Heft 
(1.1.2019) 15
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Nr. 15/92 Seite 8

FORSCHUNG

Enge Zusammenarbei

vorgesehen

FB Slavistik begrüßte Gäste aus St. Petersburg

In der Zeit vom 4.-13. Oktober weilten der Leiter des Compu­terlaboratoriums zur Automati­sierung linguistischer Forschun­gen an der Russischen Akade­mie der Wissenschaften St. Pe­tersburg, Dr. A. S. Asinovskij, sowie einer seiner Mitarbeiter, S. A. Gruzincev, am Fachbereich Slavistik der Universität. Beide sind gleichzeitig Mitglieder der Unabhängigen Akademie der Geisteswissenschaften ihrer Stadt.

Von seiten unserer Alma mater besteht ein starkes Interesse, eine feste Verbindung zur genannten Einrichtung herzustellen. Wäh­rend des Besuches wurde aus diesem Grunde eine Absichtser­klärung unterzeichnet, die die Zusammenarbeit auf unter­schiedlichen Gebieten umfaßt. Schwerpunkte sind Forschung, Weiterbildung und Lehre. Die Forschung betreffend, wurde die Entwicklung und der Einsatz von Sprachlehrprogrammen(Rus­sisch) für Philologen und Nicht­philologen sowie phonetischer, grammatischer und lexikalischer Computerwerkzeuge(Analyse­programme, lexikalische Daten­banken, Lexika) für die Bereiche der Gegenwartssprache und der Sprachgeschichte vereinbart. Hinsichtlich der Weiterbildung wird die Propagierung und Rea­lisierung von Weiterbildungs­kursen in sprachpraktischer und in computertechnologischer Richtung in St. Petersburg/Ora­nienbaum(für Mitarbeiter und Studenten) angestrebt. Um die Lehre zu bereichern, soll eine Prüfung und Realisierung von Einsatzmöglichkeiten russischer Wissenschaftler an deutschen

Während ihres Aufenthaltes, der vor allem zur Kontaktaufnahme und Feststellung freier Betäti­gungsfelder diente, führten die Gäste Gespräche mit Vertretern

‚der Philologien, der Sozialwis­

senschaften und der Firma LIN­GU-SOFT/Herr. Dank der Un­terstützung des IBM-Pools der Universität, insbesondere Herrn Reschkes, konnte eine Demon­strationsvorführung organisiert werden. Eingeladen dazu waren KollegInnen der Philologien, des Bereiches Fremdsprachen und des ABM-Gesamtprojektes Sprachen. Durch das eigene Auswählen am Computer wur­den ihnen die Möglichkeiten der vorgestellten Programme deut­lich.

Die Mitarbeiter des Fachberei­ches Slavistik knüpfen an die beabsichtigte Zusammenarbeit große Erwartungen und Hoff­nungen. Grund dafür ist die Tat­sache, daß das Laboratorium unter dem Dach der Unabhängi­gen Akademie der Geisteswis­senschaften mit allen anderen geisteswissenschaftlichen Insti­tutionen in St. Petersburg ver­bunden ist, so auch mit der Päd­agogischen Universität(PU)A. L:Herzen

Im nächsten Monat ist ein Tref­fen mit Angehörigen des Insti­tuts für Russische Philologie der PU vorgesehen, um ein weiteres Vorhaben in Angriff zu nehmen. Im Rahmen dessen soll die sprachliche Wirklichkeit und das Sprachverhalten im gegenwärti­gen Rußland erfaßt werden. Dazu gehört auch die Nutzung der Datenregistrierung und-verar­beitung über den Computer. Die PUZ wünscht für das Gelin­

Universitäten/Hochschulen auf gen all dieser weitreichenden

dem GebietAngewandte Lin­guistik, insbesondereCompu­terlinguistik, erfolgen.

Aktivitäten viel Erfolg!

P. Görlich

Belorußland steht zunehmend im Interesse der Öffentlichkeit und das nicht nur durch das Schick­sal der Tschernobyl-Kinder. Viele Kinder dieser Region wurden im Land Brandenburg liebevoll betreut. Aktive Solida­rität ist in Form von Hilfskon­vois in verschiedene Städte Be­lorußlands geleistet worden.

Es möge nicht zufällig sein, daß in Wiskuli bei Brestam 8. 12. 91 ein öÖstliches Commonwealth proklamiert wurde die Gemein­schaft der unabhängigen Staa­ten, mit den Gründungsstaaten Belorußland, Ukraine und Ruß­land. Mit diesem Schritt bestim­men diese Staaten nicht zuletzt ihre zukünftige Position zu Eu­ropa. Die neue Situation verlangt auch ein neues differenziertes Herangehen an die Geschichte, Kultur, Literatur und Sprache des belorussischen Volkes. Das deut­sche Interesse an dessen kultur­und literaturgeschichtlicher Ent­wicklung hat schon eine lange Tradition.

Bereits während des I. Weltkrie­ges und in den 20er Jahren sind zahlreiche Publikationen über Belorußland unter Federführung deutscher Slavisten erschienen. Durch die Übersetzung einer Reihe von Werken belorussi­scher Autoren, wie A. Adamo­witsch, W. Bykau, J. Bryl u. a., ins Deutsche konnten sich die Leser der neuen Bundesländer mit ihrem literarischen Schaffen vertraut machen, ohne dabei die historischen Beziehungen zwi­schen Belorussen und Russen, aber auch zu ihren Nachbarn, insbesondere zu den Polen und Litauern, voll zu erfassen.

Eine Reihe von wissenschaftli­chen Veranstaltungen in den letz­ten zwei Jahren reflektiert das gewachsene Interesse an den Fragen der Gegenwartsentwick­lung dieser Region. So fanden Symposien in Münster und Salz­burg statt. Das Symposium an der Universität in Münster wur­de von Prof. F. Scholz, Direktor des slavisch-baltischen Seminars initiiert und durchgeführt. An der unter dem ThemaBelorußland

{ Neubewertung von Vergangenheit notwendig

und der Westen stehenden Veranstaltung beteiligten sich mehr als 30 Wissenschaftler aus aller Welt. Ende Oktober 1991 fand am Slawistischen Institut der Universität Salzburg auf In­itiative von Doz. Dr. Hermann Bieder das SymposiumSprach­und Kulturpolitik in der Sowjet­union. Thema: Weißrußland statt, ebenfalls mit internationa­ler Beteiligung.

Bereits das zweite Mal organi­sierte im August dieses Jahres die Universität Minsk den Inter­nationalen Sommerkurs für Belorussistik. An diesem Kurs nahmen Vertreter aus den USA, Belgien, Großbritannien, Kana­da, Österreich, der BRD, der Schweiz, Polen und Slovenien teil. Das Lehrprogramm umfaß­te zahlreiche sprachpraktische Übungen und Vorlesungen in Belorussisch. Neue Erkenntnis­se zur Geschichte des Landes und Einblicke in den Stand der Sprach- und Literaturwissen­schaft wurden vermittelt. Wesentlicher Bestandteil des Sommerkurses war die wissen­schaftliche Konferenz in Mala­detschna zum Thema:Entwick­lung des nationalen Selbstbe­wußtseins der Belorussen, eine vom New Yorker Institut für Wissenschaft und Kunst Belo­rußlands gesponsorte Veranstal­tung.

Eindeutig erkennbar wurde das Bestreben der belorussischen Wissenschaftler, nicht nur die letzten Jahrzehnte der Geschich­te ihres Landes neu zu bewerten, sondern auch die bisher einseiti­ge Darstellung der kultur-histo­rischen Vergangenheit zu über­winden. Vorträge namhafter Schriftsteller wie W. Bykau, N. Gilewitsch und Wissenschaftler wie Prof. Maldis, Minsk; Janka Saprudnik, New York sind Be­leg für die Ernsthaftigkeit des Bestrebens, die neue Situation zu bewältigen und die sich neu ergebenden Möglichkeiten um­fassend zu nutzen.

Fortsetzung S. 9