Nr. 16/93— Seite 8
FREMDSPRACHENAUSBILDUNG
Die Pragmatik akademischen Fremdsprachenunterrichts(am Beispiel des Russischen als Sprache im Wertewandel)— so lautete das Thema des am 4. und 5. Oktober im Fachbereich Slavistik durchgeführten Kolloquiums von Russisten ost- und westdeutscher Hochschulen, getragen von Vertretern der Sprachlehrforschung und der Angewandten Linguistik unter der koordinierenden Leitung von Herrn Prof. Dr. habil. Scharf(Leipzig). An dem diesjährigen Rundtischgespräch beteiligten sich neben Wissenschaftlern der Hochschuleinrichtungen in Leipzig, Bochum, Potsdam, Berlin, Dresden, Halle, Hamburg, Würzburg und Rostock ebenfalls Slavisten aus Rußland sowie der Tschechischen Republik und der Slowakischen Republik.
Im Zentrum‘der Diskussion standen aktuelle Fragen und Probleme zur Stellung und Profilierung des akademischen Russischunterrichts.
Die Referate reflektierten über grundsätzliche hochschul-, wissenschafts- und sprachpolitische Probleme des akademischen Russischunterrichts in Magister- und Lehramtsstudiengängen.
Interessante Vorträge wurden darüber hinaus zu Aspekten des literatur-, kultur- und sprachwissenschaftsbezogenen universitären Russischunterrichts sowie zur philologischen und nichtphilologischen Fremdsprachenausbildung gehalten.
Das umfangreiche und vielseitige Themenangebot der wissenschaftlichen Beiträge verlieh den sich jeweils anschließenden Diskussionen wertvolle Impulse.
Im gemeinsamen Erfahrungsaustausch wurden neue pragmatische Ansätze und Konzepte
für den akademischen Russischunterricht erörtert und daraus resultierende Konsequenzen für Forschung und Lehre abgeleitet.
Die Sprachausbildung Russisch soll künftig an Hochschulen über modulare Angebote erfolgen, wobei eine Polykompatibilität der einzelnen Module angestrebt wird.
Durch die unterschiedliche Kombination derartiger modularer Angebote sollten adressatenspezifische Russisch-Studiengänge geschaffen werden, deren Ziel die Entwicklung unterschiedlicher sprachlich- bzw. kulturellkommunikativer Kompetenzen ist.
In diesem Zusammenhang wurde auf dem Kolloquium bereits Geleistetes, beispielsweise auf dem Gebiet der Lehrmittelforschung, bilanziert.
Es läßt sich tendenziell feststellen, daß die Potenzen computergestützten Selbstunterrichts bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind und neue Möglichkeiten der Vermittlung der russischen Sprache mit Hilfe einer modernen Wissens- und Datenbasis erschlossen werden müssen. Zu diesem speziellen Forschungsvorhaben wurden während des Kolloquiums weiterführende Überlegungen bezüglich seines integrativen Charakters geäuBert. Attraktive Sprachkurse für Philologen wie für Nichtphilologen sollten durch computergestützten Selbstunterricht komplettiert und somit effektiviert werden, wofür sich besonders Herr Prof. Dr. habil. Denninghaus(Universität Bochum) in seinem Referat und seinen Diskussionsbeiträgen einsetzt. Es zeichnet sich weiterhin deutlich die Tendenz einer verstärkt notwendigen_fachsprachlich orientierten universitären Ausbildung für Philologen wie für
Nichtphilologen ab. Wenn man bedenkt, daß künftig sprachlich-kulturelle Experten für die
Gemeinschaft Unabhängiger Staaten(GUS) auf wirtschaftlichem, kaufmännischem, publizistischen und anderen Gebieten arbeiten werden, so muß die Sprachausbildung diesen berufsorientierten Anforderungen Rechnung tragen. In der Philologieausbildung muß sich dies in einem breiteren Angebot an Fachsprachenkursen, wie zum Beispiel zur russischen Handelskorrespondenz, zur Wirtschafts- und Rechtssprache, zu soziokulturellen Aspekten etc., niederschlagen. Erste Erfahrungen zu speziellen und modernen Fachsprachenkursen sowie Methoden der Vermittlung von Fachsprache konnten von Vertretern der Universität Potsdam von Herrn Prof. Dr. habil. Schlegel, Frau Dr. Flischikowski und Frau Dr. Berger in die Diskussion gebracht werden.
Großes Interesse rief auch die Diskussion über den Platz der literatur-, kultur- und landeskundebezogenen Sprachausbildung hervor. Zur Erhöhung der sprachlich-kulturellen Kompetenz der Studierenden ist die Entwicklung verschiedener modularer Angebote an lektürebzw. kultur- und landeskundebezogenen Sprachkursen eine dringende Aufgabe. Dabei sollten bereits gewonnene Erkenntnisse aus der Aufstellung von
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Prinzipien und der Schaffung von Mustern für die Präsentation derartiger Module in Lehrmaterialien(z. B. Lesehefte) verarbeitet werden.
Schließlich und nicht zuletzt sind in diesem Zusammenhang die auf dem Kolloquium angesprochenen Forschungsvorhaben zu Texteigenschaften und Textwissen zu nennen, deren Ergebnisse in den einzelnen Modulen für Rezipierungsprozesse genutzt werden sollten. Ebenso nennenswert im Zusammenhang mit system- und kommunikationslinguistischen Fragen ist der von Dr. habil. Serowy(Universität Potsdam) gehaltene Vortrag zu einem sprachhandlungstheoretisch determinierten Neuansatz der Erklärung des Aspektgebrauchs. Zum Gelingen der wissenschaftlichen Veranstaltung trug auch die vom Verlag Volk und Welt und dem Langenscheidt Verlag durchgeführte Bücherausstellung auf der 2. Etage im Foyer des Hauses 14 im Universitätskomplex II bei.
Dank gilt der Deutschen Forschungsgemeinschaft, die das Kolloquium finanziell unterstützte sowie Mitarbeitern und Studenten ‚des Fachbereiches Slavistik für die Organisation des‘ Kolloquiums und die Betreuung der Gäste.
Dr. Kerstin Berger FB Slavistik
W. SCHAUSS POTSDAM
Inh. Wolfgang Dehmel Staatl. Gepr. Augenoptiker Brandenburger Str. 10
3 21793