Heft 
(1.1.2019) 18
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ALLGEMEINE SPRACHWISSENSCHAFT

nicht isoliert nebeneinander be­stehen, sondern theoretisch und methodisch miteinander ver­zahnt sind; d. h., die fünf ange­führten zentralen Fragen kön­nen nicht unabhängig voneinan­der beantwortet werden.

Nicht unwesentlich ist die Fra­ge, ob es einen Anwendungsbe­zug der kognitiven Linguistik gibt. Ich möchte hier drei rele­vante Bereiche nennen: Die Softwareentwicklung zur ma­schinellen Sprachverarbeitung und automatischen Überset­zung, die Sprachtherapie und den Fremdsprachenunterricht. Die Erstellung und Pflege sprachverstehender und auto­matisch übersetzender maschi­neller Systeme ist zu einem wichtigen Zweig der Computer­und Softwareindustrie gewor­den. Als Computerlinguisten ausgebildete Sprachwissen­schaftler haben daher gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

Durch das steigende Durch­schnittsalter unserer Bevölke­rung bei gleichzeitig steigender Zahl von Infarkten wie auch durch zunehmende Verkehrs­und Sportunfälle wächst die Anzahl solcher Patienten stän­dig, die durch eine Beeinträchti­gung des Gehirns an Sprachstö­rungen leiden. Daher ergibt sich für Patholinguisten, die in den Bereichen theoretische Lingui­stik, Neurolinguistik und Sprachverarbeitungsforschung in Verbindung mit Sprachheil­pädagogik ausgebildet sind, mit Diagnostik und Therapie von medizinisch bedingten Sprach­störungen ein weites Arbeits­feld. Und schließlich entsteht in einem Europa, das politisch zur Einheit wird, jedoch seine sprachliche Vielfalt erhält, ein großer Bedarf an professionel­len Sprachlehrern, deren Quali­tät erheblich steigt, wenn sie nicht nach traditionellen Metho­den, sondern unter Berücksich­tigung neuerer Einsichten auf dem Gebiet der Psycholingui­stik ausgebildet wurden.

Wie ist die kognitive Linguistik in Potsdam institutionalisiert? Das im Sinne einer kognitions­

wissenschaftlichen Orientie­rung modifizierte Konzept für

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das Fach umfaßt nunmehr 4 Be­reiche:

1. Grammatiktheorie Syntaxtheorie/Theoreti­sche Morphologie Semantiktheorie/Theorie des Lexikons Phonetik/Phonologie

2. Synchroner und diachro­ner Sprachvergleich Sprachtypologie

Grammatik

3. Computerlinguistik

Formale Sprachen Maschinelle Grammatik­und Semantikverarbei­tung Die Computerlinguistik ist hin­zugekommen.

4. Psycho- und Neurolingui­stik Spracherwerb Patholinguistik Sprachverarbeitung Die Psycholinguistik ist durch die Neuro- und die Patholingui­stik erweitert worden(die Stu­diengänge s. Tabelle).

Hervorhebung verdient, daß die Studiengänge Patholinguistik in der hier konzipierten Form in Deutschland bislang einzigartig sind. Sie sind nicht vom Grün­dungssenat, sondern von Herrn Prof. Dr. Gisbert Fanselow ent­

wickelt worden, der seit einiger

Zeit in Potsdam eine Professur Allgemeine

Grammatiktheorie: Morphologie innehat.

Hinsichtlich der Besetzung der|®

fünf vorgesehenen C4-Profes­

suren stellt sich die Lage derzeit| P'

Sprachwissen-| schaft mit dem Schwerpunkt| Syntax/ Am

Studiengänge kognitive Linguistik

X X X X X X X X X

Vorgesehen ist ferner ein Aufbaustudiengang Patholinguistik. Genehmigt sind bislang die Magisterstudiengänge Allgemeine und Theoretische Lingusitik, Computerlinguistik und Patholin­guistik..

Allgemeine und Theoretische Linguistik

Computerlinguistik

Patholinguistik

Historisch-vergleichende

Die angeführten Studiengänge können mit folgenden Schwer­punkten studiert werden:

Studiengang Allgemeine und Studiengang Computerlingui­Theoretische Linguistik stik

mögliche Schwerpunkte: Theoretische Computerlingui­

mögliche Schwerpunkte: Theoretische Linguistik

Psycholinguistik stik Computerlinguistik Maschinelle Grammatikanalyse Kommunikation Semantik und Wissensrepräsen­

Historische Linguistik tation

Linguistik: Studiengang Patholinguistik AS yniax, MOTpHOIGEI,"Lex (Neurolinguistik) KonMeonie

Semantik, Pragmatik, Lexi­mögliche Schwerpunkte: kontheorie

Experimentelle Neurolinguistik Phonetik, Phonologie, Sprach­erwerb, Sprachverarbeitung

Sprachstörungen Sprachentwicklungsstörungen

so dar, daß eine Professur be- Mil.

setzt ist, für zwei Professuren

der Ruf erteilt wurde und die m

zwei anderen Verfahren laufen. Die geplanten 5 C3-Professuren

sollen nach einem Stufenplan

ausgeschrieben werden.

Man kann guten Gewissens da­von ausgehen, daß für die Ko­gnitive Linguistik in Potsdam in Forschung und Lehre der Bo­den gut bestellt ist. Ich wünsche ihr einen guten Anfang und eine erfolgreiche Entwicklung, nicht zuletzt im Sinne des genius loci, Wilhelm von Humboldts.

Gisa Rauh

W. SCHAUSS POTSDAM

Inh. Wolfgang Dehmel Staatl. Gepr. Augenoptiker Brandenburger Str. 10 m 21793