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JURISTISCHE FAKULTÄT
Eröffnung in Babelsberg
Juristische Fakultät auf eigene Füße gestellt
Auf dem Festakt anwesend waren auch Landtagspräsident Dr. Knoblich (3. v. I.), Minister Enderlein (4. v. I.) sowie Prof. Mitzner(r.).
Am 20. Januar war es soweit. Von Vielen herbeigesehnt,
durch jahrelange Aufbauarbeit ermöglicht, konnte die Eröffnung der Juristischen Fakultät endlich offiziell vorgenommen werden. Diesem Festakt wohnten zahlreiche Vertreter aus Wissenschaft, Politik und Wirtschaft bei. Der Einladung gefolgt waren beispielsweise
Landtagspräsident Dr. Knoblich sowie der Minister für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, H. Enderlein. Den Festvortrag des Abends hielt Herr Prof. Merten (Hochschule für Verwaltungswissenschaften Speyer). Er referierte „Zur Staatsphilosophie im aufgeklärten Potsdam“. Diesem Vortrag voraus gingen Grußworte des Gründungsrektors der Universität Potsdam, Prof. Mitzner, des Kultusministers Enderlein sowie des Ministers der Justiz des Landes Brandenburg, überbracht von Staatssekretär Dr. Faupel.
Als ein Höhepunkt der Feierlichkeit gestaltete sich die Verleihung des Grades und der Würde eines Doktors der Rechte honoris causa an Herrn Prof. Grawert. Zuteil wurde ihm die Ehre insbesondere auf Grund seines Engagements in der Funktion des Gründungsdekans der Fakultät.
Sowohl er als auch Prof. Lo- schelder nutzten die Gelegenheit, sich punktuell zum Entwicklungsstand und zu den Perspektiven der Juristischen Fakultät zu äußern.
Eine Fakultät kann nur „leben“, wenn es kluge, engagierte und interessierte Studenten gibt. So war der Redebeitrag eines Studierenden - Jens Scherer - nur allzu selbstverständlich. Dessen Bemerkung, er werde „momentan und in Zukunft nicht bereit sein, das Feld jenen kampflos
zu überlassen, die in ihrer Arbeit, ob in studentischen oder universitären Gremien, nur ein Sprungbrett für parteipolitische und andere Karrieren sehen“, machte betroffen. Zeigt sie doch, daß aus studentischer Sicht die Interessenlagen von Studenten nicht in jedem Fall sachorientiert vertreten werden.
Ansonsten herrschte Einigkeit in den Redebeiträgen. Dank galt allen an der Aufbauarbeit Beteiligten, vor allem den Mitgliedern der Gründungs- und Berufungskommission. Man könne mit dem Geleisteten mehr als zufrieden sein, so Minister
Prof. Grawert erhielt die Ehrendoktorwürde.
Foto: Tribukeit
Enderlein. Schließlich habe man es geschafft, den Lehrbetrieb zu organisieren, die Forschung auszurichten, Evaluierungen vorzunehmen und Berufungen vorzuschlagen. Beste Wünsche für Erfolg in Lehre und Forschung, für die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und die Gestaltung der wissenschaftlichen Weiterbildung galten den anwesenden Mitarbeitern. Das Fun
dament sei nunmehr gelegt. Als erste funktionierende Fakultät an einer der drei neu gegründeten Universitäten des Landes komme ihr besondere Bedeutung zu. Es gehe um Ausgangspunkte und Quellen für die Entwicklung eines freiheitlichen und demokratischen Rechtsempfindens, um das Schaffen von Rechtskenntnissen und -Überzeugungen.
Als „Glücksfall“ bezeichnete es Prof. Loschelder, gemeinsam mit der Wirtschafts- und Sozial- wissenschaflichen Fakultät unter einem Dach zu sein. So könne man mit Intensität Zusammenwirken. Eine starke Klammer hierfür werde das Kommunalwissenschaftliche Institut bieten - eine zentrale wissenschaftliche Einrichtung der Universität. Sie könne eine Plattform für Kooperation und Dialog darstellen, ebenso das Institut für Menschenrechte. Dieses solle nicht zuletzt auch der Pflege internationaler wissenschaftlicher Beziehungen dienen. Ein Schwerpunkt hierbei seien Untersuchungen den mittel- und osteuropäischen Raum betreffend.
Foto: Tribukeit
Wiederholt wurde in den Grußworten betont, daß die noch vorhandene zahlenmäßige Überschaubarkeit der Studierenden beibehalten werden möge. Dies diene vornehmlich einer guten Qualität der Betreuung. Nach geglückter Aufbauphase komme es nun darauf an, die Fakultät mit Leben zu erfüllen. Neue Gewichtsverteilungen und Balancen zwischen den einzelnen staatlichen und universitären Ebenen seien zu entwickeln. Im Ergebnis zeuge die Zusammensetzung der Potsdamer Juristischen Fakultät, so Prof. Grawert in seinem Beitrag, „von dem erfolgreichen Bemühen, östliche und westliche Wissenschaftler zusammenzubringen, auf einem der rechtswissenschaftlichen Forschung und der Juristenausbildung angemessenen Niveau“. Nun komme die Zeit des Ausbaus, der Integration, der Reform. „Jetzt gilt es, sich im wissenschaftlichen Wettbewerb zu behaupten.“ Dem ist nichts hinzuzufügen.
Petra Görlich