Heft 
(1.1.2019) 16
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Nr. 16/93 Seite 10

AUSSTELLUNG

Das Buch als Symbol geistiger Werte an sich.

AusstellungWider den deutschen Geist am 27. Oktober eröffnet

PZ: Was bewog Sie, die Zeit des Faschismus nicht erle­bend, sich dem Thema Bü­gg cCcherverbrennung künstle­- risch zu nähern? ı| W. V.: Das Thema hat sich aus meiner Arbeit heraus entwik­i kelt, die mit Büchern zu tun hat. 7 Ich verwende sie als Symbol für geistige Werte. Mit Hilfe dieser Bücher, die ich dementspre­chend bearbeite, also auch zer­störe, versuche ich die Ohn­macht unseres Geisteslebens darzustellen. Womit ich meine, daß das Geistesleben, so wie es sich zur Zeit darstellt, keine Antwort auf die großen Fragen unserer Zeit weiß. Was sicher zu tun hat mit der Abhängigkeit, in der es sich befindet; Abhän­gigkeit von staatlich-bürokrati­schen Dingen einerseits und na­türlich wirtschaftlichen auf der anderen Seite. Dementspre­chend ist eine Forderung, die aus meiner Arbeit resultiert, die Unabhängigkeit, die Autono­mie ‚des Geisteslebens..Das spiegelt sich nicht so sehr in die­ser Ausstellung wider. Sie be­handelt ein konkret-historisches Thema. So ist der Zusammen­hang natürlich da, weil ich über den konkreten Anlaß von 1933 hinausschaue, als eine Mah­nung gegen jeden Verstoß ge­gen die freie Meinungsäuße­rung. Ich bin grundsätzlich ge­j gen Zensur jeglicher Art. | Heine hat ja den Bezug heraus­gestellt vom Verbrennen der Bücher zum Verbrennen der Leichen. Dieses Phänomen wird bis heute auf erschrecken­de Weise immer noch sichtbar. Ich erinnere nur an den Fall in der Türkei vor einiger Zeit, wo man daran ging, die Intellektu­ellen zu vernichten. Als Künst­ler muß mir natürlich immer daran gelegen sein, das versteht sich fast von selbst, daß ich mich um die Freiheit bemühe. Der Aachener Künstler Wolfgang Vincke stellt seine Werke in Insofern ist meine Arbeit ein der Universität Potsdam aus. Foto: Eckardt stetiges Kämpfen darum.

PUZ: Das ist eine Vision von Ihnen?

W. V.: Natürlich ist das eine Vision. Es ist ein sehr komple­xes, differenziert zu betrachten­des Thema, es heute zu analy­sieren, ist verdammt schwierig. Wir haben natürlich ein großes Maß an freier Meinungsäuße­rung, nur inwieweit die Mei­nung noch frei sein kann auf Grund der Manipulation durch die Medien, ist ein anderes The­ma, das sich auch grundsätzlich in meinen anderen Arbeiten wi­derspiegelt, also die Beeinflus­sung durch das kapitalistische System.

PUZ: Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihren Arbeiten, was wollen Sie erreichen bei den Rezipienten? Sind Sie mit Ih­rer Ausstellung z. B. bewußt an eine Universität gegangen? W. V.: Es hat sich aus der Ver­mittlungsarbeit des Kulturmini­steriums ergeben. Ich bin gern an Universitäten. Ich bin auch in Aachen zunächst an die Uni­versität gegangen, das hat aber mit dem historischen Beispiel zu tun. Diese Entwicklung der Bücherverbrennung ist von den Studenten, insbesondere von Germanistik-Studenten, ausge­gangen. Ich bin deshalb gern an den Universitäten, weil ich sehe, wie die Geisteswissen­schaften zu leiden haben. Sie werden an den Rand gedrängt, sie müssen um das Überleben kämpfen.

Es ist ehrlich gesagt nicht so sehr mein Ziel, vielleicht etwas resignativ und ich bin auch Pes­simist, etwas zu erreichen. Ich mache es eigentlich mehr nach der Devise Schopenhauers, um meines eigenen ethischen An­spruchs willen. Man muß es ge­sagt, darauf hingewiesen haben. Das ist für mich wichtig. Ich weiß von den jungen Leuten heute, daß die Thematik Fa­schismus so behandelt wird, daß es sie gar nicht mehr inter­