REZENSION
Nr. 18/93— Seite 13
REZENSION
Wilhelm Bürklin:„Die vier kleinen Tiger“ _ Die pazifische Herausforderung Hongkong, Singapur, Taiwan, Südkorea Wirtschaftsverlag Langen Müller/Herbig 1993
Zweifelsohne dürfte es zum Grundwissen vieler Bürger zählen, daß sich im pazifischen Raum außergewöhnliche ökonomische Prozesse vollziehen und dies im Gegensatz zur wirtschaftlichen Situation in den anderen geographischen Zonen der Welt, auch in Deutschland. Und dabei ist es nicht nur Japan, das als Sonderfall, in gewisser Weise als Unikum der Geschichte, betrachtet wird. Zunehmende Aufmerksamkeit erlangen die sogenannten„Vier Kleinen Tiger‘, wobei auch andere Länder, z. B. Thailand oder Vietnam, an das Tor dieses exklusiven Kreises klopfen.
Die„Tiger“ können schon seit Jahrzehnten auf eine ökonomische Entwicklung verweisen, die sich heute mit dem ökonomischen Standard hochentwikkelter Industriestaaten messen kann. Im Durchschnitt erreichen diese Länder in den letzten Jahren Wachstumsraten von ca. 10%, verfügen über eine ausgeglichene, wenn nicht sogar positive Handlungsbilanz, weisen liquide Finanzen und einen respektablen Stand von Wissenschaft und Technik auf.
Völlig zu Recht stellt somit der Autor, Lehrstuhlinhaber an der Universität Potsdam, grundsätzlich die Frage nach einer pazifischen Herausforderung, Wwobei überhaupt das Fragestellen eine Stärke und ein Vorzug des Buches ist.
Zwei Problemkreise sind es vor allem, denen sich der Autor widmet: der Ursache einer solchen Entwicklung und dem Grad ihrer Verallgemeinerung. Das Buch gibt überzeugende Antworten und ist in einer leserfreundlichen, verständlichen Weise geschrieben, ohne etwa die Anforderungen an eine solide wissenschaftliche Analyse zu verletzen. Dies verdient Hervorhebung, handelt es sich doch u. a. um eine ferne geographische Zone.
Der Autor trifft einleitend und abschließend übergreifende und verallgemeinernde Aussagen; den größten Teil seiner Ausführungen widmet er einzelnen Ländern(jeweils ca. 50 Seiten). Das vielfältige Material erfährt eine historische Aufarbeitung, die das notwendige Wissen über die wechselvollen Abläufe und Besonderheiten dieser Länder vermittelt. Komprimierte Darlegungen und kurze Passagen, verbunden mit extraktiven Zwischenüberschriften, erhöhen die Lesbarkeit des Buches. Tabellen und Grafiken tragen zur Anschaulichkeit der Ausführungen bei.
Die methodische Grundprämisse des Autors, über das Aufzeigen der konkreten Entwicklungswege der„Vier Kleinen Tiger“ das Charakteristische ihres Wirtschaftssystems aufzudecken, hat unbestreitbar die Logik und Verständlichkeit der
Aussagen gefördert. Dem dient auch die Einbettung der ökonomischen Prozesse in die gesamtgesellschaftlichen Zusammenhänge, insbesondere die Wertigkeit von Politik und mentalem Verhalten. Die eingangs(S. 14) formulierte Hypothese, daß das wirtschaftliche Erfolgsmodell der„Vier Kleinen Tiger“ zum größten Teil politische Ursachen hat, findet in den nachfolgenden Analysen ausdrückliche Bestätigung und dürfte wohl eine Hauptaussage des Buches sein. Da der Autor das ‚,Politische‘“ als äußeres strategisches Verhalten und als unterschiedliche Form direkter oder indirekter Einmischung, Regulierung oder Beteiligung des Staates in der Wirtschaft sieht, stößt seine wiederholt formulierte These von der freiheitlichen und demokratischen Wirtschafts- und KEigentumsordnung als eigentlich bestimmendem Faktor des Erfolges(z. B. S. 214) auf gewisse Verwunderung beim Rezensenten. Bejaht der Autor die Vielfalt und auch die Unterschiedlichkeit der historischen Ausgangspunkte und nachfolgenden Prozesse, so akzeptiert er letztlich als Ziel der Entwicklung das westliche Modell, das zum Maßstab der Entwicklung überhaupt erkannt wird.
Prof. Dr. habil. Helmut Mardek
Für Leute, die ger KL ZZ HL
Bildnachricht
Foto: Rüffert
Die Auftaktvorlesung im Rahmen des Mendelssohn Colloquiums„Eigenbild und Fremdbild deutscher Juden“ hielt am 3. November Prof. Dr. Gert Mattenklott.
Der Germanist lehrt und forscht seit 1972 an der Universität Marburg. Mattenklott weilte als Gastprofessor u. a. in Pisa, Venedig und Jerusalem und hat zahlreiche Aufsätze und Bücher publiziert, die das geistige Leben in Deutschland mitbestimmen. An der Universität Potsdam sprach der Germanist— leider vor wenigen Zuhörern— über den Lyriker, Erzähler, Dramatiker und Philologen Ludwig Strauss in den zwanziger Jahren, vor allem über dessen 1919 bis 1922 entstandenen Gedichte. Strauss war einer der wenigen Dichter dieses Jahrhunderts, die in deutscher und hebräischer Sprache schrieben und ihre Doppelidentität nicht als Last empfanden.
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