Heft 
(1.1.2019) 02
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Fortsetzung von 5. 8

es dann das fachdidaktische Hauptpraktikum, in dem Unter­richtserfahrungen realitätsge­recht gewonnen und interpretiert werden. Dieses Praktikum run­det den Erwerb der Kenntnisse während der vorangegangenen Semester ab und leitet gleichsam inhaltlich über zur zweiten Pha­

se, in der der künftige Lehrer| unter dem Gesichtspunkt vor|

allem der fachspezifischen Be­rufserfahrung aus- und weiter­gebildet wird.

Um die drei Hauptkomponenten legt sich ein Kranz fakultativer Optionen, in denen sich der Lehrerstudent sowohl professio­nell als auch fachspezifisch bil­den und seine Kenntnisse vertie­fen kann. Diese reichen von Politik, Philosophie und Ethik bis hin zu handlungspraktischen Qualifikationen, die dem künfti­gen Lehrer spezielle Kenntnisse im Bereich audiovisueller Tech­niken oder des Computerge­brauchs vermitteln oder eine Vertiefung im Bereich der So­zialisation oder der Jugendfor­schung beinhalten.

Eine vierte Komponente möchte ich betonen, die die Lehrerbil­

dung stärker in den akademi-|

schen Kontext einbindet, zu­gleich aber ein Novum, ein

Merkmal des Potsdamer Modells|

darstellt. Das ist die Forschung. Eine grundlagenorientierte For­

schung im Bereich der Lehrer-*

bildung gibt es bisher praktisch nicht. In Potsdam soll eine kog­nitionswissenschaftliche, inter­disziplinäre Forschung entstehen zum Aufbau vertiefter Kenntnis­se in dem Bereich, der herkömm­lich mit Didaktik bezeichnet wird. Dabei handelt es sich, wie bereits gesagt, um eineVermitt­lungswissenschaft, eine allge­meine psychologische Unter­richtslehre. Weitere Forschungs­bereiche für die Lehramtsstuden­ten stellt die pädagogische Psy­chologie mit Forschungen über Bedürfnisse unterschiedlicher Schüler bereit. Ein dritter Be­reich sind Forschungen im Umfeld der Erziehung: Institu­

tionsforschung, Forschung über Leistungsentwicklung, über Sozialisationsformen.

Forschung ist folglich eine grund­legende und typische Kompo­nente des Potsdamer Modells. Das besondere daran ist, daß die Lehrerbildung forschungsinten­

Prof. Dr. Wolfgang Edelstein

siv ausgebaut wird, was bisher nirgends in Deutschland ge­schieht. Nirgends außer in Pots­dam ist es möglich und auch vorgese- hen, Staatsexamen­sarbeiten forschungsbezogen in den lehrerbildenden Grundlagen­fächern zu schreiben. Das ist eine weitreichende brandenburgische Innovation.

PUZ: Ich darf an das Stichwort Berufungen anknüpfen. Dieses anspruchsvolle Konzept erfor­dert doch von den zu berufenden

Professoren eine gane Reihe be­stimmter Fähigkeiten und auch Bereitschaften. Welche würden Sie da sehen?

Edelstein: Wir haben die Hoff­nung, daß dieses Potsdamer Modell für Bewerber attraktiv

Foto: Rüffert

ist. Wir nehmen also an, daß wir für Potsdam Professoren gewin­nen(abgesehen von denen, die bereits hier sind), die wegen des Potsdamer Modells den Weg hierher finden. Ich denke, daß Professoren, die in Potsdam Wurzeln schlagen, in doppelter Hinsicht motiviert sein müßten: Sie sollten ein neuzeitliches: Verständnis für die schwierigen, vielseitigen und komplexen Funktionen des Lehrens haben und bereit sein, ihre Lehre auf die Qualifizierung für diese

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Funktion auszulegen. Sie sollten forschungsintensiv arbeiten, grundlagenorientiert, und in professionsbildender Absicht. Um diese beiden Funktionen miteinander verbinden zu kön­nen, muß der Potsdamer Profes­sor wohl flexibel, kooperativ und als Hochschullehrer progressiv sein. Als Lehrender in diesem Bereich progressiv zu sein be­deutet, eine berufliche Auffas­sung zu besitzen, die mit den professionellen Eigenschaften korrespondiert, die wir dem Lehrer wünschen: hohes Enga­gement, Innovationsbereitschaft, Forschungs- und Kooperations­fähigkeit. Solche professionel­len und progressiven Professo­ren brauchen wir, weil wir ja auch zu der dringend benötigten Universitätsreform nur dann kommen, wenn wir Professoren finden, die ihre eigene Universi­tät in diesem Sinne reformieren wollen.

PUZ: Das vorgesehene Konzept der Lehrerbildung kann doch

| wohl nicht allein von den Erzie­| hungswissenschaften getragen | werden. Ohne die Psychologie

dürfte es schwer zu realisieren sein. Wie sehen Sie dabei die Rolle der Psychologie?

Edelstein: Wie Sie bereits be­merkt haben, ist dieses Konzept in der Tat stark von der Psycho­logie beeinflußt. Wenn wir von Kognitionswissenschaft reden, dann ist dies eine psychologi­sche Disziplin. Ein wesentlicher Aspekt der beruflichen Ausbil­dung des Lehrers besteht ja dar­in, daß er sich analytisch mit Merkmalen und Eigenschaften des Schülers auseinandersetzt, mit dessen Handlungsregulatio­nen und Denkstrukturen. Dies sind psychologsiche Fragen. Unser Modell zeichnet sich da­durch aus, daß die Psychologie darin eine leitende, strukturie­rende und merkmalsgebende Funktion für die gesamte Leh­

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