_ GESCHICHTE
Nr. 18/92— Seite 9
DIA-Reihe zu Juden in Brandenburg Eckpunktepapier zur Eindämmung rechtsextremistischer Tendenzen im Land Brandenburg
Das im Januar 1992 an der Universität Potsdam in Form eines An-Institutes gegründete Moses Mendelssohn Zentrum für europäisch-jüdische Studien benennt als einen Schwerpunkt seiner Arbeit in Lehre und Forschung pädagogische Aus- und Fortbildungsmaßnahmen. Dabei denkt man insbesondere an Multiplikatoren aus den Bereichen Bildung und Kultur in den neuen Bundesländern.
Eine erste wissenschaftliche Bestandsaufnahme zu Situation und Perspektiven der jüdischen Studien in den neuen Bundesländern ist im Rahmen einer zweitägigen Konferenz im November erfolgt. Dabei waren sich die Teilnehmer einig, daß zur Verringerung der Defizite im Wissen und Verarbeiten deutschjüdischer Geschichte und Gegenwart fast„bei Null“ begonnen werden muß und auch kleine Schritte zählen. Ein großer Stellenwert kommt der Regionalgeschichte zu, in deren Rahmen der Beitrag der Juden zur deutschen Geschichte und Kultur für breite Kreise deutlich und erlebbar gemacht werden kann. In diesem Kontext gehört auch das am Mendelssohn Zentrum gerade in den Anfängen steckende Projekt der Erarbeitung einer DIA-Serie zu Juden in Brandenburg.
Die geplante DIA-Reihe entsteht unter der Leitung von Dr. Irene Diekmann(MMZ) in Zusammenarbeit mit dem Medienpädagogischen Zentrum(Dr. Ulrich Kaden). Zurückgegriffen werden kann auf reichhaltige Erfahrungen des Salomon Ludwig Steinheim-Instituts für deutsch-jüdische Geschichte, das dem hiesi
gen Zentrum ohnehin Unterstützung gewährt. Im SteinheimInstitut ist Dr. Elfi Pracht bereits seit einigen Jahren mit der Erarbeitung von DIA-Reihen zum Judentum im Rheinland und deren Rezeption beschäftigt. Zwei Serien zu jüdischer Geschichte und jüdischen Persönlichkeiten im Rheinland liegen dort vor; eine dritte Reihe„Jüdische Schicksale im Rheinland während des Nationalsozialismus“ befindet sich in Vorbereitung. Das in Potsdam für die Brandenburgische Region geplantes Projekt soll allgemeinen ÜberblicksCharakter tragen und weite Kreise— nicht nur Schüler— ansprechen. Reihen mit spezielleren Themen sind später vorgesehen. Die beiden Potdamer möchten aus möglichst vielem Bildmaterial auswählen können und bitten daher auch auf diesem Wege, Bildbestände zu signalisieren. Großes Interesse besteht auch an Kontakten zu Zeitzeugen. Auf der Tagung des Mendelssohn-Zentrums wurden von Judaisten sowie Ausstellungsund Archivexperten wertvolle Hinweise gegeben. Für die grundlegende Darstellungslinie wurde einhellig empfohlen, die produktiven Verbindungen zwischen Deutschen und Juden sichtbar zu machen und die deutschjüdische Geschichte nicht auf den Holocaust zu reduzieren. Plädiert wurde ferner für ein positives Bildmaterial, um latentem Antisemitismus keinen Vorschub zu leisten. Dr. Diekmann rechnet mit der Fertigstellung der ersten DIA-Reihe 1993.
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„Zur Eindämmung von Rechtsextremismus und Gewalt sind alle gesellschaftlichen Kräfte gefordert.‘ Diese Grundaussage bekräftigte der Staatssekretär im Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, Dr. Gerhard Harms, Mitte Oktober anläßlich einer öffentlichen Anhörung im Rahmen einer Sitzung des Landtagsausschusses für Bildung, Jugend und Sport. Das Thema der Anhörung lautete „Jugendgewalt— Ursachen, Hintergründe, Lösungswege und Konsequenzen“, Das Ministerium hat ein sogenanntes Eckpunktepapier vorgelegt, das neben einer Analyse der Ursachen, die zur Entwicklung rechtsextremistischer, rassistischer Tendenzen im Land Brandenburg beitragen, eine Vielzahl von Maßnahmen und Projekten enthält, mit denen ein Gegengewicht zu schaffen versucht wird,
Im Eckpunktepapier heißt es u. a., daß„die in sozialer Desorientierung, persönlicher Verunsicherung sowie anderen gesellschaftlichen und individuellen Ursachen begründeten Erscheinungsformen eines von der sozial tolerierbaren Norm abweichenden Verhaltens von Kindern und Jugendlichen in hohem Maße Gegenstand schulischer Aufmerksamkeit und pädagogischen Handelns sein(müssen). Die notwendige Gegensteuerung ist Aufgabe des pädagogischen Handelns vor Ort. Dabei geht es vorrangig darum, aggressiv abweichendes Sozialverhalten, das sich in vielfältigen Formen äußerer und innerer Gewalt realisieren kann, in seinen Erscheinungsformen und Gründen zu erkennen und aufzudecken, die Entwicklung der Kreativität und Handlungsfähigkeit der Jugendlichen zu fördern und durch Verständnis für ihre Lebenslage Problemlösungsschritte zu entwickeln.“
Diese Aufgaben sollen mit Hilfe einer Vielzahl von Modellversuchen, Projekten und Beratungsstellen in Angriff genommen bzw. fortgeführt werden. Aus der Fülle der Maßnahmen des Eckpunktepapiers, in das auch Mitarbeiter
der Universität Potsdam eingebunden sind(z. B. über das Medienpädagogische Zentrum und das Pädagogische Landesinstitut Brandenburg), sei hier auf zwei Studien des zur Universität Potsdam gehörenden An-Institutes für Familienund Kindheitsforschung hingewiesen.
Die im Auftrag der Landesregierung erstellte Studie des Instituts zur Jugendszene und Jugendgewalt im Land Brandenburg kommt zu dem Ergebnis, daß nicht nur fremdenfeindliche und rassistische Tendenzen unter Jugendlichen weit verbreitet sind, sondern daß ein maßgeblicher Anteil der befragten Jugendlichen Gewaltparolen befürwortet. Es kann nach den Vorfällen in Rostock vermutet werden, daß Jugendliche häufig nur das ausführen, was Erwachsene denken. Gleichzeitig ist feststellbar, daß Fortbildungsveranstaltungen, beispielsweise die des PLIB, zu diesem Themenkreis(Fremdenfeindlichkeit, Rechtsextremismus, Jugendgewalt) nur wenige Interessenten anlockten. Die Untersuchung will an diesem Punkt ansetzen und nachforschen, woran diese geringe Beteiligung an Fortbildungsveranstaltungen liegt und was getan werden kann, um auf dieser Ebene eine wirksame Arbeit gegen rassistische Tendenzen unter brandenburgischen Jugendlichen in Gang zu bringen. Mit in diese Überlegungen einbezogen werden Schulrätinnen und Schulräte sowie Schuldirektorinnen und Schuldirektoren.
Eine zweite Studie, noch von der ehemaligen Ministerin Marianne Birthler in Auftrag gegeben, wird sich mit den Ursachen für Schulfrust und Schulverweigerung beschäftigen. An ca. 40 Schulen aller Schulformen sollen bis zum Jahresende 1992 empirische Daten gesammelt werden, um genauere Erkenntnisse zu diesem Thema für unser Bundesland zu erhalten.
(Die Zusammenstellung basiert auf Pressematerial des Ministeriums für Bildung, Jugend und Sport).