WISSENSCHAFT
_„derBegriff der politischen Klasse 7 sich auflöst, weil er eigentlich die Eliten vieler Sektoren umfaßt, die sich den Terminus politisch verbitten würden“. Zur Auflösung der Konfusion schlug er letztlich vor, Pareto zu folgen, der die Frage der Begriffswahl ganz pragmatisch gelöst hatte:„Nennen wir Bes X“.
Zum Abschluß des ersten Panels, | welches den theoretischen Grund| legungen gewidmet war, gab Ursula Hoffmann-Lange einen Über| blick über die großen Elitenbefra| gungen, durchgeführt zwischen | 1968 und 1982. Sie kommt zu dem Schluß, daß dabei für die Untersuchung der Eliten Westdeutsch| lands ein sehr umfangreicher und detaillierter Katalog von Sozialindikatoren entstand. Ihren Hinweis, daß diese große Arbeit für den Ostteil Deutschlands noch bevor| stehe, griff Herzog auf, indem er den Wunsch äußerte, ein bedeutendes Projekt der Elitenforschung in den neuen Bundesländern durchzuführen.
| Wie notwendig dies ist, zeigte sich sodann im zweiten Panel. Unter der Federführung Dietrich Herzogs(FU Berlin) sollten dort Gemeinsamkeiten und Unterschiede des Elitenselbstverständnisses und traditionelle Werthaltungen der DDR-Eliten erörtert werden.
Diese Notwendigkeit erwächst:
aus der bisher gewonnenen Erkenntnis, daß sich die ostdeutschen Eliten sehr stark von den westdeutschen unterscheiden. Für | die Gruppe der Parlamentarier konnte Patzelt im Ergebnis einer Studie feststellen, daß die ParlaMentarier der neuen Bundesländer hinsichtlich ihres SelbstverständNisses, des Stiles ihrer Arbeit und der Integration in Netzwerke stark Von ihren westdeutschen Kollegen abweichen. Traditionelle Deutungsmuster greifen in den neuen Ländern eher schlecht als recht. Eine der Ursachen könnte sein, daß in diesem Teil Deutschlands die Strukturen Oben nach Unten Wachsen, gleichsam vom Kern weg. Durch das Fehlen eines entwickelten Vereins- und Verbändenetzes sind auch die KomMunikationsverbindungen zwiSchen politischem System und Basis noch sehr schwach ausgePrägt. Hier tut sich also ein weites
Feld zu gewinnender Erkenntnis auf.
Als Podiumsdiskussion unter Leitung Heinrich Oberreuters(Universität Passau) war zum Abschluß des Symposions das dritte Panel gedacht. Oberreuter, ehedem Gründungsdekan der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der TU Dresden, der Dresdener Journalist UweEckart Böttger, Lothar de Maizi@re und: der‘ Ingenieur‘; Ulrich Dietzsch aus dem Technologiezentrum Teltow folgten den Einladungen, um über ihre konkreten Erfahrungen mit den Transformationsprozessen in Ostdeutschland zu berichten. Ohne ihre Berichte an dieser Stelle näher ausführen zu können, bleibt zu resümieren, daß, wie in den vorangegangenen Podien auch, durch sie das Bild von den Chancen und Grenzen des Zusammenwachsens zweier unterschiedlicher Gruppen unter allen realen Sachzwängen und Machtverhältnissen gezeichnet wurde. Die berichteten Episoden boten insgesamt einen interessanten und dichten Stoff für sozialwissenschaftliche Überlegungen.
Die Atmosphäre dieses Symposions war wie das Klima in unserer Gesellschaft vornehmlich geprägt von den teilweise angestrengten Versuchen, keine östlichen oder westlichen Verletzbarkeiten anzutasten, so daß oft noch sehr stark der Austausch von Betroffenheiten und Befindlichkeiten im Vordergrund stand. Bleibt abschließend nur, der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, daß, wie die Veranstalter in Aussicht stellten, in fünf Jahren schon wesentliche Erkenntnisse über den Transformationsprozeß vorliegen. Und dies sogar im Ergebnis einer umfangreichen Elitenstudie unter maßgeblicher Beteiligung des sozialwissenschaftlichen Fachbereiches unserer Universität.
Wer Interesse an einem Mehr von Informationen und vermittelten Erkenntnissen aus diesem Symposion hat, der sei auf die von Prof. Bürklin herausgegebene Sammlung aller Diskussionsbeiträge verwiesen. Sie wird voraussichtlich im Verlaufe des Wintersemesters 1993/94 erscheinen.
Jörg Machatzke
Nr. 14/93— Seite 9
Selbstzeugnisse gesucht
Ingrid Edelberg, Dr. Veronika Siedt(r.)
Wissenschaftliche Abhandlungen und Publikationen über die Lebensweise der sogenannten einfachen Menschen gibt es nicht in großer Zahl, aber es gibt sie. Fast unberücksichtigt für die Forschung blieben bisher von Bauern, Handwerkern, Gesellen, Tagelöhnern, Mägden tagebuchähnlich verfaßte Schreibebücher, die Aufzeichnungen über Produktion und Bewirtschaftung, Arbeitsvorgänge, Einnahmen und Ausgaben, Wetterbeobachtungen, Familiennachrichten, Hausmittel für Mensch und Tier, Kriegsereignisse, Reisen, Bibelsprüche, örtliche Nachrichten, lokale soziale Konflikte u. a. über das tägliche Leben enthalten.
Auch Wirtschaftsbücher mit systematischen Eintragungen individuellen Charakters über haus- und betriebswirtschaftliche Belange sind bisher wenig ausgewertet worden. Selbstzeugnisse, wie Tagebücher, Notizbücher, Familienchroniken, Lebensbeschreibungen, Autobiographien, Wanderbücher, Schiffstagebücher, Schreibekalender, Hausbücher, Eintragungen auf Vorsatzblättern in Bibeln und Gesangbü
Foto: Eckardt
chern sind Schriftstücke, für die sich Ingrid Edelberg und Dr. Veronika Siedt im Rahmen des Projektes „Erfassung und Inventarisierung ländlicher Selbstzeugnisse in der Neuzeit(16.-19. Jahrhundert) im Land Brandenburg" interessieren. Dieses zweijährige Projekt— April 1992 bis März 1994— des Göttinger Max-Planck-Instituts für Geschichte ist der Arbeitsgruppe an der Universität Potsdam„Ostelbische Gutsherrschaft als sozialgeschichtliches Phänomen“ angeschlossen.
Ziel der umfangreichen Suche der Wissenschaftlerinnen in Archiven, Museen, Bibliotheken, bei Privatbesitzern sind Bestandsaufnahme und inhaltliche Inventarisierung in Regesten.
Sollten Sie im Besitz derartiger Selbstzeugnisse sein und diese den Mitarbeiterinnen zur Ansicht und Auswertung zur Verfügung stellen wollen, wenden Sie sich bitte an: Ingrid Edelberg oder Dr. Veronika Siedt, Projekt„Ländliche Selbstzeugnisse‘“
Universität Potsdam
Am Neuen Palais 10, 14469 Potsdam, Tel: 0331/9771763 B.E.
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