Heft 
(1.1.2019) 02
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KOOPERATION

Nr. 2/94 - Seite 7

Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und außerhochschulischen Forschungseinrichtungen beraten

6. Brandenburger Symposium zur Hochschul- und Forschungsplanung

Den Auf- und Ausbau des Hochschulwesens und der For­schungseinrichtungen des Lan­des Brandenburg erklärte die Landesregierung zu einem ihrer Schwerpunktziele der Politik. Grundlage für die Neuordnung des Hochschulwesens bildet das Brandenburgische Hochschul­gesetz. Der Auf- und Ausbau erfolgt nach den Empfehlungen des Wissenschaftsrates und der Brandenburgischen Landes­kommission für Hochschulen und Forschungseinrichtungen. Folgende Ziele der Forschungs­politik sollen verwirklicht wer­den:

- Erhalt und Ausbau einer lei­stungsfähigen Forschungsinfra­struktur als Grundlage künftiger Wissenschafts- und Wirt­schaftsentwicklung; Fortfüh­rung und Weiterentwicklung ef­fizienter und national bedeutsa­mer Forschungsbereiche;

- Neustrukturierung der be­stehenden Forschungsland­schaft mit dem Ziel ihrer Ein­passung in bewährte Organisa­tionsformen;

- Förderung von Forschung, Entwicklung und Innovation in der Wirtschaft zum Zwecke der Verbesserung ihrer nationalen und internationalen Wettbe­werbsfähigkeit;

- Ausbau der Hochschulen (Universitäten und Fachhoch­schulen) zu leistungsfähigen Lehr- und Forschungsstätten. Seit geraumer Zeit veranstaltet das Ministerium für Wissen­schaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg Brandenburger Symposien zur Hochschul- und Forschungspla­nung.

Das 6. Symposium am 12. Janu­ar 1994 im Deutschen Institut für Emährungsforschung Pots­dam-Rehbrücke widmete sich dem ThemaZusammenarbeit zwischen Hochschulen und au­ßerhochschulischen For­

schungseinrichtungen. Be­wußt wurde der Begriffaußer­

hochschulisch gewählt, um die Fachhochschulen einzubezie­hen.

Eingeladen waren u. a. Mitar­beiter von Großforschungsein­richtungen, der Blaue Liste In­stitute, der Institute der Max- Planck-Gesellschaft, der Ein­richtungen der Fraunhofer-Ge­sellschaft, der Fahhochschulen und Hochschulen.

Drei Problemkreise standen im Mittelpunkt der Diskussion:

1. ) Umstrukturierung der ehe­maligen DDR-Forschungsland- schaft mit der Reintegration ausgelagerter Forschungskapa­zitäten zurück in die Hochschu­len;

2. ) Darstellung der bestehenden brandenburgischen Zusammen­arbeitsformen von Hochschulen und Forschungseinrichtungen;

3. ) Diskussion der gewählten oder anderer denkbarer Model­le, um Hilfen beim weiteren Auf- und Ausbau der Hoch­schul- und Forschungsland­schaft Brandenburgs zu erhal­ten.

Einig waren sich alle Referen­ten und Teilnehmer der Podi­umsdiskussion, unter ihnen der Gründungsrektor der Universi­tät Potsdam, Prof. Dr. Rolf Mitzner, daß eine intensive Zu­sammenarbeit von Hochschu­len und außerhochschulischen Einrichtungen eine Grundlage für die Leistungsfähigkeit des Wissenschaftssystems darstellt. Minister Hinrich Enderlein be­tonte in seiner kurzen Anspra­che die erfreuliche Bilanz, ver­merkte aber gleichzeitig kri­tisch,daß das Verhältnis von überwiegend bundesfinanzier- ter zu hälftig von Bund und Länder finanzierter Forschung in allen neuen Ländern ungün­stiger als in den alten Ländern ist. Diese Fehlentwicklung muß korrigiert werden. Gemeinsame Berufungen lei­tender Wissenschaftler werden als unabdingbar für eine arbeits­fähige Kooperation angesehen,

die aber durch gemeinsame Pro­jekte, den Austausch des wis­senschaftlichen Personals, die Beteiligung des Personals der Forschungseinrichtungen an der Lehre, gemeinsame Betreu­ung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die gegensei­tige Nutzung der Ressourcen er­weitert werden muß. Deutlich wurde, daß eine tragfähige Ko­operation von der unterschied­lichen Interessenlage gleichge­wichtiger Partner, die einen Dialog führen können, ausge­hen muß. Auf der abendlichen Podiumsdiskussion begründete Prof. Dr. Gerhard Neuweiler weshalb der Wissenschaftsrat, dessen Vorsitzender er zu die­sem Zeitpunkt war, der Koope­ration große Bedeutung bei­mißt. Die Forschungsaufgaben außerhochschulischer Einrich­tungen seien vernünftigerweise nicht an Universitäten durch­führbar. Die Forschung in expe­rimentellen Bereichen werde immer aufwendiger, somit für Hochschulen allein nicht mehr finanzier- und unterhaltbar. Daraus ergebe sich folgerichtig, diese Forschung außerhalb von Universitäten anzusiedeln. Tat­sache sei ebenfalls die zuneh­mende Verwissenschaftlichung der Gesellschaft, demzufolge

die aufgabenorientierte For­schung wachse. Diese Dauer­aufgabe sind von den Universi­täten nicht allein zu lösen. Sie können sich auf diese Weise in­teressante Forschungsressour­cen, zusätzliche Lehrkapazitä­ten und -kompetenzen sowie in­terdisziplinäre Forschung er­schließen. Die außerhochschu­lischen Einrichtungen profitier­ten ihrerseits durch den Zugang zu forschendem Nachwuchs. Prof. Mitzner berichtete von zahlreichen Kooperationspart­nern seiner Universität. Als Bei­spiele seien die gemeinsamen Berufungen mit dem Institut für Klimafolgenforschung, dem GeoFroschungsZentrum und dem Deutschen Institut für Er­nährungsforschung genannt. Mit letzterem wurde ein Di­plomstudiengangErnährungs­wissenschaft aufgebaut. Ko­operiert wird weiterhin mit der Fraunhofer-Einrichtung für An­gewandte Polymerforschung Teltow oder dem Max-Planck- Institut für Kolloid- und Grenz­flächenforschung Teltow. Er­wähnt werden müssen auch un­bedingt die vier an der Universi­tät angesiedelten Max-Planck- Arbeitsgruppen.

Dr. Barbara Eckardt

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Zu den Teilnehmern der Podiumsdiskussion gehörten: Prof. Dr. Gerhard Neuweiler, Prof. Dr. Rolf Mitzner, Diephold Salvi- ni-Plawen, Generalsekretär der Berlin-Brandenburger Akade­mie der Wissenschaften und Prof. Dr. Christian Barth, Wis­senschaftlicher Direktor des Deutschen Instituts für Ernäh­rungsforschung Potsdam-Rehbrücke (v.l.n.r.). Foto: Eckardt