Heft 
(1.1.2019) 14
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WISSENSCHAFT

_derBegriff der politischen Klasse 7 sich auflöst, weil er eigentlich die Eliten vieler Sektoren umfaßt, die sich den Terminus politisch ver­bitten würden. Zur Auflösung der Konfusion schlug er letztlich vor, Pareto zu folgen, der die Frage der Begriffswahl ganz pragma­tisch gelöst hatte:Nennen wir Bes X.

Zum Abschluß des ersten Panels, | welches den theoretischen Grund­| legungen gewidmet war, gab Ur­sula Hoffmann-Lange einen Über­| blick über die großen Elitenbefra­| gungen, durchgeführt zwischen | 1968 und 1982. Sie kommt zu dem Schluß, daß dabei für die Untersu­chung der Eliten Westdeutsch­| lands ein sehr umfangreicher und detaillierter Katalog von Sozialin­dikatoren entstand. Ihren Hinweis, daß diese große Arbeit für den Ostteil Deutschlands noch bevor­| stehe, griff Herzog auf, indem er den Wunsch äußerte, ein bedeu­tendes Projekt der Elitenfor­schung in den neuen Bundeslän­dern durchzuführen.

| Wie notwendig dies ist, zeigte sich sodann im zweiten Panel. Unter der Federführung Dietrich Her­zogs(FU Berlin) sollten dort Ge­meinsamkeiten und Unterschiede des Elitenselbstverständnisses und traditionelle Werthaltungen der DDR-Eliten erörtert werden.

Diese Notwendigkeit erwächst:

aus der bisher gewonnenen Er­kenntnis, daß sich die ostdeut­schen Eliten sehr stark von den westdeutschen unterscheiden. Für | die Gruppe der Parlamentarier konnte Patzelt im Ergebnis einer Studie feststellen, daß die Parla­Mentarier der neuen Bundesländer hinsichtlich ihres Selbstverständ­Nisses, des Stiles ihrer Arbeit und der Integration in Netzwerke stark Von ihren westdeutschen Kollegen abweichen. Traditionelle Deu­tungsmuster greifen in den neuen Ländern eher schlecht als recht. Eine der Ursachen könnte sein, daß in diesem Teil Deutschlands die Strukturen Oben nach Unten Wachsen, gleichsam vom Kern weg. Durch das Fehlen eines entwickelten Vereins- und Ver­bändenetzes sind auch die Kom­Munikationsverbindungen zwi­Schen politischem System und Basis noch sehr schwach ausge­Prägt. Hier tut sich also ein weites

Feld zu gewinnender Erkenntnis auf.

Als Podiumsdiskussion unter Lei­tung Heinrich Oberreuters(Uni­versität Passau) war zum Ab­schluß des Symposions das dritte Panel gedacht. Oberreuter, ehe­dem Gründungsdekan der Gei­stes- und Sozialwissenschaft­lichen Fakultät der TU Dresden, der Dresdener Journalist Uwe­Eckart Böttger, Lothar de Maizi@­re und: der Ingenieur; Ulrich Dietzsch aus dem Technologie­zentrum Teltow folgten den Einla­dungen, um über ihre konkreten Erfahrungen mit den Transforma­tionsprozessen in Ostdeutschland zu berichten. Ohne ihre Berichte an dieser Stelle näher ausführen zu können, bleibt zu resümieren, daß, wie in den vorangegangenen Po­dien auch, durch sie das Bild von den Chancen und Grenzen des Zu­sammenwachsens zweier unter­schiedlicher Gruppen unter allen realen Sachzwängen und Macht­verhältnissen gezeichnet wurde. Die berichteten Episoden boten insgesamt einen interessanten und dichten Stoff für sozialwissen­schaftliche Überlegungen.

Die Atmosphäre dieses Sympo­sions war wie das Klima in unserer Gesellschaft vornehmlich geprägt von den teilweise angestrengten Versuchen, keine östlichen oder westlichen Verletzbarkeiten anzu­tasten, so daß oft noch sehr stark der Austausch von Betroffenhei­ten und Befindlichkeiten im Vor­dergrund stand. Bleibt abschlie­ßend nur, der Hoffnung Ausdruck zu verleihen, daß, wie die Veran­stalter in Aussicht stellten, in fünf Jahren schon wesentliche Er­kenntnisse über den Transforma­tionsprozeß vorliegen. Und dies sogar im Ergebnis einer umfang­reichen Elitenstudie unter maß­geblicher Beteiligung des sozial­wissenschaftlichen Fachbereiches unserer Universität.

Wer Interesse an einem Mehr von Informationen und vermittelten Erkenntnissen aus diesem Sympo­sion hat, der sei auf die von Prof. Bürklin herausgegebene Samm­lung aller Diskussionsbeiträge verwiesen. Sie wird voraussicht­lich im Verlaufe des Winterseme­sters 1993/94 erscheinen.

Jörg Machatzke

Nr. 14/93 Seite 9

Selbstzeugnisse gesucht

Ingrid Edelberg, Dr. Veronika Siedt(r.)

Wissenschaftliche Abhandlungen und Publikationen über die Lebens­weise der sogenannten einfachen Menschen gibt es nicht in großer Zahl, aber es gibt sie. Fast unberück­sichtigt für die Forschung blieben bisher von Bauern, Handwerkern, Gesellen, Tagelöhnern, Mägden ta­gebuchähnlich verfaßte Schreibe­bücher, die Aufzeichnungen über Produktion und Bewirtschaftung, Arbeitsvorgänge, Einnahmen und Ausgaben, Wetterbeobachtungen, Familiennachrichten, Hausmittel für Mensch und Tier, Kriegsereig­nisse, Reisen, Bibelsprüche, örtli­che Nachrichten, lokale soziale Konflikte u. a. über das tägliche Leben enthalten.

Auch Wirtschaftsbücher mit syste­matischen Eintragungen individuel­len Charakters über haus- und be­triebswirtschaftliche Belange sind bisher wenig ausgewertet worden. Selbstzeugnisse, wie Tagebücher, Notizbücher, Familienchroniken, Lebensbeschreibungen, Autobio­graphien, Wanderbücher, Schiffsta­gebücher, Schreibekalender, Haus­bücher, Eintragungen auf Vorsatz­blättern in Bibeln und Gesangbü­

Foto: Eckardt

chern sind Schriftstücke, für die sich Ingrid Edelberg und Dr. Veroni­ka Siedt im Rahmen des Projektes Erfassung und Inventarisierung ländlicher Selbstzeugnisse in der Neuzeit(16.-19. Jahrhundert) im Land Brandenburg" interessieren. Dieses zweijährige Projekt April 1992 bis März 1994 des Göttinger Max-Planck-Instituts für Geschich­te ist der Arbeitsgruppe an der Uni­versität PotsdamOstelbische Guts­herrschaft als sozialgeschichtliches Phänomen angeschlossen.

Ziel der umfangreichen Suche der Wissenschaftlerinnen in Archiven, Museen, Bibliotheken, bei Privatbe­sitzern sind Bestandsaufnahme und inhaltliche Inventarisierung in Re­gesten.

Sollten Sie im Besitz derartiger Selbstzeugnisse sein und diese den Mitarbeiterinnen zur Ansicht und Auswertung zur Verfügung stellen wollen, wenden Sie sich bitte an: Ingrid Edelberg oder Dr. Veronika Siedt, ProjektLändliche Selbst­zeugnisse

Universität Potsdam

Am Neuen Palais 10, 14469 Pots­dam, Tel: 0331/9771763 B.E.

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