Heft 
(1.1.2019) 02
Einzelbild herunterladen

Nr. 2/94 - Seite 8

JURISTISCHE FAKULTÄT

Eröffnung in Babelsberg

Juristische Fakultät auf eigene Füße gestellt

Auf dem Festakt anwesend waren auch Landtagspräsident Dr. Knoblich (3. v. I.), Minister Enderlein (4. v. I.) sowie Prof. Mitzner(r.).

Am 20. Januar war es soweit. Von Vielen herbeigesehnt,

durch jahrelange Aufbauarbeit ermöglicht, konnte die Eröff­nung der Juristischen Fakultät endlich offiziell vorgenommen werden. Diesem Festakt wohn­ten zahlreiche Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirt­schaft bei. Der Einladung ge­folgt waren beispielsweise

Landtagspräsident Dr. Knob­lich sowie der Minister für Wis­senschaft, Forschung und Kul­tur des Landes Brandenburg, H. Enderlein. Den Festvortrag des Abends hielt Herr Prof. Merten (Hochschule für Verwaltungs­wissenschaften Speyer). Er re­ferierteZur Staatsphilosophie im aufgeklärten Potsdam. Die­sem Vortrag voraus gingen Grußworte des Gründungsrek­tors der Universität Potsdam, Prof. Mitzner, des Kultusmini­sters Enderlein sowie des Mini­sters der Justiz des Landes Brandenburg, überbracht von Staatssekretär Dr. Faupel.

Als ein Höhepunkt der Feier­lichkeit gestaltete sich die Ver­leihung des Grades und der Würde eines Doktors der Rech­te honoris causa an Herrn Prof. Grawert. Zuteil wurde ihm die Ehre insbesondere auf Grund seines Engagements in der Funktion des Gründungsdekans der Fakultät.

Sowohl er als auch Prof. Lo- schelder nutzten die Gelegen­heit, sich punktuell zum Ent­wicklungsstand und zu den Per­spektiven der Juristischen Fa­kultät zu äußern.

Eine Fakultät kann nurleben, wenn es kluge, engagierte und interessierte Studenten gibt. So war der Redebeitrag eines Stu­dierenden - Jens Scherer - nur allzu selbstverständlich. Dessen Bemerkung, er werdemomen­tan und in Zukunft nicht bereit sein, das Feld jenen kampflos

zu überlassen, die in ihrer Ar­beit, ob in studentischen oder universitären Gremien, nur ein Sprungbrett für parteipolitische und andere Karrieren sehen, machte betroffen. Zeigt sie doch, daß aus studentischer Sicht die Interessenlagen von Studenten nicht in jedem Fall sachorientiert vertreten wer­den.

Ansonsten herrschte Einigkeit in den Redebeiträgen. Dank galt allen an der Aufbauarbeit Betei­ligten, vor allem den Mitglie­dern der Gründungs- und Beru­fungskommission. Man könne mit dem Geleisteten mehr als zufrieden sein, so Minister

Prof. Grawert erhielt die Eh­rendoktorwürde.

Foto: Tribukeit

Enderlein. Schließlich habe man es geschafft, den Lehrbe­trieb zu organisieren, die For­schung auszurichten, Evaluie­rungen vorzunehmen und Beru­fungen vorzuschlagen. Beste Wünsche für Erfolg in Lehre und Forschung, für die Förde­rung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Gestal­tung der wissenschaftlichen Weiterbildung galten den anwe­senden Mitarbeitern. Das Fun­

dament sei nunmehr gelegt. Als erste funktionierende Fakultät an einer der drei neu gegründe­ten Universitäten des Landes komme ihr besondere Bedeu­tung zu. Es gehe um Ausgangs­punkte und Quellen für die Ent­wicklung eines freiheitlichen und demokratischen Rechts­empfindens, um das Schaffen von Rechtskenntnissen und -Überzeugungen.

AlsGlücksfall bezeichnete es Prof. Loschelder, gemeinsam mit der Wirtschafts- und Sozial- wissenschaflichen Fakultät un­ter einem Dach zu sein. So kön­ne man mit Intensität Zusam­menwirken. Eine starke Klam­mer hierfür werde das Kommu­nalwissenschaftliche Institut bieten - eine zentrale wissen­schaftliche Einrichtung der Universität. Sie könne eine Plattform für Kooperation und Dialog darstellen, ebenso das Institut für Menschenrechte. Dieses solle nicht zuletzt auch der Pflege internationaler wis­senschaftlicher Beziehungen dienen. Ein Schwerpunkt hier­bei seien Untersuchungen den mittel- und osteuropäischen Raum betreffend.

Foto: Tribukeit

Wiederholt wurde in den Gruß­worten betont, daß die noch vorhandene zahlenmäßige Überschaubarkeit der Studie­renden beibehalten werden möge. Dies diene vornehmlich einer guten Qualität der Betreu­ung. Nach geglückter Aufbau­phase komme es nun darauf an, die Fakultät mit Leben zu erfül­len. Neue Gewichtsverteilun­gen und Balancen zwischen den einzelnen staatlichen und uni­versitären Ebenen seien zu ent­wickeln. Im Ergebnis zeuge die Zusammensetzung der Potsda­mer Juristischen Fakultät, so Prof. Grawert in seinem Bei­trag,von dem erfolgreichen Bemühen, östliche und westli­che Wissenschaftler zusam­menzubringen, auf einem der rechtswissenschaftlichen For­schung und der Juristenausbil­dung angemessenen Niveau. Nun komme die Zeit des Aus­baus, der Integration, der Re­form.Jetzt gilt es, sich im wis­senschaftlichen Wettbewerb zu behaupten. Dem ist nichts hin­zuzufügen.

Petra Görlich