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angemessene Vorstellung vom Schüler, je nach der Entwicklungsstufe, auf der er sich befindet. Zweitens von den Inhalten des Faches her, weil der Lehrer die Inhalte und Strukturen des Faches und die kognitive Struktur des Denkens der Schüler muß vermitteln können. Diese Balance zwischen den Strukturen der Inhalte und den Denkstrukturen der Schüler auf unterschiedlichen Altersstufen hat der Lehrer herzustellen, und deshalb muß er beides beherrschen, die Strukturen seiner Fachwissenschaft und die Psychologie des Schülers, die seine Erkenntnisfähigkeit bestimmt. Deswegenist die professionelle Aufgabe des Lehrers nicht bloß das Vermitteln von Inhalten, um sie dem Gedächtnis des Schülers zu überliefern, sondern eine strukturell angemessene Rekonstruktion der Inhalte und Strukturen der Fächer für den Kopf des Schülers, dessen Denk- und Verstehensstrukturen entwicklungsangemessen begriffen werden müssen. Dies ist die zentrale didaktische Lehreraufgabe. Weiteres kommt hinzu: die Fähigkeit, einen Schüler in der Gruppe alters- und institutionsspezifisch zu erziehen, ihn zu motivieren, zu disziplinieren, ihn auf produktive Weise für den Unterricht und für die Schule zu interessieren, seine destruktiven oder aggressiven Neigungen in konstruktive Kanäle zu lenken usw. Dies ist der pädagogisch-psychologische Kontext des Unterrichts.
Auch dieser braucht heute in anderer Weise als früher einen professionellen Ausbildungsgang, denn die benötigten Kompetenzen fallen nicht vom Himmel. Heute hören wir Lehrer darüber klagen, wie sie in der Schule verbraucht werden von Schülern, deren Eigenschaften sie aus ihrer eigenen Schul- und Jugendzeit nicht mehr erinnern können! Sie haben es mit Kindern zu tun, die gewaltbereit sind, die von den Medien bestimmt sind, von neuen Verkehrsverhältnissen,
vor allem von neuen Familienverhältnissen mit stark veränderten Strukturen geprägt sind, und die von einer neuartigen Ökonomie mit neuartigen Perspektiven auf Beruf und familiäre Zukunft in völlig anderer Weise beeinflußt sind als das die Kinder einer stabileren Welt waren. Deshalb müssen die Lehrer Probleme lösen, für die bis heute praktisch noch nirgendwo angemessene Lösungen gefunden worden sind. Ganzheitlich repräsentieren diese Aufgaben den unterrichtswissenschaftlichen und den pädagogisch-psychologischen Professionalisierungsbereich.
Dazu kommt noch eine Menge zusätzlicher Aufgaben, die es früher für Lehrer nicht gab: Beteiligung an der Forschung und an der Curriculumentwicklung, Aufgaben der Sozialtechnologie, administrative Aufgaben der Unterrichts- und Schulführung u. a. m. Insgesamt also benötigen diese Aufgaben einen Kranz von Qualifikationen, die in der Profession unerläßlich sind, aber bisher von der Universität nicht befriedigend angeboten wurden. Vor diesem Hintergrund darf man freilich nicht vergessen, daß nach wie vor der größte Teil der Lehrerqualifikation durch das Fach abgerufen wird, also das Studium eines Faches voraussetzt. Das drückt sich auch in der LPO aus, die vom Lehrer in einem Oberstufenfach 80 SWS und in einem Fach der Sekundarstufe I 50 SWS erfordert. Studiert jemand zwei solcher Fächer, dann sind bereits 130 SWS vom Studium vergeben, und es verbleiben noch 32 SWS für das Potsdamer Kernstudium der Erziehungswissenschaften, in denen Pädagogik, Psychologie und Sozialwissenschaften integrativ miteinander verbunden sind, was für den professionsorientierten Bereich dringend erforderlich ist. Es geht im wesentlichen darum, daß dieser erziehungswissenschaftlich-pädagogische Bereich auf die professionsorientierten Zwecke hin systematisch reflektiert wird und daß gemeinsam mit den Fachwissenschaften an der Universi
tät nach Wegen gesucht wird, wie die Fachdidaktik, die ja zu den jeweiligen Fächern gehört, in produktiver Weise mit einer kognitionswissenschaftlich orientierten Erziehungswissenschaft und Psychologie koordiniert werden kann.
PUZ: Das Modell beruht auf der Integration mehrerer Komponenten. Könnten Sie diese charakterisieren und ihre Verknüpfung miteinander aufzeigen?
Edelstein: Die erste Komponente des integrativen, professionsorientierten Lehrerstudiums ist zunächst und vorwiegend das fachwissenschaftliche Studium. Der schwere Kern jeder Lehrerbildung ist nach wie vor die Fachwissenschaft. Darin enthalten ist die Fachdidaktik, die mit Bedacht beim Fach belassen wurde. Sie soll kein bloßes Rezeptwissen vermitteln, sondern nach Möglichkeit mit Hilfe der kognitiv-psychologischen allgemeinen Didaktik der erziehungswissenschaftlichen Komponente auf eine höhere Stufe der Reflexion gehoben werden, damit ein für die Fächer und den erziehungswissenschaftlichen Kern gemeinsam geltendes, unterrichtswissenschaftliches Prinzip realisiert werden kann, eine Kkognitionswissenschaftlich orientierte Didaktik oder Unterrichtstheorie. Diese erst ist in der Lage, die Struktur der Fächer psychologisch so zu transformieren, daß sie Schülern unterschiedlicher Altersstufen entwicklungsangemessen vermittelt werden kann, und dabei das Fach in seiner Struktur erhalten bleibt und der Struktur entsprechend verstanden wird. Das ist eine zentrale und zugleich komplizierte Aufgabe.
Die Fachdidaktik schlägt die Brücke zwischen dieser Komponente der Fachwissenschaft und der Komponente der erziehungswissenschaftlichen Grundlagen. Letztere setzt sich bei uns integrativ zusammen aus Pädagogik, Psychologie und Sozialwissenschaften und umfaßt 32 SWS. Im einzelnen ist das der erzie
hungswissenschftliche Anteil mit 12 SWS Pädagogik(Systematische Pädagogik, Theorie der Schule, Lehrplantheorie) und 12 SWS Psychologie. Die Psychologie enthält einerseits die allgemeine kognitionswissenschaftliche Didaktik und andererseits die pädagogische Psychologie, im Sinne der Persönlichkeitstheorie des Schülers und seiner Beratungsbedürfnisse.
Dem sozialwissenschaftlichen Bereich der Erziehungswissenschaft liegt vor allem die Sozialisationsforschung zugrunde, die gegenwärtige Sozialisationsbedingungen in Schule und Elternhaus analysiert und deren Herkunft aus historischen Formen der Sozialisation in der Geschichte der Schule betrachtet.
Die dritte Komponente bilden die studienbegleitenden Praktika.
Sie stellen differenziert geplante und über das Studium hinweg verteilte, intensiv durchgeführte Erfahrungsanreicherungen dar, die Impulse aus der schulischen Realität aufnehmen, um sie in das Studium so einzubringen, daß das theoretische Studium auf die in den Praktika gewonnenen Erfahrungen angemessen antworten kann. Zu Beginn des Studiums gibt es ein„Schnupperpraktikum“, in dem elementare Erfahrungen in der Schule unter den Gesichtspunkt des späteren Berufs gestellt werden können. Danach antworten die theoretischen Seminare auf dieses erste Praktikum. Wenn das abgearbeitet ist, kommt das zweite Hauptpraktikum, in dem erste Unterrichtserfahrungen gemacht werden, vor allem aber Gesichtspunkte der pädagogischen Psychologie und der allgemeinen Didaktik eingebracht werden. Und wiederum antwortet in den weiteren Semestern das Angebot der Seminare und Unterrichtsveranstaltungen der Grundlagenfächer auf die dort aufgeworfenen Fragen, so daß der zukünftige Lehrer mit diesen Fragen etwas anfangen kann. In
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