Nr. 18/92— Seite 12
WISSENSCHAFT
Das Transferprojekt„WINGS“
Eine erfolgversprechende Zusammenarbeit der Universitäten Potsdam und Saarbrücken
Hinter dem Kürzel„WINGS“ verbirgt sich der Bandwurmname„Wissensvermittlung und Informationstechnologien in den Geistes- und Sozialwissenschaften“ als Titel für ein Projekt, in dem die Universität Potsdam und Saarbrücken gemeinsame Untersuchungen zum Computereinsatz in diesem Bereich anstellen. Bereits im Jahre 1990 begannen die organisatorischen und theoretischen Vorüberlegungen unter der Leitung von Prof. A. Raasch auf Saarbrücker und Prof. Dr. K. Wedel auf Potsdamer Seite. Lohn der Mühe war die Genehmigung des Transferprojektes im Sommer diesen Jahres, mit dem drei neue befristete Mitarbeiterstellen geschaffen werden konnten.
Die Ziele des Projekts bestehen
in der Bündelung und Aufarbeitung vorliegender Erfahrungen und Kenntnisse beim Einsatz moderner Rechentechnik in Forschung, Lehre und Studium der Geistes- und Sozialwissenschaften sowie in der Erarbeitung neuer Modelle für die Computernutzung in diesen Fächern. Die Zahl der beteiligten Bereiche spiegelt fast das gesamte Spektrum der Geistes- und Sozialwissenschaften wider(Anglistik; Romanistik; Germanistik; Sozialwissenschaft; Psychologie; Geschichte sowie außerdem Informatik). Die Ergebnisse sollen zum einen den Studenten zugute kommen, zum anderen aber auch den in Forschung und Lehre tätigen Mitarbeitern. Der TransferCharakter des Projekts wird durch eine Reihe geplanter fachüber
greifender und fachspezifischer Workshops und Symposien unterstrichen, außerdem durch gegenseitige Lehrveranstaltungen an der Partneruniversität und die gemeinsamen Besuche von Weiterbildungslehrgängen.
In der ersten Arbeitsphase bis zum Frühjahr 1993 entwickeln die Mitarbeiter in Saarbrücken und Potsdam einen Grundkurs „Die Einführung der EDV in den Geisteswissenschaften‘‘, der den Studenten notwendige Kenntnisse und Fertigkeiten am Computer vermitteln soll. Auf dieser Grundlage soll es ihnen gelingen, den Anforderungen des Studiums von der Seminar- bis zur Magisterarbeit besser gewachsen zu sein und rationeller zu arbeiten. Nach der Erprobung an beiden Universitäten und der
Weiterentwicklung sollen die erarbeiteten Materialien veröffentlicht und so auch anderen Lehreinrichtungen zugänglich gemacht werden. Für die Mitarbeiter sind Weiterbildungsveranstaltungen und-material über Datenbanken und Netzwerke vorgesehen. Am Ende des Projektes soll eine fachübergreifende gemeinsame Buchpublikation zu Problemen und Möglichkeiten der EDV in den Geistes- und Sozialwissenschaften stehen. Außerdem stellen beide Seiten gegenwärtig Vorüberlegungen an, die in die Beantragung eines gemeinsamen langfristigen Modellversuches zur Effektivierung des Studiums mit Hilfe des Rechnereinsatzes münden können.
Thomas Herzog
Hilfe für Studenten und Wissenschaftler
Fortsetzung von PUZ 17/92, Ss. 12
Studenten ans WIN
Eine stärkere Öffnung des Wissenschaftsnetzes für Studenten kann nicht nur ihr Studium be
reichern. Erfahrung im Umgang‘
mit computergestützten Kommunikationsdiensten ist auch eine wichtige Zusatzqualifikation für viele Bereiche in Wissenschaft und Wirtschaft. Die Öffnung des WIN für Studenten erfordert es, Zugangsmöglichkeiten von Rechnerarbeitsplätzen aus dem Computer-Investitions-Programm(CIP) oder von häuslichen PCs zu schaffen. Diese Aufgabe kann nicht vom DFN- Verein übernommen werden, sie setzt entsprechendes Engagement und Initiativen in den einzelnen Wissenschaftseinrichtungen voraus. Der DFN- Verein ist jedoch bereit, Mitgliedsinstitutionen bei der Realisierung entsprechender Vorhaben zu unterstützen.
Ein erstes Projekt mit dieser Ziel
richtung ist die DaWIN-Initiative, die von drei Jura-Studenten an der Universität Münster ins Leben gerufen wurde. Die Initiative soll es Studenten ermöglichen, die Dienste im Deutschen Forschungsnetz von den universitären CIP-Arbeitsplätzen(Computer-Investitions-Programm) und auch vom häuslichen Arbeitsplatz aus zu nutzen. Das Projekt wird vom Lande Nordrhein-Westfalen gefördert und vom DFN-Verein und von Computer-Herstellern unterstützt. Studenten, die bereits einen Computer besitzen, können mit vergleichsweise geringen Zusatzinvestitionen für ein Modem und eine Terminal-Software über das Telefonnetz von zuhause eine Verbindung‘ zu eigens dafür eingerichteten Zugängen am lokalen Rechenzentrum der Universität Münster aufbauen. Dort können sie beispielsweise ein uniweites Informationssystem abrufen. Die Kommunikation über das WIN mit entfernten Partnern ist ebenfalls
möglich, allerdings muß dazu eine Zulassung(Account) beantragt werden.
Wissenschaft braucht schnelle Datennetze
Mit dem Deutschen Forschungsnetz verfügt die deutsche Wissenschaft über eine zuverlässige Infrastruktur für die Datenkommunikation, die in den letzten Jahren ständig verbessert worden ist. Die Entwicklung des DFN ist damit jedoch keinesfalls abgeschlossen. Im Gegenteil: Der stürmische Leistungszuwachs von Arbeitsplatzrechnern und lokalen Netzen macht immer neue Anwendungen möglich und stellt auch die Weitverkehrsnetze vor große Herausforderungen. Wissenschaft und Forschung in Deutschland fordern seit längerem Hochgeschwindigkeits-Datennetze— auch um die Chancengleichheit deutscher Hochschulen im internationalen Wettbewerb zu wahren.
Bereits heute gibt es in Wissen
schaft und Forschung viele Anwendungen und Verfahren, die die Übertragung sehr großer Datenmengen erforderlich machen. Das können beispielsweise Meßdaten sein, die bei einem Experiment erfaßt werden und zur Auswertung zu einem Supercomputer an einem entfernten Standort geschickt werden müssen. Auch die bei der Auswertung gewonnenen Ergebnisse können gewaltige Ausmaße annehmen. Oftmals lassen sich Ergebnisse nur dann in angemessener Zeit verstehen und begreifen, wenn sie in visualisierter Form vorliegen. Die Bilddaten, die dazu über das Netz übertragen werden, sind sehr umfangreich, besonders wenn zu einer differenzierten Darstellung hohe Auflösungen und viele Ausdrucksgrößen (Farbe, Helligkeit) nötig sind. Dynamische Vorgänge erfordern sogar die Übertragung von ganzen Sequenzen bewegter Bilder. Pressematerial.
Fortsetzung folgt.