INTERVIEW
Nr. 18/92— Seite 5
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PUZ: In der bereits erwähnten Gewerkschaftsveranstaltung versprachen Sie die Einrichtung einer Koordinierungsstelle für all diejenigen, die ein Kündigungsschreiben erhalten. Diese Stelle kann sicher für die Beratung der Betroffenen wichtig sein. Inwieweit kann sie aber wirklich helfen im Sinne von„vermitteln“? Wie ist der Stand der Vorbereitung?
H. ENDERLEIN: Also direkt vermitteln können wir in dieser Stelle natürlich nicht. Da würden wir auch gegen das Monopol der Bundesanstalt für Arbeit verstoßen. Was wir tun können ist, diese Stelle einzurichten. Wir haben dafür vorgesehen, daß Stellen in den Philosophischen Fakultäten I und II sowie der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät ausgeschrieben werden. Dafür können sich Fakultätsassistenten bewerben, die sich neben ihrer Tätigkeit beim Aufbau der Fakultät auch um die Belange der gekündigten Mitarbeiter kümmern wollen. Ich denke, das ist eine gute Lösung. So ist diese Koordinierungseinrichtung sehr problemnah im Rahmen der Universität angesiedelt. Wir werden dafür sorgen, daß alle Informationen, über die wir verfügen, die wir uns auch noch beschaffen werden, direkt dorthin weitergeleitet werden. Die betreffenden Mitarbeiter können das Material dann dort abrufen. Das betrifft Nachqualifizierungen, Umqualifizierungsmaßnahmen, andere Beschäftigungsangebote. Wie gesagt, wir dürfen nur bis an die‘ Grenze: ‚der: Vermittlung gehen, nicht darüber hinaus. Aber ich denke, daß dieses Beraten und Informieren ein sinnvolles Angebot ist.
PUZ: Das Hinzukommen von Beschäftigten der ehemaligen Akademie der Wissenschaften sowie der Hochschule für Recht und Verwaltung zum Personal
der damaligen Brandenburgischen Landeshochschule macht das Problem der Bedarfsfeststellung nicht gerade kleiner. Wie sehen Sie diese Tatsache?
H. ENDERLEIN: Man muß das auseinanderhalten. Ich sehe eigentlich keine Beeinträchtigung für die Mitarbeiter der Universität. Der erste Teil betrifft die sogenannten WIP-Gruppen, die durch das Wissenschaftlerintegrationsprogramm an die Universität kommen. Sie stehen in keiner Konkurrenz zu Mitarbeitern der Universität. Die Mitarbeiter der WIP-Gruppen werden durch ein anderes, gesondertes Programm finanziert. Es wird dann Aufgabe der Universität sein festzustellen, ob sie inhaltlich in das Profil der Universität passen. Dann wird überprüft, ob sie im Rahmen des auf fünf Jahre befristeten Programms, ein Jahr ist bereits schon abgelaufen, bereits vorfristig in die Universität integriert werden können. Für diejenigen, die am Ende dieser vier Jahre verbleiben, werden neue Stellen zu schaffen sein. Sie konkurrieren also nicht mit den Mitarbeitern der Universität. Ich glaube, das ist wichtig festzuhalten. Hier baut sich kein zusätzliches Konkurrenzverhältnis auf. Bei den Mitarbeitern der Hochschule für Recht und Verwaltung ist es so, daß wir auch da nur einen ganz bestimmten Teil übernommen haben. Der Rest ist, ich muß hier den unschönen Namen benutzen, abgewickelt worden. Die Übernahme betrifft nur eine Fakultät, die Juristische Fakultät. Sie ist ja völlig neu aufgebaut worden. Insofern besteht da auch kein Konkurrenzfeld, sondern wir haben(das läßt sich auch leicht nachvollziehen) inzwischen erheblich mehr neue Stellen geschaffen, als wir übernommen haben. Ich weiß jetzt nicht genau, wie es im Bereich der technischen Mitarbeiter ist. Betroffen waren hier die Küche, die Verwaltung usw. Mir ist kein Fall bekannt, in dem durch die Integration von Arbeitsgruppen
aus dem ehemaligen AdW-Bereich Kündigungen erforderlich wurden. Dasselbe trifft auch zu für die Integration der Mitarbeiter der ehemaligen Hochschule für Recht und Verwaltung. Es wäre für uns völlig neu, wenn so ein Fall auftreten würde. Im übrigen spielen weder die Hochschule für Recht und Verwaltung noch die WIP-Gruppen noch die Max-Planck-Gruppen bei der Bedarfsfeststellung eine Rolle. Insofern sind das zwei unterschiedliche Dinge. Wenn es Probleme geben sollte, müssen sie durch andere Faktoren entstanden sein.
PUZ: Die Umstrukturierung ist in vollem Gang. Wie schätzen Sie den gegenwärtigen Stand des Prozesses ein?
H. ENDERLEIN: Ich sehe natürlich, daß wir im Augenblick in der schwierigsten Phase sind. Jetzt wird es ganz konkret. Personalentscheidungen müssen getroffen werden, auch negativer Art. Insofern verstehe ich auch die Unruhe, die an der Universität besteht. Ich sehe die Aufgabe meines Ministeriums darin, hier so gut wie möglich konstruktiv bei der Lösung dieses Problems mitzuhelfen. Ich gehe davon aus, daß die zahlenmäßigen Dimensionen bei den Kündigungen
® Ganz einfach gut
doch klein gehalten werden können. Ich bin guter Hoffnung, daß wir die auch mit der Universität Potsdam ausgehandelten Zahlenverhältnisse für die Haushaltsstellen durch den Landtag bringen. Wenn wir bei den im Entwurf festgelegten Zahlen geblieben wären, wäre die Problematik sehr viel größer. Also das entspannt sich etwas. Ansonsten denke ich, daß wir nach der schwierigen Frage der Bedarfsfeststellung sehr schnell in das Stadium der Umstrukturierung eintreten sollten.
Die Universität braucht so schnell wie möglich eine Grundordnung. Ausgehend von dieser Grundordnung müssen dann Neuwahlen stattfinden.
Es war sicher eine sehr schwierige Phase für den Gründungssenat, praktisch zwei Aufgaben nebeneinander bewältigen zu müssen: einmal eine bereits existierende Hochschule als Einrichtung fortzuführen und daneben die Arbeit der Gründung einer neuen Hochschule vorzunehmen. Ich hoffe, daß wir im Sommersemester dann zu einer normalen Arbeit übergehen können.
Herr Minister, herzlichen Dank für das Gespräch. Die Fragen stellte P. Görlich. 23.11.92
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