Fortsetzung von 5. 8
es dann das fachdidaktische Hauptpraktikum, in dem Unterrichtserfahrungen realitätsgerecht gewonnen und interpretiert werden. Dieses Praktikum rundet den Erwerb der Kenntnisse während der vorangegangenen Semester ab und leitet gleichsam inhaltlich über zur zweiten Pha
se, in der der künftige Lehrer| unter dem Gesichtspunkt vor|
allem der fachspezifischen Berufserfahrung aus- und weitergebildet wird.
Um die drei Hauptkomponenten legt sich ein Kranz fakultativer Optionen, in denen sich der Lehrerstudent sowohl professionell als auch fachspezifisch bilden und seine Kenntnisse vertiefen kann. Diese reichen von Politik, Philosophie und Ethik bis hin zu handlungspraktischen Qualifikationen, die dem künftigen Lehrer spezielle Kenntnisse im Bereich audiovisueller Techniken oder des Computergebrauchs vermitteln oder eine Vertiefung im Bereich der Sozialisation oder der Jugendforschung beinhalten.
Eine vierte Komponente möchte ich betonen, die die Lehrerbil
dung stärker in den akademi-|
schen Kontext einbindet, zugleich aber ein Novum, ein
Merkmal des Potsdamer Modells|
darstellt. Das ist die Forschung. Eine grundlagenorientierte For
schung im Bereich der Lehrer-*
bildung gibt es bisher praktisch nicht. In Potsdam soll eine kognitionswissenschaftliche, interdisziplinäre Forschung entstehen zum Aufbau vertiefter Kenntnisse in dem Bereich, der herkömmlich mit Didaktik bezeichnet wird. Dabei handelt es sich, wie bereits gesagt, um eine„Vermittlungswissenschaft‘“, eine allgemeine psychologische Unterrichtslehre. Weitere Forschungsbereiche für die Lehramtsstudenten stellt die pädagogische Psychologie mit Forschungen über Bedürfnisse unterschiedlicher Schüler bereit. Ein dritter Bereich sind Forschungen im Umfeld der Erziehung: Institu
tionsforschung, Forschung über Leistungsentwicklung, über Sozialisationsformen.
Forschung ist folglich eine grundlegende und typische Komponente des Potsdamer Modells. Das besondere daran ist, daß die Lehrerbildung forschungsinten
Prof. Dr. Wolfgang Edelstein
siv ausgebaut wird, was bisher nirgends in Deutschland geschieht. Nirgends außer in Potsdam ist es möglich und auch vorgese- hen, Staatsexamensarbeiten forschungsbezogen in den lehrerbildenden Grundlagenfächern zu schreiben. Das ist eine weitreichende brandenburgische Innovation.
PUZ: Ich darf an das Stichwort Berufungen anknüpfen. Dieses anspruchsvolle Konzept erfordert doch von den zu berufenden
Professoren eine gane Reihe bestimmter Fähigkeiten und auch Bereitschaften. Welche würden Sie da sehen?
Edelstein: Wir haben die Hoffnung, daß dieses Potsdamer Modell für Bewerber attraktiv
Foto: Rüffert
ist. Wir nehmen also an, daß wir für Potsdam Professoren gewinnen(abgesehen von denen, die bereits hier sind), die wegen des Potsdamer Modells den Weg hierher finden. Ich denke, daß Professoren, die in Potsdam Wurzeln schlagen, in doppelter Hinsicht motiviert sein müßten: Sie sollten ein neuzeitliches: Verständnis für die schwierigen, vielseitigen und komplexen Funktionen des Lehrens haben und bereit sein, ihre Lehre auf die Qualifizierung für diese
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Funktion auszulegen. Sie sollten forschungsintensiv arbeiten, grundlagenorientiert, und in professionsbildender Absicht. Um diese beiden Funktionen miteinander verbinden zu können, muß der Potsdamer Professor wohl flexibel, kooperativ und als Hochschullehrer progressiv sein. Als Lehrender in diesem Bereich progressiv zu sein bedeutet, eine berufliche Auffassung zu besitzen, die mit den professionellen Eigenschaften korrespondiert, die wir dem Lehrer wünschen: hohes Engagement, Innovationsbereitschaft, Forschungs- und Kooperationsfähigkeit. Solche professionellen und progressiven Professoren brauchen wir, weil wir ja auch zu der dringend benötigten Universitätsreform nur dann kommen, wenn wir Professoren finden, die ihre eigene Universität in diesem Sinne reformieren wollen.
PUZ: Das vorgesehene Konzept der Lehrerbildung kann doch
| wohl nicht allein von den Erzie| hungswissenschaften getragen | werden. Ohne die Psychologie
dürfte es schwer zu realisieren sein. Wie sehen Sie dabei die Rolle der Psychologie?
Edelstein: Wie Sie bereits bemerkt haben, ist dieses Konzept in der Tat stark von der Psychologie beeinflußt. Wenn wir von Kognitionswissenschaft reden, dann ist dies eine psychologische Disziplin. Ein wesentlicher Aspekt der beruflichen Ausbildung des Lehrers besteht ja darin, daß er sich analytisch mit Merkmalen und Eigenschaften des Schülers auseinandersetzt, mit dessen Handlungsregulationen und Denkstrukturen. Dies sind psychologsiche Fragen. Unser Modell zeichnet sich dadurch aus, daß die Psychologie darin eine leitende, strukturierende und merkmalsgebende Funktion für die gesamte Leh
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