuster.“
te in Europa nach einer schnellen Lösung. Bisher hat der Schutz von Minderheiten in der Europäischen Menschenrechtskonvention keine spezifische Rechtsgrundlage gefunden, sondern regelt sich allein nach einem allgemeinen Diskriminierungsverbot. Versuche einer Lösung mit juristischen Mitteln scheitern vor allem an den Fragen einer Definition(braucht man eine? Wer gehört unter welchen Voraussetzungen zu einer Minderheit?), ihrer Rechte(haben sie das Recht auf Selbstbestimmung?) und des Rechtscharakters von Minderheitenrechten(stehen sie ihnen individuell oder/und auch als Gruppenrechte zu?). Die Probleme werden ohnehin nicht nur mit dem Recht zu lösen sein. Vielmehr stellt sich die grundsätzliche Frage nach der Haltung und der Politik der Staaten gegenüber anderen und ihrer Bereitschaft zur Aufgabe einer auf den eigenen Staat und die eigene Nationalität begrenzten Sicht.
Dr. habil. R. Kampa Juristische Fakultät
Prof. Dr. Konstantin Scheremet von der Akademie der Wissen- Unter den mehr als 300 Teilnehmern auch die drei Juristinnen schaften in Moskau, der Universität Potsdam und ihrer Vorgän- der Universität Potsdam Dr. habil. Eva Hein, Prof. Dr. Carola gerin seit langer Zeit wissenschaftlich verbunden, gab den Schulze und Dr. habil. Marianne Andrä(v. I. n. r.)
Länderbericht der Russischen Föderation-Rußland.
Fotos: Rüffert