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GLEICHSTELLUNG
Prozeß des Nachdenkens setzte ein
Ergebnisse dreijähriger Arbeit der Frauenvertretung vorgestellt
Am 20. März 1991 wurden Dr. Antje Zapf und Monika Stein von den Mitgliedern des Gleichstellungsrates zu deren Beauftragten gewählt.
Nahezu drei Jahre sind also zu bilanzieren. Dieser Anlaß sollte auch dazu genutzt werden, um mit den Professorinnen unserer Einrichtung in einer Gesprächsrunde ihre frauenpolitischen Interessen sowie die geschlechtsspezifischen Schwerpunkte ihrer Fachgebiete kennenzulernen. Da lediglich drei Professorinnen der Einladung folgten, konnte diese Diskussion nur bedingt geführt werden. Welche Vorhaben der Frauenvertrete- rinnen wurden verwirklicht? Monika Stein ist davon überzeugt, daß bei einigen Universitätsangehörigen, in diesem Falle bei Frauen, die Erkenntnis gereift ist, daß der Aufbau frauenspezifischer Strukturen, die Auseinandersetzung mit frauenbezogenen Fragen im Ansatz entwickelt wurden. Ein Prozeß des Nachdenkens setzte zumindest ein. Angemerkt werden muß dabei, daß längst nicht alle Vorstellungen realisiert werden konnten.
Dennoch sind konkrete Ergebnisse vorzuweisen: So eröffnete am 16. Oktober 1991 Regine Hildebrandt mit ihrem Vortrag „Zur Lage der Frauen im Land Brandenburg“ die Reihe der Frauen-Sonntags-Vorlesungen. Sieben weitere Veranstaltungen mit kompetenten Gesprächspartnerinnen wie z. B. Christa Wolf oder Prof. Dr. Christa Luft folgten. Dieses Projekt von Frauen für Frauen mit frauenspezifischen Themenstellungen wurde allerdings nicht durchgehalten. Trotzdem sieht Frau Stein darin eine gute Möglichkeit zur Unterstützung einer effektiven Öffentlichkeitsarbeit der Universität. Mit Beginn des neuen Semesters wird es weite
re Sonntagsvorlesungen geben. Angebote dafür liegen vor. Auch die Publikationen der ersten Frauen-Info sowie die Veröffentlichung der Sonntagsvorlesungen sind Anfänge, die fortgesetzt werden sollen und müssen.
Große Zufriedenheit herrscht bei den Mitgliedern des Gleichstellungsrates darüber, daß die aus der „Basis“ kommende Idee der Einrichtung einer Frauenforschungsprofessur trotz vieler Interventionen von unterschiedlichen Seiten realisiert werden kann. „Uns ist wichtig, daß von der Berufungskommission auf Platz eins eine international anerkannte Professorin aus den neuen Bundesländern gesetzt
„sWVr/y,.
wurde. Darin erkennen wir eine wichtige frauenpolitische Entscheidung, berufungsfähige Frauen aus dem Osten Deutschlands wieder in wissenschaftliche Strukturen hineinzubringen und sie nicht zu verdrängen. Wir hoffen, daß eine positive Entscheidung aus dem Ministerium in Kürze vorliegen wird.“ Ebenso muß die erste Tagung zur Frauenforschung im Dezember 1992 mit dem Titel „Die Spezifik von Frauenforschung in der Wissenschaftslandschaft - Chancen ihrer Etablierung an der Universität Potsdam“ erwähnt werden. Sie fand zu einem Zeitpunkt statt, als die Diskussion um Gegenstände und Themen von Frauenforschung
bei uns auf der Tagesordnung stand und notwendig war. Es wurde deutlich, daß Frauenforschung keine Nischenforschung, sondern ein in allen Fachrichtungen zu akzeptierender Schwerpunkt ist. Es werden sich weitere derartige Veranstaltungen anschließen.
Erreicht wurde auch, „über den eigenen Tellerrand zu schauen“, die Interessen zu bündeln und damit die Durchsetzungsfähigkeit zu vergrößern. Monika Stein arbeitet beispielsweise als Universitätsvertreterin in der Bundeskonferenz der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten an Hochschulen mit.
Sie vertritt nachhaltig den Standpunkt, daß durch die umfangreiche und zeitaufwendige, aber unabdingbare, Arbeit in den verschiedenen Gremien, wie Struktur- und Berufungskommissionen, die inhaltliche Tätigkeit zu kurz gekommen ist. „Wir hätten noch schärfer frauenpolitische Forderungen stellen müssen!“
Um die begonnene Arbeit für alle nutzbringend fortsetzen zu können, ist es wünschenswert, daß in der letzten Semesterwoche die Wahl für den Gleichstellungsrat und die Gleichstellungsbeauftragten in allen Struktureinheiten und bei den Studenten stattfinden können. Dabei gibt es allerdings ein Problem zu bewältigen. Die Gleichstellungsbeauftragte sieht sich mit der Tatsache konfrontiert, daß bisher keine Festlegungen dazu getroffen wurden, welchen Status diese Beauftragte in Zukunft erhalten soll. So fragt sie: „Ist es gewollt, daß zukünftig frauenpolitische Arbeit geleistet wird, oder glaubt man, daß es ein Verwaltungsamt sein kann?“
Dr. Barbara Eckardt
Sabine Mahnert vertritt studentische Interessen im Senat und im Gleichstellungsrat.
Foto: Tribukeit
Eher zufällig wandte sich die Studentin der Politikwissenschaft, Sabine Mahnert, Ende 1992 an den Gleichstellungsrat unserer Universität. Als Mitglieder einer Frauengruppe suchten sie und eine Kommilitonin den Kontakt, um sich über die frauenpolitische Arbeit an der Einrichtung zu informieren. Seither ist sie mit Interesse und Engagement dabei und empfindet sich als studentische Vertreterin in diesem Gremium. Obwohl sie oft auf mangelnde Resonanz stößt, versucht sie Initiativen zu wecken und Aktivitäten auszulösen. Die Studentin, inzwischen im 7. Semester studierend, ist davon überzeugt, daß „die Frauen des Gleichstellungsrates nicht so leicht untergebuttert werden können“.
Sie war Mitglied der Berufungskommission Frauenforschung und bezeichnet die Einrichtung der Professur als großen Erfolg. Nach Abschluß ihres Studiums könnte sie sich vorstellen, in diesem Bereich tätig zu werden oder in einer internationalen Organisation zu arbeiten.
Vorher will sie aber z. B. einen Beitrag zum bundesweiten Frauenstreiktag am 8. März 1994 leisten und weiterhin frauenspezifische Themen in Lehrveranstaltungen „einklagen“.