Heft 
(1.1.2019) 17
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Nr. 17/92 Seite 10

FREMDSPRACHENAUSBILDUNG

Prozeßorientierte Mediendidaktik für den Fremdsprachenunterricht ein Ost-West-Kolloquium im Leibniz-Haus, Hannover

In einer Zeit des Medienüber­flusses und manchen Medien­überdrusses man denke nur an Postmans jüngste Medienschel­te(Das Technopol, 1992) ein solches Kollogqium? Dafür gibt es gute Gründe. Im neusprachli­chen Unterricht sind Sprach-, Bild- und Sprachbild-Medien ein ‚essential, wenn der Wirklich­keitshintergrund der Zielspra­chen im Klassenzimmer leben­dig werden soll. Im Bereich des Technisch-Apparativen herrscht bei Lehrerinnen und Lehrern teils noch viel Medienscheu, obwohl hier die Entwicklung immer weiter geht und sich für den Fremdsprachenunterricht z. B. telekommunikativ ungeahnte Möglichkeiten auftun und die ‚software als Lernhilfe wesent­lich verbessert worden ist. Im Kolloquium sollte es jedoch mehr um Texte als um Technik gehen. Auf Grund neuerer Theoriebe­züge besonders der psycholin­guistischen Theorie der Sprach­verarbeitung, einer ganzheitli­chen weiterentwickelten Infor­mationstheorie und der leserbe­zogenen Textverstehenstheorie bietet sich die Möglichkeit, die neusprachliche Mediendidaktik als Teil der Fremdsprachendi­daktik besser zu fundieren, im Unterricht zu erforschen und praktisch voranzubringen. Dar­aus leitet sich ein Programmbe­griff ab, der auch sonst z. Zt. in der Fremdsprachendidaktik zu­nehmend Bedeutung gewinnt: die Prozeßorientierung des Ler­nens. Gemeint ist ein Lernerbe­zug, der schrittweise Rezeption und Produktion ermöglicht, kon­tinuierlich aktiviert, Verarbei­tung und Erarbeitung von Tex­ten nachhaltig fördert, Lernstra­tegien entfaltet und vertieft verinnerlichend zu Lernproduk­ten führt. Das Projekt, das mit diesem Kolloquium eröffnet wurde, hat demnach folgende Leithypothese: Wenn sich Infor­mations- und Sprachverarbei­tung im Lernenden auf Grund neuerer bezugswissenschaftli­

cher Erkenntisse prozessual voll­ziehen, muß prozeßorientierter Fremdsprachenunterricht media­ler Bindung intensiver und tiefer wirken und somit nachhaltiger und effektiver, gebunden an sinn­gebende Inhalte sinnstiftender sein.

Als gemeinsames Vorhaben des WissenschaftsbereichesFach­didaktik Englisch der Universi­tät Potsdam und des entsprechen­den Arbeitsbereichs am Engli­schen Seminar der Universität Hannover hat das Projekt auch zum Ziel, in wechselseitiger Bemühung Informations-, Koo­perations- und Verständnisdefi­zite abzubauen, wie sie durch die lange Zweistaatlichkeit Deutsch­lands noch bestehen.

So hatten sich vom 22. bis 24. Oktober 16 Wissenschaftlerin­nen und Wissenschaftler sowie theoriebewußte Schulpraktiker­innen und-praktiker aus Ost und West im Leibniz-Haus um das Thema und seine Aufgaben ver­sammelt(aus Berlin, Bochum, Dortmund, Dublin, Düsseldorf, Freiburg, Halle, Hannover, Helmstedt, Leipzig, Oldenburg, Potsdam, Warschau, Wuppertal). Weitere 8 moderierende Mitar­beiter und insgesamt etwa 30 Zuhörer verfolgten die Vorträge und Diskussionen mit Interesse. Sie wurden vom Herrn Vizeprä­sidenten der Universität Hanno­ver, Professor Fischer, und vom Dekan des Fachbereichs Litera­tur- und Sprachwissenschaften, Herrn Professor Rector, begrüßt und an den euro- wie hochschul­politischen Rahmen erinnert, in dem sich alles Fachliche voll­zieht.

Nach einer theoretischen Grund­legung aus zunächst eher er­ziehungswissenschaftlicher Per­spektive(neumedial bestimm­te Anthropologie der Lernen­den; Schwerdtfeger, Bochum) und dann psycholinguistischer (Wolff; Wuppertal), weiterent­wickelt informationstheoreti­scher(Gienow; Potsdam), text­verstehenstheoretischer Sicht

(Donnerstag; Dortmund) sowie der einer linguistisch bestimm­ten Theorie der interkulturellen Kommunikation(Oldenburg; Hannover) wurden auf deren Grundlage und bezogen auf gegenwärtig diskutierte Konzep­te der Fremdsprachendidaktik (z. B. ‚Learner autonomy, ganz­heitlich und integrative sowie Handlungs- und Kreativitätso­rientierung) prozessualer Lern­und Arbeitstechniken vorgestellt. Diese griffen die stärker praxis­bezogenen Vorträge mehr oder weniger entschieden auf: beson­ders der Beitrag zum Erleben und Gestalten szenischer Ele­mentartexte im Französischun­terricht(Rattunde; Freiburg), die Vorstellung der pressespiegeln­den Zeitungs- und Tonkassetten­Kombination Authentik(Little; Dublin), eines Kurses zum Hör­verstehenstraining mit Hilfe von russischen Originalhörspielen (Thyrolf; Berlin), der Bericht über einen methodisch einfalls­reichen Unterrichtsversuch mit einem künstlerischen Bild(Akin­ro; Helmstedt), über ein textlin­guistisch fundiertes Leseverste­hensprogramm für Deutsch als Fremdsprache(Nebe-Rikabi; Leipzig) und schließlich die Präsentation eines Forschungs­projektes zu weltweiten Kontak­ten von Schulklassen und Lehr­personen mit Hilfe von Telekom­munikation(Rautenhaus; Olden­burg). Daran war erstaunlich gut zu erkennen, wie sehr. ein mo­derner Fremdsprachenunterricht medialer Bindung Prozeßorien­tierung verwirklichen kann, d. h. konkret: Lernen und Lehren intensivie­ren; es inhaltlich und anschaulich bereichern, Wahrnehmen und Verstehen fördern, Sprach- und Sachlernen ver­stärkt verbinden,

inhaltlich und anschaulich perspektivierend orientieren, den Gebrauch der Fremdspra­

che individuell sowohl han­

delnd als auch kreativ anregen, die Kluft zwischen kommuni­kativen Zielen und erreichtem Sprachkönnen ausgleichen und die Lernbereitschaft ganz allgemein stärken.

Die Arbeitsgruppe will sich weiter für die Verwirklichung einer prozeßorientierten Medien­didaktik im Fremdsprachenun­terricht einsetzen, deren Praxis erforschen und speziell die Er­gebnisse zur Unterrichtsfor­schung in einem Folgekolloqu­ijum 1994 in Potsdam diskutie­ren.

Dozent Dr. W. Gienow Fachdidaktik Englisch Universität Potsdam/Golm

Dr. K. Hellweg, korporationsrechtlich Professor

Englisches Seminar der Universität Hannover

VereinWilhelm Foerster Potsdam e. V.

Dienstag, 1. Dezember 1992 19.30 Uhr, Haus der URANIA DerRoi-philosophe Friedrich der Große und das Staatsdenken in Preußen mit Alexander Mentzel

Mittwoch, 2. Dezember 1992 19.30 Uhr, Haus der URANIA Die Hochschule für Film und Fernsehen Konrad Wolf

Dienstag, 8. Dezember 1992 17.00 Uhr, Haus der URANIA Das Verbindende der Weltreligionen mit Karl-Heinz Schildbach

Donnerstag, 10. Dezember 1992 17.00 Uhr, Haus der URANIA Ernährung bei Diabetes mellitus mit Dr. Wolfgang Lüder

Sonnabend, 12. Dezember 1992 10.00 Uhr, Telegrafenberg Vortrag mit anschließender Führung im Einsteinturm

Sonnabend, 12. Dezember 1992 11.00 Uhr, Gutenbergstr. 76 Besichtigung von Schuke-Orgelbau es führt Alexander Schuke

Sonnabend, 12. Dezember 1992 11.00 Uhr Einstein in Caputh Führung durch das Einstein-Haus mit anschließendem Vortrag:

Donnerstag, 17. Dezember 1992 17.00 Uhr, Haus der URANIA Jerusalem Stadt der Weltreligionen mit Mathias Mosig

URANIA-HausWilhelm Foerster 1560 Potsdam, Brandenburger Str. 38 Fon 2 1724- Fax 2 36 83