Heft 
(1.1.2019) 02
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Nr. 2/94 - Seite 6

GLEICHSTELLUNG

Prozeß des Nachdenkens setzte ein

Ergebnisse dreijähriger Arbeit der Frauenvertretung vorgestellt

Am 20. März 1991 wurden Dr. Antje Zapf und Monika Stein von den Mitgliedern des Gleichstellungsrates zu deren Beauftragten gewählt.

Nahezu drei Jahre sind also zu bilanzieren. Dieser Anlaß sollte auch dazu genutzt werden, um mit den Professorinnen unserer Einrichtung in einer Gesprächs­runde ihre frauenpolitischen In­teressen sowie die geschlechts­spezifischen Schwerpunkte ih­rer Fachgebiete kennenzuler­nen. Da lediglich drei Professo­rinnen der Einladung folgten, konnte diese Diskussion nur be­dingt geführt werden. Welche Vorhaben der Frauenvertrete- rinnen wurden verwirklicht? Monika Stein ist davon über­zeugt, daß bei einigen Universi­tätsangehörigen, in diesem Fal­le bei Frauen, die Erkenntnis gereift ist, daß der Aufbau frau­enspezifischer Strukturen, die Auseinandersetzung mit frauen­bezogenen Fragen im Ansatz entwickelt wurden. Ein Prozeß des Nachdenkens setzte zumin­dest ein. Angemerkt werden muß dabei, daß längst nicht alle Vorstellungen realisiert werden konnten.

Dennoch sind konkrete Ergeb­nisse vorzuweisen: So eröffnete am 16. Oktober 1991 Regine Hildebrandt mit ihrem Vortrag Zur Lage der Frauen im Land Brandenburg die Reihe der Frauen-Sonntags-Vorlesungen. Sieben weitere Veranstaltungen mit kompetenten Gesprächs­partnerinnen wie z. B. Christa Wolf oder Prof. Dr. Christa Luft folgten. Dieses Projekt von Frauen für Frauen mit frauen­spezifischen Themenstellungen wurde allerdings nicht durchge­halten. Trotzdem sieht Frau Stein darin eine gute Möglich­keit zur Unterstützung einer ef­fektiven Öffentlichkeitsarbeit der Universität. Mit Beginn des neuen Semesters wird es weite­

re Sonntagsvorlesungen geben. Angebote dafür liegen vor. Auch die Publikationen der er­sten Frauen-Info sowie die Ver­öffentlichung der Sonntagsvor­lesungen sind Anfänge, die fort­gesetzt werden sollen und müs­sen.

Große Zufriedenheit herrscht bei den Mitgliedern des Gleich­stellungsrates darüber, daß die aus derBasis kommende Idee der Einrichtung einer Frauen­forschungsprofessur trotz vieler Interventionen von unterschied­lichen Seiten realisiert werden kann.Uns ist wichtig, daß von der Berufungskommission auf Platz eins eine international an­erkannte Professorin aus den neuen Bundesländern gesetzt

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wurde. Darin erkennen wir eine wichtige frauenpolitische Ent­scheidung, berufungsfähige Frauen aus dem Osten Deutsch­lands wieder in wissenschaftli­che Strukturen hineinzubringen und sie nicht zu verdrängen. Wir hoffen, daß eine positive Entscheidung aus dem Ministe­rium in Kürze vorliegen wird. Ebenso muß die erste Tagung zur Frauenforschung im De­zember 1992 mit dem TitelDie Spezifik von Frauenforschung in der Wissenschaftslandschaft - Chancen ihrer Etablierung an der Universität Potsdam er­wähnt werden. Sie fand zu ei­nem Zeitpunkt statt, als die Dis­kussion um Gegenstände und Themen von Frauenforschung

bei uns auf der Tagesordnung stand und notwendig war. Es wurde deutlich, daß Frauenfor­schung keine Nischenfor­schung, sondern ein in allen Fachrichtungen zu akzeptieren­der Schwerpunkt ist. Es werden sich weitere derartige Veran­staltungen anschließen.

Erreicht wurde auch,über den eigenen Tellerrand zu schauen, die Interessen zu bündeln und damit die Durchsetzungsfähig­keit zu vergrößern. Monika Stein arbeitet beispielsweise als Universitätsvertreterin in der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftrag­ten an Hochschulen mit.

Sie vertritt nachhaltig den Standpunkt, daß durch die um­fangreiche und zeitaufwendige, aber unabdingbare, Arbeit in den verschiedenen Gremien, wie Struktur- und Berufungs­kommissionen, die inhaltliche Tätigkeit zu kurz gekommen ist. Wir hätten noch schärfer frau­enpolitische Forderungen stel­len müssen!

Um die begonnene Arbeit für alle nutzbringend fortsetzen zu können, ist es wünschenswert, daß in der letzten Semesterwo­che die Wahl für den Gleichstel­lungsrat und die Gleichstel­lungsbeauftragten in allen Struktureinheiten und bei den Studenten stattfinden können. Dabei gibt es allerdings ein Pro­blem zu bewältigen. Die Gleichstellungsbeauftragte sieht sich mit der Tatsache kon­frontiert, daß bisher keine Fest­legungen dazu getroffen wur­den, welchen Status diese Be­auftragte in Zukunft erhalten soll. So fragt sie:Ist es gewollt, daß zukünftig frauenpolitische Arbeit geleistet wird, oder glaubt man, daß es ein Verwal­tungsamt sein kann?

Dr. Barbara Eckardt

Sabine Mahnert vertritt stu­dentische Interessen im Senat und im Gleichstellungsrat.

Foto: Tribukeit

Eher zufällig wandte sich die Studentin der Politikwissen­schaft, Sabine Mahnert, Ende 1992 an den Gleichstellungsrat unserer Universität. Als Mit­glieder einer Frauengruppe suchten sie und eine Kommili­tonin den Kontakt, um sich über die frauenpolitische Arbeit an der Einrichtung zu informieren. Seither ist sie mit Interesse und Engagement dabei und empfin­det sich als studentische Vertre­terin in diesem Gremium. Ob­wohl sie oft auf mangelnde Re­sonanz stößt, versucht sie Initia­tiven zu wecken und Aktivitä­ten auszulösen. Die Studentin, inzwischen im 7. Semester stu­dierend, ist davon überzeugt, daßdie Frauen des Gleichstel­lungsrates nicht so leicht unter­gebuttert werden können.

Sie war Mitglied der Beru­fungskommission Frauenfor­schung und bezeichnet die Ein­richtung der Professur als gro­ßen Erfolg. Nach Abschluß ih­res Studiums könnte sie sich vorstellen, in diesem Bereich tä­tig zu werden oder in einer in­ternationalen Organisation zu arbeiten.

Vorher will sie aber z. B. einen Beitrag zum bundesweiten Frauenstreiktag am 8. März 1994 leisten und weiterhin frau­enspezifische Themen in Lehr­veranstaltungeneinklagen.