Heft 
(1.1.2019) 18
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_ GESCHICHTE

Nr. 18/92 Seite 9

DIA-Reihe zu Juden in Brandenburg Eckpunktepapier zur Eindämmung rechtsextremistischer Tendenzen im Land Brandenburg

Das im Januar 1992 an der Uni­versität Potsdam in Form eines An-Institutes gegründete Moses Mendelssohn Zentrum für euro­päisch-jüdische Studien benennt als einen Schwerpunkt seiner Arbeit in Lehre und Forschung pädagogische Aus- und Fortbil­dungsmaßnahmen. Dabei denkt man insbesondere an Multipli­katoren aus den Bereichen Bil­dung und Kultur in den neuen Bundesländern.

Eine erste wissenschaftliche Bestandsaufnahme zu Situation und Perspektiven der jüdischen Studien in den neuen Bundes­ländern ist im Rahmen einer zweitägigen Konferenz im No­vember erfolgt. Dabei waren sich die Teilnehmer einig, daß zur Verringerung der Defizite im Wissen und Verarbeiten deutsch­jüdischer Geschichte und Gegen­wart fastbei Null begonnen werden muß und auch kleine Schritte zählen. Ein großer Stel­lenwert kommt der Regionalge­schichte zu, in deren Rahmen der Beitrag der Juden zur deutschen Geschichte und Kultur für breite Kreise deutlich und erlebbar gemacht werden kann. In diesem Kontext gehört auch das am Mendelssohn Zentrum gerade in den Anfängen steckende Projekt der Erarbeitung einer DIA-Serie zu Juden in Brandenburg.

Die geplante DIA-Reihe entsteht unter der Leitung von Dr. Irene Diekmann(MMZ) in Zusam­menarbeit mit dem Medienpäd­agogischen Zentrum(Dr. Ulrich Kaden). Zurückgegriffen werden kann auf reichhaltige Erfahrun­gen des Salomon Ludwig Stein­heim-Instituts für deutsch-jüdi­sche Geschichte, das dem hiesi­

gen Zentrum ohnehin Unterstüt­zung gewährt. Im Steinheim­Institut ist Dr. Elfi Pracht bereits seit einigen Jahren mit der Erar­beitung von DIA-Reihen zum Judentum im Rheinland und deren Rezeption beschäftigt. Zwei Serien zu jüdischer Ge­schichte und jüdischen Persön­lichkeiten im Rheinland liegen dort vor; eine dritte ReiheJüdi­sche Schicksale im Rheinland während des Nationalsozialis­mus befindet sich in Vorberei­tung. Das in Potsdam für die Branden­burgische Region geplantes Pro­jekt soll allgemeinen Überblicks­Charakter tragen und weite Krei­se nicht nur Schüler anspre­chen. Reihen mit spezielleren Themen sind später vorgesehen. Die beiden Potdamer möchten aus möglichst vielem Bildmate­rial auswählen können und bit­ten daher auch auf diesem Wege, Bildbestände zu signalisieren. Großes Interesse besteht auch an Kontakten zu Zeitzeugen. Auf der Tagung des Mendels­sohn-Zentrums wurden von Judaisten sowie Ausstellungs­und Archivexperten wertvolle Hinweise gegeben. Für die grundlegende Darstellungslinie wurde einhellig empfohlen, die produktiven Verbindungen zwi­schen Deutschen und Juden sicht­bar zu machen und die deutsch­jüdische Geschichte nicht auf den Holocaust zu reduzieren. Plädiert wurde ferner für ein positives Bildmaterial, um latentem Anti­semitismus keinen Vorschub zu leisten. Dr. Diekmann rechnet mit der Fertigstellung der ersten DIA-Reihe 1993.

R.D.

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Zur Eindämmung von Rechtsex­tremismus und Gewalt sind alle gesellschaftlichen Kräfte gefor­dert. Diese Grundaussage bekräf­tigte der Staatssekretär im Mini­sterium für Bildung, Jugend und Sport, Dr. Gerhard Harms, Mitte Oktober anläßlich einer öffentli­chen Anhörung im Rahmen einer Sitzung des Landtagsausschusses für Bildung, Jugend und Sport. Das Thema der Anhörung lautete Jugendgewalt Ursachen, Hin­tergründe, Lösungswege und Konsequenzen, Das Ministerium hat ein sogenanntes Eckpunktepa­pier vorgelegt, das neben einer Analyse der Ursachen, die zur Entwicklung rechtsextremisti­scher, rassistischer Tendenzen im Land Brandenburg beitragen, eine Vielzahl von Maßnahmen und Projekten enthält, mit denen ein Gegengewicht zu schaffen versucht wird,

Im Eckpunktepapier heißt es u. a., daßdie in sozialer Desorientie­rung, persönlicher Verunsicherung sowie anderen gesellschaftlichen und individuellen Ursachen be­gründeten Erscheinungsformen eines von der sozial tolerierbaren Norm abweichenden Verhaltens von Kindern und Jugendlichen in hohem Maße Gegenstand schuli­scher Aufmerksamkeit und päd­agogischen Handelns sein(müs­sen). Die notwendige Gegensteue­rung ist Aufgabe des pädagogi­schen Handelns vor Ort. Dabei geht es vorrangig darum, aggressiv ab­weichendes Sozialverhalten, das sich in vielfältigen Formen äuße­rer und innerer Gewalt realisieren kann, in seinen Erscheinungsfor­men und Gründen zu erkennen und aufzudecken, die Entwicklung der Kreativität und Handlungsfähig­keit der Jugendlichen zu fördern und durch Verständnis für ihre Lebenslage Problemlösungsschrit­te zu entwickeln.

Diese Aufgaben sollen mit Hilfe einer Vielzahl von Modellversu­chen, Projekten und Beratungsstel­len in Angriff genommen bzw. fortgeführt werden. Aus der Fülle der Maßnahmen des Eckpunkte­papiers, in das auch Mitarbeiter

der Universität Potsdam eingebun­den sind(z. B. über das Medien­pädagogische Zentrum und das Pädagogische Landesinstitut Bran­denburg), sei hier auf zwei Studien des zur Universität Potsdam gehö­renden An-Institutes für Familien­und Kindheitsforschung hingewie­sen.

Die im Auftrag der Landesregie­rung erstellte Studie des Instituts zur Jugendszene und Jugendgewalt im Land Brandenburg kommt zu dem Ergebnis, daß nicht nur frem­denfeindliche und rassistische Tendenzen unter Jugendlichen weit verbreitet sind, sondern daß ein maßgeblicher Anteil der befragten Jugendlichen Gewaltparolen befür­wortet. Es kann nach den Vorfäl­len in Rostock vermutet werden, daß Jugendliche häufig nur das ausführen, was Erwachsene den­ken. Gleichzeitig ist feststellbar, daß Fortbildungsveranstaltungen, beispielsweise die des PLIB, zu diesem Themenkreis(Fremden­feindlichkeit, Rechtsextremismus, Jugendgewalt) nur wenige Inter­essenten anlockten. Die Untersu­chung will an diesem Punkt anset­zen und nachforschen, woran die­se geringe Beteiligung an Fortbil­dungsveranstaltungen liegt und was getan werden kann, um auf dieser Ebene eine wirksame Ar­beit gegen rassistische Tendenzen unter brandenburgischen Jugend­lichen in Gang zu bringen. Mit in diese Überlegungen einbezogen werden Schulrätinnen und Schul­räte sowie Schuldirektorinnen und Schuldirektoren.

Eine zweite Studie, noch von der ehemaligen Ministerin Marianne Birthler in Auftrag gegeben, wird sich mit den Ursachen für Schul­frust und Schulverweigerung be­schäftigen. An ca. 40 Schulen aller Schulformen sollen bis zum Jah­resende 1992 empirische Daten gesammelt werden, um genauere Erkenntnisse zu diesem Thema für unser Bundesland zu erhalten.

(Die Zusammenstellung basiert auf Pressematerial des Ministe­riums für Bildung, Jugend und Sport).