Nr. 14/93— Seite 14
SOZIALES
Schließung der Kindertagesstätte auf dem Universitätsgelände in Golm zum 31.12.1993
Eigentlich hieß es im Juli, das Kündigungsschreiben für die Erzieher habe im Prinzip nur formalen Charakter, da die Einrichtung ab 1.1.1994 nur in die Trägerschaft der Arbeiterwohlfahrt wechselt. Also keine Beunruhigung für Erzieher, Eltern und Kinder. Nun ist aber nach umfangreichen Bemühungen innerhalb von wenigen Wochen eine völlig andere Entscheidung gefallen, eine endgültige, eine negative! Wie kam es dazu? Die Verhandlungspartner des Studentenwerkes, Frau Bänsch und Frau Nießner, haben den Eltern am 23.9.1993 alle Verhandlungsschritte bis zum Beschluß der Schließung verdeutlicht und vielfältige Fragen beantwortet. Die Finanzierung unserer Kindereinrichtung lief offiziell bereits am 31.3.1993 aus. Die Fortführung bis zum Jahresende wurde möglich durch die Zustimmung des Verwaltungsrates, durch Eltern- und Semesterbeiträge. Ab 1.1.1994 stehen dem Studentenwerk für die Bewirtschaftung keine Mittel mehr
zur Verfügung. Eine wie ursprünglich vorgesehene Übernahme der Einrichtung durch die Arbeiterwohlfahrt wurde zurückgezogen, da sie sich für vier andere Kindertagesstätten in Potsdam entschieden hat.
Obwohl es im Mai noch sehr erfolgversprechend aussah, die Uni wollte die Räume kostenfrei zur Verfügung stellen und zusätzliche Betriebskosten übernehmen, mangelt es nun doch noch an umfangreichen Beträgen. Das Kitagesetz besagt, daß 70% der Kosten vom Land getragen werden müssen. Die restlichen 30% zuzüglich Personalund Sachkosten können beim besten Willen nicht durch Elternbeiträge erbracht werden. Der Bürgermeister der Kommune Golm, der eine weitere Kindertagesstätte im Ort bewirtschaftet, hat keine zusätzlichen Mittel. Seine Erzieher arbeiten für 60% des ihnen zustehenden Gehalts. Sponsoren hat das STW nicht gefunden, die über Jahre mitfinanzieren. Seit April wurden die Eltern in die Existenz
probleme der Kindereinrichtung miteinbezogen. Am 14.9.1993 tagte ein letztes Mal der Verwaltungsrat mit den Vertretern des STW, und man sah sich gezwungen, diesen endgültigen Beschluß zu fassen. Welche Umsetzungsmöglichkeiten für die 60 Kinder wurden angeboten? Es sind Kinder aus den Einzugsbereichen Golm, Eiche, Potsdam, Priort und Grube. Alle Kinder aus Golm(34) sollen von der Einrichtung der Kommune Golm übernommen werden. Erste Einwände von den Eltern wurden zugleich kundgetan(ein unsanierter Müllplatz im Umfeld; Qualifikation der Erzieher; laut Kitagesetz vorgeschriebene Bewegungs- und Spielflächen fraglich). Natürlich stellt sich den Betroffenen die Frage, wenn die Dringlichkeit einer neuen Kindertagesstätte für Ende 1994 steht, wie und wo sollen dann weitere 34 Kinder untergebracht und betreut werden? Vielleicht macht es die Dringlichkeit dann noch dringender! Wäre es nicht sinnvoller gewesen, die Kinder
der Kommune Golm bis zur Fertigstellung der neuen Einrichtung in der Tagesstätte der Universität zu betreuen und hier die vorhandenen Mittel zuzusteuern? Es wären die besten Bedingungen für alle Kinder. Die Kinder von Eiche und Potsdam (24) könnten die Tagesstätte in der Geschwister-Scholl-Str. oder andere in Potsdam nutzen. Mit Sicherheit ist der Zeitaufwand für die Eltern wesentlich höher. Die Kinder aus Grube und Priort sollen wahrscheinlich nach Töplitz gebracht werden.
Es ist sehr bedauerlich, daß die Bemühungen des STW um diese Einrichtung seit 1992 erfolglos waren, die Universität nicht alleiniger Träger einer Kindereinrichtung sein kann und somit eine beispielhafte Kindertagesstätte, qualifizierte Erzieher und liebevoll umsorgte Kinder einfach aus dem Umfeld unserer sich neustrukturierenden Universität Potsdam verschwinden.
Anne Baumann Gleichstellungsrat
UniModelContest
Zwölf Studentinnen und acht Studenten aus Berlin und Potsdam stellten sich am 9. Oktober beim ersten UniModelContest einer Fachjury. Unter ihnen Julia Schulze(19) und Hartmut Breuer(27) von der Universität Potsdam. Sie studiert Geographie und Geschichte, er promoviert im Bereich Rechtswissen
schaft.
Foto: Manuel Kranert
Tendenzschutz für wissenschaftliche Mitarbeiter
Am 2. September hat der Landtag ein Landespersonalvertrelungsgesetz verabschiedet. Trotz der 10 000 Unterschriften gegen den Regierungsentwurf wurde aus tagespolitischen Gründen— wie Ausschaltung der„störenden“ Mitbestimmung der Personalräte bei der Umstrukturierung der Verwaltungen des Landes und der Kommunen— die große Chance vergeben, ein modernes—Landespersonalvertretungsgesetz für Brandenburg in Kraft zu setzen.
Wie auch im alten Personalvertretungsgesetz gilt für Mitarbeiter mit vorwiegend wissenschaftlicher oder Kkünstlerischer Tätigkeit, daß an Angele
genheiten, die Sie betreffen, der Personalrat nur mitwirkt, wenn Sie einen Antrag auf Beteiligung des Personalrates stellen. Da der alte Antrag aus dem Jahre 1991 gegenstandslos geworden ist, müssen alle, die das wünschen, diesen neuen Antrag stellen. Der Personalrat hat Vordrucke erarbeitet. Sie wurden an die uns bekannten Mitarbeiter versandt. Das Personaldezernat war nicht in der Lage, uns aktuelle Listen der wissenschaftlichen Mitarbeiter zur Verfügung zu stellen. Wer einen solchen Vordruck deshalb nicht erhält, wird gebeten, im Personalrat nachzufragen.
F. Albrecht