Heft 
(1.1.2019) 04
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Nr. 4/94 - Seite 8

PRIMARSTUFEN AUSBILDUNG

Auf neuen Wegen in der Primarsfufenausbildung

Am 31.01. und 01.02.94 unter­nahm eine Studentengruppe des Lehramtes für Primarstufe unter Leitung von Frau Prof. Dr. Ur­sula Drews eine Exkursion nach Bielefeld.

Ziel war der Erfahrungsaus­tausch zwischen den am Inte­grierten Eingangssemester Pri­marstufe beteiligten Studentin­nen und Studenten beider Uni­versitäten, verbunden mit einem Besuch an der dortigen Labor­schule.

Dies stellte einen relativen Ab­schluß der Studien innerhalb des SeminarsPerspektiven­wechsel - neue Sicht auf Schu­le, Lehrer und Unterricht dar, das innerhalb des Integrierten Eingangssemesters (IEP) statt­fand. Gleichzeitig sollte es der Ausgangspunkt für die darauf aufbauende Seminarreihe Theorie der Schule und des Unterrichts sein.

Durch eine Einführung in das IEP-Modell im Zentrum für Lehrerbildung an der Universi­tät Bielefeld und die Teilnahme an Veranstaltungen zur Einfüh-

Potsdamer Studi

rung in das erziehungswissen­schaftliche Studium, gestaltet durch Frau Prof. Dr. Hänsel bzw. Plerm Dr. Johannes Wildt, kam es zu sehr informativen Gesprächen und Diskussionen zwischen Potsdamer und Biele­felder Studenten.

Erfahrungen, Vorteile, Proble­me und Grenzen dieser Ein­gangsphase, die in Bielefeld schon das fünfte Mal umgesetzt und im Wintersemester 1993/ 1994 mit 350 Studenten durch­geführt wurde, standen dabei im Mittelpunkt.

Das IEP mit seinem Anliegen, Vorstellungen und Erfahrungen der Studentinnen von Schule und Lehrer aufzugreifen, unter dem Eindruck der Erlebnisse in der Praxis zu diskutieren und das Nachdenken unter neuen Aspekten anzuregen, wurde von allen Beteiligten als wichti­ger Studienbestandteil hervor­gehoben.

Gemeinsam mit Bielefelder Studenten besuchten die Stu­dentinnen und Studenten den Unterricht der Integrations-

inten in Bielefeld

grundschuleAm Homersen in Bielefeld. Hier erlebten sie sehr engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die sich der Aufga­be stellen, den Gedanken von Maria MontessoriHilf mir, es selbst zu tun in ihrer Schule umzusetzen.

Frau Freudenau als Betreuungs­lehrerin gestaltete anschließend mit allen Studierenden das Be­gleitseminar, in dem vor allem Fragen zum Schulprofil und zur Integration sowie Probleme, die sich aus den Beobachtungen in den Hospitationen ergaben, im Mittelpunkt standen.

Neugierig geworden durch Tex­te und Videos über die Idee ei­ner offenen und kindorientier­ten Schule, betraten die Studen­tinnen die Laborschule in Biele­feld mit vielen Fragen und et­was Skepsis. Durch Uli Bosse- Wittek (Betreuungslehrer an der Laborschule) wurde sehr anschaulich und eindrucksvoll dargestellt, wie wichtig es ist, die Bildung aller Kinder und je­des einzelnen Kindes in den Mittelpunkt zu stellen.

Eine Schule, die nicht nur offe­nen und kindorientierten Unter­richt praktiziert, sondern auch rein optisch schon Offenheit durch das Fehlen von abge­schlossenen Klassenzimmern dokumentiert, ist ungewöhnlich und regte die Studentinnen zu vielfältigen Fragen, aber auch zu erneutem Nachdenken über eine zeitgemäße Schule an. Diese Art des Austausches von Erfahrungen war für alle Betei­ligten stimulierend und sollte im Sinne einer guten Sitte fort­gesetzt werden.

Bei den Studentinnen und Stu­denten ergeben sich daraus, nach ihren eigenen Aussagen, sowohl eine verstärkte Studien­motivation als auch eine geziel­te Schwerpunktsetzung für ihr weiteres Studium.

Der Roland-Emst-Gruppe, Mit­glied der Potsdamer Universi­tätsgesellschaft, die diese Fahrt durch ihre Unterstützung er­möglichte, sei an dieser Stelle herzlichst gedankt.

Dr. Barbara Wegner

Handeln lernen im Integrierten Eingangssemester Primarstufe (IEP)

Am 24.01.1994 eröffnete die Dekanin der Philosophischen Fakultät II, Frau Prof. Dr. Kirsch, das Kolloquium zum Integrierten Eingangssemester Primarstufe - ein Kolloquium besonderer Art.

Erstmals beendeten Studenten des Lehramtsstudienganges Pri­marstufe mit dem Abschluß des Wintersemesters 1993/94 eine Studieneingangsphase, die ih­nen die Möglichkeit bot, ihr zu­künftiges Berufsfeld, Grund­schule, an zwei Tagen in der Woche unmittelbar zu erleben. Gegenstand des Kolloquiums war es, das Anliegen, erste Er­gebnisse, Probleme und Aus­blicke auf künftige Entwicklun­gen des IEP darzustellen. Dabei

standen Reflexionen der Stu-

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Frau Prof. Kirsch, Dekanin der Philosophischen Fakultät II, eröffnete das Kolloquium.

Foto: Tribukeit

denten über ihren Erfahrungs­und Erkenntnisgewinn zu the­matischen Schwerpunkten der Hospitationen und der beglei­tenden Seminare im Zentrum der Veranstaltung.

Das Hauptanliegen des IEP be­steht darin, durch die Begeg­nung mit Grundschule heute im Vergleich zu der Wahrnehmung eigener Schulzeit bei den Stu­denten einen Perspektivwechsel von der bisherigen Schülerper­spektive zur künftigen Lehrer­perspektive einzuleiten. Aus der lernenden Erfahrung heraus soll berufliche Kompetenz ange­bahnt werden.

Das Integrierte Eingangsseme­ster ist nicht vergleichbar mit ei­nem Praktikum im traditionel­

len Sinne. Es vollzieht sich als Veranstaltungsverbund von universitären Studien und schu­lischen Hospitationen. Dabei bilden die interdisziplinär ge­staltete Einführungsphase, der Verbund von Hospitationen, Konsultationen und theoreti­schen Begleitseminaren sowie die Auswertungsphase eine in­haltliche und organisatorische Einheit.

Die Idee des IEP wurde an der Universität Bielefeld geboren als Antwort und Reforminitiati­ve auf eine universitäre Primar- lehrerausbildung, die vorrangig einer an den Fachwissenschaf­ten orientierten Ausbildungstra­dition folgt und der Entwick­lung von Professionswissen zu