Heft 
(1.1.2019) 16
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Nr. 16/93 Seite 8

FREMDSPRACHENAUSBILDUNG

Die Pragmatik akademischen Fremdsprachenunterrichts(am Beispiel des Russischen als Sprache im Wertewandel) so lautete das Thema des am 4. und 5. Oktober im Fachbereich Sla­vistik durchgeführten Kolloqui­ums von Russisten ost- und westdeutscher Hochschulen, getragen von Vertretern der Sprachlehrforschung und der Angewandten Linguistik unter der koordinierenden Leitung von Herrn Prof. Dr. habil. Scharf(Leipzig). An dem dies­jährigen Rundtischgespräch be­teiligten sich neben Wissen­schaftlern der Hochschulein­richtungen in Leipzig, Bochum, Potsdam, Berlin, Dresden, Hal­le, Hamburg, Würzburg und Rostock ebenfalls Slavisten aus Rußland sowie der Tschechi­schen Republik und der Slowa­kischen Republik.

Im Zentrumder Diskussion standen aktuelle Fragen und Probleme zur Stellung und Pro­filierung des akademischen Russischunterrichts.

Die Referate reflektierten über grundsätzliche hochschul-, wis­senschafts- und sprachpoliti­sche Probleme des akademi­schen Russischunterrichts in Magister- und Lehramtsstudi­engängen.

Interessante Vorträge wurden darüber hinaus zu Aspekten des literatur-, kultur- und sprach­wissenschaftsbezogenen uni­versitären Russischunterrichts sowie zur philologischen und nichtphilologischen Fremdspra­chenausbildung gehalten.

Das umfangreiche und vielseiti­ge Themenangebot der wissen­schaftlichen Beiträge verlieh den sich jeweils anschließenden Diskussionen wertvolle Impul­se.

Im gemeinsamen Erfahrungs­austausch wurden neue pragma­tische Ansätze und Konzepte

für den akademischen Rus­sischunterricht erörtert und dar­aus resultierende Konsequen­zen für Forschung und Lehre abgeleitet.

Die Sprachausbildung Russisch soll künftig an Hochschulen über modulare Angebote erfol­gen, wobei eine Polykompatibi­lität der einzelnen Module an­gestrebt wird.

Durch die unterschiedliche Kombination derartiger modu­larer Angebote sollten adressa­tenspezifische Russisch-Studi­engänge geschaffen werden, deren Ziel die Entwicklung un­terschiedlicher sprachlich- bzw. kulturellkommunikativer Kom­petenzen ist.

In diesem Zusammenhang wur­de auf dem Kolloquium bereits Geleistetes, beispielsweise auf dem Gebiet der Lehrmittelfor­schung, bilanziert.

Es läßt sich tendenziell feststel­len, daß die Potenzen computer­gestützten Selbstunterrichts bei weitem noch nicht ausgeschöpft sind und neue Möglichkeiten der Vermittlung der russischen Sprache mit Hilfe einer moder­nen Wissens- und Datenbasis erschlossen werden müssen. Zu diesem speziellen Forschungs­vorhaben wurden während des Kolloquiums weiterführende Überlegungen bezüglich seines integrativen Charakters geäu­Bert. Attraktive Sprachkurse für Philologen wie für Nichtphilo­logen sollten durch computer­gestützten Selbstunterricht komplettiert und somit effekti­viert werden, wofür sich beson­ders Herr Prof. Dr. habil. Den­ninghaus(Universität Bochum) in seinem Referat und seinen Diskussionsbeiträgen einsetzt. Es zeichnet sich weiterhin deut­lich die Tendenz einer verstärkt notwendigen_fachsprachlich orientierten universitären Aus­bildung für Philologen wie für

Nichtphilologen ab. Wenn man bedenkt, daß künftig sprach­lich-kulturelle Experten für die

Gemeinschaft Unabhängiger Staaten(GUS) auf wirtschaftli­chem, kaufmännischem, publi­zistischen und anderen Gebie­ten arbeiten werden, so muß die Sprachausbildung diesen be­rufsorientierten Anforderungen Rechnung tragen. In der Philo­logieausbildung muß sich dies in einem breiteren Angebot an Fachsprachenkursen, wie zum Beispiel zur russischen Han­delskorrespondenz, zur Wirt­schafts- und Rechtssprache, zu soziokulturellen Aspekten etc., niederschlagen. Erste Erfahrun­gen zu speziellen und modernen Fachsprachenkursen sowie Me­thoden der Vermittlung von Fachsprache konnten von Ver­tretern der Universität Potsdam von Herrn Prof. Dr. habil. Schlegel, Frau Dr. Flischikow­ski und Frau Dr. Berger in die Diskussion gebracht werden.

Großes Interesse rief auch die Diskussion über den Platz der literatur-, kultur- und landes­kundebezogenen Sprachausbil­dung hervor. Zur Erhöhung der sprachlich-kulturellen Kompe­tenz der Studierenden ist die Entwicklung verschiedener mo­dularer Angebote an lektüre­bzw. kultur- und landeskunde­bezogenen Sprachkursen eine dringende Aufgabe. Dabei soll­ten bereits gewonnene Erkennt­nisse aus der Aufstellung von

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Prinzipien und der Schaffung von Mustern für die Präsenta­tion derartiger Module in Lehr­materialien(z. B. Lesehefte) verarbeitet werden.

Schließlich und nicht zuletzt sind in diesem Zusammenhang die auf dem Kolloquium ange­sprochenen Forschungsvorha­ben zu Texteigenschaften und Textwissen zu nennen, deren Ergebnisse in den einzelnen Modulen für Rezipierungspro­zesse genutzt werden sollten. Ebenso nennenswert im Zusam­menhang mit system- und kom­munikationslinguistischen Fra­gen ist der von Dr. habil. Se­rowy(Universität Potsdam) ge­haltene Vortrag zu einem sprachhandlungstheoretisch de­terminierten Neuansatz der Er­klärung des Aspektgebrauchs. Zum Gelingen der wissen­schaftlichen Veranstaltung trug auch die vom Verlag Volk und Welt und dem Langenscheidt Verlag durchgeführte Bücher­ausstellung auf der 2. Etage im Foyer des Hauses 14 im Univer­sitätskomplex II bei.

Dank gilt der Deutschen For­schungsgemeinschaft, die das Kolloquium finanziell unter­stützte sowie Mitarbeitern und Studenten ‚des Fachbereiches Slavistik für die Organisation des Kolloquiums und die Be­treuung der Gäste.

Dr. Kerstin Berger FB Slavistik

W. SCHAUSS POTSDAM

Inh. Wolfgang Dehmel Staatl. Gepr. Augenoptiker Brandenburger Str. 10

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